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Diogenes

Aus Prophetia

Die Geschichte vom König Alexander und Diogenes

Der allerunansehnlichste Diogenes lebte jahrelang in einem Fass, das er am Sandufer zu einem Wohnhaus aufgestellt hatte. Eines Tages besuchte der große Held und und König Alexander aus Mazedonien diesen Sonderling, der sicher einzig und allein in seiner Art dastand. Alexander stellte sich vors Fass hin; dieser Stoiker gefiel ihm, und er fragte ihn: ,Was willst du, dass ich dir tue?‘ Und Diogenes erwiderte flehentlich: ,Dass du mir von der Seite dich entfernest, von welcher die Strahlen der wohltätigen Sonne mich erwärmen!‘ Dieser stoische Gleichmut gefiel zwar dem großen Helden; aber dennoch sagte er: ,So ich nicht schon Alexander wäre, zöge ich es vor, ein Diogenes zu sein!‘ (nach Raphael)[1]

Der Sinn der Geschichte liegt in dem, was Alexander damit sagte: ,Die ganze Welt huldigt mir; aber welche Kämpfe hat es mich gekostet! Der genießt ein mich nahe überbietendes Weltansehen und macht sich auch unsterblich, – und es kostete ihn aller dieser unsterbliche Ruhm nur ein altes Fass!‘ Zwischen dem Hochmut Alexanders und Diogenes' war kein sonderlicher Unterschied. Im Gegenteil war Diogenes in seiner Art hochmütiger als Alexander. (nach Raphael)[2]

Quellenverweise