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Dienst

Aus Prophetia
(Weitergeleitet von Dienen)

(Wahrhaft) Dienen heißt, anderen aus Liebe zum Guten Gutes tun.[1]

Da es entgegen der göttlichen Ordnung ist, dass jeder Mensch irgendein unbeschränktes Recht zu herrschen hätte, hat sich jeder Mensch und Engel zum Dienen zu bequemen und am Ende eben im ewigen, stets mehr und ausgebreiteteren Dienen die Seligkeit zu finden. Durch das Dienen wird die Demut am meisten gefördert. Je untergeordneter oft ein Dienst erscheint, desto tauglicher ist er für die wahre Ausbildung des Lebens. Im Hochmut hat alles Dienen ein Ende genommen und somit auch alle weitere Fort- und Ausbildung des Lebens. Ohne Dienen gibt es gar kein Leben, keine haltbare Dauer desselben, kein Glück, keine Glückseligkeit und keine Liebe, keine Weisheit weder hier noch jenseits. Wer sich einen Himmel voll Dienstlosigkeit, Trägheit und Schwelgerei vorstellt, der irrt sich gewaltig.[2]

Je höher eine Lebensform steht, desto komplizierter wird das Dienen. Ist das Seelenleben einmal in die Menschenform übergegangen, dann ist Dienen seine erste Bestimmung. Verschiedene Naturdienste sind dem Menschen als ein Muss auferlegt, daneben gibt es eine große Menge freierer und eine noch größere Menge freiester moralischer Dienste. Indem der Mensch nach allen Richtungen hin treu diente, hat er sich selbst in die höchste Vollendung des Lebens erhoben.[3]

Gott dienen ist leicht, aber den Menschen dienen ist schwer.[4]

Vollendetes Dienen

Man soll einander nicht anschaffen, sondern sich aus Liebe zuvorkommend gegenseitig dienen, so einer oder der andere irgendeines Dienstes bedarf. Die Vollkommenheit des Dienen besteht darin, dass man dem, der einer Hilfe bedarf, hilft, ohne dass dieser darum bittet oder gar anschafft, als ob er ein Herr wäre. Wer erst dann hilft, und sei es auch noch so willig, wenn der Bedürftige die Gelegenheit, Mut und Kraft besitzt, seinen in was immer für einer Hinsicht vermögensreichen Bruder seine Not darzustellen und ihn um eine entsprechende Hilfe anzuflehen, der ist nicht vollkommen. Und ein befohlener Dienst ist sogar schlechter als gar keiner. Daher soll sich ein in was immer für einer Hinsicht Vermögensreicher fleißig umsehen unter seinen hilfsbedürftigen Brüdern, ob nicht bald der eine oder andere irgendeiner Hilfe bedarf. Hat er einen gefunden, soll er ihm die Hilfe antragen. Dies ist das heilige Ebenmaß Gottes, nach dem er erschaffen ist; wer aber seinem Nächsten erst dann hilft, wenn dieser ihn um eine Hilfe angefleht hat, der ist noch weit vom vollen Ebenmaß entfernt, und noch weiter, der sich eine Hilfeleistung befehlen lässt. (nach Josoe)[5]

Siehe auch

Quellenverweise