Ordnung
Die Ordnung ist die Beschaffenheit der Einrichtung, Bestimmung und Tätigkeit aller Teile, Substanzen oder Wesen, welche die Form bilden, somit ein Zustand, dessen Vollkommenheit die Weisheit aus der Liebe hervorbringt, beziehungsweise dessen Unvollkommenheit die Verkehrtheit der Vernunft aus ihrer Begierde ausbrütet.[1] Sie ist die Macht Gottes - aus und in Seiner Ordnung hat Er alle Dinge erschaffen - weswegen die Menschen nichts außerhalb einer gewissen Ordnung tun sollten. (nach Henoch)[2] Die höchste Ordnung, die ewige Ordnung, die Ordnung aller Ordnung, ist geistiger Natur, Gott, weil Er die Substanz und Form Selbst ist. Er hat die Ordnung aus Sich Selbst in das Ganze wie auch in alle Teile der Welt eingeführt, und zwar die vollkommenste Ordnung, weil ja, wie man in der Schöpfungsgeschichte liest, alles gut war, was Er geschaffen hat. 1.Mose 1.31 [3]
Die Ordnung ist die Grundfeste aller Weisheit und aller Liebe.[4] Vieles lässt sich auf dem Weg der Weisheit nicht ordnen und einen. Unter dem Regiment der Liebe aber findet sich alles derart wohlgeordnet, dass in ihr die Zahl Tausend nicht entfernter ist von der Zahl Eins als die Zahl Zwei. Die Weisheit geht aus auf eine gewisse Rangordnung und hat das Zahlensystem erfunden. Die wahre Liebe beachtet die Rangordnung aber nicht - keine alleinige Zahl ist ihr eigen, der Liebe ist alles eins. In der Liebe ist alles auf dem "rechten Platz" und alles in der "rechten Ordnung". Ein von den Winden zusammengetragener Sandhaufen ist auf dem Feld der Liebe nicht minder in der größten Ordnung, als wenn ein allerweisester Baumeister denselben von Körnchen zu Körnchen aufgebaut hätte. Daher soll man sich bei allem an die Liebe halten.[5]
Wesen
Alles, was in der Welt gut und vollkommen zur Erfüllung eines nützlichen Zweckes dient, das ist der (göttlichen) Ordnung gemäß, denn alles Gute ist gut gemäß dem Nutzen, den es schafft.[6] Das vom Herrn ausgehende göttliche Wahre ist es, was die Ordnung bildet, und die göttlichen Wahrheiten sind die Gesetze dieser Ordnung. In Übereinstimmung mit diesen Gesetzen führt der Herr den Menschen.[7] In Übereinstimmung mit der Ordnung leben heißt nach Gottes Geboten leben, und wenn der Mensch so lebt und handelt, erwirbt er Gerechtigkeit.[8]
Die beste Ordnung vor Gott ist die Ordnung des Herzens, die ersichtlich wird, wenn man betrachtet, wie z.B. die Kräuter und Gräser von Gott auf dem Feld geordnet werden (bunt durcheinander), oder wie Kinder ihren guten Vater begrüßen (frei nach ihrem Herzen und ihrer Kraft). Jede andere Ordnung ist eine äußere Rangordnung nur, welche aber vor Gott ein Gräuel ist.[9]
Das Gute der rechten Ordnung ist in allen Dingen, wenn sie auch oft noch so kleinlich scheinen, nicht selten von großem Nutzen. Darum sollte man allzeit und in allem in der besten Ordnung sein. Wenn man sich z.B. erst das Gesicht und danach erst die Hände reinigt, da wird man sein Gesicht nicht so bald rein haben.[10]
Zur Ordnung gehört:
- Dass Gott, der die Ordnung Selbst ist, den Menschen aus der Ordnung, in der Ordnung und für die Ordnung geschaffen hat.
- Er hat das vernünftige Gemüt des Menschen nach der Ordnung der ganzen geistigen Welt geschaffen und seinen Körper nach der Ordnung der ganzen natürlichen Welt. Deshalb nannten die Alten den Menschen einen Himmel oder eine Welt im Kleinen.
- So ist es ein Gesetz der Ordnung, dass der Mensch seinen Mikrokosmos, seine natürliche Welt im Kleinen, aus seinem Mikrohimmel, seiner geistigen Welt im Kleinen, regieren soll - gerade so wie Gott den Makrokosmos, die natürliche Welt, im Ganzen wie im Einzelnen regiert aus seinem Makrohimmel, der geistigen Welt.
- Daraus folgt als weiteres Ordnungsgesetz, dass sich der Mensch durch die Wahrheiten des göttlichen Wortes in den Glauben und durch gute Werke in die Liebe zum Nächsten einführen und sich auf diese Weise umbilden und wiedergebären lassen muss. In der Ordnung ist die Vollendung des Menschen oder die völlige Wiedergeburt des Geistes.
- Ein weiteres Gesetz der Ordnung besteht darin, dass sich der Mensch durch eigene Anstrengung und Kraft von seinen Sünden zu reinigen hat, und nicht im Glauben an sein eigenes Unvermögen darauf warten darf, dass ihn Gott unmittelbar von seinen Sünden losmachen werde.
- Gesetz der Ordnung ist schließlich, dass der Mensch Gott von ganzer Seele und von ganzem Herzen, den Nächsten aber wie sich selbst lieben soll, und dass er nicht zaudern und darauf warten soll, dass ihm diese doppelte Liebe unmittelbar in Herz und Gemüt gelegt werde, wie einem ja auch das Brot nicht vom Bäcker in den Mund geschoben wird. Und so gibt es noch viele andere Ordnungsgesetze.[11]
Die Ordnung, aus der das Gestaltliche aller Dinge und das den Endzweck Bestimmende ist, geht aus Licht und Weisheit hervor.[12]
Alles und jedes im Weltall wurde in seiner besonderen Ordnung erschaffen, um durch sich bestehen zu können. Dies geschah von Anfang an so, dass alles sich mit der Ordnung des Weltganzen verbinden kann, denn das Ziel besteht darin, dass die Einzelordnungen in der Gesamtordnung ihren Bestand haben und so eine Einheit darstellen.[13] Ordnung muss sein, und damit sie nicht verletzt werde, muss darüber gewacht werden.[14] Es gibt kein Reich, keinen Staat, keine Stadt, kein Haus, die nicht durch Gesetze zusammengehalten werden, welche die Ordnung und so die Form ihrer Regierung darstellen.[15]
Rangordnung
siehe Rangordnung
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 52
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.41.2
- ↑ Jakob Lorber, Die natürliche Sonne 68.10; Jakob Lorber, Bischof Martin 154.11; Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420421.1; Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470610.18; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 57; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 523; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 49; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 53; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 71b; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 96
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410620.9
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420222.17-19
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 107
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 523; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 161
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 96
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.51.17-18; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.61.16-21
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.92.2-7
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 71b; Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.430218.52
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.252.8-9; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 201
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 54
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 213
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 55