Gottlosigkeit
Gottlos ist, wer gleich einem Leben der Lüge ist, in dem keine Wahrheit mehr haftet. (nach Henoch)[1]
Ursachen
Streben nach Äußerlichem
Das Leben wohnt im Inwendigen – und der Tod im Auswendigen. Wer nach außen strebt, sei es nach was immer, der strebt nach dem Tod und ergreift auch bald das Nächstbeste, was ihm unterkommt, der eine dies, der andere jenes, das an und für sich nichts als Tod ist. Ein solcher zerstreut sein Leben, wird schwächer und schwächer und stirbt endlich ganz. Somit ist für ihn auch alles tot und soviel wie gar nicht daseiend. So geschieht dann auch, dass so viele Menschen sogar Gott, als das allerlebendigste Leben alles Lebens, als gar nicht mehr daseiend aus ihren Augen und Herzen verlieren.[2]
Verkehrte Vorstellung von Himmel und Hölle
Die gegenwärtige beinahe gänzliche Gottlosigkeit hat ihren Grund in der verkehrten Vorstellung von Himmel und Hölle, die schon von alters her als Beweggründe vorgestellt wurden, um die Menschen vom Bösen abzuhalten und zum Guten hinzuleiten. Eine solche Vorstellung macht den Menschen so schlecht wie nur möglich, denn er vollbringt dann das Gute nur des Lohnes wegen; er hat keine Nächstenliebe und noch weniger eine Liebe zu Gott. Durch das Heißmachen der Hölle wurde eine Art Gottesfurcht bewirkt, die aber wegen der gar zu leicht erreichbaren Hölle und wegen des zu schwer zu gewinnenden Himmels nie in eine wahre Liebe zu Gott und dem Nächsten überging, sondern bei den einfachen Gemütern in eine zunehmende Furcht ausartete und bei den Klügeren in eine volle Gleichgültigkeit gegen Gott und gegen die Mitmenschen überging.[3]
Falsche Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes
siehe Falsche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes
Folgen
Man kann einen Menschen nicht als Bruder oder Schwester lieben, wenn man nicht zuvor den großen heiligen Vater erkennen und lieben will. Denn ohne Gott ist der Mensch dem anderen nichts als ein naturmäßig moralisch sein sollendes Lasttier, das um den schlechtesten Sold dienen soll dem Reichen und dadurch Mächtigen, und dieser dann als ein Herr und Richter herrsche über ihn, den armen Bruder. Solche Herren und Richter halten nicht die Gebote des Herrn - die Gottes- und Nächstenliebe - so wie dann auch die moralisch sein sollenden Lasttiere nicht, da sie voll Ärger, Neid und Rache sind gegen die, welche ihre Richter und ihre vollkommenen Herren über Leben und Tod sein sollen. Diese sollen nimmer das Angesicht des Vaters schauen im Himmel und der Herr wird nie zu ihnen kommen und Sich ihnen offenbaren.[4]