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Jesus Sirach (Geistiger Sinn)

Aus Prophetia

Hinweis: Bibeltext aus der Lutherbibel von 2017.

Erstes Kapitel

Der göttliche Ursprung der Weisheit

1.1 Alle Weisheit kommt vom Herrn und ist bei ihm in Ewigkeit.
1.2 Wer kann sagen, wie viel Sand das Meer, wie viel Tropfen der Regen und wie viel Tage die Welt hat?
1.3 Wer kann erforschen, wie hoch der Himmel, wie breit die Erde, wie tief das Meer ist? Wer kann die Weisheit ergründen?
1.4 Denn die Weisheit ist vor allem geschaffen; Verstand und Einsicht sind von Ewigkeit her.
1.5 [Das Wort Gottes in der Höhe ist die Quelle der Weisheit, und sie verzweigt sich in die ewigen Gebote.]
1.6 Wem wurde die Wurzel der Weisheit aufgedeckt, und wer kann ihre Pläne erkennen?
1.7 [Wem wurde das Wissen um die Weisheit offenbart, und wer hat die Fülle ihrer Erfahrung erfasst?]
1.8 Einer ist's, der ist weise und sehr zu fürchten; er sitzt auf seinem Thron.
1.9 Der Herr selbst hat die Weisheit geschaffen und gesehen und hat sie gemessen und hat sie ausgeschüttet über alle seine Werke
1.10 und über alles Fleisch nach seinem Gefallen und gibt sie denen, die ihn lieben. [Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit. Und er gewährt sie, denen er sich zeigt, sodass sie ihn schauen.]

Gottesfurcht und menschliche Weisheit

1.11 Die Furcht des Herrn ist Ehre und Ruhm, Freude und ein Siegeskranz.
1.12 Die Furcht des Herrn macht das Herz fröhlich und gibt Freude und Wonne und langes Leben. [Die Furcht des Herrn ist vom Herrn gegeben, und durch Liebe befestigt sie die Pfade.]
1.13 Wer den Herrn fürchtet, dem wird's am Ende wohlergehen, und am Tage seines Todes wird er den Segen empfangen.
1.14 Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang: Zugleich mit den Gläubigen ist sie im Mutterleib erschaffen.
1.15 Bei den Menschen baut sie ein Nest – einen Grundstein auf ewig, und auch die Nachkommen werden auf sie trauen.
1.16 Den Herrn fürchten sättigt mit Weisheit, und sie macht trunken mit ihren Früchten.
1.17 Sie erfüllt das ganze Haus mit begehrten Gaben und die Scheunen mit ihren Schätzen.
1.18 Die Furcht des Herrn ist die Krone der Weisheit, Frieden und Heil lässt sie sprießen. [Beides aber sind Gaben Gottes zum Frieden, und Ruhm breitet sich aus bei denen, die ihn lieben.]
1.19 Wissen, Erkenntnis und Einsicht lässt der Herr regnen; er erhöht den Ruhm derer, die an der Weisheit festhalten.
1.20 Den Herrn fürchten ist die Wurzel der Weisheit, und ihre Zweige grünen ewiglich.
1.21 [Die Furcht des Herrn vertreibt die Sünden; wo sie bleibt, beschwichtigt sie allen Zorn.]
1.22 Unrechter Zorn kann nicht recht behalten; denn Unmaß im Zorn bringt zu Fall.
1.23 Ein Langmütiger hält aus bis zur rechten Zeit, und später wird ihm Freude erwachsen.
1.24 Bis zur rechten Zeit unterdrückt er seine Worte; dann aber werden viele seine Einsicht rühmen.
1.25 Aus dem Schatz der Weisheit kommen treffende Worte, aber dem Sünder ist Frömmigkeit ein Gräuel.
1.26 Willst du weise werden, so halte die Gebote, dann wird der Herr dir die Weisheit geben.
1.27 Denn die Furcht des Herrn ist Weisheit und Zucht; Glaube und Geduld gefallen ihm wohl.
1.28 Sei nicht ungehorsam dem Gebot, den Herrn zu fürchten, und diene Gott nicht mit geteiltem Herzen.
1.29 Suche nicht Ruhm bei den Leuten durch Heuchelei und gib acht, was du redest.
1.30 Überhebe dich nicht, damit du nicht fällst und zuschanden wirst. Der Herr wird deine Tücke offenbaren und dich öffentlich vor den Leuten stürzen, weil du dem Herrn nicht in rechter Furcht gedient hast und dein Herz voller Falsch gewesen ist.

Zweites Kapitel

Anfechtung und Gottvertrauen

2.1 Mein Kind, willst du des Herrn Diener sein, so bereite dich auf Anfechtung vor.
2.2 Festige dein Herz und wanke nicht und lass dich nicht erschüttern in der Zeit der Not.
2.3 Halt dich an Gott und weiche nicht, damit du am Ende gestärkt bist.
2.4 Alles, was dir widerfährt, das nimm auf dich, und sei geduldig bei jeder neuen Demütigung.
2.5 Denn wie das Gold durchs Feuer, so werden auch, die Gott gefallen, durchs Feuer der Trübsal erprobt. [In Krankheit und Not vertraue auf ihn.]
2.6 Vertraue Gott, so wird er sich deiner annehmen; geh gerade Wege und hoffe auf ihn!
2.7 Die ihr den Herrn fürchtet, wartet auf seine Gnade und weicht nicht, damit ihr nicht zugrunde geht.
2.8 Die ihr den Herrn fürchtet, vertraut ihm, so wird es euch an Lohn nicht fehlen.
2.9 Die ihr den Herrn fürchtet, hofft das Beste von ihm, hofft auf ewige Freude und Gnade. [Denn dafür gibt er ewige Gabe mit Freude.]
2.10 Blickt auf die früheren Geschlechter und besinnt euch: Wer ist jemals zuschanden geworden, der auf den Herrn gehofft hat? Wer ist jemals verlassen worden, der in der Furcht des Herrn geblieben ist? Oder wer ist jemals von ihm verschmäht worden, der ihn angerufen hat?
2.11 Denn der Herr ist gnädig und barmherzig und vergibt Sünden und hilft in der Not.
2.12 Weh denen, die an Gott verzagen und nicht an ihm festhalten, und dem Gottlosen, der hin und her schwankt!
2.13 Weh den Verzagten! Denn sie glauben nicht; darum werden sie auch nicht beschirmt.
2.14 Weh euch, die ihr die Geduld verloren habt: Wie wird es euch ergehen, wenn euch der Herr heimsucht?
2.15 Die den Herrn fürchten, glauben seinem Wort; und die ihn lieben, bleiben auf seinen Wegen.
2.16 Die den Herrn fürchten, tun, was ihm gefällt; und die ihn lieben, sättigen sich an seinem Gesetz.
2.17 Die den Herrn fürchten, machen ihr Herz bereit und demütigen sich vor ihm und sagen:
2.18 Wir wollen lieber in die Hände des Herrn fallen als in die Hände der Menschen; denn seine Barmherzigkeit ist ja so groß wie er selbst.

Drittes Kapitel

Ehrt die Eltern

3.1 Ihr Kinder, gehorcht mir, eurem Vater, und lebt so, auf dass es euch wohlergehe.
3.2 Denn der Herr will, dass die Kinder den Vater ehren, und er bekräftigt die Weisung der Mutter an die Söhne.
3.3 Wer seinen Vater ehrt, macht damit Sünden gut,
3.4 und wer seine Mutter ehrt, der sammelt sich einen bleibenden Schatz.
3.5 Wer seinen Vater ehrt, der wird auch Freude an seinen Kindern haben; und wenn er betet, so wird er erhört.
3.6 Wer seinen Vater ehrt, der wird lange leben; und wer dem Herrn gehorsam ist, an dem hat seine Mutter Trost.
3.7 [Wer den Herrn fürchtet, der ehrt auch den Vater;] er dient seinen Eltern, wie man Herrschern dient.
3.8 Ehre deinen Vater mit Wort und Tat, damit sein Segen über dich komme.
3.9 Denn der Segen des Vaters baut den Kindern Häuser, aber der Fluch der Mutter reißt die Grundmauern nieder.
3.10 Suche nicht Ehre auf Kosten deines Vaters, denn das ehrt dich nicht.
3.11 Denn den Vater ehren, bringt den Kindern Ehre, und die Mutter verachten, bringt ihnen Schande.
3.12 Mein Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an und betrübe ihn ja nicht, solange er lebt;
3.13 und habe Nachsicht mit ihm, selbst wenn er kindisch wird, und verachte ihn nicht im Gefühl deiner Kraft.
3.14 Denn was du deinem Vater Gutes getan hast, das wird nicht mehr vergessen werden, sondern es wird deine Sünden aufwiegen.
3.15 Und in der Not wird an dich gedacht werden, und deine Sünden werden vergehen wie das Eis vor der Sonne.
3.16 Wer seinen Vater verlässt, der ist wie einer, der Gott lästert; und wer seine Mutter betrübt, der ist verflucht vom Herrn.

Von der Demut

3.17 Mein Kind, tu deine Arbeit in Demut; so wird ein aufrechter Mensch dich lieben.
3.18 Je höher du stehst, desto mehr demütige dich; so wirst du beim Herrn Gnade finden.
3.19 [Zahlreich sind die Großen und Berühmten, aber den Demütigen enthüllt er seine Geheimnisse.]
3.20 Denn groß ist allein die Majestät des Herrn, und von den Demütigen wird er gepriesen.
3.21 Strebe nicht nach dem, was zu hoch ist für dich, und suche nicht nach dem, was deine Kraft übersteigt,
3.22 sondern was dir Gott befohlen hat, das habe im Sinn; denn es nützt dir gar nichts, wenn du nach Verborgenem schaust.
3.23 Mit dem, was dir nicht aufgetragen ist, gib dich nicht ab; denn dir ist schon mehr gezeigt, als Menschenverstand fassen kann;
3.24 ihre Überheblichkeit hat schon viele irregeleitet, und ihre Vermessenheit hat sie gestürzt.

Starrsinn und Vernunft

3.25 [Ohne Augen siehst du das Licht nicht; ohne Erkenntnis lehre nicht.]
3.26 Ein starrköpfiger Mensch nimmt ein schlimmes Ende, und wer die Gefahr liebt, kommt darin um.
3.27 Ein starrköpfiger Mensch macht es sich selber schwer, und der Sünder häuft Sünde auf Sünde.
3.28 Gegen Hochmut ist kein Kraut gewachsen, die Pflanze des Unheils wurzelt ja in ihm.
3.29 Ein vernünftiger Mensch lernt Weisheitssprüche, und wer nach Weisheit strebt, hört aufmerksam zu.
3.30 Wie das Wasser ein brennendes Feuer löscht, so tilgt das Almosen die Sünden.
3.31 Der die Wohltaten vergilt, wird dereinst ihrer gedenken, und wer fällt, wird eine Stütze finden.

Viertes Kapitel

Hilfe für die Armen

4.1 Mein Kind, lass den Armen nicht Not leiden, und verschließe nicht deine Augen vor den Bedürftigen.
4.2 Verachte den Hungrigen nicht, und betrübe den Menschen nicht in seiner Armut.
4.3 Einem betrübten Herzen füge nicht noch mehr Leid zu, und versage deine Gabe dem Bedürftigen nicht.
4.4 Die Bitte des Elenden schlage nicht ab, und wende dein Angesicht nicht von dem Armen.
4.5 Wende deine Augen nicht von dem Bittenden, und gib ihm keinen Anlass, dir zu fluchen.
4.6 Denn der ihn gemacht hat, erhört sein Gebet, wenn er mit bitterem Herzen dich verflucht.
4.7 Mach dir Freunde in der Gemeinde, und vor einem Großen beuge dein Haupt.
4.8 Höre den Armen an, und antworte ihm freundlich und sanft.
4.9 Rette den, dem Gewalt geschieht, vor dem, der ihm Unrecht tut; und sei unerschrocken, wenn du urteilen sollst.
4.10 Sei zu den Waisen wie ein Vater, und tritt für ihre Mutter ein, als wärst du ihr Mann; so wirst du sein wie ein Sohn des Allerhöchsten, und er wird dich mehr lieben, als deine Mutter dich liebt.

Der Wert der Weisheit

4.11 Die Weisheit erhöht ihre Kinder und nimmt die auf, die sie suchen.
4.12 Wer sie liebt, der liebt das Leben; und wer sie eifrig sucht, wird große Freude haben.
4.13 Wer fest an ihr hält, der wird Ehre erlangen; und wo er einkehrt, da segnet der Herr.
4.14 Wer der Weisheit dient, der dient dem Heiligen; und wer sie liebt, den liebt auch der Herr.
4.15 Wer ihr gehorcht, der wird Völker regieren; und wer sich zu ihr hält, der wird sicher wohnen.
4.16 Wenn er ihr vertraut, wird er sie erlangen; und auch seine Nachkommen werden sie besitzen.
4.17 Denn anfangs geht sie unerkannt mit ihm; sie macht ihm Angst und Bange und quält ihn mit ihrer Erziehung, bis sie ihm vertrauen kann; sie prüft ihn mit ihren Forderungen.
4.18 Endlich wird sie geradewegs auf ihn zukommen, ihn erfreuen und ihm ihre Geheimnisse offenbaren.
4.19 Wenn er aber abirrt, wird sie ihn verlassen und ihn dahingeben in sein Verderben.

Maß und Ziel zur rechten Zeit

4.20 Mein Kind, tu nichts zur Unzeit und hüte dich vor Unrecht, so schämst du dich nicht deiner selbst.
4.21 Denn es gibt eine Scham, die führt in Sünde, und es gibt eine Scham, die bringt Gnade und Ehre.
4.22 Wende dich nicht gegen dich selbst, so stürzt du dich nicht ins Verderben.
4.23 Halte dein Wort nicht zurück zur rechten Zeit [und verbirg deine Weisheit nicht unter äußerer Schönheit],
4.24 denn im Wort wird die Weisheit erkannt und Erziehung in dem, was die Zunge spricht.
4.25 Widersprich nicht der Wahrheit und sei beschämt, wenn du nicht erzogen bist.
4.26 Schäme dich nicht zu bekennen, wenn du gesündigt hast, und stelle dich nicht gegen den Strom.
4.27 Mach dich nicht zum Diener eines Narren noch setze das Gesicht eines Mächtigen auf.
4.28 Verteidige die Wahrheit bis in den Tod, so wird Gott der Herr für dich streiten.
4.29 Sei nicht übermütig in deiner Rede noch träge und nachlässig in deinen Taten.
4.30 Sei nicht wie ein Löwe in deinem Hause und kein Wüterich gegen deine Hausgenossen.
4.31 Deine Hand sei nicht offen, wenn's ums Nehmen geht, und nicht geschlossen, wenn's ans Geben geht.

Fünftes Kapitel

Warnung vor trügerischer Sicherheit

5.1 Verlass dich nicht auf deinen Reichtum und denke nicht: Ich habe genug für mich.
5.2 Gib nicht dir selbst nach, auch wenn du es könntest, dass du den Begierden deines Herzen folgest!
5.3 Denke nicht: Wer will mir's wehren? Denn streng wird der Herr es strafen.
5.4 Denke nicht: Ich habe gesündigt, doch was ist mir schon widerfahren? Denn der Herr ist langmütig.
5.5 Rechne nicht so fest auf Vergebung, dass du darum Sünde auf Sünde häufst.
5.6 Denke auch nicht: Sein Erbarmen ist groß; er wird sich versöhnen lassen, wenn ich auch noch so viel sündige. Denn bald zeigt er Mitleid, bald Zorn, und sein Grimm über die Sünder hört nicht auf.
5.7 Darum zögere nicht, dich wieder zum Herrn zu wenden, und verschieb es nicht von einem Tag auf den andern; denn sein Zorn kommt plötzlich; und zur Zeit der Vergeltung wirst du zugrunde gerichtet.
5.8 Auf unrechtes Gut verlass dich nicht; denn es hilft dir nichts am Tag der Anfechtung.

Verantwortliches Reden

5.9 Worfle nicht bei jedem Wind, und folge nicht jedem Weg wie der doppelzüngige Sünder.
5.10 Bleib bei deiner Einsicht, und steh zu deinem Wort.
5.11 Sei bereit zu hören, und gib deine Antwort mit Bedacht.
5.12 Verstehst du etwas von der Sache, so antworte deinem Nächsten, wenn nicht, so halte deinen Mund.
5.13 Reden bringt Ehre oder Schande, und seine Zunge bringt den Menschen zu Fall.
5.14 Mache niemand heimlich schlecht, und rede nicht hinterhältig! Denn über den Doppelzüngigen kommt Verachtung wie Schande über den Dieb.
5.15 Achte nichts gering, es sei klein oder groß.

Sechstes Kapitel

6.1 Und deinem Freund werde nicht zum Feind. Denn ein schlechter Ruf bringt Schimpf und Schande; so ergeht es dem doppelzüngigen Sünder.
6.2 Überhebe dich nicht an deinen Wünschen, damit deine Seele nicht geschunden werde wie ein Stier unter dem Joch.
6.3 Deine Blätter werden sie verschlingen und deine Früchte vernichten, und du wirst enden wie ein verdorrter Baum.
6.4 Eine verdorbene Seele richtet ihren Besitzer zugrunde und macht ihn zum Gespött seiner Feinde.

Vom Umgang mit Freunden

6.5 Wer freundlich redet, der macht sich viele Freunde; und wer wohlwollend spricht, der verbreitet Güte.
6.6 Lebe in Frieden mit vielen, aber zum Ratgeber nimm unter tausend nur einen.
6.7 Willst du einen Freund finden, so erprobe zuerst seine Treue und vertrau ihm nicht allzu rasch.
6.8 Denn mancher ist ein Freund, solange es ihm gefällt; doch in der Not hält er nicht stand.
6.9 Und mancher Freund wird bald zum Feind und macht den Streit bekannt, der dich beschämt.
6.10 Und mancher Freund sitzt mit dir am Tisch, doch in der Not hält er nicht stand.
6.11 Solange dir's gut geht, tut er wie du und gebietet deinen Dienern;
6.12 geht dir's aber schlecht, so stellt er sich gegen dich und verbirgt sich vor dir.
6.13 Halte dich fern von deinen Feinden, aber sei auch vor den Freunden auf der Hut.
6.14 Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz.
6.15 Ein treuer Freund ist nicht mit Gold aufzuwiegen, und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen.
6.16 Ein treuer Freund ist ein Trost im Leben; ihn findet, wer den Herrn fürchtet.
6.17 Denn wer den Herrn fürchtet, der wird auch gute Freundschaft halten; und wie er ist, so wird auch sein Nächster sein.

Das Leben in der Weisheit

6.18 Mein Kind, lass dich erziehen von Jugend an, so wirst du bis ins hohe Alter Weisheit finden.
6.19 Geh an sie heran wie einer, der pflügt und sät, und warte auf ihre guten Früchte. In ihrem Dienst brauchst du dich nur ein wenig zu mühen, so wirst du bald von ihren Früchten essen.
6.20 Ein steiniger Acker ist die Weisheit für alle, die sich nicht erziehen lassen, und ein Unverständiger hält es bei ihr nicht aus.
6.21 Denn sie ist für ihn ein schwerer Prüfstein, und er wirft sie bald von sich.
6.22 Denn die Weisheit wird ihrem Namen gerecht, aber sie offenbart sich nur wenigen.
6.23 Höre, mein Kind, nimm meine Lehre an und weise meinen Rat nicht zurück.
6.24 Leg deine Füße in ihre Fesseln und deinen Hals in ihr Eisen.
6.25 Beuge deine Schultern, nimm sie auf dich und sperre dich nicht gegen ihre Bande.
6.26 Von ganzer Seele wende dich ihr zu, und bleib auf ihren Wegen mit all deiner Kraft.
6.27 Forsche nach ihr und suche sie, so lässt sie sich erkennen; und wenn du sie ergriffen hast, so lass sie nicht mehr los.
6.28 Denn am Ende wirst du in ihr Ruhe finden, und sie wird sich für dich in Freude verwandeln.
6.29 Ihre Fesseln werden dir ein starker Schutz sein und ihr Halseisen ein herrlicher Reif.
6.30 Denn ihr Schmuck ist aus Gold, und ihre Fesseln sind hyazinthfarbene Bänder.
6.31 Als herrliches Gewand wirst du sie anziehen und als schöne Krone dir aufsetzen.
6.32 Wenn du willst, mein Kind, wirst du erzogen; und setzt du dein Herz daran, so wirst du klug.
6.33 Hörst du gerne zu, so wirst du sie empfangen, und neigst du deine Ohren, so wirst du weise werden.
6.34 Unter den Ältesten halte dich auf, und ihrer Weisheit folge nach.
6.35 Höre gern von Gottes Taten, und lass dir keinen Weisheitsspruch entgehen.
6.36 Wenn du einen Verständigen siehst, geh eifrig zu ihm, und dein Fuß trete seine Schwelle aus.
6.37 Betrachte immer die Gebote des Herrn und halte dich stets an sein Wort; so macht er dein Herz fest, und das Verlangen nach Weisheit wird dir zuteil.

Siebtes Kapitel

Warnung vor Unrecht

7.1 Tu nichts Böses, so widerfährt dir nichts Böses.
7.2 Halte dich fern vom Unrecht, so wendet es sich ab von dir.
7.3 Säe nicht in die Furchen des Unrechts, so wirst du es nicht siebenfach ernten.

Warnung vor Ehrgeiz

7.4 Erstrebe nicht Herrschaft vom Herrn noch vom König einen Ehrenplatz.
7.5 Halte dich nicht für gerecht vor dem Herrn und tu nicht klug vor dem König.
7.6 Strebe nicht danach, Richter zu werden, du vermagst doch nicht, das Unrecht auszurotten; sieh zu, dass du dich nie vor einem Herrscher in Acht nehmen musst und mit deiner Rechtschaffenheit Anstoß erregst.

Warnung vor Hochmut

7.7 Versündige dich nicht an deinen Mitbürgern und erniedrige dich nicht selbst vor der Menge.
7.8 Begeh eine Sünde nicht zweimal, denn schon für das erste Mal bleibst du nicht ungestraft.
7.9 Denke auch nicht: Er wird schon auf die Fülle meiner Gaben schauen und mich annehmen, wenn ich dem Allerhöchsten opfere.
7.10 Sei nicht halbherzig in deinem Gebet, und säume nicht, Almosen zu geben.
7.11 Einen bekümmerten Menschen verlache nicht; denn es gibt einen, der kann erniedrigen und erhöhen.
7.12 Streu keine Lügen über deinen Bruder aus und auch nicht über deinen Freund.
7.13 Gewöhne dich nicht an die Lüge; denn diese Gewohnheit bringt nichts Gutes.
7.14 Sei nicht schwatzhaft im Kreis der Ältesten, und wenn du betest, mach nicht viele Worte.
7.15 Verachte die beschwerliche Arbeit nicht noch den Ackerbau, den der Höchste gestiftet hat.
7.16 Hoffe nicht, in der Menge der Sünder zu verschwinden; bedenke, dass sein Zorn nicht auf sich warten lässt.
7.17 Darum demütige dich von Herzen; denn Feuer und Würmer sind die Strafe für die Gottlosen.

Die Pflichten des Hausherrn

7.18 Tausche nicht einen Freund um eines Vorteils willen und nicht deinen leiblichen Bruder gegen Gold aus Ofir.
7.19 Missachte nicht eine verständige und tüchtige Frau; denn ihre Anmut ist mehr wert als Gold.
7.20 Behandle einen Sklaven nicht schlecht, der treu arbeitet, und auch einen Tagelöhner nicht, der sein Bestes gibt.
7.21 Schätze einen umsichtigen Sklaven und hindere ihn nicht, wenn er frei werden kann.
7.22 Hast du Vieh? Kümmere dich darum. Und bringt es dir Nutzen, behalte es.
7.23 Hast du Kinder? Erzieh sie streng, und beuge ihren Nacken von Jugend auf.
7.24 Hast du Töchter? Bewahre ihre Keuschheit und verwöhne sie nicht.
7.25 Verheirate deine Tochter, so ist ein großes Werk getan; doch gib sie einem verständigen Mann.
7.26 Hast du eine Frau nach deinem Herzen? Verstoße sie nicht; doch einer ungeliebten vertraue dich nicht an.

Ehrt Eltern und Priester

7.27 Ehre deinen Vater von ganzem Herzen und vergiss nicht, welche Schmerzen deine Mutter um dich gelitten hat,
7.28 und bedenke, dass du von ihnen das Leben hast; womit kannst du ihnen vergelten, was du ihnen verdankst?
7.29 Fürchte den Herrn von ganzer Seele, und halte seine Priester in allen Ehren.
7.30 Liebe den, der dich geschaffen hat, mit ganzer Kraft und lass seine Diener nicht im Stich.
7.31 Fürchte den Herrn und ehre den Priester und gib ihm seinen Anteil, wie dir geboten ist: Erstlingsgabe und Schuldopfer und Schwingopfer und Brandopfer für die Heiligung und die Erstlingsgabe für die Heiligen.

Fürsorge für den Nächsten

7.32 Reiche dem Armen deine Hand, damit du reich gesegnet wirst.
7.33 Erfreue jeden, der lebt, mit einer Gabe, und verwehre dem Toten die letzte Wohltat nicht.
7.34 Lass die Weinenden nicht ohne Beistand, sondern trauere mit den Trauernden.
7.35 Zögere nicht, einen Kranken zu besuchen; denn dafür wird man dich lieben.
7.36 Was du auch tust, bedenke das Ende, so wirst du nicht sündigen in Ewigkeit.

Achtes Kapitel

Verhalten in der Gesellschaft

8.1 Streite nicht mit einem Mächtigen, damit du ihm nicht in die Hände fällst.
8.2 Zanke nicht mit einem Reichen, damit er sein Gewicht nicht gegen dich geltend macht. Denn viele hat das Geld ins Unglück gestürzt, und es bewegt sogar das Herz der Könige.
8.3 Streite nicht mit einem Schwätzer, damit du nicht Holz zu seinem Feuer trägst.
8.4 Treibe nicht deinen Scherz mit einem, der keine Erziehung hat, damit er nicht deine Vorfahren beschimpft.
8.5 Halte dem nichts vor, der sich von seiner Sünde abkehrt; bedenke, dass wir alle Schuld tragen.
8.6 Verachte einen Menschen nicht, weil er alt ist; denn auch wir können alt werden.
8.7 Freue dich nicht, wenn jemand stirbt; bedenke, dass wir alle sterben müssen.
8.8 Verachte nicht, was die Weisen vortragen, sondern richte dich nach ihren Weisheitssprüchen. Denn von ihnen kannst du Bildung empfangen und lernen, wie du dich gegenüber großen Leuten verhalten sollst.
8.9 Sag dich nicht los von der Unterweisung der Alten, denn auch sie haben von ihren Vätern gelernt: Von ihnen kannst du lernen, wie du verständig antworten sollst, wenn es notwendig ist.
8.10 Blase nicht das Feuer des Sünders an, damit du nicht darin verbrennst.
8.11 Setze dich nicht mit einem Streitsüchtigen auseinander, damit er nicht auf ein falsches Wort von dir lauert.
8.12 Leihe keinem etwas, der mächtiger ist als du; und wenn du ihm leihst, so gib es verloren.
8.13 Verbürge dich nicht höher, als du kannst; wenn du aber bürgst, so rechne damit, dass du zahlen musst.
8.14 Zieh einen Richter nicht vor Gericht; denn man spricht das Urteil, wie er will.
8.15 Mach dich nicht mit einem Tollkühnen auf den Weg, damit er dich nicht ins Unglück bringt; denn er richtet sich nach seinem eignen Kopf, und du musst um seiner Torheit willen mit ihm Schaden erleiden.
8.16 Fang nicht Streit mit einem Jähzornigen an, und reise nicht allein mit ihm durch eine einsame Gegend; denn er scheut sich nicht, Blut zu vergießen, und wenn du keine Hilfe hast, so bringt er dich um.
8.17 Berate dich nicht mit einem Narren, denn er kann kein Geheimnis wahren.
8.18 Vor einem Fremden tu nichts, was geheim bleiben soll; denn du weißt nicht, was er daraus macht.
8.19 Öffne dein Herz nicht jedem; es wird dir nicht gedankt werden.

Neuntes Kapitel

Warnung vor Verführerinnen

9.1 Wache nicht zu eifersüchtig über die Frau in deinen Armen, sonst bringst du sie dazu, dir Böses anzutun.
9.2 Verliere dich nicht an eine Frau, damit sie nicht Herr über dich wird.
9.3 Meide die Frau, die dich verführen will, damit du ihr nicht ins Netz gehst.
9.4 Lass dich nicht hinreißen von einer Sängerin, damit sie dich nicht mit ihren Künsten fängt.
9.5 Verführe nicht eine Jungfrau, damit ihre Schande dich nicht teuer zu stehen kommt.
9.6 Verliere dich nicht an die Huren, damit du nicht um dein Erbe kommst.
9.7 Gaffe nicht umher in den Gassen der Stadt, und streife nicht durch ihre verlassenen Winkel.
9.8 Wende den Blick weg von schönen Frauen, und schau nicht nach Reizen, die dich nichts angehen; denn schöne Frauen haben schon viele betört, und Liebe lodert auf wie Feuer.
9.9 Sitze niemals bei der Frau eines andern und speise nicht mit ihr beim Wein, damit nicht dein Herz sich ihr zuneigt und deine Lust dich ins Verderben stürzt.

Vom richtigen Umgang

9.10 Gib einen alten Freund nicht auf; denn kein neuer kommt ihm gleich. Ein neuer Freund ist wie neuer Wein; lass ihn erst alt werden, so wird er dir gut schmecken.
9.11 Ereifere dich nicht, wenn ein Sünder in hohen Ehren steht; denn du weißt nicht, welch schlimmes Ende er nehmen wird.
9.12 Hab keinen Gefallen am Erfolg der Frevler; bedenke, dass sie bis in den Tod nicht gerecht gesprochen werden.
9.13 Halte dich fern von dem, der Gewalt hat zu töten, so brauchst du dich nicht zu fürchten, dass er dich tötet. Musst du aber um ihn sein, so tu keinen Missgriff, damit er dir nicht das Leben nimmt, ehe du dich's versiehst; und wisse, dass du zwischen Fußangeln wandelst und auf hohen Zinnen gehst.
9.14 Lerne deinen Nächsten genau kennen, und wenn du Rat brauchst, so suche ihn bei weisen Leuten.
9.15 Besprich dich mit Verständigen, und all dein Reden richte sich nach dem Gesetz des Höchsten.
9.16 Lade dir rechtschaffene Leute zu Gast, und dein Ruhm sei, den Herrn zu fürchten.

Der weise Regent

9.17 Das Werk lobt den Meister, und einen weisen Fürsten ehrt seine Rede.
9.18 Es ist gefährlich, wenn ein Schwätzer regiert, und wer redet, bevor er denkt, der erntet Hass.

Zehntes Kapitel

10.1 Ein weiser Regent erzieht sein Volk, und wo eine verständige Regierung ist, da geht es wohlgeordnet zu.
10.2 Wie der Regent ist, so sind auch seine Amtleute, wie der Stadtfürst, so sind auch die Bürger.
10.3 Ein König ohne Zucht richtet Land und Leute zugrunde; wenn aber die Mächtigen klug sind, so gedeiht die Stadt.
10.4 Alle Herrschaft auf Erden liegt in des Herrn Hand, und zur rechten Zeit schickt er den rechten Mann.
10.5 Es liegt in des Herrn Hand, ob ein Mann Erfolg hat, und vor dem Gelehrten begründet er seinen Ruhm.

Warnung vor Überheblichkeit

10.6 Rechne deinem Nächsten seine Missetat nicht an, und behandle ihn niemals von oben herab!
10.7 Den Hoffärtigen sind Gott und die Welt feind; denn das Unrecht ist beiden verhasst.
10.8 Durch Unrecht, Hochmut und Geld geht die Königsherrschaft von einem Volk aufs andre über. [Niemand ist gesetzloser als der Habgierige. Denn er verkauft sogar seine eigene Seele.]
10.9 Was überhebt sich der Mensch, der nur Erde und Asche ist? Ich habe doch seinen Leib schon zu Lebzeiten verworfen.
10.10 Lang ist die Krankheit, und der Arzt spottet: »Heute König, morgen tot!«
10.11 Und wenn der Mensch tot ist, so fressen ihn Schlangen, wilde Tiere und Würmer.
10.12 Daher kommt aller Hochmut: wenn ein Mensch vom Herrn abfällt und sein Herz von seinem Schöpfer weicht.
10.13 Denn Hochmut kommt aus der Sünde, und wer an ihr festhält, der richtet viel Gräuel an. Darum hat der Herr den Hochmütigen furchtbare Plagen geschickt und sie am Ende gestürzt.
10.14 Der Herr stürzt den Thron der Gewaltigen und setzt die Demütigen an ihre Stelle.
10.15 Der Herr hat Heiden mit der Wurzel ausgerissen und an ihrer Stelle Demütige eingepflanzt.
10.16 Der Herr hat Länder der Heiden verheert und bis zu den Grundfesten der Erde verwüstet.
10.17 Er hat sie ausgerottet und vernichtet und ihr Gedächtnis von der Erde getilgt.
10.18 Dass die Menschen hoffärtig sind und die vom Weibe Geborenen zornig, das ist von Gott nicht geschaffen.

Gottesfurcht und Ruhm

10.19 Ein ehrenhaftes Geschlecht – welches ist es? Das Geschlecht des Menschen. Ein ehrenhaftes Geschlecht – welches ist es? Die den Herrn fürchten. Ein ehrloses Geschlecht – welches ist es? Das Geschlecht des Menschen. Ein ehrloses Geschlecht – welches ist es? Die seine Gebote übertreten.
10.20 Unter Brüdern steht der älteste in Ehren, der Herr aber sieht die an, die ihn fürchten.
10.21 [Der Herr nimmt die an, die ihn fürchten, und verstößt, die harten und hochmütigen Herzens sind.]
10.22 Zum Herrn Bekehrte, Fremde und Arme – ihr Ruhm ist die Furcht des Herrn.
10.23 Es ist nicht recht, dass man einen verständigen Armen verachtet und einen sündigen Menschen ehrt.
10.24 Fürsten, Richter und Regenten stehen in hohem Ansehen; aber so groß sind sie doch nicht wie der, der den Herrn fürchtet.
10.25 Einem klugen Knecht werden auch Freie dienen, und ein Verständiger wird darüber nicht murren.
10.26 Spiele nicht den Klugen bei deiner Arbeit, und spiele nicht den Starken, wenn du nicht weiterweißt.
10.27 Besser, einer arbeitet und hat an allem genug, als dass er sich ehren lässt und nichts zu essen hat.
10.28 Mein Kind, in Demut ehre dich selbst, und achte dich so, wie es dir zukommt.
10.29 Wer wird dem sein Recht geben, der an sich selbst sündigt, und wer wird dem Ehre geben, der sich selbst verachtet?
10.30 Der Arme wird geehrt um seiner Klugheit willen und der Reiche um seiner Güter willen.
10.31 Wer schon in Armut geehrt wird, wird er's im Reichtum nicht umso mehr? Und wer ehrlos ist im Reichtum, ist er's in Armut nicht noch mehr?

Elftes Kapitel

11.1 Die Weisheit des Geringen bringt ihn zu Ehren und setzt ihn mitten unter die Fürsten.
11.2 Du sollst niemand rühmen um seiner Schönheit willen noch jemand verachten, weil er hässlich aussieht.
11.3 Denn die Biene ist klein unter allem, was Flügel hat, und bringt doch die allersüßeste Frucht.
11.4 Rühme dich nicht wegen deiner herrlichen Kleider, und wenn du in Ehren stehst, überhebe dich nicht; denn wunderbar sind allein die Werke des Herrn, und den Menschen sind sie verborgen.
11.5 Viele Tyrannen saßen am Ende im Staub, aber die Krone trug der, an den man nicht gedacht hätte.
11.6 Viele Herrscher wurden entehrt und angesehene Männer an andere ausgeliefert.

Warnung vor falschem Richten

11.7 Verdamme niemanden, ehe du die Sache untersucht hast; denke erst nach und tadle dann.
11.8 Du sollst nicht urteilen, ehe du die Sache gehört hast, und lass die Leute erst ausreden.
11.9 Misch dich nicht in eine fremde Sache, und sitze nicht zusammen mit Sündern zu Gericht.

Vom Reichtum

11.10 Mein Kind, verliere dich nicht in viele Geschäfte: Wenn du dir zu viel vornimmst, bleibt das nicht ungestraft. Wenn du es noch so sehr verfolgst, erreichst du doch nichts; wenn du aber davor fliehst, so kannst du nicht entkommen.
11.11 Mancher lässt sich's sauer werden, müht sich und rennt dem Reichtum nach und fällt doch immer mehr zurück.
11.12 Mancher ist langsam und hat Hilfe nötig, ist arm an Kraft und reich an Schwäche: Den sieht der Herr in Gnaden an und hilft ihm aus seinem Elend
11.13 und bringt ihn zu Ehren, sodass sich viele über ihn wundern.
11.14 Gutes und Böses, Leben und Tod, Armut und Reichtum kommen vom Herrn.
11.15 [Weisheit und Einsicht und Erkenntnis des Gesetzes kommen vom Herrn, Liebe und gute Werke stammen von ihm.
11.16 Irrtum und Finsternis sind mit den Sündern erschaffen, und die Schlechtigkeit wird alt mit denen, die sich ihrer rühmen.]
11.17 Was der Herr gibt, wird den Frommen bleiben; und was er plant, hat Bestand in Ewigkeit.
11.18 Mancher kargt und spart und wird dadurch reich. Und sein Lohn ist,
11.19 dass er sagt: »Nun will ich mir ein gutes Leben machen, will essen und trinken von dem, was ich habe.« Doch er weiß nicht, dass sein Ende nahe ist und dass er alles anderen lassen und sterben muss.
11.20 Bleibe bei dem, was dir anvertraut ist, und übe dich darin, und bis ins Alter bleibe bei deinem Tun.
11.21 Lass dich nicht davon beirren, wie die Gottlosen zu Geld kommen, sondern vertraue dem Herrn und halte aus in deinen Mühen; denn dem Herrn ist es ein Leichtes, einen Armen plötzlich reich zu machen.
11.22 Der Segen des Herrn ist der Lohn des Frommen, und schon bald erblüht sein Glück.
11.23 Sage nicht: Wie viel fehlt mir noch und was werde ich künftig besitzen?
11.24 Sage aber auch nicht: Ich habe genug, was kann mir künftig zustoßen?
11.25 Wenn dir's gut geht, so bedenke, dass dir's wieder schlecht gehen kann; und wenn dir's schlecht geht, so bedenke, dass dir's wieder gut gehen kann.
11.26 Denn der Herr kann jedem im Tod leicht vergelten, wie er's verdient hat.
11.27 Eine böse Stunde lässt alle Freude vergessen; und wenn der Mensch stirbt, werden seine Werke offenbar.
11.28 Rühme niemand vor seinem Ende. An seinen Kindern erkennt man den Mann.

Warnung vor Fremden

11.29 Nimm nicht jeden bei dir auf; denn die Welt ist voller List und Tücke.
11.30 Ein Rebhuhn als Lockvogel im Korb – so ist das Herz des Hochmütigen, er lauert wie ein Späher auf deinen Untergang.
11.31 Denn was er Gutes sieht, deutet er aufs Schlimmste, und den Allerbesten sagt er das Schändlichste nach.
11.32 Aus einem Funken macht er ein großes Feuer, und der Frevler lässt nicht ab, bis Blut fließt.
11.33 Hüte dich vor dem Übeltäter – er hat nichts Gutes im Sinn –, dass er dir nicht ewige Schande anhänge.
11.34 Nimmst du einen Fremden bei dir auf, so wird er dir Unruhe bringen und dich in deinem eignen Haus zum Fremden machen.

Zwölftes Kapitel

Über die Wohltätigkeit

12.1 Willst du Gutes tun, so sieh zu, wem du es tust; dann verdienst du Dank damit.
12.2 Tu dem Frommen Gutes, so wird dir's reichlich vergolten, wenn nicht von ihm, so doch gewiss vom Höchsten.
12.3 Es gibt nichts Gutes für den, der beharrlich Böses tut und nicht gern Almosen gibt.
12.4 Gib dem Frommen, doch des Frevlers nimm dich nicht an.
12.5 Tu Gutes dem Demütigen, aber dem Gottlosen gib nichts. Verweigere ihm dein Brot und gib ihm nichts, damit er dadurch nicht stärker wird als du: Denn du wirst doppelt so viel Schlechtes empfangen, wie du ihm Gutes getan hast.
12.6 Denn auch der Höchste ist den Sündern feind und wird die Gottlosen bestrafen. [Doch er bewahrt sie bis zum Tag ihrer Strafe.]
12.7 Gib dem Guten, doch des Frevlers nimm dich nicht an.

Warnung vor falschen Freunden

12.8 Wenn's einem wohl geht, erkennt man den wahren Freund nicht, wenn's einem aber schlecht geht, bleibt der Feind nicht verborgen.
12.9 Denn wenn's einem wohl geht, verdrießt das den Feind; wenn's einem aber schlecht geht, so ziehen auch die Freunde sich zurück.
12.10 Trau niemals deinem Feinde; denn wie Eisen stets rostet, so geht es mit seiner Bosheit.
12.11 Und wenn er sich auch verneigt und verbeugt, so halte dich dennoch zurück und hüte dich vor ihm. Und sei zu ihm wie einer, der einen Spiegel poliert. Bedenke, dass er immer wieder Rost ansetzt.
12.12 Stelle ihn nicht neben dich, dass er dich nicht wegstoße und an deinen Platz trete. Setze ihn auch nicht neben dich, dass er nicht nach deinem Stuhl trachte und du zuletzt an meine Worte denken musst und meine Rede dich dann betrübt.
12.13 Wer hat Mitleid mit einem Schlangenbeschwörer, der gebissen wird, oder mit all jenen, die sich wilden Tieren nähern?
12.14 So geht's auch dem, der sich mit dem Frevler einlässt und sich in seine Sünden verstrickt.
12.15 Er bleibt wohl eine Weile bei dir; aber wenn du strauchelst, harrt er nicht aus bei dir.
12.16 Der Feind hat süße Worte auf den Lippen, doch im Herzen plant er, dich in die Grube zu stürzen. Er füllt seine Augen mit Tränen, doch wenn er Gelegenheit findet, bekommt er nicht genug von deinem Blut.
12.17 Wenn dir Unheil widerfährt, so ist er als Erster zur Stelle, und als wollte er helfen, bringt er dich hinterrücks zu Fall.
12.18 Mit dem Kopf nickt er Beifall und klatscht in die Hände; er wird tuscheln und dann sein wahres Gesicht zeigen.

Dreizehntes Kapitel

Vom Umgang mit Reichen und Mächtigen

13.1 Wer Pech angreift, besudelt sich; und wer sich zum Hoffärtigen gesellt, wird ihm ähnlich.
13.2 Hebe keine Last, die über deine Kräfte geht, und geselle dich nicht zu einem, der stärker und reicher ist als du. Was soll der irdene Topf beim Kessel? Sie stoßen zusammen, und der Topf zerbricht.
13.3 Der Reiche tut Unrecht und beharrt noch darauf; der Arme erleidet Unrecht, und muss sich dafür noch bedanken.
13.4 Solange du ihm nützlich bist, bemüht sich der Reiche um dich; aber wenn du nicht mehr kannst, lässt er dich fallen.
13.5 Solange du etwas hast, bleibt er bei dir, nimmt dich aus und müht sich selbst nicht ab.
13.6 Wenn er dich braucht, so täuscht er dich: Er lächelt dich an, verheißt dir viel, tut dir schön und fragt: Brauchst du etwas?
13.7 Er lädt dich großzügig ein, um dich später zwei- oder dreimal auszunehmen, und zuletzt verspottet er dich noch. Dann sieht er dich an, lässt dich fallen und schüttelt den Kopf über dich.
13.8 Darum sieh zu, dass du dich nicht täuschen lässt und in deiner Einfalt nicht gedemütigt wirst.
13.9 Wenn dich ein Mächtiger zu sich ruft, so zieh dich zurück; umso mehr wird er dich rufen.
13.10 Dränge dich nicht selbst zu ihm hin, damit du nicht verstoßen wirst; halte dich auch nicht zu fern, damit man dich nicht vergisst.
13.11 Sei nicht darauf aus, mit ihm zu reden wie mit deinesgleichen, und traue seinen Worten nicht; denn mit viel Gerede will er dich verführen, und mit freundlichem Lächeln horcht er dich aus.
13.12 Er ist unbarmherzig, hält sein Wort nicht und spart nicht mit Strafen und Gefängnis.
13.13 Darum gib gut acht und sieh dich vor: Du lebst in großer Gefahr!
13.14 [Wenn du solches im Schlaf hörst, wach auf! Mit deinem ganzen Leben liebe den Herrn und rufe ihn zu deiner Rettung.]
13.15 Jedes Tier liebt seinesgleichen und jeder Mensch den, der ihm am nächsten steht.
13.16 Jedes Geschöpf hält sich zu seiner eignen Art; so soll sich auch der Mensch zu seinesgleichen gesellen.
13.17 Was hat der Wolf mit dem Lamm gemein? So viel wie der Frevler mit dem Frommen.
13.18 Hält denn die Hyäne Frieden mit dem Hund? Und der Reiche mit dem Armen?
13.19 Wie der Löwe in der Wüste die Wildesel frisst, so fressen die Reichen die Armen.
13.20 Dem Hochmütigen ist Demut ein Gräuel; so ist auch dem Reichen der Arme ein Gräuel.
13.21 Ein Reicher, der zu fallen droht, wird von seinen Freunden gestützt; ein Armer aber, der fällt, wird von seinen Freunden zu Boden gestoßen.
13.22 Wenn ein Reicher strauchelt, so gibt es viele, die ihm beistehen; wenn er sich mit Worten vergriffen hat, so gibt man ihm noch recht. Wenn aber ein Armer strauchelt, so macht man ihm noch Vorwürfe; er spricht verständig, und doch gilt es nichts.
13.23 Der Reiche redet, und alle schweigen, und seine Worte hebt man in den Himmel. Der Arme redet, und man sagt: Wer ist denn das? Und beim kleinsten Fehltritt fällt man über ihn her.

Vom Gebrauch des Reichtums

13.24 Reichtum ist gut, wenn an ihm keine Sünde haftet, und allein der Gottlose nennt die Armut schlecht.
13.25 Das Herz verändert des Menschen Gesicht, sei es zum Guten, sei es zum Bösen.
13.26 Ein Herz, das Gutes im Sinn hat, erkennt man an einem fröhlichen Gesicht, und wer über Sprüche nachsinnt, dem sieht man seine Mühe an.

Vierzehntes Kapitel

14.1 Wohl dem, der sich nicht mit Reden vergeht und davon ein böses Gewissen hat!
14.2 Wohl dem, der kein böses Gewissen hat und der seine Zuversicht nicht verloren hat!
14.3 Einem Knauser steht es nicht wohl an, reich zu sein; und was soll Geld und Gut einem Geizkragen?
14.4 Wer nur sammelt und sich selber nichts Gutes gönnt, der sammelt's für andere, und andere werden's verprassen.
14.5 Wer sich selber nichts Gutes gönnt, was sollte der andern Gutes tun? Er wird niemals Freude an seinem Eigentum haben.
14.6 Es ist nichts schlimmer, als wenn einer sich selbst herabsetzt; und das ist die rechte Strafe für seine Bosheit.
14.7 Tut er etwas Gutes, so tut er's aus Versehen; zuletzt kommt doch wieder seine Bosheit zum Vorschein.
14.8 Der ist ein böser Mensch, der andere mit Blicken herabsetzt, sein Angesicht abwendet und über Menschen hinwegsieht.
14.9 Ein habgieriger Mensch hat nie genug an dem, was ihm beschieden ist, und kann vor lauter Geiz nicht gedeihen.
14.10 Ein Neidhammel missgönnt den andern das Brot, und es tut ihm weh, wenn er auftischen muss.
14.11 Mein Kind, tu dir selbst so viel Gutes, wie du kannst, und gib dem Herrn die Opfer, die ihm gebühren.
14.12 Bedenke, dass der Tod nicht auf sich warten lässt und dass du nicht weißt, was in der Unterwelt über dich beschlossen ist.
14.13 Tu dem Freund Gutes noch vor deinem Ende und gib dem Armen nach deinen Kräften.
14.14 Versäume keinen fröhlichen Tag und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.
14.15 Musst du nicht alles, was du sauer erworben hast, andern hinterlassen und den Ertrag deiner Arbeit den Erben geben?
14.16 Schenke und lass dich beschenken, und gönne dir etwas; denn in der Unterwelt lässt sich nicht schwelgen.
14.17 Alles Fleisch verschleißt wie ein Kleid, denn es gilt der ewige Beschluss: Du musst sterben!
14.18 Wie mit den grünen Blättern auf einem schönen Baum – die einen fallen ab, andere wiederum wachsen –, so geht's mit dem Menschengeschlecht auch: Die einen sterben, andere werden geboren.
14.19 Alles vergängliche Werk muss ein Ende nehmen; und wer es vollbracht hat, fährt mit ihm dahin.

Weisheit und Gottesfurcht

14.20 Wohl dem, der über die Weisheit nachsinnt und sie aufnimmt in sein ganzes Denken,
14.21 der ihre Wege von Herzen betrachtet und ihren Geheimnissen immer weiter nachforscht,
14.22 ihr wie ein Späher nachschleicht und auf ihren Wegen auf sie wartet
14.23 und guckt zu ihrem Fenster hinein und horcht an ihrer Tür,
14.24 sucht Herberge nahe bei ihrem Hause und schlägt seine Pflöcke bei ihren Mauern ein
14.25 und richtet an ihrer Wand sein Zelt auf, sodass er eine gute Herberge hat.
14.26 Der bringt auch seine Kinder unter ihr Dach und bleibt unter ihren Zweigen;
14.27 da wird er vor Hitze beschirmt und wird in ihrem Glanz wohnen.

Fünfzehntes Kapitel

15.1 Das alles tut nur, wer den Herrn fürchtet; und wer sich an das Gesetz hält, der findet die Weisheit.
15.2 Und sie wird ihm begegnen wie eine Mutter und wird ihn empfangen wie eine junge Braut.
15.3 Sie reicht ihm die Speise der Einsicht und den Trank der Weisheit.
15.4 Er wird sich auf sie stützen, dass er nicht fällt, und sich an sie halten, dass er nicht zuschanden wird.
15.5 Sie wird ihn erhöhen über seine Nächsten und ihm den Mund auftun in der Gemeinde.
15.6 Sie wird ihn krönen mit Freude und Wonne und ihm einen ewigen Namen verleihen.
15.7 Aber die Narren finden die Weisheit nicht, und die Sünder können sie nicht entdecken.
15.8 Fern ist sie den Hoffärtigen, und die Heuchler wollen nichts von ihr wissen.
15.9 Wertlos ist das Lob aus dem Mund eines Sünders; denn es kommt nicht vom Herrn.
15.10 Denn in Weisheit wird Lob gesprochen, und der Herr lässt's gelingen.

Die Wahl zwischen Gut und Böse

15.11 Du darfst nicht sagen: »Bin ich abtrünnig geworden, so hat's der Herr getan.« Denn was Gott hasst, das tut er nicht.
15.12 Du darfst nicht sagen: »Er selbst hat mich verführt.« Denn er braucht keinen Frevler.
15.13 Der Herr hasst alles, was ein Gräuel ist; und wer ihn fürchtet, der scheut sich davor.
15.14 Er hat im Anfang den Menschen geschaffen und ihm die Wahl gelassen:
15.15 Wenn du willst, so kannst du die Gebote halten und in rechter Treue tun, was ihm gefällt.
15.16 Er hat dich vor Feuer und Wasser gestellt: Wähle, was du willst!
15.17 Der Mensch hat vor sich Leben und Tod; was er wählt, wird ihm gegeben werden.
15.18 Denn die Weisheit des Herrn ist groß, er ist stark und mächtig und sieht alles:
15.19 Seine Augen sehen auf die, die ihn fürchten, und er kennt jedes Menschen Werk.
15.20 Er hat niemandem geboten, gottlos zu sein, und keinem erlaubt zu sündigen.

Sechzehntes Kapitel

Gottlosigkeit und Gottes Gericht

16.1 Wünsche dir nicht viele Kinder, wenn sie dann missraten, und freue dich nicht über Söhne,
16.2 wenn sie dann gottlos werden; und freue dich nicht darüber, dass du viele Kinder hast, wenn sie nicht den Herrn fürchten.
16.3 Verlass dich nicht darauf, dass sie am Leben bleiben, und vertraue nicht auf ihre große Zahl. [In früher Trauer wirst du seufzen, und plötzlich wirst du ihr Ende erleben.] Denn besser ein frommes Kind als tausend gottlose, und besser kinderlos sterben als gottlose Kinder haben.
16.4 Ein einziger kluger Mann kann einer Stadt zur Blüte verhelfen, aber wie zahlreich die Frevler auch sind, so wird ihre Stadt doch veröden.
16.5 Das hat mein Auge oft gesehen, und noch Schlimmeres hat mein Ohr gehört:
16.6 Feuer bricht aus in der Versammlung der Sünder, und über das ungehorsame Volk entbrannte Gottes Zorn.
16.7 Er verschonte die Giganten der Vorzeit nicht, die auf ihre Stärke vertrauten und abtrünnig wurden.
16.8 Er schonte auch die nicht, bei denen Lot als Fremdling lebte, sondern verdammte sie um ihres Übermuts willen.
16.9 Und er erbarmte sich nicht über das Volk, das er dem Untergang geweiht hatte, sondern trieb sie aus ihrem Lande um ihrer Sünde willen. [Dies alles tat er den hartherzigen Völkern an und ließ sich nicht von der großen Anzahl seiner Heiligen umstimmen.]
16.10 So hat er auch die sechshunderttausend hinweggerafft, die sich in ihrer Hartherzigkeit zusammengerottet hatten. [Der Herr geißelte und erbarmte sich, er schlug und heilte. So bewahrte er sie ständig in Erbarmen und Zucht.]
16.11 Und gäbe es auch nur einen einzigen Halsstarrigen, so wäre es ein Wunder, wenn er unbestraft bliebe. Erbarmen und Zorn sind bei ihm; er ist der Herr der Versöhnung und gießt auch Zorn aus.
16.12 So groß wie seine Barmherzigkeit ist auch seine Zurechtweisung; und er richtet jeden nach seinen Werken.
16.13 Der Sünder wird mit seinem Raub nicht entkommen, doch was der Fromme erhofft, wird nicht ausbleiben.
16.14 Jede Wohltat wird ihre Stätte finden, und jeder wird Lohn empfangen nach seinen Werken.
16.15 [Der Herr verstockte den Pharao, sodass der ihn nicht erkannte. So wurden Gottes Großtaten unter dem Himmel bekannt.
16.16 Der ganzen Schöpfung ist sein Erbarmen offenbar; sein Licht, aber auch die Finsternis teilte er Adam zu.]

Warnung vor dem Zweifel an Gottes Gericht

16.17 Sage nicht: Der Herr sieht nicht nach mir; wer fragt nach mir im Himmel? In der Menge bemerkt er mich nicht; was bin ich angesichts der unermesslichen Schöpfung?
16.18 Denn siehe, der ganze Himmel, das Meer und die Erde erbeben, wenn er sie heimsucht; [die ganze Welt ist entstanden und entsteht nach seinem Willen.]
16.19 Die Berge und die Grundfesten der Erde beben, wenn er sie ansieht.
16.20 Doch was er tun will, das sieht niemand, und wer könnte seine Wege ermessen?
16.21 Er ist wie ein Sturmwind, den kein Mensch sieht; die meisten seiner Taten geschehen im Verborgenen.
16.22 Die Werke der Gerechtigkeit, wer macht sie bekannt? Und wer bleibt bestehen? Fern ist der Bund [und die Prüfung für alle am Ende]. –
16.23 Solches meinen nur Leute, denen es an Verstand fehlt, und nur ein beschränkter Mensch denkt so Törichtes.

Leben, wie es Gott gefällt

16.24 Höre mir zu, mein Kind, lerne Weisheit und beherzige meine Worte!
16.25 Ich will dir eine zuverlässige Lehre geben und dich mit Sorgfalt unterrichten:
16.26 Als der Herr im Anfang seine Werke erschuf und von ihrem Ursprung an ihnen ihre Bestimmung gab,
16.27 da hat er für immer geordnet, was sie tun, und für alle Zeit, wie weit ihre Herrschaft reichen sollte, dass sie nicht müde noch matt werden noch ihren Dienst versäumen
16.28 und keins das andere behindern, sondern dass alle immer seinem Befehl gehorsam sein sollten.
16.29 Danach hat der Herr auf die Erde geblickt und sie mit seinen Gütern erfüllt;
16.30 mit lebendigen Wesen hat er sie bevölkert, die wieder zur Erde zurückkehren.

Siebzehntes Kapitel

17.1 Der Herr hat den Menschen aus Erde geschaffen und ihn wieder zur Erde zurückkehren lassen.
17.2 Er bestimmte ihnen die Zeit ihres Lebens und gab ihnen Macht über das, was auf Erden ist,
17.3 und verlieh ihnen Kraft, wie er selber sie hat, und schuf sie nach seinem Bilde.
17.4 Er bestimmte, dass alles Fleisch ihn fürchten sollte, und gab den Menschen die Herrschaft über Tiere und Vögel.
17.5 [Er gab ihnen den Gebrauch der fünf Sinne, als Sechstes gab er ihnen Verstand und teilte ihnen diesen zu und als Siebtes das Wort, seine Werke auszulegen.]
17.6 Er gab ihnen Vernunft, Sprache, Augen, Ohren und das Herz zum Denken.
17.7 Er erfüllte sie mit kluger Erkenntnis und zeigte ihnen beides, Gutes und Böses.
17.8 Er richtete sein Auge auf ihre Herzen, ihnen die Größe seiner Werke zu zeigen, [und trug ihnen auf, ewig den Ruhm seiner Wunder zu verkünden,]
17.9 und seine großen Taten erzählen sollten.
17.10 damit sie seinen heiligen Namen loben
17.11 Er hat sie Wissen gelehrt und ihnen das Gesetz des Lebens zum Erbe gegeben, [damit sie erkennen, dass sie, obwohl sie sterblich sind, jetzt am Leben bleiben].
17.12 Er hat einen ewigen Bund mit ihnen geschlossen und ihnen seine Ordnungen offenbart.
17.13 Sie haben mit ihren Augen seine hohe Majestät gesehen und mit ihren Ohren seine herrliche Stimme gehört.
17.14 Und er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht!, und befahl einem jeden seinen Nächsten an.
17.15 Ihre Wege hat er immer vor Augen, und nichts ist vor ihm verborgen.
17.16 [Ihre Wege sind von Jugend an auf das Böse gerichtet, und nicht vermochten sie, ihre steinernen Herzen in solche aus Fleisch zu verwandeln.
17.17 Denn als er die Völker der ganzen Erde einteilte,] hat er für jedes Volk einen Herrscher eingesetzt, aber über Israel ist er selbst Herr geworden.
17.18 [Den Erstgeborenen wird er in Zucht erziehen, er wird ihm das Licht seiner Liebe geben und ihn nicht loslassen.]
17.19 Alle ihre Werke sind ihm so wenig verborgen wie die Sonne, und seine Augen sehen ohne Unterlass all ihre Wege.
17.20 Ihre Ungerechtigkeiten sind ihm nicht verborgen, und alle ihre Sünden sind vor dem Herrn offenbar.
17.21 [Der Herr aber, der gut ist und seine Geschöpfe kennt, hat sie nicht verlassen noch aufgegeben.]
17.22 Die Barmherzigkeit eines Mannes ist wie sein Siegelring, und seine Güte wird er wie seinen Augapfel bewahren. [Seine Söhne und Töchter führt er zur Umkehr.]
17.23 Und zuletzt wird der Herr aufstehen und ihnen vergelten, und Vergeltung kommt über ihr Haupt.
17.24 Die aber umkehren, lässt er wieder zu Gnaden kommen, und die da müde werden, tröstet er, dass sie nicht verzagen.
17.25 So bekehre dich nun zum Herrn und lass die Sünden; flehe zu ihm und biete keinen Anstoß mehr!
17.26 Kehre zum Höchsten zurück und wende dich vom Unrecht ab. [Denn er wird dich aus der Finsternis zum Licht des Heils führen.] Hasse unversöhnlich, was ihm ein Gräuel ist.

Lob der Barmherzigkeit Gottes

17.27 Wer wird den Höchsten loben bei den Toten? Denn allein die Lebendigen können loben;
17.28 die Toten, die kein Leben haben, können nicht mehr loben. Darum: Wer lebt und gesund ist, der lobe den Herrn!
17.29 Wie ist die Barmherzigkeit des Herrn so groß! Er zeigt sich denen gnädig, die sich zu ihm bekehren.
17.30 Denn der Mensch ist nicht vollkommen, da er nicht unsterblich ist.
17.31 Was ist heller als die Sonne? Selbst das muss vergehen. Was Fleisch und Blut sich ausdenken, ist böse.
17.32 Das Heer der Himmelshöhe hält der Herr in Ordnung; aber alle Menschen sind Erde und Staub.

Achtzehntes Kapitel

18.1 Der ewig lebt, hat alles miteinander geschaffen.
18.2 Der Herr allein ist gerecht. [Und es gibt keinen außer ihm.
18.3 Er lenkt die Welt mit einem Wink seiner Hand, und alles gehorcht seinem Willen; denn in seiner Macht ist er König über alles; er trennt Heiliges von Unheiligem.]
18.4 Niemand kann seine Werke aufzählen. Wer kann seine großen Taten erforschen?
18.5 Wer kann seine große Macht ermessen? Und wer kann die Taten seiner Barmherzigkeit alle erzählen?
18.6 Man kann sie nicht mindern noch mehren, und die Wunder des Herrn kann man nicht begreifen.
18.7 Wenn der Mensch sein Bestes getan hat, steht er doch erst am Anfang; und wenn er zum Ende kommt, fehlt noch viel.
18.8 Was ist der Mensch? Wozu ist er nütze? Was ist das Gute und was das Böse an ihm?
18.9 Die Zahl der Tage eines Menschen kann viele Jahre betragen – vielleicht hundert. [Niemand aber kann den Todesschlaf berechnen.]
18.10 Wie ein Tropfen Wasser im Meer und wie ein Körnlein Sand, so gering sind des Menschen Jahre gegen einen Tag der Ewigkeit.
18.11 Darum hat der Herr Geduld mit ihnen und gießt seine Barmherzigkeit aus über sie.
18.12 Er sieht und weiß, wie bitter ihr Ende ist; umso reichlicher schenkt er seine Versöhnung.
18.13 Die Barmherzigkeit eines Menschen gilt allein seinem Nächsten; aber die Barmherzigkeit des Herrn gilt der ganzen Welt. Er weist zurecht, erzieht und belehrt und führt zurück wie ein Hirte seine Herde.
18.14 Er erbarmt sich aller, die sich erziehen lassen und eifrig seine Ordnungen befolgen.

Barmherzigkeit mit dem Nächsten

18.15 Mein Kind, wenn du jemand Gutes tust, so tu's nicht mit tadelnden Worten; und wenn du jemand etwas gibst, so kränke ihn nicht dabei.
18.16 Kühlt nicht der Tau die Hitze? So ist das Wort besser als die Gabe.
18.17 Gilt nicht ein Wort mehr als eine gute Gabe? Und ein freundlicher Mensch gibt sie beide.
18.18 Ein Narr schmäht lieblos, und eines Böswilligen Gabe führt zu Tränen.

Bedenke das EndeÜber die Selbstbeherrschung

18.19 Lerne, bevor du redest, und sorge für deine Gesundheit, bevor du krank wirst;
18.20 prüfe dich selbst, bevor das Gericht kommt, so wirst du in der Stunde der Heimsuchung Gnade finden.
18.21 Übe Demut, ehe du krank wirst, und noch im Augenblick der Sünde kehre um.
18.22 Lass dich nicht aufhalten, dein Gelübde bald zu erfüllen, und warte nicht bis an den Tod, um es einzulösen.
18.23 Mache dich bereit für das Gelübde, ehe du es ablegst, und sei nicht wie einer, der den Herrn versucht.
18.24 Denk an den Zorn, der am Ende kommen wird, und an die Stunde der Strafe, in der Gott sein Antlitz abwendet.
18.25 Wenn man satt ist, soll man bedenken, dass man vielleicht wieder hungern muss; und wenn man reich ist, soll man bedenken, dass man wieder arm werden kann.
18.26 Es kann vor Abend noch ganz anders werden, als es am Morgen war; so schnell wandelt sich alles vor dem Herrn.
18.27 Ein weiser Mensch ist in allem sorgsam, und wenn andre sündigen, hütet er sich vor Verfehlungen.
18.28 Wer verständig ist, nimmt solche Weisheit an und preist den, der sie gefunden hat.
18.29 Wer Weisheitslehren recht versteht, ist selbst ein Weiser und findet treffende Sprüche. [Besser mit Freimut vor einem einzigen Herrscher gesprochen, als mit totem Herzen einem toten Herrscher anzuhängen.]
18.30 Folge deinen Begierden nicht, sondern zügle dein Verlangen.
18.31 Denn wenn du deinen Begierden folgst, so wirst du dich zum Gespött deiner Feinde machen.
18.32 Sei kein Prasser und gewöhne dich nicht ans Schlemmen,
18.33 damit du nicht zum Bettler wirst, der andre von geliehenem Geld bewirtet, weil er kein eigenes im Beutel hat. [Denn sonst wirst du zum Verräter an deinem eigenen Leben.]

Neunzehntes Kapitel

19.1 Ein Arbeiter, der sich gern vollsäuft, wird nicht reich; und wer das Wenige allzu gering achtet, der kommt zu Fall.
19.2 Wein und Weiber betören die Weisen; und wer sich an Huren hängt, der wagt zu viel;
19.3 den fressen Maden und Würmer, und wer so verwegen lebt, der wird hinweggerafft.

Über böses Gerede

19.4 Wer leichtgläubig ist, der ist leichtsinnig, und wer sündigt, der schadet sich selbst.
19.5 Wer sich über eine Bosheit freut, den wird man verachten, [wer gegen seine Gelüste kämpft, der krönt sein Leben.
19.6 Wer seine Zunge im Zaum hält, der wird in Frieden leben,] und wer Geschwätz hasst, der verringert das Übel.
19.7 Hörst du etwas, so sage es nicht weiter, und dir wird es an nichts fehlen.
19.8 Du sollst es weder Freund noch Feind sagen, und wenn es für dich keine Sünde bedeutet, gib es nicht preis.
19.9 Denn man hört dir wohl zu, aber man hütet sich vor dir, und bei Gelegenheit lässt man dich den Hass spüren.
19.10 Hast du etwas gehört, so lass es mit dir sterben; sei ohne Sorge, du wirst ja nicht davon bersten!
19.11 Aber aus einem Narren bricht es heraus wie ein Kind, das geboren werden will.
19.12 Wie der Pfeil im Schenkel so steckt das Wort im Bauch des Narren.
19.13 Stell deinen Freund zur Rede; vielleicht hat er's nicht getan. Hat er's aber doch getan, damit er's nicht wieder tut.
19.14 Stell deinen Nächsten zur Rede; vielleicht hat er's nicht gesagt. Hat er's aber doch gesagt, damit er's nicht wieder sagt.
19.15 Stell deinen Freund zur Rede, denn man verleumdet die Leute gern. Darum glaube nicht alles, was du hörst.
19.16 Oft entfährt einem ein Wort, das nicht so gemeint war; denn wer hat noch nicht mit der Zunge gesündigt?
19.17 Stell deinen Nächsten zur Rede, bevor du ihm drohst, und bedenke, was das Gesetz des Höchsten fordert.
19.18 [Der Herr nimmt die an, die ihn fürchten, und Weisheit erwirkt seine Liebe.
19.19 Die Gebote des Herrn zu kennen, ist Erziehung zum Leben; die aber tun, was ihm gefällt, ernten vom Baum der Unsterblichkeit.]

Weisheit und Arglist

19.20 Alle Weisheit besteht in der Furcht des Herrn, und zu aller Weisheit gehört das Tun des Gesetzes [und die Erkenntnis seiner Allmacht.
19.21 Ein Knecht, der zum Herrn sagt: »Ich tue nicht, was du willst«, erzürnt seinen Ernährer, auch wenn er es dann doch tut].
19.22 Böses zu kennen, ist keine Weisheit, und die Pläne der Sünder sind nicht Klugheit zu nennen.
19.23 Es gibt eine Schläue, die ein Gräuel ist, und der ist ein Tor, dem es an Weisheit fehlt.
19.24 Besser ist geringe Klugheit mit Gottesfurcht als große Klugheit mit Übertretung des Gesetzes.
19.25 Einer kann listig und schlau sein und ist doch nicht gerecht. Er kann eine Sache so verdrehen, dass er im Gericht besteht [und im Urteil der Gerechten als weise gilt].
19.26 Manch einer ist boshaft: Er gibt sich ernsthaft, sein Inneres aber ist voll Arglist.
19.27 Er schlägt die Augen nieder und stellt sich taub; und wenn du nicht auf ihn achtgibst, so wird er dich übervorteilen.
19.28 Und wenn er auch zu schwach ist, um dir zu schaden, so wird er's doch tun, wenn er seine Zeit gekommen sieht.
19.29 Man sieht's einem an, was für ein Mann er ist, und einen Vernünftigen erkennt man, wenn man ihm ins Gesicht sieht.
19.30 Denn an Kleidung, Lachen und Gang erkennt man den Mann.

Zwanzigstes Kapitel

Reden und Schweigen

20.1 Es tadelt einer oft seinen Nächsten zur Unzeit, doch wäre es klüger, wenn er schwiege.
20.2 Es ist besser, offen zu tadeln, als heimlich zu grollen;
20.3 und wer's mit Dank annimmt, dem bringt's Nutzen.
20.4 Wer mit Gewalt ein Urteil erzwingen möchte, der ist wie ein Eunuch, der eine Jungfrau schänden will.
20.5 Der eine schweigt und wird deshalb für weise gehalten; der andere macht sich unbeliebt, weil er viel redet.
20.6 Der eine schweigt, weil er nichts zu antworten weiß; der andere aber schweigt und wartet auf seine Zeit.
20.7 Ein weiser Mann schweigt, bis er seine Zeit gekommen sieht; aber ein Prahler und Narr achtet nicht auf die rechte Zeit.
20.8 Wer viele Worte macht, wird verabscheut; und wer auf seinem Recht besteht, macht sich verhasst. [Wie gut, wenn jemand getadelt wird und Reue zeigt, so wird er mutwillige Sünde vermeiden.]

Gewinn und Verlust

20.9 Manches Unglück führt einen zum Guten, und mancher Gewinn führt zum Schaden.
20.10 Manche Gaben bringen keinen Gewinn; andere dagegen werden doppelt vergolten.
20.11 Mancher, der in hohem Ansehen steht, fällt tief; und mancher, der erniedrigt ist, kommt empor.
20.12 Mancher kauft zunächst viel für wenig Geld; aber nachher muss er's siebenfach bezahlen.

Der unbeliebte Narr

20.13 Ein weiser Mann macht sich mit wenigem beliebt, aber was Narren schenken, hat keinen Wert.
20.14 Das Geschenk des Narren wird dir nichts nützen; [auch nicht das eines Neiders, weil er etwas dafür erwartet,] denn mit einem Auge gibt er und mit sieben Augen sieht er, was er dafür bekommt.
20.15 Er gibt wenig und hält es einem vielfach vor und schreit's aus wie ein Ausrufer. Heute leiht er, morgen will er's wiederhaben. Das sind widerwärtige Leute.
20.16 Der Narr klagt: »Niemand ist mein Freund; niemand dankt mir für meine Wohltaten. Sie essen mein Brot und reden schlecht von mir.«
20.17 Wie oft und von wie vielen wird er verspottet! [Denn mit seinem Besitz ist er nicht in rechter Weise umgegangen. Selbst nichts zu besitzen, ist ihm gleichgültig.]

Unzeitiges Reden

20.18 Besser, es kommt einer auf schlüpfrigem Boden zu Fall als durch sein Reden; so geht's den Bösen: Plötzlich müssen sie fallen.
20.19 Ein grober Mensch fällt auf durch unpassende Reden; im Munde unerzogener Leute sind sie gang und gäbe.
20.20 Auch wenn ein Narr etwas Richtiges sagt, so findet es doch keinen Anklang; denn er sagt es nicht zur rechten Zeit.

Armut und falsche Scham

20.21 Manchen hindert nur seine Armut daran, Böses zu tun; kommt er zur Ruhe, so hat er kein schlechtes Gewissen.
20.22 Mancher setzt sein Leben aufs Spiel aus Furcht vor Schande; aber um törichter Leute willen verliert er es.
20.23 Mancher macht aus Scham seinem Freund Versprechungen und macht ihn sich grundlos zum Feind.

Warnung vor LügenWeisheitssprüche

20.24 Die Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen; im Munde unerzogener Leute ist sie gang und gäbe.
20.25 Schlimmer als ein Dieb ist ein Mensch, der ständig lügt; aber zuletzt werden sie beide untergehen.
20.26 Ein verlogener Mensch ist ehrlos, und sein schändliches Verhalten hört nicht auf.
20.27 Ein weiser Mann bringt sich mit wenigem zu Ehren, und ein kluger Mann gefällt den Mächtigen.
20.28 Wer einen Acker fleißig bebaut, vermehrt seine Ernte; und wer dem Mächtigen gefällt, kann Unrecht gutmachen.
20.29 Geschenke und Gaben machen die Augen der Weisen blind. Sie sind wie ein Zaum im Maul, sodass sie niemand mehr zurechtweisen können.
20.30 Verborgene Weisheit und ein vergrabener Schatz, was nützen sie beide?
20.31 Besser ein Mensch, der seine Torheit verbirgt, als einer, der seine Weisheit verheimlicht.
20.32 [Besser unbeirrte Geduld bei der Suche nach dem Herrn, als ein unbeherrschter Wagenlenker des eigenen Lebens zu sein.]

Einundzwanzigstes Kapitel

Warnung vor Sünden

21.1 Mein Kind, hast du gesündigt? Tu es nicht wieder und bitte, dass dir die früheren Sünden vergeben werden.
21.2 Flieh vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn wenn du ihr zu nahe kommst, beißt sie dich. Ihre Zähne sind wie die Zähne der Löwen; sie rauben den Menschen das Leben.
21.3 Wie ein zweischneidiges Schwert ist jede Übertretung des Gesetzes; für die Wunde, die es schlägt, gibt es keine Heilung.
21.4 Gewalt und Hochmut werden den Reichtum vernichten; so wird das Haus des Hoffärtigen zerstört.
21.5 Die Bitte aus dem Mund eines Bettlers kommt Gott zu Ohren, und sein Urteil folgt auf dem Fuße.
21.6 Wer Tadel hasst, der ist schon auf dem Weg des Sünders; und wer den Herrn fürchtet, der wird im Herzen umkehren.
21.7 Wer zu reden versteht, ist weithin bekannt, und ein Kluger merkt, wo er fehlgeht.
21.8 Wer sein Haus baut mit fremdem Hab und Gut, gleicht einem, der Steine für sein Grab sammelt.
21.9 Die Schar der Gottlosen ist wie Werg, das vom Feuer verzehrt wird.
21.10 Die Sünder gehen auf einem gepflasterten Weg, aber an seinem Ende ist der Abgrund der Hölle.

Weise und Narren

21.11 Wer das Gesetz hält, der beherrscht seine Gedanken, und Vollendung der Furcht des Herrn ist Weisheit.
21.12 Wer nicht klug ist, der lässt sich nicht erziehen; es gibt aber eine Klugheit, die viel Bitterkeit schafft.
21.13 Die Erkenntnis eines Weisen wächst wie eine Flut, und wie eine Quelle des Lebens ist sein Rat.
21.14 Das Innere des Narren ist wie ein Topf mit einem Sprung und kann keine Erkenntnis behalten.
21.15 Wenn ein Vernünftiger eine kluge Lehre hört, lobt er sie und fügt noch mehr hinzu; hört sie aber einer, der im Überfluss lebt, missfällt sie ihm, und er kehrt ihr den Rücken.
21.16 Die Rede des Narren drückt wie eine Last beim Gehen; aber wenn ein Verständiger redet, hört man gern zu.
21.17 In der Gemeinde bittet man den Einsichtigen zu reden; und seine Worte bedenkt man im Herzen.
21.18 Weisheit ist für den Narren wie ein verfallenes Haus; und die Erkenntnis des Unverständigen hält der Prüfung nicht stand.
21.19 Erziehung ist für den Narren wie eine Fessel an den Füßen und an der rechten Hand.
21.20 Ein Narr lacht überlaut; ein kluger Mann lächelt ein wenig.
21.21 Für den Einsichtigen ist Erziehung wie goldener Schmuck und wie Geschmeide am rechten Arm.
21.22 Ein Narr läuft einfach ins Haus; aber ein erfahrener Mann scheut sich davor.
21.23 Ein Narr schaut einfach zum Fenster hinein; aber ein Wohlerzogener bleibt draußen stehen.
21.24 Es ist ungezogen, an der Tür zu horchen; für den Vernünftigen wäre das eine große Schmach.
21.25 Die Fremden werden davon erzählen, die Einsichtigen aber halten ihre Worte im Zaum.
21.26 Die Narren tragen ihr Herz auf der Zunge, aber die Weisen haben ihren Mund im Herzen.
21.27 Wenn der Gottlose dem Satan flucht, so flucht er sich selbst.
21.28 Wer übel nachredet, befleckt seine eigene Seele, und in der Nachbarschaft wird er gehasst.

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Ungeratene Kinder

22.1 Ein fauler Mensch ist wie ein schmutziger Stein, und jeder zischt ihn aus wegen seiner Schande.
22.2 Ein fauler Mensch ist wie ein Mistklumpen; wer ihn aufhebt, muss sich die Hände abwischen.
22.3 Unerzogene Kinder sind eine Schande für den Vater, und eine missratene Tochter bringt ihm Schaden.
22.4 Eine vernünftige Tochter wird einen Mann bekommen; aber eine Tochter, die sich schändlich aufführt, macht ihrem Vater Kummer.
22.5 Eine freche Tochter ist für den Vater wie für den Mann eine Schande und wird von beiden verachtet.
22.6 Eine Rede zur Unzeit ist wie fröhliches Saitenspiel in der Zeit der Trauer. Doch Schläge und Zucht sind allezeit weise.
22.7 [Kinder, die ein gutes Leben und ihr Auskommen haben, werden die niedrige Herkunft ihrer Eltern verheimlichen.
22.8 Kinder, die verächtlich und unerzogen prahlen, beflecken ihre gute Herkunft.]

Vom Umgang mit Narren

22.9 Wer einen Narren lehrt, der leimt Scherben zusammen oder handelt wie einer, der jemanden aus tiefem Schlaf weckt.
22.10 Wer mit einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden, der am Ende fragt: Was ist denn?
22.11 Über einen Toten soll man trauern, denn das Licht ist ihm erloschen; und über einen Narren soll man trauern, denn der Verstand ist ihm erloschen. Doch soll man über einen Toten nicht zu sehr trauern; denn er ist zur Ruhe gekommen; aber das Leben des Narren ist schlimmer als der Tod.
22.12 Sieben Tage trauert man über einen Toten, aber über Narren und Gottlose ihr Leben lang.
22.13 Rede nicht viel mit einem Narren; und geh nicht zu einem Unverständigen. [Denn er wird dich nicht verstehen und alles verachten, was dich angeht.] Hüte dich vor ihm, dass du nicht Mühe durch ihn hast und durch das befleckt wirst, was er ausspeit. Weiche ihm aus, so findest du Ruhe und kommst nicht in Angst und Not durch seine Torheit.
22.14 Was ist schwerer als Blei? Wie kann man ihn anders nennen als »Narr«?
22.15 Sand, Salz und Eisen sind leichter zu tragen als ein unverständiger Mensch.

Das furchtlose Herz

22.16 Wie ein Haus, das Holzbalken in seinen Mauern hat, beim Erdbeben nicht einstürzt, so ist auch ein Herz, das auf klugen Rat baut: Es fürchtet sich zu keiner Zeit.
22.17 Wie schöner Stuck an einer glatten Wand, so ist ein Herz, das festhält an verständiger Erkenntnis.
22.18 Wie kleine Steine auf der Höhe dem Wind nicht standhalten, so hält ein zaghaftes Herz, das Törichtes vorhat, keinem Schrecken stand.

Freundschaft und Vergebung

22.19 Wer ins Auge trifft, treibt Tränen hervor; wer ins Herz trifft, löst Kummer aus.
22.20 Wer einen Stein unter die Vögel wirft, der scheucht sie weg; wer seinen Freund schmäht, der zerstört die Freundschaft.
22.21 Selbst wenn du gegen deinen Freund das Schwert gezückt hast, gib die Hoffnung nicht auf; denn es gibt einen Weg zurück.
22.22 Hast du gegen deinen Freund den Mund aufgetan, so sei ohne Sorge, denn ihr könnt euch wieder versöhnen; nur Schmähung, Missachtung, Verrat von Geheimnissen und hinterlistige Nachrede: Das verjagt jeden Freund.
22.23 Bleib deinem Nächsten treu, wenn er arm wird, damit du dich mit ihm freuen kannst, wenn's ihm wieder gut geht. Halte zu ihm, wenn's ihm schlecht geht, damit du auch sein Glück mit ihm teilen kannst. [Denn niemals darf man nach dem Äußeren urteilen, und ein Reicher ohne Verstand ist nicht der Bewunderung wert.]
22.24 Rauch und Qualm im Ofen gehen dem Feuer voraus; so kommt vor dem Blutvergießen das Schmähen.
22.25 Ich schäme mich nicht, den Freund zu schützen, und ziehe mich nicht von ihm zurück.
22.26 Widerfährt mir aber etwas Böses von ihm, dann wird sich jeder vor ihm hüten, der davon hört.

Bitte um Bewahrung vor GottlosigkeitErziehung zur rechten Rede

22.27 Wer legt ein Schloss vor meinen Mund und drückt ein Siegel fest auf meine Lippen, dass ich nicht zu Fall komme und meine Zunge mich nicht verdirbt?

Dreiundzwanzigstes Kapitel

23.1 Herr, Vater und Herrscher über mein Leben, verlass mich nicht, wenn meine Zunge mich verführen will, und lass mich durch sie nicht zu Fall kommen.
23.2 Wer gibt mir eine Geißel für meine Gedanken und eine Zuchtrute zur Weisheit für mein Herz, dass ich nicht geschont werde, wenn ich falsch handle, und meine Sünden nicht unbestraft bleiben,
23.3 dass meine Torheiten nicht mehr werden und meine Sünden nicht zunehmen, damit ich nicht zu Fall komme vor meinen Feinden und ihnen zum Spott werde? [Vergebens hoffen sie auf dein Erbarmen!]
23.4 Herr, Vater und Gott meines Lebens, behüte mich vor hochmütigem Blick
23.5 und wende Begierde von mir ab!
23.6 Lass mich nicht in Schlemmerei und Unkeuschheit geraten und behüte mich vor Schamlosigkeit!
23.7 Ihr Kinder, hört die Unterweisung zur rechten Rede; denn wer ihr folgt, der wird sich in seinen Worten nicht so vergreifen,
23.8 wie der Sünder sich verfängt und Lästerer und Hochmütige durch sie zu Fall kommen.
23.9 Gewöhne deinen Mund nicht ans Schwören und nicht daran, ständig den Namen des Heiligen zu nennen.
23.10 Denn wie ein Knecht, der beim Verhör oft geschlagen wird, nicht ohne Striemen ist, so kann auch der nicht rein von Sünde bleiben, der oft schwört und Gottes Namen ständig nennt.
23.11 Wer oft schwört, der sündigt oft, und die Plage wird seinem Hause nicht fernbleiben. Schwört er unbedacht, so sündigt er dennoch; hält er's nicht, so sündigt er zweifach; schwört er aber ohne Grund, so wird er nicht gerecht gesprochen. So oder so: Sein Haus wird hart bestraft.
23.12 Es gibt eine Art zu reden, die dem Tod gleicht; dies sei ferne vom Haus Jakob! Die Gottesfürchtigen sollen all dies meiden und sich nicht in solche Sünden verstricken.
23.13 Gewöhne deinen Mund nicht an ungehörige und schmutzige Rede; denn sie ist die Sprache der Sünde.
23.14 Denk an deinen Vater und deine Mutter, wenn du unter vornehmen Leuten sitzt, damit du dich nicht vor ihnen vergisst und nicht durch dein Benehmen zum Narren wirst, sonst wünschst du schließlich, du wärst nie geboren, und verfluchst den Tag deiner Geburt.
23.15 Wer sich daran gewöhnt, schändlich zu reden, der nimmt sich sein Leben lang nicht in Zucht.

Warnung vor UnzuchtDas Lob der Weisheit

23.16 Zwei Arten von Menschen begehen viele Sünden, und die dritte bringt Strafe über sich: Ein hitziges Gemüt ist wie ein brennendes Feuer; es hört nicht auf, bis es sich selbst verzehrt hat. Der Leib eines unzüchtigen Menschen findet keine Ruhe, bis das Feuer ausgebrannt ist.
23.17 Einem unzüchtigen Menschen scheint alle Speise süß, und er lässt nicht ab bis zum Ende.
23.18 Ein Mann bricht seine Ehe und denkt bei sich: Wer sieht mich schon? Es ist finster um mich, und die Wände verbergen mich, sodass mich niemand sieht; was soll ich scheuen? Der Höchste achtet auf meine Sünden nicht.
23.19 Solch einer scheut nur die Augen der Menschen und bedenkt nicht, dass die Augen des Herrn vieltausendmal heller sind als die Sonne und alles sehen, was die Menschen tun, und auch in die verborgenen Winkel schauen;
23.20 alle Dinge sind ihm bekannt, ehe sie geschaffen werden, und ebenso, wenn sie vollbracht sind.
23.21 Dieser Mann wird öffentlich in der Stadt bestraft werden, und er wird ergriffen, wenn er sich's am wenigsten versieht.
23.22 Ebenso wird's auch einer Frau ergehen, die ihren Mann betrügt und einen Erben von einem andern bekommt.
23.23 Erstens ist sie dem Gebot des Höchsten ungehorsam, zum andern versündigt sie sich an ihrem Mann, und zum Dritten bekommt sie durch ihre Unzucht Kinder von einem andern.
23.24 Eine solche Frau wird man der Gemeinde vorführen, und ihre Kinder müssen's büßen.
23.25 Ihre Kinder werden nicht zur Wurzel eines Stammes, und ihre Zweige bringen keine Frucht.
23.26 Wenn man sich an sie erinnert, flucht man ihr, und ihre Schande wird niemals ausgetilgt.
23.27 Daran lernen die Nachkommen, dass nichts besser ist, als den Herrn zu fürchten, und nichts süßer, als auf die Gebote des Herrn zu achten.
23.28 [Gott zu folgen, bringt großen Ruhm. Und ein langes Leben bedeutet: Er nimmt dich an.]

Vierundzwanzigstes Kapitel

24.1 Die Weisheit preist sich selbst, und im Volk rühmt sie sich.
24.2 Sie tut ihren Mund auf in der Gemeinde des Höchsten und rühmt sich im Angesicht seiner Macht:
24.3 »Ich ging aus vom Munde des Höchsten und bedeckte wie Nebel die Erde.
24.4 Mein Zelt war in der Höhe und auf einer Wolkensäule mein Thron.
24.5 Ich allein umkreiste des Himmels Gewölbe und durchzog die Tiefe des Abgrunds.
24.6 Auf den Wogen des Meeres, überall auf Erden, unter allen Menschen und Völkern gewann ich Besitz.
24.7 Bei diesen allen suchte ich Wohnung, um in einem Land Erbbesitz zu finden.
24.8 Da gebot mir der Schöpfer aller Dinge, und der mich geschaffen hat, gab mir eine bleibende Wohnung und sprach: In Jakob sollst du wohnen, und in Israel soll dein Erbbesitz sein.
24.9 Vor der Welt, von Anbeginn hat er mich geschaffen, und ich werde ewig bleiben.
24.10 Im heiligen Zelt habe ich vor ihm gedient und so auf dem Zion eine feste Stätte gefunden.
24.11 Er hat mich in die geliebte Stadt gesetzt, dass ich in Jerusalem regieren sollte.
24.12 Ich habe Wurzeln geschlagen bei einem geehrten Volk, im Eigentum des Herrn, meinem Erbteil.
24.13 Ich bin hochgewachsen wie eine Zeder auf dem Libanon und wie eine Zypresse auf dem Gebirge Hermon.
24.14 Ich bin hochgewachsen wie eine Palme in En-Gedi und wie die Rosenstöcke in Jericho, wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin hochgewachsen wie eine Platane.
24.15 Ich strömte einen lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Kräuter und duftete wie die beste Myrrhe, wie Galbanum und Onyx und Harz und wie der Weihrauch im Tempel.
24.16 Ich breitete meine Zweige aus wie eine Terebinthe, und meine Zweige waren herrlich und schön.
24.17 Ich spross lieblich wie der Weinstock, und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.
24.18 [Ich bin die Mutter der schönen Liebe und der Gottesfurcht und der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung. Mit allen meinen Kindern gebe ich denen Leben, die von ihm benannt sind.]
24.19 Kommt her zu mir alle, die ihr nach mir verlangt, und sättigt euch an meinen Früchten!
24.20 Denn an mich zu denken, ist süßer als Honig, und mich zu besitzen, süßer als Honigseim.
24.21 Wer von mir isst, den hungert immer nach mir; und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir.
24.22 Wer mir gehorcht, der wird nicht zuschanden; und wer mir dient, der wird nicht sündigen.«

Weisheit und Gotteswort

24.23 Dies alles ist das Buch des Bundes, den der höchste Gott aufgerichtet hat, das Gesetz, das uns Mose befohlen hat, das Erbe der Gemeinden Jakobs.
24.24 [Werdet nicht müde, stark zu sein im Herrn, hängt ihm an, damit er euch stärkt. Der Herr, der Allmächtige, er allein ist Gott, und es gibt keinen Retter außer ihm.]
24.25 Das Gesetz erfüllt mit Weisheit, so wie der Pischon und der Tigris anschwellen in den Tagen des Frühlings;
24.26 es lässt Verstand überströmen wie der Euphrat und wie der Jordan in den Tagen der Ernte;
24.27 es lässt Bildung aufscheinen wie Licht, wie der Gihon in den Tagen der Weinlese.
24.28 Niemand hat bisher die Tiefe der Weisheit erkannt, und niemand wird sie je ergründen.
24.29 Denn ihr Sinn ist reicher als das Meer und ihr Rat tiefer als der große Abgrund.
24.30 So ging auch ich aus einem Strom hervor wie ein Wassergraben, wie eine Wasserleitung zu einem Lustgarten.
24.31 Ich sprach: Ich will meinen Garten wässern und meine Beete tränken. Und siehe, mein Wassergraben führt wieder zum Strom und mein Strom zum Meer.
24.32 Immerdar lasse ich Bildung leuchten wie den lichten Morgen und lasse sie scheinen bis in die Ferne.
24.33 Immerdar schütte ich meine Lehre aus wie eine Weissagung und hinterlasse sie künftigen Geschlechtern.
24.34 Seht, dass ich mich nicht für mich allein gemüht habe, sondern für alle, die Weisheit suchen.

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Drei gute und drei böse Dinge

25.1 Drei Dinge gefallen mir, die dem Herrn und den Menschen wohlgefallen: brüderliche Eintracht, Liebe zum Nächsten und wenn Frau und Mann gut miteinander umgehen.
25.2 Drei Dinge gibt es, denen ich von Herzen feind bin, und es missfällt mir sehr, dass es sie gibt: wenn ein Armer hoffärtig ist und ein Reicher lügt und ein alter Ehebrecher keine Einsicht hat.

Die Weisheit des Alters

25.3 Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden?
25.4 Wie schön ist's, wenn die grauen Häupter urteilen können und die Alten Rat wissen.
25.5 Wie schön ist Weisheit bei den Alten und bei Angesehenen Überlegung und Rat.
25.6 Die Krone der Alten ist reiche Erfahrung; und ihre Ehre ist die Furcht des Herrn.

Zehn gute Dinge

25.7 Neun Dinge kommen mir in den Sinn, die ich in meinem Herzen lobe, und das zehnte will ich mit meinem Munde preisen: ein Mann, der Freude an seinen Kindern hat; einer, der erlebt, dass seine Feinde untergehen.
25.8 Wohl dem, der eine verständige Frau hat! Einer, der mit seiner Rede kein Unheil anrichtet; einer, der denen nicht dienen muss, die seiner nicht wert sind.
25.9 Wohl dem, der Einsicht gefunden hat und lehrt, wo man ihm zuhört!
25.10 Wie groß ist der, der Weisheit gefunden hat! Aber niemand ist über dem, der den Herrn fürchtet.
25.11 Die Furcht des Herrn übertrifft alles. Wer sie festhält – mit wem kann man den vergleichen?
25.12 [Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Liebe zu Gott, der Glaube aber ist der Anfang des Weges mit ihm.]

Die böse Frau

25.13 Es ist kein Leiden so groß wie Herzeleid. Es ist keine Bosheit so schlimm wie Frauenbosheit.
25.14 Es ist keine Heimsuchung so schwer wie die Heimsuchung durch Menschen, die hassen. Es ist keine Rachgier so groß wie die Rachgier von Feinden.
25.15 Es ist kein Gift so stark wie Schlangengift und kein Zorn so bitter wie der Zorn einer Frau.
25.16 Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen als bei einer bösen Frau.
25.17 Wenn sie böse wird, verzerren sich ihre Züge, und sie verfinstert ihr Gesicht wie ein Bär.
25.18 Ihr Mann muss vor Bitterkeit seufzen, wenn er bei seinen Freunden sitzt.
25.19 Alle Schlechtigkeit ist gering gegen die Schlechtigkeit einer Frau; es geschehe ihr das, was dem Sünder geschieht!
25.20 Eine schwatzhafte Frau ist für einen stillen Mann wie ein sandiger Weg bergauf für einen alten Mann.
25.21 Fall nicht auf die Schönheit einer Frau herein, und begehre sie nicht!
25.22 Es gibt Streit, Beschimpfung und große Schande, wenn eine Frau ihren Mann ernährt.
25.23 Eine böse Frau schafft ein betrübtes Herz, ein trauriges Angesicht und Herzeleid. Eine Frau, die ihren Mann nicht glücklich macht, lässt seine Hände schlaff werden und lähmt seine Knie.
25.24 Die Sünde nahm ihren Anfang bei einer Frau, und um ihretwillen müssen wir alle sterben.
25.25 Lass dem Wasser keinen Weg noch einer bösen Frau ihren Willen!
25.26 Will sie dir nicht folgen, verstoße sie!

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Gute Frauen – böse Frauen

26.1 Wohl dem, der eine gute Frau hat! Der lebt noch einmal so lange.
26.2 Eine tüchtige Frau ist für ihren Mann eine Freude und erfüllt seine Jahre mit Frieden.
26.3 Eine gute Frau ist eine köstliche Gabe und wird dem gegeben, der den Herrn fürchtet.
26.4 Ob er reich oder arm ist, sein Herz ist guter Dinge, und er ist allezeit fröhlich.
26.5 Vor drei Dingen scheut sich mein Herz, und vor dem vierten graut mir: böse Gerüchte in der Stadt, Volksauflauf, Verleumdung – all dies ist ärger als der Tod.
26.6 Das aber ist Herzeleid und Kummer, wenn eine Frau auf die andre eifersüchtig ist; und ihr Keifen macht es allen bekannt.
26.7 Eine böse Frau gleicht einem schlecht sitzenden Joch; wer sie nimmt, der fasst einen Skorpion an.
26.8 Eine betrunkene Frau erregt Ärgernis, sie kann ihre Scham nicht bedeckt lassen.
26.9 Eine lüsterne Frau erkennt man an den Augen und an ihren Blicken.
26.10 Hast du eine starrsinnige Tochter, bewache sie scharf, damit sie deine Nachgiebigkeit nicht ausnutzt.
26.11 Wenn sie schamlos blickt, pass gut auf und wundere dich nicht, wenn sie dir Schande macht!
26.12 Wie ein Wanderer, der durstig ist, lechzt und vom nächstbesten Wasser trinkt, das er bekommen kann, so setzt sie sich am Wegrand nieder und öffnet für jeden Pfeil ihren Köcher.
26.13 Eine anmutige Frau erfreut ihren Mann, und ihre Klugheit stärkt ihn.
26.14 Eine Frau, die schweigen kann, ist eine Gabe des Herrn, und eine wohlerzogene Frau ist nicht mit Gold aufzuwiegen.
26.15 Es gibt nichts Liebenswerteres auf Erden als eine schamhafte Frau, und nichts kommt einer keuschen Frau gleich.
26.16 Wie die Sonne, die am hohen Himmel des Herrn aufgeht, so ist die Schönheit einer guten Frau die Zierde ihres Hauses.
26.17 Wie das helle Licht auf dem heiligen Leuchter, so ist ein schönes Antlitz auf edler Gestalt.
26.18 Wie goldene Säulen auf silbernem Sockel so sind schöne Beine auf schlanken Fesseln.
26.19 [Mein Kind, in der Blüte deiner Jahre bewahre deine Gesundheit und vergeude nicht deine Kraft!
26.20 Suche aus allen Feldern das fruchtbarste Land, säe dort deinen Samen aus und vertraue auf deine edle Herkunft!
26.21 So werden deine Nachkommen Bestand haben und die Freiheit rühmen, die ihre edle Herkunft bringt.
26.22 Eine Frau, die sich bezahlen lässt, ist wertlos wie ein Tropfen Speichel, eine verheiratete Frau aber ist wie ein Turm des Todes für die, die zu ihr eingehen.
26.23 Eine gottlose Frau wird dem Frevler zuteil und eine Fromme dem, der den Herrn fürchtet.
26.24 Eine schamlose Frau verzehrt sich in ihrer Schande, eine anmutige Tochter aber begegnet ihrem Mann mit Ehrfurcht.
26.25 Eine starrköpfige Frau ist nicht mehr wert als ein Hund, eine schamhafte aber fürchtet den Herrn.
26.26 Eine Frau, die ihren Mann ehrt, gilt allen als weise. Tut sie dies nicht und überhebt sich, werden alle ihre Gottlosigkeit erkennen. Wohl dem, der eine gute Frau hat! Denn der lebt noch einmal so lange.
26.27 Eine laute und geschwätzige Frau ist wie eine Kriegstrompete, die zum Rückzug bläst. Jeder Mensch, der sich so benimmt, lebt unruhig wie in Kriegswirren.]
26.28 Zwei Dinge sind's, die mich verdrießen, und das dritte erregt meinen Zorn: ein Krieger, den man verarmen lässt, einsichtige Männer, die man verachtet, und einer, der sich von der Gerechtigkeit zur Sünde wendet – den hat der Herr zum Schwert verurteilt.

Betrug beim Handeln

26.29 Ein Kaufmann kann sich kaum vor Unrecht hüten, und ein Händler bleibt nicht frei von Sünden.

Siebenundzwanzigstes Kapitel

27.1 Wegen eines Vorteils sündigen viele; und wer reich werden will, wendet die Augen ab.
27.2 Wie ein Nagel in der Mauer zwischen zwei Steinen steckt, so steckt die Sünde zwischen Kauf und Verkauf.
27.3 Wenn einer nicht beständig ist in der Furcht des Herrn, wird sein Haus bald zerstört.

Die Gesinnung beim Reden

27.4 Wie beim Sieben Unrat zurückbleibt, so werden die Fehler eines Menschen durch Nachdenken sichtbar.
27.5 Wie der Ofen die Gefäße des Töpfers erprobt, so kann man den Menschen prüfen an seiner Rede.
27.6 An der Frucht merkt man, wie der Baum gepflegt ist; ebenso erkennt man das Herz des Menschen an seiner klugen Rede.
27.7 Du sollst niemand loben, bevor du über ihn nachgedacht hast; denn so prüft man die Menschen.
27.8 Folgst du der Gerechtigkeit, so wirst du sie erlangen und anziehen wie ein Ehrenkleid.
27.9 Die Vögel gesellen sich zu ihresgleichen; ebenso kehrt die Wahrheit zurück zu denen, die sie tun.
27.10 Wie der Löwe auf den Raub, so lauert die Sünde auf die, die Unrecht tun.
27.11 Ein Gottesfürchtiger redet allezeit, was weise ist; ein Narr aber ist wandelbar wie der Mond.
27.12 Wenn du unter Unverständigen bist, so geize mit deiner Zeit; aber unter Verständigen kannst du allezeit bleiben.
27.13 Die Rede der Narren ist ein Ärgernis, und sie lachen, wenn sie in Sünden schwelgen.
27.14 Wo man viel schwören hört, da stehen einem die Haare zu Berge; und Streit verstopft die Ohren.
27.15 Wenn Hochmütige streiten, wird Blut vergossen, und ihre Schmähungen anzuhören, ist unerträglich.

Über Geheimnisse

27.16 Wer Geheimnisse preisgibt, der verliert das Vertrauen und findet nie mehr einen Freund.
27.17 Liebe deinen Freund und halte ihm die Treue! Wenn du aber seine Geheimnisse preisgibst, wirst du ihn nicht wiedergewinnen.
27.18 Denn wie einer einen Leichnam schändet, so hast du die Freundschaft mit deinem Nächsten zerstört.
27.19 Wie wenn du einen Vogel aus deiner Hand lässt, so hast du deinen Freund losgelassen und kannst ihn nicht wieder einfangen.
27.20 Lauf ihm nicht nach! Er ist schon zu weit weg, entkommen wie eine Gazelle aus der Schlinge.
27.21 Wunden kann man verbinden, Scheltworte kann man sühnen, aber wer Geheimnisse preisgibt, kann seine Hoffnung aufgeben.

Falschheit und Hinterlist

27.22 Wer mit den Augen winkt, hat Böses im Sinn, und wer das sieht, wird sich von ihm zurückziehen.
27.23 Vor deinen Augen redet er süß und bewundert deine Worte sehr; später aber redet er anders und findet Anstößiges in deinen Worten.
27.24 Vieles hasse ich, aber nichts so wie ihn, auch der Herr wird ihn hassen.
27.25 Wer einen Stein in die Höhe wirft, dem fällt er auf den Kopf; und mit einem tückischen Hieb verwundet man sich selbst.
27.26 Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; wer eine Falle stellt, fängt sich selbst in ihr.
27.27 Wer dem andern Böses tut, auf den fällt es zurück, und er weiß nicht, woher es ihn trifft.
27.28 Spott und Beleidigung dem Hochmütigen! Die Strafe lauert auf ihn wie ein Löwe.
27.29 Wer sich freut am Fall der Frommen, wird in einer Schlinge gefangen, und Gram wird ihn verzehren, bevor er stirbt.

Rachsucht, Streit und Verleumdung

27.30 Zorn und Wüten, das sind Gräuel, doch der Sünder hält an ihnen fest.

Achtundzwanzigstes Kapitel

28.1 Wer sich rächt, an dem wird sich der Herr wieder rächen und wird ihm seine Sünden gewiss anrechnen.
28.2 Vergib deinem Nächsten sein Unrecht, so werden auch dir deine Sünden vergeben, wenn du darum betest.
28.3 Ein Mensch hält gegen den andern am Zorn fest – und will beim Herrn Heilung suchen?
28.4 Er ist unbarmherzig gegen seinesgleichen – und will für seine eigenen Sünden bitten?
28.5 Er ist nur Fleisch und hält am Zorn fest – wer will ihm dann seine Sünden vergeben?
28.6 Denk an das Ende und lass die Feindschaft fahren! Denk an das Verderben und den Tod und bleibe bei den Geboten!
28.7 Denk an die Gebote und zürne deinem Nächsten nicht! Denk an den Bund des Höchsten und vergib die Unwissenheit!
28.8 Lass ab vom Streit, so wirst du weniger sündigen! Denn ein zorniger Mensch entfacht Streit,
28.9 und ein Sünder trennt gute Freunde und hetzt gegeneinander, die in Frieden leben.
28.10 Wenn viel Holz da ist, wird das Feuer umso größer, und wenn der Streit hart ist, entbrennt er umso heftiger; wenn einer Macht hat, wird seine Wut umso größer, und wenn einer reich ist, wird sein Zorn umso heftiger.
28.11 Schnell sein zum Zank zündet ein Feuer an, und schnell sein zum Streit führt zu Blutvergießen.
28.12 Bläst du in die Funken, wird ein Feuer daraus; doch spuckst du auf sie, verlöschen die Funken; und beides kann aus deinem Munde kommen.
28.13 Den Verleumder und Doppelzüngigen soll man verfluchen; denn er richtet viele zugrunde, die in Frieden leben.
28.14 Wer Gerüchte verbreitet, bringt viele Leute zu Fall und vertreibt sie aus einem Land ins andre. Er reißt feste Städte ein und zerstört die Paläste der Fürsten.
28.15 Wer Gerüchte verbreitet, verstößt tüchtige Frauen und beraubt sie der Früchte ihrer Arbeit.
28.16 Wer auf Gerüchte hört, hat keine Ruhe mehr und kann nicht in Frieden leben.
28.17 Der Hieb der Geißel macht Striemen; aber der Hieb der Zunge zerschmettert Knochen.
28.18 Viele sind gefallen durch die Schärfe des Schwerts, aber nicht so viele wie durch die Zunge.
28.19 Wohl dem, der vor ihr bewahrt bleibt und von ihrem Zorn verschont wird, der ihr Joch nicht tragen muss und nicht mit ihren Fesseln gebunden ist!
28.20 Denn ihr Joch ist eisern, und ehern sind ihre Fesseln.
28.21 Bitteren Tod bringt die Zunge, selbst die Unterwelt ist besser als sie.
28.22 Die Frommen aber wird sie nicht unterdrücken, und sie werden in ihrem Feuer nicht verbrennen.
28.23 Die den Herrn verlassen, werden ihr verfallen; ihr Feuer werden sie noch anfachen, und keiner kann es löschen. Wie ein Löwe setzt sie ihnen nach und zerfleischt sie wie ein Panther.
28.24 Umzäune deinen Besitz mit Dornen, und lege Schloss und Riegel vor deinen Mund!
28.25 Wäge und verwahre dein Silber und Gold, und lege deine Worte auf die Goldwaage!
28.26 Hüte dich, dass du nicht ausgleitest und deine Zunge dich nicht zu Fall bringt vor dem, der auf dich lauert!

Neunundzwanzigstes Kapitel

Über Darlehen und ihre Rückzahlung

29.1 Wer seinem Nächsten etwas leiht, tut ein Werk der Barmherzigkeit, und wer ihm aushilft, der hält die Gebote.
29.2 Leihe deinem Nächsten, wenn er's nötig hat, und zahle auch du deinem Nächsten deine Schulden, wenn es an der Zeit ist.
29.3 Halte dein Wort und sei zuverlässig, dann bekommst du stets, was du brauchst.
29.4 Viele halten ein Darlehen für ein Geschenk und fallen dem zur Last, der ihnen geholfen hat.
29.5 Manch einer küsst die Hände, bis er erhält, was er verlangt, und redet unterwürfig, um an das Geld des Nächsten zu kommen; aber wenn er's zurückgeben soll, verzögert er's, klagt und bittet um Aufschub.
29.6 Wenn er bezahlen kann, bekommt jener kaum die Hälfte zurück, und selbst darüber muss er froh sein. Wenn aber nicht, so bringt er den anderen um sein Geld und macht ihn sich zum Feind. Denn er bezahlt ihn mit Fluchen und Schelten und gibt ihm Schmähworte statt Dank.
29.7 Viele verleihen ungern, nicht aus Bosheit, sondern weil sie fürchten, schuldlos um ihr Gut zu kommen.
29.8 Doch du habe Geduld mit dem Bedürftigen, sei barmherzig und dränge ihn nicht!
29.9 Um des Gebotes willen hilf dem Armen, und lass ihn in der Not nicht mit leeren Händen fortgehen.
29.10 Verlier dein Geld lieber an deinen Bruder oder Freund, und lass es nicht unter einem Stein rosten, bis es verloren ist!
29.11 Sammle dir einen Schatz nach dem Gebot des Allerhöchsten: Er wird dir mehr einbringen als alles Gold.
29.12 Fülle deine Kammer mit Wohltaten: Sie werden dich aus allem Unglück retten;
29.13 sie werden dich besser vor deinen Feinden schützen als ein starker Schild oder schwerer Spieß.

Über Bürgschaften

29.14 Ein guter Mann bürgt für seinen Nächsten, aber ein Schamloser lässt ihn im Stich.
29.15 Vergiss nicht, was dein Bürge für dich getan hat, denn er hat sich selbst für dich verpfändet.
29.16 Der Sünder bringt seinen Bürgen um Hab und Gut,
29.17 und der Undankbare lässt seinen Retter im Stich. Eine Bürgschaft hat viele aufrechte Leute zugrunde gerichtet und umhergeworfen wie die Wellen im Meer.
29.18 Sie hat mächtige Männer von Haus und Hof vertrieben, dass sie in fremden Ländern umherirren mussten.
29.19 Ein Sünder gerät in eine Bürgschaft, und wer auf Gewinn aus ist, wird vor Gericht gezogen.
29.20 Hilf deinem Nächsten aus, soviel du kannst; doch sieh dich vor, dass du nicht selbst darüber zu Schaden kommst!

Vom Elend in der FremdeÜber die Kinder

29.21 Das Erste zum Leben sind Wasser und Brot, Kleider und Haus als Schutz.
29.22 Besser ein armes Leben in einer eigenen Hütte als ein köstlich gedeckter Tisch in fremden Häusern.
29.23 Lass dir genügen, ob du wenig oder viel hast; so wirst du nicht als Fremder geschmäht.
29.24 Denn es ist ein schlimmes Leben, von Haus zu Haus zu ziehen. Und wo du fremd bist, darfst du deinen Mund nicht auftun.
29.25 Auch wenn du Speis und Trank bereitest, wirst du keinen Dank erfahren und sogar noch bittere Worte hören:
29.26 »Auf, Fremder, komm, bereite den Tisch und lass mich essen, was du hast!«,
29.27 oder: »Geh, Fremder, du verdienst die Ehre nicht; mein Bruder kommt zu Gast, ich muss das Haus haben.«
29.28 Das ist schwer für einen vernünftigen Menschen: Verachtung in der Fremde und Schmähung als Gläubiger.

Dreißigstes Kapitel

30.1 Wer seinen Sohn lieb hat, der wird ihn stets züchtigen, dass er bis ins Alter Freude an ihm habe.
30.2 Wer seinen Sohn so erzieht, der wird Freude an ihm haben und kann sich bei den Bekannten seiner rühmen.
30.3 Wer seinen Sohn gut unterweist, macht seinen Feind neidisch, und vor seinen Freunden kann er sich glücklich preisen über ihn.
30.4 Wenn der Vater stirbt, so ist's, als wäre er nicht gestorben; denn er hat einen hinterlassen, der ihm gleicht.
30.5 Als er lebte, sah er ihn und freute sich; als er starb, musste er nicht betrübt sein;
30.6 denn er hat einen Sohn hinterlassen, der bei den Feinden sein Recht vertritt und den Freunden Dank erweist.
30.7 Wer aber zu weich ist gegen seinen Sohn, der verbindet ihm die Wunden und ist bestürzt, sooft er weint.
30.8 Ein ungezähmtes Pferd bricht störrisch aus, und ein zügelloser Sohn wird aufsässig.
30.9 Verzärtelst du dein Kind, dann wirst du dich wundern; spiele mit ihm, so wird es dich betrüben.
30.10 Scherze nicht mit ihm, damit du nicht mit ihm leidest und zuletzt mit den Zähnen knirschen musst.
30.11 Lass ihm seinen Willen nicht in der Jugend [und entschuldige seine Torheit nicht.
30.12 Beuge ihm den Nacken in seiner Jugend]; bläue ihm den Rücken, solange er noch klein ist, damit er nicht halsstarrig und ungehorsam werde [und dir Herzeleid bereite].
30.13 Erzieh deinen Sohn und mühe dich um ihn, dass du durch seine Schande nicht zu Fall kommst.

Der Wert der GesundheitÜber die Speisen

30.14 Es ist besser, einer ist arm und dabei frisch und gesund als reich und mit Krankheit geschlagen.
30.15 Gesund und frisch sein ist besser als alles Gold, und ein gesunder Atem ist besser als unermesslicher Reichtum.
30.16 Kein Reichtum ist zu vergleichen mit einem gesunden Körper, und keine Freude gleicht der Freude des Herzens.
30.17 Der Tod ist besser als ein bitteres Leben und ewige Ruhe besser als stete Krankheit.
30.18 Ein gutes Gericht vor einem Mund, der nicht essen kann, ist wie die Speise, die man einem Toten aufs Grab stellt.
30.19 Was nützt einem Götzen ein Opfer? Er kann weder essen noch riechen. So ist's mit dem, der vom Herrn verstoßen wird.
30.20 Er sieht es zwar mit den Augen und seufzt, aber er ist wie ein Eunuch, der eine Jungfrau in den Armen hält und seufzt. [So ergeht es auch dem, der mit Gewalt ein Urteil erzwingen will.]

Das fröhliche Herz

30.21 Gib deine Seele nicht der Traurigkeit hin, und betrübe dich nicht selbst mit deinen eigenen Gedanken.
30.22 Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.
30.23 Lenke dich ab und tröste dein Herz, und weise die Traurigkeit weit von dir. Denn sie hat schon viele Leute ins Verderben geführt und dient doch zu nichts.
30.24 Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit.
30.25 Ein fröhlicher und heiterer Mensch achtet auf seine Speisen.

Einunddreißigstes Kapitel

Gefahren des Reichtums

31.1 Wachen um des Reichtums willen verzehrt den Leib, und die Sorge darum hält den Schlaf fern.
31.2 Wenn einer wach liegt und sich sorgt, kann er nicht einschlafen, und schwere Krankheit verscheucht den Schlaf.
31.3 Der Reiche müht sich, Geld anzuhäufen, und wenn er ausruht, kann er's auch genießen.
31.4 Der Arme müht sich und lebt doch kärglich, und wenn er ausruht, wird er zum Bettler.
31.5 Wer das Geld liebt, wird nicht gerechtfertigt, und wer Gewinn sucht, geht in die Irre.
31.6 Viele kommen zu Fall um des Geldes willen, und ihr Verderben steht ihnen vor Augen.
31.7 Die danach trachten, kommen darüber zu Fall, und die Unverständigen verfangen sich darin.
31.8 Wohl dem Reichen, der untadelig befunden wird und nicht das Geld sucht!
31.9 Gibt es den? Ihn wollen wir loben, denn er tut große Dinge unter seinem Volk.
31.10 Wer bewährt sich darin bis ans Ende? Der soll gelobt werden. Wer konnte das Gesetz übertreten und tat's doch nicht, konnte Böses tun und tat's auch nicht?
31.11 Deshalb werden seine Güter sicher bleiben, und die Gemeinde wird seine Almosen preisen.

Maßhalten beim Essen und Trinken

31.12 Wenn du am Tisch eines reichen Mannes sitzt, sperr deinen Mund nicht auf und sag nicht: Hier gibt es aber viel!,
31.13 sondern bedenke, dass ein neidisches Auge schlimm ist. Denn was ist neidischer als das Auge? Darum weint es schon beim geringsten Anlass.
31.14 Greif nicht nach dem, worauf ein anderer blickt, damit du nicht mit ihm in der Schüssel zusammenstößt.
31.15 Schließe von dir darauf, was dein Nächster gern oder ungern hat, und bedenke alles, was du tust.
31.16 Iss wie ein Mensch, was dir vorgesetzt wird, und friss nicht, damit man dich nicht verachte.
31.17 Zeige deine Erziehung und höre als Erster auf; sei nicht unersättlich, dass du keinen Anstoß erregst.
31.18 Wenn du mit vielen am Tisch sitzt, greif nicht zuerst zu.
31.19 Ein wohlerzogener Mensch ist mit wenig zufrieden und muss in seinem Bett nicht stöhnen.
31.20 Wer Maß hält beim Essen, schläft gut; am Morgen steht er auf und fühlt sich wohl. Aber wer zu viel isst, schläft unruhig und krümmt sich vor Schmerzen.
31.21 Wenn du genötigt worden bist, zu viel zu essen, steh auf und erbrich dich, dann wirst du Ruhe haben.
31.22 Mein Kind, gehorche mir und missachte mich nicht, so wirst du zuletzt meine Worte verstehen. Was du auch tust, tue es richtig, und du wirst nicht krank werden.
31.23 Wer sich bei Tisch gut benimmt, den loben die Leute; sein Ruhm steht fest.
31.24 Wer mit Brot geizt, wird in der Stadt gescholten, und zu Recht hat er einen schlechten Ruf.
31.25 Sei kein Held beim Wein, denn schon viele hat er ins Verderben gestürzt.
31.26 Die Esse prüft die Härte des Eisens, wenn man es eintaucht; ebenso prüft der Wein die Herzen, wenn die Mutwilligen in Streit geraten.
31.27 Der Wein erquickt die Menschen, wenn man ihn mäßig trinkt. Was ist das Leben ohne Wein? Denn er ist von Anbeginn zur Freude geschaffen.
31.28 Der Wein, zu rechter Zeit und in rechtem Maße getrunken, erfreut Herz und Seele.
31.29 Zu viel Wein bei Ärger und Streit macht die Seele bitter.
31.30 Trunkenheit macht einen Narren ganz maßlos, bis er hinfällt und sich verletzt.
31.31 Beschäme deinen Nächsten nicht beim Wein und verspotte ihn nicht, wenn er lustig wird! Beschimpfe und dränge ihn nicht, wenn er dir etwas zurückzahlen muss!

Zweiunddreißigstes Kapitel

Bescheidenheit beim Gastmahl

32.1 Du sollst ein Gastmahl leiten? Erhebe dich nicht über die andern, sondern stelle dich ihnen gleich. Sorge erst für sie, dann setze dich.
32.2 Und wenn du alles getan hast, was notwendig war, dann setz dich zu ihnen, damit sie dich loben und du einen Kranz erhältst, weil du alles so wohl geordnet hast.
32.3 Der du zu den Älteren zählst, ergreif das Wort, rede mit Bedacht, denn es steht dir zu; aber hindere die Spielleute nicht.
32.4 Wenn man ihnen lauscht, so schwatz nicht dazwischen und spare dir deine Weisheit für andere Zeiten.
32.5 Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert Musik das Festmahl.
32.6 Wie ein Smaragd auf schönem Gold, so wirken Lieder bei gutem Wein.
32.7 Du aber, junger Mann, rede nur, wenn du musst, aber ein zweites Mal höchstens, wenn man dich fragt.
32.8 Mach es kurz und sage mit wenigen Worten viel; verhalte dich wie einer, der Bescheid weiß, aber doch schweigt.
32.9 Bei Vornehmen spiel dich nicht auf, und wo Alte sind, schwatz nicht viel.
32.10 Vor dem Donner leuchtet der Blitz; und dem Bescheidenen geht große Gunst voraus.
32.11 Steh beizeiten vom Tisch auf und sei nicht der Letzte; sondern geh eilends heim und halte dich nicht auf.
32.12 Dort sei unbeschwert und gehe deinen Gedanken nach, aber versündige dich nicht in übermütiger Rede,
32.13 sondern danke für all dies deinem Schöpfer, der dich mit seinen Gütern gesättigt hat.

Vertrauen auf das Gesetz

32.14 Wer den Herrn fürchtet, der nimmt Erziehung an, und die sich früh darum bemühen, werden Gunst erfahren.
32.15 Wer nach dem Gesetz fragt, der wird von ihm erfüllt; wer aber nur so tut, der wird daran zu Fall kommen.
32.16 Wer den Herrn fürchtet, der findet das Recht, und gerechte Taten leuchten auf wie das Licht.
32.17 Ein Sünder lässt sich nicht zurechtweisen und findet Gründe, wie er sie gerade braucht.
32.18 Ein vernünftiger Mann verachtet guten Rat nicht, doch ein überheblicher schreckt vor nichts zurück.
32.19 Tu nichts ohne Rat, so gereut's dich nicht nach der Tat.
32.20 Geh nicht den Weg, auf dem du fallen oder dich an Steinen stoßen könntest.
32.21 Traue keinem Weg, der nicht bekannt ist;
32.22 ja, hüte dich auch vor deinen eignen Kindern.
32.23 Bei allem, was du tust, traue deiner Seele; denn auch so hält man die Gebote.
32.24 Wer dem Gesetz vertraut, achtet die Gebote; und wer dem Herrn vertraut, dem wird nichts fehlen.

Dreiunddreißigstes Kapitel

33.1 Wer den Herrn fürchtet, dem widerfährt nichts Böses; sondern wenn er angefochten ist, wird er wieder erlöst werden.
33.2 Ein Weiser wird das Gesetz nicht hassen; aber wer heuchelt, nach dem Gesetz zu leben, ist wie ein Schiff im Sturm.
33.3 Ein verständiger Mensch wird dem Wort vertrauen, und das Gesetz ist ihm vertraut wie eine Frage nach dem, was man schon weiß.
33.4 Lege dir deine Worte zurecht, dann wird man dich anhören; lass dich zuvor belehren, dann kannst du antworten.
33.5 Des Narren Herz ist wie ein Rad am Wagen, und wie um eine Achse dreht sich sein Denken.
33.6 Wie ein geiler Hengst, der unter jedem Reiter wiehert, so ist ein Freund, der Lust zum Spott hat.

Die Ordnung in Gottes Welt

33.7 Warum soll ein Tag besser sein als der andre, wo doch alle Tage im Jahr von der Sonne herkommen?
33.8 Die Weisheit des Herrn hat sie so unterschieden, und er hat die Zeiten des Jahres und die Festtage so geordnet:
33.9 Er hat einige auserwählt und geheiligt, und andere hat er zu den übrigen Tagen gestellt.
33.10 Alle Menschen sind aus Erde, und aus Staub wurde Adam geschaffen.
33.11 In der Fülle seiner Einsicht hat sie der Herr unterschieden und ihre Wege verschieden bestimmt.
33.12 Einige hat er gesegnet, erhöht und geheiligt und näher zu sich gebracht; andere aber hat er verflucht und erniedrigt und aus ihrem Stand gestürzt.
33.13 Wie Ton in der Hand des Töpfers, den er nach seinem Wohlgefallen formt, so sind auch die Menschen in der Hand dessen, der sie gemacht hat: Er gibt ihnen, was er für recht hält.
33.14 Wie das Gute dem Bösen und das Leben dem Tod gegenübersteht, so der Gottlose dem Gottesfürchtigen.
33.15 Und so schaue alle Werke des Höchsten an: Es sind immer zwei, und eins steht dem andern gegenüber.

Jesus Sirach über sich selbst

33.16 Als Letzter bin auch ich aufmerksam wie einer, der Nachlese hält hinter denen, die Trauben sammeln.
33.17 Mit dem Segen des Herrn habe ich es erreicht, und wie die Traubensammler habe ich meine Kelter gefüllt.
33.18 Bedenkt, dass ich nicht für mich allein gearbeitet habe, sondern für alle, die Erziehung suchen!
33.19 Hört mich an, ihr Mächtigen im Volk, und ihr Vorsteher der Gemeinde, vernehmt es!

Über das Leben in Haus und Familie

33.20 Gib Sohn, Frau, Bruder oder Freund keine Macht über dich, solange du lebst; und übergib niemand dein Hab und Gut, damit es dich nicht reut und du später darum bitten musst.
33.21 Solange du lebst und Atem in dir ist, lass dich von keinem verdrängen.
33.22 Denn es ist besser, dass deine Kinder dich brauchen, als dass du sie brauchst.
33.23 Bei allem, was du tust, behalte die Oberhand, und lass dir deine Ehre nicht nehmen.
33.24 Erst wenn dein Ende naht und der Tod kommt, teile dein Erbe aus.
33.25 Futter, Stock und Last dem Esel, Brot, Zucht und Arbeit dem Knecht.
33.26 Sorge für seine Zucht, so hast du Ruhe vor ihm; lässt du ihn müßig gehen, so sucht er die Freiheit.
33.27 Joch und Riemen beugen den Nacken, und einem bösen Knecht gebühren Schläge und Qualen.
33.28 Treibe ihn zur Arbeit an, dass er nicht müßig gehe; denn Müßiggang lehrt viel Bosheit.
33.29 Lege ihm Arbeiten auf, wie es ihm gebührt, und gehorcht er dann nicht, so mache die Fußfesseln schwer.
33.30 Doch nutze deine Macht nicht aus und tue nur, worauf du ein Recht hast.
33.31 Hast du einen Knecht, halte es mit ihm wie mit dir selbst; denn du hast ihn teuer erworben.
33.32 Hast du nur einen Knecht, so behandle ihn wie einen Bruder; denn du brauchst ihn.
33.33 Behandelst du ihn aber schlecht, sodass er sich aufmacht und davonläuft: wo willst du ihn dann suchen?

Vierunddreißigstes Kapitel

Nichtigkeit von Träumen

34.1 Unverständige betrügen sich selbst mit törichten Hoffnungen, und Narren verlassen sich auf Träume.
34.2 Wer sich auf Träume verlässt, der greift nach dem Schatten und will den Wind haschen.
34.3 Das eine ist wie das andere: Träume sind wie Bilder im Spiegel.
34.4 Was unrein ist, wie kann das rein werden? Und was Lüge ist, wie kann das wahr werden?
34.5 Weissagungen, Zeichendeutung und Träume sind nichts, und man sieht dabei Wahnbilder wie eine Frau in Wehen;
34.6 und wenn sie nicht durch Eingebung des Höchsten kommen, halte nichts davon.
34.7 Denn Träume haben viele Menschen betrogen, und gescheitert sind, die darauf hofften.
34.8 Das Gesetz erfüllt sich ohne Trugbilder, ebenso die Weisheit im Munde des Frommen.

Erfahrung des Weisen und Vertrauen des Frommen

34.9 Wer viel herumgekommen ist, versteht viel, und wer viel erfahren hat, kann verständig erzählen.
34.10 Wer nicht erfahren ist, versteht wenig; wer aber weit herumgekommen ist, ist voller Klugheit.
34.11 Vieles habe ich gesehen auf meinen Reisen, und ich weiß mehr, als ich sagen kann.
34.12 Oft bin ich in Todesgefahr gekommen und errettet worden um meiner Erfahrung willen.
34.13 Die den Herrn fürchten, werden am Leben bleiben; denn ihre Hoffnung richtet sich auf den, der ihnen helfen kann.
34.14 Wer den Herrn fürchtet, muss vor nichts erschrecken noch verzagen; denn er ist seine Zuversicht.
34.15 Wohl dem, der den Herrn fürchtet! Worauf verlässt er sich? Wer ist sein Halt?
34.16 Die Augen des Herrn sehen auf die, die ihn lieben. Er ist ein gewaltiger Schild, eine starke Stütze, ein Schutz gegen die Hitze, ein Schatten am heißen Mittag, er bewahrt vor dem Straucheln, er hilft vor dem Fall;
34.17 er erhebt die Seele und macht das Angesicht fröhlich, gibt Gesundheit, Leben und Segen.

Unrechte und rechte Opfer

34.18 Wer von unrechtem Gut opfert, dessen Opfer ist eine Lästerung, und Gaben der Frevler sind nicht wohlgefällig.
34.19 Die Gaben der Gottlosen gefallen dem Höchsten nicht, auch vergibt er Sünden nicht, wenn man viel opfert.
34.20 Wer eine Opfergabe vom Besitz der Armen darbringt, ist wie einer, der den Sohn vor den Augen des Vaters opfert.
34.21 Der Arme hat nichts zum Leben als ein wenig Brot; wer ihn darum bringt, ist ein Mörder.
34.22 Wer seinem Nächsten die Nahrung nimmt, der tötet ihn. Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht gibt, der ist ein Bluthund.
34.23 Der eine baut, und der andre reißt ein: Was haben sie anderes davon als Mühe?
34.24 Der eine betet, und der andre flucht: Wessen Stimme wird der Herr erhören?
34.25 Wer sich wäscht, wenn er einen Toten berührt hat, und berührt ihn wieder: Was hilft ihm sein Waschen?
34.26 So ist der Mensch, der für seine Sünden fastet und immer wieder sündigt: Wer wird sein Gebet erhören, und was hilft ihm, dass er sich erniedrigt hat?

Fünfunddreißigstes Kapitel

35.1 Wer das Gesetz beachtet, opfert reichlich.
35.2 Wer die Gebote hält, bringt ein Dankopfer.
35.3 Wer Gott dankt, gibt ein Speisopfer,
35.4 und wer Barmherzigkeit übt, ein Lobopfer.
35.5 Vom Bösen zu lassen, gefällt dem Herrn; und vom Unrecht zu lassen, ist ein Sühnopfer.
35.6 Erscheine vor dem Herrn nicht mit leeren Händen,
35.7 denn das alles muss man tun um des Gebotes willen.
35.8 Des Gerechten Opfer lässt den Altar glänzen, und der liebliche Geruch kommt vor den Höchsten.
35.9 Des Gerechten Opfer ist angenehm und wird nicht vergessen.
35.10 Mit fröhlichem Gesicht lobe den Herrn, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.
35.11 Wenn du gibst, tu es mit heiterer Miene, und bring den Zehnten mit Freude dar.
35.12 Gib dem Höchsten, wie er dir gegeben hat, und gib mit fröhlichem Gesicht, soviel du kannst.
35.13 Denn der Herr, der vergilt, wird dir's siebenfach vergelten.
35.14 Bring nichts dar, um Gott zu bestechen; denn er wird's nicht annehmen.
35.15 Verlass dich nicht auf ein ungerechtes Opfer; denn der Herr ist ein Richter, und vor ihm gilt kein Ansehen der Person.

Das Gebet und Gottes Gericht

35.16 Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten.
35.17 Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt.
35.18 Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter,
35.19 und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt?
35.20 Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken.
35.21 Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt
35.22 und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält. Der Herr wird nicht säumen noch Langmut zeigen, bis er den Unbarmherzigen die Lenden zerschmettert.
35.23 Auch an den Heiden wird er Vergeltung üben, bis er die Menge der Frevler vernichtet und die Zepter der Ungerechten zerbricht,
35.24 bis er dem Menschen nach seinen Taten vergilt und die Werke der Menschen nach ihren Plänen,
35.25 bis er seinem Volk Recht schafft und es erfreut mit seiner Barmherzigkeit.
35.26 Sein Erbarmen erquickt in der Zeit der Not wie Regenwolken in der Zeit der Dürre.

Sechsunddreißigstes Kapitel

Bitte um Hilfe gegen die Feinde

36.1 Herr, Gott des Alls, erbarme dich unser,
36.2 und wirf deinen Schrecken auf alle Völker!
36.3 Erhebe deine Hand gegen die fremden Völker, dass sie deine Macht sehen.
36.4 Wie du dich an uns vor ihnen heilig erwiesen hast, so zeige dich vor uns mächtig an ihnen;
36.5 sie sollen dich erkennen, so wie wir erkannt haben, dass es keinen andern Gott gibt als dich, Herr.
36.6 Tu neue Zeichen und neue Wunder.
36.7 Verherrliche deine Hand und deinen rechten Arm.
36.8 Errege Grimm und schütte Zorn aus.
36.9 Wirf den Widersacher nieder und vertilge den Feind;
36.10 eile und denke an deinen Eid, dass man deine Wundertaten preise.
36.11 Im Zorn des Feuers soll verschlungen werden, wer sich zu sicher fühlt; und die deinem Volk Leid antun, sollen zugrunde gehen.
36.12 Zerschmettre die Häupter der feindlichen Fürsten, die sagen: Außer uns gibt es niemand!
36.13 Versammle alle Stämme Jakobs und gib ihnen ihr Erbe wie am Anfang.
36.14 Erbarme dich über dein Volk, Herr, das deinen Namen trägt, und über Israel, das du als Erstgeborenen eingesetzt hast.
36.15 Erbarme dich über die Stadt deines Heiligtums, über Jerusalem, den Ort, an dem du Ruhe findest.
36.16 Erfülle Zion mit deinen Ruhmestaten und den Tempel mit deiner Herrlichkeit.
36.17 Gib denen ein Zeugnis von dir, die von Anfang an deine Geschöpfe gewesen sind; und erneure die Verheißungen, die in deinem Namen verkündigt sind.
36.18 Lohne es denen, die auf dich warten, und deine Propheten sollen sich als glaubwürdig erweisen. Erhöre, Herr, das Gebet deiner Diener,
36.19 da du Wohlgefallen an deinem Volk hast, damit alle, die auf Erden wohnen, erkennen, dass du der Herr bist, der Gott der Ewigkeiten.

Die richtige Wahl

36.20 Der Bauch isst alles; doch die eine Speise ist besser als die andre.
36.21 Wie die Zunge das Wildbret schmeckt, so erkennt ein verständiges Herz die falschen Worte.
36.22 Ein tückischer Mensch kann Schmerz bereiten; aber ein erfahrener weiß es ihm zu vergelten.
36.23 Eine Frau muss jeden zum Manne nehmen; doch eine Braut ist besser als die andere.
36.24 Eine schöne Frau sieht man gerne und hat nichts lieber;
36.25 wenn sie dazu barmherzig und milde redet, so ist ihr Mann nicht zu vergleichen mit anderen Männern.
36.26 Wer eine Frau erwirbt, erwirbt noch mehr: eine Hilfe, die ihm entspricht, und eine Stütze, bei der er Ruhe findet.
36.27 Wo kein Zaun ist, wird Hab und Gut geraubt; und wo keine Frau ist, wird der Mann umherirren und seufzen.
36.28 Denn wer wird einem Straßenräuber trauen, der von einer Stadt zur andern zieht? Genauso wenig traut man einem Mann, der kein Heim hat und bleiben muss, wo er am Abend hinkommt.

Siebenunddreißigstes Kapitel

Über Freunde und Ratgeber

37.1 Jeder Freund sagt zwar: Ich bin auch dein Freund –; aber manche sind nur dem Namen nach Freunde.
37.2 Bleibt nicht Gram bis zum Tod, wenn ein Gefährte und Freund einem zum Feind wird?
37.3 Ach trauriger Gedanke: Woher kommt es, dass du in Hinterlist verstrickt bist und damit die Welt überziehst?
37.4 Wenn's dem Freund gut geht, freut sich sein Gefährte mit ihm; wenn's ihm aber schlecht geht, wird er sich gegen ihn stellen.
37.5 Der Gefährte steht dem Freund bei, wenn es um den Bauch geht; aber wenn es Kampf gibt, versteckt er sich hinter dem Schild.
37.6 Vergiss den Freund nicht in deinem Herzen, und erinnere dich seiner, wenn du reich wirst.
37.7 Jeder Ratgeber bietet seinen Rat an, aber manche raten zu ihrem eignen Nutzen.
37.8 Darum hüte dich vor dem Ratgeber: Überlege zuvor, was ihm nützlich sein kann, denn er denkt vielleicht daran, zu seinem Vorteil zu raten; lass ihn nicht über dich bestimmen,
37.9 damit er nicht sagt: Du bist auf dem rechten Weg –, selbst aber beiseitesteht und achtgibt, wie es dir ergeht.
37.10 Berate dich nicht mit dem, der dich missgünstig betrachtet, und vor denen, die dich beneiden, verbirg deinen Plan.
37.11 Berate dich nicht mit einer Frau über ihre Nebenbuhlerin oder mit einem Ängstlichen über den Krieg oder mit einem Kaufmann über die Ware oder mit einem Käufer über den Preis. Berate dich auch nicht mit einem Missgünstigen über Dankbarkeit oder mit einem Unbarmherzigen über Barmherzigkeit, mit einem Faulen über die Arbeit oder mit einem Tagelöhner über das Ende der Arbeit oder mit einem trägen Hausknecht über zu viel Arbeit. Solche Leute frag nicht um Rat,
37.12 sondern halte dich stets an einen Gottesfürchtigen, von dem du weißt, dass er die Gebote hält, der wie du gesinnt ist und Mitleid mit dir hat, wenn du strauchelst.
37.13 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät; denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.
37.14 Denn mit seinem Herzen kann ein Mann mehr erkennen als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.
37.15 Doch bei alledem rufe den Allerhöchsten an, dass er in Wahrheit deinen Weg ebne.
37.16 Ehe du etwas anfängst, überleg dir's zuvor; und ehe du etwas tust, geh mit dir zurate.
37.17 Veränderung beginnt im Herzen,
37.18 und vier Dinge erwachsen daraus: Gutes und Böses, Leben und Tod; und darüber regiert allezeit die Zunge.
37.19 Mancher ist zwar fähig, vielen andern zu raten, aber sich selbst kann er nicht helfen.
37.20 Mancher möchte klug raten und wird doch gehasst; der wird alles verlieren.
37.21 Denn er hat vom Herrn keine Gnade empfangen, weil keine Weisheit in ihm ist.
37.22 Mancher ist weise nur für sich selbst und schafft mit seinem Rat für sich selbst Nutzen.
37.23 Aber ein weiser Mann lehrt sein Volk und schafft mit seinem Rat bleibenden Nutzen.
37.24 Ein weiser Mann wird sehr gelobt, und alle, die ihn sehen, preisen ihn.
37.25 Jeder hat eine bestimmte Zeit zu leben; aber Israels Tage sind nicht zu zählen.
37.26 Der Weise hat in seinem Volk großes Ansehen, und sein Name bleibt ewig.

Warnung vor Unmäßigkeit

37.27 Mein Kind, prüfe, was für dich gesund ist, und meide, was schlecht ist.
37.28 Denn nicht alles ist jedem nützlich, auch mag nicht jeder alles.
37.29 Überfriss dich nicht beim Gastmahl und sei nicht gierig beim Essen.
37.30 Denn zu viel Essen macht krank, und Unersättlichkeit führt zu Erbrechen.
37.31 An übermäßigem Essen sind viele gestorben; wer aber mäßig isst, lebt länger.

Achtunddreißigstes Kapitel

Lob des Arztes

38.1 Erweise dem Arzt gebührende Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst; denn auch ihn hat der Herr geschaffen,
38.2 und von Königen erhält er Geschenke – Heilung kommt vom Höchsten.
38.3 Die Kunst des Arztes erhöht ihn, und Fürsten bewundern ihn.
38.4 Der Herr hat die Arznei aus der Erde geschaffen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht.
38.5 Wurde nicht das bittere Wasser süß durch Holz, damit man seine Kraft erkennen sollte?
38.6 Und er selbst gab den Menschen das Wissen, um sich herrlich zu erweisen in seinen wunderbaren Mitteln.
38.7 Mit ihnen heilt er und vertreibt die Schmerzen,
38.8 und der Apotheker macht Arznei daraus, damit Gottes Werke kein Ende nehmen und sein Friede über der Erde liege.
38.9 Mein Kind, wenn du krank bist, sieh nicht darüber hinweg, sondern bitte den Herrn, dann wird er dich gesund machen.
38.10 Lass ab von der Sünde, handle rechtschaffen und reinige dein Herz von aller Missetat.
38.11 Opfre lieblichen Geruch und feines Mehl zum Gedenkopfer, und gib ein fettes Opfer, als müsstest du sterben.
38.12 Danach lass den Arzt zu dir, denn der Herr hat auch ihn geschaffen; und weise ihn nicht von dir, denn du brauchst ihn.
38.13 Es gibt Zeiten, in denen auch die Hand des Arztes hilft;
38.14 denn auch er wird den Herrn bitten, dass er's ihm gelingen lasse, damit der Kranke Ruhe findet, gesund wird und wieder für sich sorgen kann.
38.15 Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der wird dem Arzt in die Hände fallen!

Über das Trauern

38.16 Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn und klage wie einer, dem großes Leid geschehen ist. Verhülle seinen Leib, wie es ihm zukommt, und bestatte ihn mit Ehren.
38.17 Du sollst bitterlich weinen und von Herzen betrübt sein. Halte die Trauerklage, wie es ihm gebührt, einen Tag oder zwei, dass man nicht schlecht von dir redet; dann tröste dich, damit du nicht allezeit traurig bleibst.
38.18 Denn vom Trauern kommt der Tod, und die Traurigkeit des Herzens schwächt die Kraft.
38.19 – In der Not bleibt auch Trauer, und ein Leben in Armut ist ein Fluch für das Herz –
38.20 Gib dein Herz nicht der Trauer hin, sondern weise sie ab und denk ans Ende.
38.21 Vergiss nicht: Es gibt kein Wiederkommen. Du hilfst dem Toten nicht, dir aber schadest du.
38.22 Denke an sein Los: denn so ist auch das deine. Gestern war's an mir, heute ist's an dir.
38.23 Weil der Tote nun ruht, lass auch sein Gedächtnis ruhen, und tröste dich wieder, weil sein Geist von ihm geschieden ist.

Über das Erlernen der Weisheit

38.24 Die Weisheit des Gelehrten braucht Zeit und Muße, und nur wer nicht geschäftig ist, wird Weisheit gewinnen.
38.25 Wie kann einer Weisheit erlernen, der den Pflug führt und sich seines Steckens rühmt, der die Ochsen antreibt und nur solche Arbeiten tut und weiß nichts anderes, als mit Ochsen zu reden?
38.26 Er muss daran denken, wie er den Acker bestellen soll, und muss früh und spät den Kühen Futter geben.
38.27 Ebenso geht es den Zimmerleuten und Baumeistern, die Tag und Nacht arbeiten, oder denen, die Siegel stechen und fleißig Bilder malen; die müssen daran denken, dass das Bild gelingt, und früh und spät darauf bedacht sein, dass sie es vollenden.
38.28 Ebenso geht es dem Schmied bei seinem Amboss, der auf das Schmiedewerk achtet und vom Feuer versengt wird und sich in der Hitze des Ofens müde arbeitet. Das Hämmern dröhnt ihm in den Ohren, und er sieht darauf, wie er das Werk richtig macht, und muss daran denken, wie er's fertigbringt, und früh und spät darauf bedacht sein, dass es schön aussieht.
38.29 Ebenso geht es dem Töpfer; der muss bei seiner Arbeit sitzen und die Scheibe mit seinen Füßen drehen und muss immer um sein Werk besorgt sein und sein bestimmtes Maß an Arbeit tun.
38.30 Er muss mit seinen Armen aus dem Ton sein Gefäß formen und mit den Füßen kräftig die Töpferscheibe drehen. Er muss daran denken, wie er's fein glasiert, und früh und spät den Ofen fegen.
38.31 Diese alle vertrauen auf ihre Hände, und jeder versteht sich auf sein Handwerk.
38.32 Ohne sie wird keine Stadt erbaut, und sie gelten weder als Fremde noch müssen sie umherziehen – doch in den Rat des Volks werden sie nicht gebeten,
38.33 und in der Gemeinde treten sie nicht hervor; auf dem Stuhl des Richters sitzen sie nicht, auf Gesetz und Recht verstehen sie sich nicht; Bildung und rechtes Urteil zeigen sie nicht, und Weisheitssprüche kennen sie nicht;
38.34 doch sie stützen den Bestand der Welt, und ihrer Hände Arbeit ist ihr Gebet. Wer aber mit ganzer Seele über das Gesetz des Höchsten nachsinnt,

Neununddreißigstes Kapitel

39.1 der erforscht die Weisheit aller Alten und studiert die Schriften der Propheten.
39.2 Er kennt die Geschichten berühmter Leute und sinnt über die Bedeutung der Sprüche nach.
39.3 Er erforscht den verborgenen Sinn der Gleichnisse und vertieft sich in die Rätsel der Sprüche.
39.4 Er dient den Fürsten und erscheint vor den Herren. Er durchzieht das Land fremder Völker; so hat er bei den Menschen Gutes und Böses erfahren.
39.5 Er richtet sein Herz darauf, in der Frühe den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten. Er tut seinen Mund auf im Gebet und betet für seine Sünden.
39.6 Und wenn der Herr, der Große, es will, wird er mit dem Geist der Erkenntnis erfüllt. Er selbst lässt Worte seiner Weisheit sprudeln und dankt dem Herrn im Gebet.
39.7 Er lenkt sein Wollen und Wissen in rechte Bahnen und denkt über die Geheimnisse des Herrn nach.
39.8 Er legt seine Bildung und Lehre dar und rühmt sich des Gesetzes des Bundes des Herrn.
39.9 Viele werden seine Einsicht loben, und bis in Ewigkeit wird sie nicht ausgelöscht. Sein Andenken wird niemals vergehen, und sein Name wird von Geschlecht zu Geschlecht bestehen.
39.10 Von seiner Weisheit werden die Völker erzählen, und die Gemeinde wird sein Lob verkünden.
39.11 Solange er lebt, hat er einen größeren Namen als tausend andere; und auch nach seinem Tode bleibt er ihm.

Jesus Sirach lobt die Werke Gottes

39.12 Ich habe noch mehr überlegt und will es erzählen; denn wie der Vollmond bin ich erfüllt.
39.13 Hört auf mich, ihr frommen Söhne, und ihr werdet wachsen wie eine Rose, gepflanzt an den Wasserbächen.
39.14 Wie Weihrauch werdet ihr Duft verströmen und aufblühen wie eine Lilie. Erhebt eure Stimme zum Lobgesang und preist den Herrn für all seine Werke.
39.15 Verherrlicht seinen Namen und stimmt in sein Lob ein mit Singen und Klingen, preist ihn und sprecht so:
39.16 Alle Werke des Herrn sind sehr gut; und was er gebietet, geschieht zur rechten Zeit.
39.17 Und man darf nicht sagen: Was soll das? Wozu ist das? Denn zur rechten Zeit tritt alles ein. Durch sein Wort stand das Wasser wie eine Mauer und durch seine Rede die Wasser, als wären sie eingefasst.
39.18 Jeder seiner Befehle zeigt sein ganzes Wohlgefallen, und wenn er rettet, kann's keiner hindern.
39.19 Aller Menschen Werke sind vor ihm, und vor seinen Augen ist nichts verborgen.
39.20 Er blickt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und nichts ist unbegreiflich vor ihm.
39.21 Man darf nicht sagen: Was soll das? Wozu ist das? Denn jedes Ding ist zu seinem Zweck geschaffen.
39.22 Sein Segen fließt über wie ein Strom und tränkt die Erde wie eine reiche Flut.
39.23 Sein Zorn trifft die Völker, wie damals, als er ein wasserreiches Land in ein Salzmeer verwandelte.
39.24 Seine Wege sind für die Frommen gerade, aber Hindernisse für die Frevler.
39.25 Das Gute ist den Guten geschaffen von Anbeginn, so auch den Sündern das Böse.
39.26 Der Mensch braucht zu seinem Leben vor allem Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Milch, Honig, Wein, Öl und Kleider.
39.27 Das alles kommt den Frommen zugute, aber wandelt sich für die Sünder zum Bösen.
39.28 Es gibt Winde, die sind zur Strafe geschaffen, und in ihrer Wut verstärken sie ihre Wucht; und wenn die Strafe kommen soll, dann toben sie und besänftigen die Wut dessen, der sie geschickt hat.
39.29 Feuer, Hagel, Hunger, Tod, das alles ist zur Strafe geschaffen.
39.30 Die Zähne der wilden Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert der Strafe sind geschaffen zur Vernichtung der Gottlosen.
39.31 Mit Freuden erfüllen sie seinen Befehl und sind bereit, wenn er sie auf Erden braucht; und wenn ihre Zeit kommt, widersetzen sie sich ihm nicht.
39.32 Darum war ich von Anfang an meiner Sache gewiss und besann mich und schrieb es nieder:
39.33 Die Werke des Herrn sind alle gut, und alles, was nottut, wird er zur rechten Zeit gewähren.
39.34 Und man darf nicht sagen: Dies ist schlechter als jenes; denn alles wird zur rechten Zeit geachtet.
39.35 Und nun singt mit Herz und Mund und preist den Namen des Herrn.

Vierzigstes Kapitel

Vom Elend des Menschen

40.1 Große Mühe ist für jeden Menschen geschaffen, und ein schweres Joch liegt auf den Söhnen Adams von Mutterleib an, bis sie zurückkehren zur Erde, die unser aller Mutter ist.
40.2 Sie haben Sorge und Herzensangst, leben in Ungewissheit – und am Ende steht der Tod.
40.3 Von einem, der auf einem herrlichen Thron sitzt, bis zu einem, der gedemütigt in Staub und Asche liegt,
40.4 von einem, der Purpur und Krone trägt, bis zu einem, der einen groben Kittel anhat – immer gibt es
40.5 Zorn und Eifersucht, Kummer, Unfriede und Todesfurcht, Hass und Streit. Und wenn einer auf seinem Bett zur Ruhe kommt, verwirrt ihm der Schlaf des Nachts den Sinn.
40.6 Kaum ruht er ein wenig, so ist's doch nichts damit; denn bald müht er sich im Schlaf, als wäre er wach – erschrocken im Traum, als müsste er aus der Schlacht fliehen;
40.7 und im Augenblick seiner Not wacht er auf und ist verwundert, dass die Furcht umsonst war.
40.8 Dies widerfährt allem Fleisch, Mensch und Tier, aber den Sündern siebenmal mehr:
40.9 Mord und Blutvergießen, Streit und Schwert, Unglück und Hunger, Verderben und Plage.
40.10 Für die Gottlosen ist all dies geschaffen; und ihretwegen kam die Sintflut.
40.11 Alles, was aus der Erde kommt, muss wieder zu Erde werden, wie alle Wasser wieder ins Meer fließen.

Der Untergang der Ungerechten und Gottlosen

40.12 Alle Geschenke und unrechten Zuwendungen werden untergehen; aber die Treue bleibt ewig.
40.13 Die Güter der Ungerechten versiegen wie ein Fluss und verhallen wie ein starker Donner im Regen.
40.14 Sie sind fröhlich, solange sie Geschenke nehmen; aber zuletzt gehen sie doch zugrunde.
40.15 Die Nachkommen der Gottlosen bringen keine Zweige hervor, und auf bloßem Fels wachsen nur verkrüppelte Wurzeln.
40.16 Und selbst wenn sie wie das Riedgras auf feuchtem Boden und nahe am Wasser stünden, würden sie doch eher ausgerottet als alles andere Gras.
40.17 Wohltun ist wie ein gesegneter Garten, und Barmherzigkeit bleibt ewig.

Gutes und Besseres

40.18 Wer genügsam und wer fleißig lebt, hat es gut; aber besser als beide hat es der, der einen Schatz findet.
40.19 Kinder und ein Haus in der Stadt machen einen bleibenden Namen; aber eine untadelige Frau wird mehr geschätzt als beides.
40.20 Wein und Musik erfreuen das Herz, aber besser als beide ist die Liebe zur Weisheit.
40.21 Flöte und Harfe klingen schön, aber besser als beide ist eine freundliche Rede.
40.22 Nach Anmut und Schönheit sehnt sich das Auge, aber eine grüne Saat ist besser als beides.
40.23 Freund und Gefährte helfen zur rechten Zeit, aber mehr noch als beide die Frau ihrem Mann.
40.24 Brüder und Helfer sind gut in der Not, aber mehr als beide rettet Barmherzigkeit.
40.25 Gold und Silber geben sicheren Stand, aber mehr als beides wird guter Rat geschätzt.
40.26 Geld und Gut machen Mut, aber mehr als beides die Furcht des Herrn. In der Furcht des Herrn fehlt einem nichts, und man braucht keine Hilfe.
40.27 Die Furcht des Herrn ist wie ein gesegneter Garten, und sie beschützt mehr als alle Herrlichkeit.

Warnung vor dem Betteln

40.28 Mein Kind, verlege dich nicht aufs Betteln; es ist besser, zu sterben als zu betteln.
40.29 Wer sich nach fremden Tischen umsieht, dessen Leben ist kein rechtes Leben; denn er macht sich mit fremden Speisen unrein; aber gerade davor hütet sich ein vernünftiger, wohlerzogener Mann.
40.30 Süß schmeckt dem Unverschämten das Betteln; aber in seinem Bauch wird es wie Feuer brennen.

Einundvierzigstes Kapitel

Vom Tod

41.1 O Tod, wie bitter bist du, wenn an dich gedenkt ein Mensch, der gute Tage und genug hat und ohne Sorge lebt und dem es wohlgeht in allen Dingen und der noch kräftig genug ist, um gut zu essen!
41.2 O Tod, wie wohl tut dein Urteil dem Bedürftigen, dessen Kräfte schwinden, der dich vor Augen hat und immer voller Sorgen ist, der sich gegen alles auflehnt und die Hoffnung verloren hat!
41.3 Fürchte nicht das Urteil des Todes! Denke an die, die vor dir gewesen sind und nach dir kommen werden.
41.4 Dies ist das Urteil des Herrn über alles Fleisch. Und was wehrst du dich gegen den Willen des Höchsten? Ob du zehn oder hundert oder tausend Jahre lebst, in die Unterwelt kommen alle.

Das Los der Sünder und Gottlosen

41.5 Schamlose Menschen bringen sündige Kinder hervor, die leben fern von der Gemeinschaft der Frommen.
41.6 Das Erbe sündiger Kinder aber geht verloren; und ihren Nachkommen bleibt die Schande.
41.7 Die Kinder werden den gottlosen Vater anklagen; denn um seinetwillen sind sie verachtet.
41.8 Weh euch, ihr Gottlosen, die ihr des Höchsten Gesetz verlasst!
41.9 [Vermehrt ihr euch, dann zum Untergang.] Werdet ihr geboren, dann zum Fluch; und sterbt ihr, auch dann zum Fluch.
41.10 Wie alles, was aus der Erde kommt, wieder zu Erde wird, so kommen die Gottlosen aus dem Fluch zur Verdammnis.

Der gute Name

41.11 Die Menschen trauern um ihren Leib, aber bei den Gottlosen wird auch der Name getilgt, denn er taugt nichts.
41.12 Sieh zu, dass du einen guten Namen behältst; der bleibt dir länger als tausend große, goldene Schätze.
41.13 Ein Leben, es sei so gut, wie es wolle, währt nur eine kurze Zeit; aber ein guter Name bleibt ewig.

Rechte und falsche Scham

41.14 Meine Kinder, bewahrt in Frieden, was man euch gelehrt hat. Weisheit, die man verbirgt, und ein Schatz, der vergraben ist – was hat man von beiden?
41.15 Besser ist ein Mensch, der seine Torheit verbirgt, als einer, der seine Weisheit verbirgt.
41.16 So achtet nun auf mein Urteil: Man schämt sich oft, wo man sich nicht schämen müsste, und billigt oft, was man nicht billigen sollte.
41.17 Schämt euch der Unzucht vor Vater und Mutter, der Lüge vor dem Fürsten und Herrn,
41.18 des Unrechts vor dem Richter und Rat; schämt euch vor Gemeinde und Volk, das Gesetz zu übertreten, vor dem Nächsten und Freund, treulos zu sein,
41.19 vor den Nachbarn, zu stehlen, und besonders vor der Wahrheit Gottes und seinem Bund. Schäme dich, beim Essen den Arm aufzustützen. Schäme dich, verächtlich zu geben und zu nehmen
41.20 und zu schweigen, wenn man dich grüßt. Schäme dich, nach einer Hetäre zu sehen
41.21 und den Blick von deinen Verwandten abzuwenden. Schäme dich, an dich zu bringen, was andern zusteht, und nach der Frau eines andern zu blicken
41.22 noch seine Magd zu begehren und an ihr Bett zu treten. Schäme dich, deinen Freund zu schmähen, und wenn du ihm etwas gegeben hast, so wirf ihm das nicht vor.

Zweiundvierzigstes Kapitel

42.1 Schäme dich, alles weiterzusagen, was du gehört hast, und Worte auszuplaudern, die geheim sind. So wirst du wahrhaft schamhaft sein und allen Leuten lieb und wert. Dieser Dinge aber schäme dich nicht und nimm keine Rücksicht, dass du dich nicht versündigst:
42.2 Schäme dich nicht für das Gesetz des Höchsten und den Bund und das Urteil, den Gottlosen zu bestrafen;
42.3 nicht dafür, mit dem Nächsten und Gefährten Kosten auf Heller und Pfennig abzurechen, noch dafür, das Erbteil anderer zu verteilen;
42.4 nicht für die Genauigkeit von Waage und Gewicht noch für dein Einkommen, sei es viel oder wenig;
42.5 nicht für Gewinn beim Handeln mit Kaufleuten noch für eine strenge Erziehung der Kinder und nicht dafür, den bösen Knecht kräftig zu züchtigen.
42.6 Gut ist es, eine schlechte Frau einzuschließen; und wo viele Hände sind, schließ gut ab!
42.7 Wenn du etwas herausgibst, in Zahl und Gewicht, Soll und Haben: alles schriftlich!
42.8 Schäme dich nicht für die Erziehung der Unverständigen und Toren noch für die der Alten, wenn sie unzüchtig leben. So wirst du wahrhaft erzogen sein und bei allen geachtet.

Über Töchter und Frauen

42.9 Eine Tochter bereitet dem Vater schlaflose Nächte, und die Sorge um sie raubt ihm den Schlaf: Wenn sie jung ist, dass sie nicht verblühe, wenn sie mit einem Mann lebt, dass er ihrer nicht überdrüssig werde,
42.10 wenn sie noch Jungfrau ist, dass sie nicht geschändet und im Hause ihres Vaters nicht schwanger werde; wenn sie bei ihrem Mann ist, dass sie keinen Fehltritt tue, und wenn sie mit einem Mann lebt, dass sie nicht kinderlos bleibe.
42.11 Über eine verstockte Tochter wache scharf, dass sie dich nicht vor deinen Feinden zum Spott mache noch zum Gerede in der Stadt und zum Geschwätz der Leute und dass sie dich nicht vor allen beschäme.
42.12 Für alle gilt: Blicke nicht auf Schönheit und suche nicht die Gesellschaft von Frauen!
42.13 Denn aus Kleidern kommen Motten und aus Frauen nichts als weibliche Schlechtigkeit.
42.14 Besser die Schlechtigkeit eines Mannes als eine rechtschaffene Frau und als eine, die Schimpf und Schande bringt.

Gottes Herrlichkeit in der SchöpfungDas Lob der Väter

42.15 Ich will nun der Werke des Herrn gedenken und erzählen, was ich gesehen habe. Durch die Worte des Herrn sind seine Werke geworden. [Und es hat ihm gefallen, seinen Beschluss wirklich werden zu lassen.]
42.16 Leuchtend blickt die Sonne auf alles herab, und des Herrn Werke sind seiner Herrlichkeit voll.
42.17 Auch den Heiligen des Herrn ist es nicht gegeben, all die Wunder zu erzählen, die der Herr, der Allmächtige, geschaffen hat, damit das All durch seine Herrlichkeit Bestand hat.
42.18 Er allein erforscht den Abgrund und das Herz, und an seinen großen Taten wird er erkannt. Denn der Höchste weiß alle Dinge und schaut in die Ewigkeit.
42.19 Er verkündet, was vergangen und was zukünftig ist, und offenbart, was verborgen ist;
42.20 es entgeht ihm kein Gedanke, und kein einziges Wort bleibt ihm verborgen.
42.21 Die großen Werke seiner Weisheit hat er geordnet. Einer ist er von Ewigkeit zu Ewigkeit. Man kann ihn weder größer noch geringer machen. Er bedarf keines Ratgebers.
42.22 Wie wunderbar sind alle seine Werke, obwohl man kaum einen Funken davon erkennen kann!
42.23 Sie alle leben und bleiben in Ewigkeit und dienen ihrem Zweck, und alles gehorcht ihm.
42.24 Es sind immer zwei; eins steht dem andern gegenüber, und nichts hat er geschaffen, was nicht gelungen ist.
42.25 Die Dinge hat er so geordnet, dass eins dem andern nützt. Und wer kann sich an seiner Herrlichkeit satt sehen?

Dreiundvierzigstes Kapitel

43.1 Die erhabene Höhe, das klare Firmament und der wunderbare Himmel sind herrlich anzusehen.
43.2 Wenn die Sonne aufgeht, verkündet sie den Tag; sie ist ein Wunderwerk des Höchsten.
43.3 Am Mittag trocknet sie das Land aus, und wer kann ihre Hitze ertragen?
43.4 Glühende Hitze bringt die Sonne der Erde, dreimal stärker noch erhitzt sie die Berge; sie verbreitet Gluthauch, ist gleißend hell und blendet die Augen.
43.5 Groß ist der Herr, der sie gemacht hat, auf seine Worte hin durcheilt sie ihre Bahn.
43.6 Und der Mond muss aufgehen zu seiner Zeit und die Zeiten anzeigen und ein Zeichen für immer sein.
43.7 Nach dem Mond rechnet man die Feste; er ist ein Licht, das abnimmt und wieder zunimmt.
43.8 Der Neumond ist, wie sein Name sagt: Er erneuert und verändert sich wunderbar. Ein Feldzeichen ist er für das himmlische Heer, wenn er aufstrahlt am Firmament.
43.9 Die hellen Sterne zieren den Himmel, ein leuchtender Schmuck in den Höhen des Herrn.
43.10 Nach den Worten des Heiligen halten sie ihre Ordnung ein und werden nicht müde, wenn sie Wache halten.
43.11 Sieh den Regenbogen an und lobe den, der ihn schön gemacht hat in seinem Glanz.
43.12 Er wölbt sich am Himmel in einem herrlichen Bogen; die Hand des Höchsten hat ihn gespannt.
43.13 Auf sein Geheiß hin fällt der Schnee, und er lässt Blitze herabfahren, wie er will.
43.14 Darum tun sich die Himmel auf, und die Wolken ziehen wie Vögel dahin.
43.15 Mit seiner Kraft presst er die Wolken zusammen, und der Hagel prasselt herab.
43.16 bei seinem Anblick zittern die Berge. Nach seinem Willen wehen der Südwind
43.17 Seines Donners Stimme erschüttert die Erde, und der Nordwind und der Wirbelsturm. Wie einen Vogelschwarm streut er den Schnee; der fällt herab, wie Heuschrecken sich niederlassen.
43.18 Seine weiße Pracht blendet das Auge, und das Herz staunt über solch seltsamen Regen.
43.19 Er schüttet den Reif auf die Erde wie Salz, und wie Dornen wachsen Kristalle.
43.20 Wenn der kalte Nordwind weht, friert das Wasser zu Eis; wo Wasser ist, da bleibt er und kleidet es wie mit einem Harnisch.
43.21 Er verschlingt die Berge und verbrennt die Wüste, und was grün ist, versengt er wie Feuer.
43.22 Dagegen hilft der feuchte Nebel; und der Tau nach der Hitze erquickt alles wieder.
43.23 Durch seinen Ratschluss brachte der Herr die Wasser der Tiefe zur Ruhe und setzte Inseln darein.
43.24 Die auf dem Meer fahren, erzählen von seinen Gefahren, und wir, die es hören, verwundern uns.
43.25 Dort gibt es erstaunliche Dinge und wunderbare Werke, mancherlei Tiere und Seeungeheuer.
43.26 Der Herr geleitet seinen Boten ans Ziel, und durch sein Wort besteht alles.
43.27 Wenn wir auch viel sagen, so reicht es doch nicht aus; mit einem Wort: Er ist alles in allem.
43.28 Wenn wir auch alles hoch rühmen – was ist das schon? Denn er selbst ist größer als alle seine Werke.
43.29 Zu fürchten ist der Herr und sehr groß, und seine Macht ist wunderbar.
43.30 Lobt und preist den Herrn, so sehr ihr könnt; er wird auch das noch übertreffen. Preist ihn aus allen Kräften und lasst nicht ab – dennoch kann es nicht genügen!
43.31 Wer hat ihn gesehen, dass er von ihm erzählen könnte? Wer kann ihn so hoch preisen, wie er ist?
43.32 Vieles ist verborgen – Größeres als dieses, denn wenig nur haben wir von seinen Werken gesehen.
43.33 Denn alles hat der Herr gemacht, und den Gottesfürchtigen gibt er Weisheit.

Vierundvierzigstes Kapitel

44.1 Lasst uns loben berühmte Männer, unsre Väter von Anfang an.
44.2 Viel Herrliches hat der Herr geschaffen, sein mächtiges Werk von Ewigkeit her:
44.3 Herrscher über Königreiche, Männer, berühmt für ihre Stärke, verständige Ratgeber und prophetische Seher.
44.4 Sie haben Land und Leute mit Rat und Verstand regiert und das Volk unterrichtet; mit weisen Worten haben sie belehrt.
44.5 Sie ersannen Lieder und schrieben Erzählungen –
44.6 Männer, die reich und mächtig gewesen sind und in Frieden an ihrem Ort lebten.
44.7 Sie alle sind zu ihren Zeiten gepriesen und zu ihren Lebzeiten gerühmt worden.
44.8 Einige unter ihnen haben einen solchen Namen hinterlassen, dass man noch heute ihr Lob verkündet.
44.9 Von andern aber gibt es kein Andenken, sie sind ausgelöscht, als wären sie nie gewesen. Und als sie lebten, war es, als lebten sie nicht noch ihre Kinder nach ihnen.
44.10 Anders aber jene gesegneten Männer, deren Gerechtigkeit nicht vergessen wird;
44.11 sie bleibt auch bei ihren Nachkommen, ein gutes Erbe sind ihre Enkel.
44.12 Ihre Nachkommen hielten fest an den Bundesschlüssen und um ihrer Väter willen auch die Kinder.
44.13 Für immer bleibt ihr Geschlecht, und ihr Lob wird nicht untergehen.
44.14 Sie sind in Frieden begraben, und ihr Name lebt ewig.
44.15 Das Volk redet von ihrer Weisheit, und die Gemeinde verkündet ihr Lob.

Henoch und Noah

44.16 Henoch gefiel dem Herrn und wurde hinweggenommen, ein Beispiel der Buße für künftige Geschlechter.
44.17 Noah wurde als vollkommen gerecht befunden, und zur Zeit des Zorns fand er Gnade; durch ihn blieb ein Rest auf Erden, als die Sintflut kam.
44.18 Ein ewiger Bund wurde mit ihm geschlossen, dass niemals wieder alles Fleisch durch eine Sintflut vertilgt werden sollte.

Abraham

44.19 Abraham war der hochberühmte Vater vieler Völker, und an seiner Ehre fand man keinen Makel.
44.20 Er hielt das Gesetz des Höchsten und stand im Bund mit ihm; er bestätigte den Bund mit seiner Beschneidung; und er wurde für treu befunden, als er versucht wurde.
44.21 Darum verhieß ihm Gott mit einem Eid, dass durch sein Geschlecht die Völker gesegnet werden sollten. Seine Nachkommen sollten zahlreich werden wie der Staub der Erde und erhöht wie die Sterne und ihr Erbe erhalten von einem Meer bis ans andre und vom Euphrat im Osten bis an die Enden der Erde.

Isaak und Jakob

44.22 Und mit Isaak bestätigte er den Bund um seines Vaters Abraham willen. Den Segen für alle Menschen und den Bund
44.23 ließ er ruhen auf Jakobs Haupt. Ihn hat er gnädig gesegnet und ihm das Erbe gegeben und seine Anteile bestimmt und in zwölf Stämme aufgeteilt. Aus Jakob hat er einen gesegneten Mann kommen lassen, der vor aller Welt Gefallen fand,

Fünfundvierzigstes Kapitel

Mose

45.1 geliebt von Gott und den Menschen: Mose, dessen Name hoch gepriesen wird.
45.2 Er hat ihm Herrlichkeit gegeben wie den Heiligen und ihn groß gemacht, sodass die Feinde ihn fürchteten.
45.3 Er ließ ihn mit seinen Worten Zeichen tun, machte ihn herrlich vor Königen, gab ihm Befehle für sein Volk und zeigte ihm seine Herrlichkeit.
45.4 Er hat ihn um seiner Treue und Demut willen geheiligt und aus allen Menschen erwählt.
45.5 Er ließ ihn seine Stimme hören und führte ihn in die dunkle Wolke. Er hat ihm die Gebote gegeben von Angesicht zu Angesicht, das Gesetz des Lebens und der Weisheit, damit er Jakob den Bund lehren sollte und Israel seine Ordnungen.

Aaron

45.6 Er hat Aaron, den Bruder des Mose, aus dem Stamm Levi, gleich ihm geheiligt und erhöht.
45.7 Er schloss einen ewigen Bund mit ihm und gab ihm das Priestertum im Volk. Er pries ihn selig und schmückte ihn und legte ihm ein herrliches Gewand um.
45.8 Er bekleidete ihn mit vollkommenem Ruhm und krönte ihn mit dem Gewand der Macht, mit Beinkleidern, dem Ehrenmantel und dem Priesterschurz;
45.9 und er umgab ihn mit kleinen Granatäpfeln, unzähligen goldenen Schellen ringsumher, damit es bei seinen Schritten klingen sollte und der Klang im Heiligtum gehört würde zum Gedächtnis für die Söhne seines Volkes.
45.10 Er umgab ihn mit einem heiligen Gewand, golden und hyazinthfarben und purpurrot, ein Werk des Stickers; mit der Brusttasche für die Lose zum Offenlegen der Wahrheit,
45.11 gesponnen mit rotem Garn, ein Werk des Künstlers, mit kostbaren Steinen wie Siegel in goldener Fassung, Werke des Steinschneiders, in die die Namen der Stämme Israels zum Gedächtnis eingeschnitten waren;
45.12 ein goldenes Stirnblatt oben an dem Kopfbund, ein Abdruck des heiligen Siegels, eine ehrenvolle Pracht, ein großes Werk. All das war begehrenswert für die Augen und vollkommen.
45.13 So Schönes hat man nie zuvor gesehen, bis in Ewigkeit kleidet sich kein Fremder so, allein seine Söhne und seine Nachkommen.
45.14 Seine Opfer sollen als Brandopfer täglich zweimal dargebracht werden.
45.15 Mose füllte ihm die Hände und salbte ihn mit heiligem Öl. Es wurde ein ewiger Bund mit ihm und seinen Söhnen geschlossen, dass sie dem Herrn dienen und Priester sein und sein Volk in seinem Namen segnen sollten, solange der Himmel besteht.
45.16 Der Herr hat ihn erwählt aus allen Lebenden, damit er ihm Brandopfer darbringe und wohlriechende Räucheropfer zum Gedächtnis, um für das Volk Sühne zu schaffen.
45.17 Er gab ihm in seinen Geboten die Macht über die Ordnungen des Bundes, dass er Jakob seine Satzungen lehren und Israel mit seinem Gesetz erleuchten sollte.
45.18 Es rotteten sich seine Gegner zusammen und eiferten gegen ihn in der Wüste: die Leute um Dathan und Abiram und die Rotte Korach in wütendem Zorn.
45.19 Aber der Herr sah es, und es gefiel ihm nicht, und sie wurden verschlungen im grimmigen Zorn. Er tat ein schreckliches Zeichen an ihnen und verzehrte sie mit seinem Feuer.
45.20 Und er verlieh Aaron noch mehr Herrlichkeit und gab ihm ein Erbteil: Die Erstlingsgaben teilte er ihm zu, vor allem Brot im Überfluss –
45.21 denn sie werden die Opfer des Herrn essen, die er ihm und seinen Nachkommen gab.
45.22 Doch Aaron wird keinen Anteil am Land des Volkes haben noch ein Erbe gemeinsam mit dem Volk, denn: Der Herr selbst ist dein Teil und Erbe.

Pinhas

45.23 Pinhas, der Sohn Eleasars, kam als Dritter zu solcher Herrlichkeit, weil er ihm in der Furcht des Herrn nachgeeifert hatte. Denn als das Volk abfiel, blieb er treu in seinem Eifer für Gott und schaffte Sühne für Israel.
45.24 Darum wurde ihm ein Bund des Friedens gegeben: dem Heiligtum und Gottes Volk vorzustehen, damit er und seine Nachkommen das Hohepriestertum für immer haben sollten.
45.25 Wie bei dem Bund mit David, dem Sohn Isais aus dem Stamm Juda, das Königtum immer von Sohn zu Sohn vererbt werden soll: so soll auch das Erbe Aarons allein seinen Söhnen gehören.
45.26 Er gebe euch Weisheit in euer Herz, sein Volk zu richten in Gerechtigkeit, dass ihr Glück nicht schwinde; und er gebe ihnen Herrlichkeit für ihre Nachkommen.

Sechsundvierzigstes Kapitel

Josua und Kaleb

46.1 Ein Kriegsheld war Josua, der Sohn Nuns, und der Nachfolger des Mose im Prophetenamt. Er tat Großes zur Rettung der Auserwählten des Herrn, wie sein Name sagt, und strafte die Feinde, die sich erhoben hatten, damit er Israel als Erben einsetzen könnte.
46.2 Wie herrlich stand er da, als er die Hand ausstreckte und das Schwert zückte gegen die Städte!
46.3 Wer war ihm überlegen, wie er so dastand? Er selbst führte ja die Kriege des Herrn.
46.4 Wurde nicht durch seine Hand die Sonne angehalten, und ein Tag wurde so lang wie zwei?
46.5 Er rief den höchsten Herrscher an, als ihn seine Feinde ringsum bedrängten, und der höchste Herr erhörte ihn: Er ließ Hagel wie Steine auf die Feinde fallen
46.6 und brachte Krieg über das Volk. Beim Abstieg vernichtete er die Gegner, damit die Heiden seine Waffen erkannten und merkten, dass sie gegen den Herrn selbst Krieg führten. Denn Josua war dem Allmächtigen treu nachgefolgt.
46.7 Schon zur Zeit des Mose blieb er treu, gemeinsam mit Kaleb, dem Sohn Jefunnes: Sie stellten sich der Gemeinde entgegen, um das Volk von der Sünde abzuhalten und das böse Murren zu unterdrücken.
46.8 Darum wurden allein sie beide gerettet unter sechshunderttausend Mann und haben das Volk in sein Erbteil geführt, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.
46.9 Und der Herr gab Kaleb Kraft bis ins hohe Alter, dass er hinaufziehen konnte ins Gebirge; und seine Nachkommen behielten es als Erbe,
46.10 damit alle Israeliten sehen konnten, wie gut es ist, dem Herrn zu folgen.

Die Richter und Samuel

46.11 Und die Richter, jeder nach seinem Namen, die nicht anderen Göttern dienten und nicht vom Herrn abfielen, auch ihr Gedächtnis bleibe gesegnet!
46.12 Ihre Gebeine mögen grünen, wo sie liegen; und ihr Name, auf ihre Kinder vererbt, werde bei den Menschen gepriesen!
46.13 Geliebt von seinem Herrn richtete Samuel, der Prophet des Herrn, das Königtum auf und salbte Fürsten über sein Volk.
46.14 Er richtete die Gemeinde nach dem Gesetz des Herrn, und der Herr wandte sich Jakob wieder zu.
46.15 Und der Prophet erwies sich als treu und gewissenhaft, und an seinen Sprüchen erkannte man, dass seine Weissagungen wahr waren.
46.16 Er rief den Herrn an, den Mächtigen, als seine Feinde ihn ringsum bedrängten, und opferte ein Milchlamm.
46.17 Und der Herr donnerte vom Himmel herab und ließ seine Stimme hören mit lautem Schall
46.18 und zerschlug die Anführer der Tyrer und alle Fürsten der Philister.
46.19 Und bevor er sich zur ewigen Ruhe legte, bezeugte er vor dem Herrn und seinem Gesalbten, dass er von keinem Menschen Geld genommen hätte, nicht einmal Sandalen; und kein Mensch konnte ihn anklagen.
46.20 Und noch nachdem er entschlafen war, weissagte er und verkündete dem König das Ende; er erhob seine Stimme aus der Erde, als er weissagte, dass die Gottlosigkeit des Volkes ausgelöscht werde.

Siebenundvierzigstes Kapitel

David

47.1 Und nach ihm trat Nathan auf, der in den Tagen Davids Prophet war.
47.2 Und David war unter den Israeliten auserkoren, wie das Fett vom Heilsopfer für Gott bestimmt ist.
47.3 Er spielte mit Löwen wie mit jungen Böcken und mit Bären wie mit Lämmern.
47.4 Schlug er nicht in seiner Jugend den Riesen tot und nahm die Schmach von seinem Volk? Hob er nicht seine Hand mit der Steinschleuder und zerbrach den Hochmut des Goliat?
47.5 Denn er rief den Herrn an, den Höchsten; der stärkte ihm seine Hand, dass er den starken Krieger tötete und das Horn seines Volkes erhöhte.
47.6 Deshalb rühmte man ihn als Sieger über zehntausend und ehrte ihn mit Lobliedern auf den Herrn, als er die königliche Krone empfing.
47.7 Er schlug die Feinde ringsumher und demütigte die Philister, seine Widersacher, und zerbrach ihr Horn bis zum heutigen Tag.
47.8 Bei jeder Tat dankte er dem Heiligen, dem Höchsten, mit herrlichen Worten. Von ganzem Herzen rühmte und liebte er den, der ihn geschaffen hatte.
47.9 Er ließ Sänger vor den Altar treten und Psalmen mit kunstvollen Melodien singen. [Und täglich werden sie Lobgesänge erklingen lassen.]
47.10 Und er ordnete an, dass man die Feiertage würdig begehen und die Jahresfeste prächtig feiern sollte, damit der heilige Name des Herrn gelobt und vom frühen Morgen an das Heiligtum vom Klang der Lobgesänge erfüllt würde.
47.11 Der Herr vergab ihm seine Sünden und erhöhte sein Horn für alle Zeit; er gab ihm die Satzung des Königtums und den herrlichen Thron in Israel.

Salomo

47.12 Auf ihn folgte sein kluger Sohn, der erbte von ihm ein weites und sicheres Reich:
47.13 Salomo herrschte in Frieden; Gott hatte ihm ringsumher Ruhe verschafft, dass er seinem Namen ein Haus baue und ein Heiligtum aufrichte für alle Zeit.
47.14 Wie weise warst du von Jugend an und mit Einsicht erfüllt wie ein Strom!
47.15 Deine Klugheit umfängt die Erde, und mit Weisheitssprüchen hast du sie erfüllt.
47.16 Bis zu den fernsten Inseln drang dein Name, und um deines Friedens willen wurdest du geliebt.
47.17 Alle Lande bewunderten deine Lieder, Sprüche, Gleichnisse und Auslegungen.
47.18 Im Namen Gottes des Herrn, der »Gott Israels« genannt wird, häuftest du Gold an wie Zinn und vermehrtest Silber wie Blei.
47.19 Du gabst deine Lenden den Frauen hin und ließest dich von deinem Körper beherrschen.
47.20 Du beflecktest deine Ehre und entweihtest deinen Samen, sodass der Zorn über deine Nachkommen erging und sie wegen deiner Torheit gestraft wurden
47.21 und zwei Reiche entstanden und aus Ephraim ein abtrünniges Königreich wurde.
47.22 Aber der Herr ließ nicht ab von seiner Barmherzigkeit und hob seine Verheißungen nicht auf und rottete die Nachkommen seines Auserwählten nicht ganz aus; er raffte die Söhne dessen nicht hinweg, der ihn geliebt hatte, sondern behielt einen Rest übrig aus Jakob und eine Wurzel von David.

Rehabeam und Jerobeam

47.23 Und Salomo legte sich zu seinen Vätern und hinterließ aus seiner Nachkommenschaft den Dümmsten aller Leute, einen Narren ohne jeden Verstand: Das war Rehabeam, der das Volk abtrünnig machte durch seinen Ratschluss. Und daneben Jerobeam, der Sohn Nebats, der sich verging an Israel und Ephraim auf den Weg der Sünde führte.
47.24 Und ihre Sünden wurden so zahlreich, dass sie zuletzt aus ihrem Lande vertrieben wurden.
47.25 Und sie trachteten nach jeder Art von Frevel, bis die Strafe über sie kam.

Achtundvierzigstes Kapitel

Elia und Elisa

48.1 Und der Prophet Elia erhob sich wie ein Feuer, und sein Wort brannte wie eine Fackel;
48.2 er brachte Hungersnot über sie, und durch seinen Eifer verringerte er ihre Zahl.
48.3 Durch das Wort des Herrn schloss er den Himmel zu; dreimal brachte er Feuer herab.
48.4 Wie herrlich bist du gewesen, Elia, mit deinen Wunderzeichen! Wer wird gerühmt wie du?
48.5 Durch das Wort des Höchsten hast du einen Toten auferweckt und aus dem Totenreich zurückgebracht.
48.6 Du hast Könige in den Untergang geführt und Vornehme von ihrem Lager getrieben.
48.7 Du hast auf dem Sinai die künftige Strafe gehört und auf dem Horeb die Verurteilung.
48.8 Du hast Könige gesalbt, die Vergeltung üben sollten, und Propheten, die dir nachfolgten.
48.9 Du wurdest emporgehoben in einem Feuersturm, auf einem Wagen mit feurigen Rossen.
48.10 Du bist bestimmt worden, zur rechten Zeit bereit zu sein, den Zorn zu stillen, ehe der Grimm kommt: das Herz des Vaters wieder zum Sohn zu kehren und die Stämme Jakobs wieder aufzurichten.
48.11 Wohl denen, die dich gesehen haben und in Liebe zu dir entschlafen sind! So werden auch wir das Leben haben.
48.12 Als Elia im Feuersturm verborgen war, kam sein Geist auf Elisa. Zu seiner Zeit erschrak er vor keinem Herrscher, und niemand hatte Gewalt über ihn.
48.13 Kein Wort konnte ihn bezwingen, und noch im Tod wirkte er Wunder.
48.14 In seinem Leben tat er Zeichen, und im Tod waren seine Werke wunderbar.
48.15 Trotz alledem besserte sich das Volk nicht und ließ nicht ab von seinen Sünden, bis es aus seinem Lande vertrieben und über die ganze Erde zerstreut wurde; und nur ein kleines Häuflein blieb übrig und ein Fürst im Hause David.
48.16 Unter ihnen taten die einen, was Gott gefiel; die andern aber häuften Sünden an.

Hiskia und Jesaja

48.17 Hiskia befestigte seine Stadt und leitete Wasser hinein; er ließ mit Eisen einen Tunnel in den Fels hauen und Brunnen für das Wasser bauen.
48.18 In seinen Tagen zog Sanherib herauf, sandte den Rabschake und zog wieder ab; der erhob seine Hand gegen Zion und brüstete sich in seinem Hochmut.
48.19 Da zitterten ihre Herzen und Hände, und sie hatten Schmerzen wie die Gebärenden.
48.20 Und sie riefen den Herrn, den Barmherzigen, an und hoben ihre Hände zu ihm auf. Und der Heilige erhörte sie sogleich vom Himmel her und erlöste sie durch die Hand des Jesaja.
48.21 Er schlug das Heer der Assyrer, und sein Engel vernichtete sie.
48.22 Denn Hiskia tat, was dem Herrn wohlgefiel, und blieb beständig auf den Wegen Davids, seines Vaters, wie sie der Prophet Jesaja geboten hatte, der groß war und wahrhaftig in seiner Weissagung.
48.23 In seinen Tagen ging die Sonne wieder zurück und verlängerte dem König das Leben.
48.24 Mit reichem Geist erfüllt schaute er, was am Ende geschehen sollte, und tröstete die Trauernden in Zion.
48.25 Für alle Zeiten hat er gezeigt, was geschehen sollte und was verborgen ist, ehe es kommt.

Neunundvierzigstes Kapitel

Josia und Jeremia

49.1 Josias zu gedenken, ist wie edles Räucherwerk aus der Apotheke; es ist süß wie Honig im Munde und wie Saitenspiel beim Wein.
49.2 Er war dazu ausersehen, das Volk zu bekehren, und vernichtete die Gräuel der Abgötterei.
49.3 Er richtete sein Herz auf den Herrn, in den Tagen des Unrechts stärkte er die Frömmigkeit.
49.4 Alle Könige, ausgenommen David, Hiskia und Josia, sind schuldig geworden; denn sie verließen das Gesetz des Höchsten. Danach war es aus mit den Königen von Juda;
49.5 denn sie mussten ihre Macht andern überlassen und ihre Hoheit einem fremden Volk.
49.6 Die verbrannten die auserwählte Stadt des Heiligtums und machten ihre Straßen öde,
49.7 wie Jeremia geweissagt hatte. Ihn misshandelten sie schwer, der doch schon im Mutterleib zum Propheten auserkoren war, um auszurotten, zu zerbrechen und zu zerstören und wiederum auch zu bauen und zu pflanzen.

Hesekiel und die zwölf Propheten

49.8 Hesekiel sah eine herrliche Erscheinung, die der Herr ihm zeigte auf dem Wagen der Cherubim.
49.9 Auch erinnerte er sich an die Feinde im Regen und daran, denen Gutes zu tun, die die Wege ebnen.
49.10 Und die Gebeine der zwölf Propheten mögen grünen, wo sie liegen. Denn sie haben Jakob getröstet und die erlöst, die glauben und hoffen.

Serubbabel, Jeschua und Nehemia

49.11 Wie wollen wir Serubbabel preisen? Er war wie ein Siegelring an der rechten Hand,
49.12 und so auch Jeschua, der Sohn Jozadaks. Sie bauten zu ihrer Zeit den Tempel und richteten dem Herrn wieder auf das heilige Haus, das bereitet war zu ewiger Herrlichkeit.
49.13 Und Nehemia bleibe lange in Erinnerung. Er hat uns die zerstörten Mauern wieder aufgerichtet, sie mit Toren und Riegeln versehen und unsre Häuser wieder aufgebaut.

Rückblick auf die Urzeit

49.14 Niemand ist auf Erden geschaffen, der Henoch gleich wäre; denn er wurde von der Erde entrückt.
49.15 Und es gab keinen Mann wie Josef, der seine Brüder geführt und sein Volk erhalten hat. Seine Gebeine wurden wieder mit heimgebracht.
49.16 Sem und Set standen bei den Menschen in großen Ehren, über allem aber, was lebt in der Schöpfung, steht Adam.

Fünfzigstes Kapitel

Lob des Hohenpriesters Simon

50.1 Simon, der Sohn des Onias, der Hohepriester – er besserte zu seiner Zeit das Haus des Herrn aus und befestigte den Tempel;
50.2 er legte den Grundstein für die Stützmauern des Vorhofs, hohe Mauern, die das Heiligtum umschlossen.
50.3 Zu seiner Zeit wurde ein Wasserbecken ausgehauen, ein Becken fast so groß wie ein Meer.
50.4 Er bewahrte sein Volk vor Schaden und befestigte die Stadt gegen eine Belagerung.
50.5 Wie herrlich war er, wenn er aus dem Tempel kam und vor den Vorhang trat –
50.6 wie der Morgenstern durch die Wolken, wie der volle Mond an den Festtagen,
50.7 wie die Sonne strahlt auf den Tempel des Höchsten, wie der Regenbogen herrlich glänzt in den Wolken,
50.8 wie eine Rosenblüte im Frühling, wie die Lilien an Wasserbächen, wie das Grün des Libanon im Sommer,
50.9 wie angezündeter Weihrauch im Räuchergefäß, wie ein Kelch von getriebenem Gold, mit vielerlei Edelsteinen geschmückt,
50.10 wie ein grünender Ölbaum und wie eine Zypresse, die in den Himmel reicht.
50.11 Wenn er das herrliche Gewand anzog und den prachtvollen Schmuck anlegte und zum heiligen Altar hinaufschritt, so verlieh er dem Heiligtum herrlichen Glanz.
50.12 Wenn er aus den Händen der Priester die Opferstücke nahm und bei dem Feuer stand, das auf dem Altar brannte, so standen seine Brüder rings um ihn wie die Zedern auf dem Libanon, und wie Palmzweige umringten ihn
50.13 alle Söhne Aaron in ihrem Schmuck, mit dem Opfer für den Herrn in ihren Händen vor der ganzen Gemeinde Israel.
50.14 Und wenn er seinen Dienst am Altar verrichtet und dem Höchsten, dem Allmächtigen, ein Opfer dargebracht hatte,
50.15 dann streckte er seine Hand aus nach dem Trankopfer und opferte roten Wein und goss ihn an den Fuß des Altars zum lieblichen Geruch dem Höchsten, der über alles König ist.
50.16 Dann erhoben die Söhne Aaron ihre Stimme und ließen silberne Trompeten erschallen; sie jubelten laut, damit ihrer vor dem Höchsten gedacht würde.
50.17 Da lief das ganze Volk eilends zusammen, warf sich zu Boden und betete seinen Herrn an, den allmächtigen, höchsten Gott.
50.18 Und die Psalmensänger lobten ihn mit ihren Stimmen, und alles war erfüllt von süßem Klang.
50.19 Und das Volk rief zum höchsten Herrn und betete vor dem Barmherzigen, bis der Gottesdienst beendet war und sie ihren Opferdienst vollbracht hatten.
50.20 Wenn er nun wieder herabschritt, so erhob er seine Hand über die ganze Gemeinde Israel, um über ihr den Segen des Herrn auszurufen und sich seines Namens zu rühmen.
50.21 Da fielen sie abermals zu Boden, um den Segen des Höchsten zu empfangen.

Dank und Bitte

50.22 Nun dankt dem Gott des Alls, der große Dinge tut an allen Enden, der unsre Tage erhöht vom Mutterleib an und an uns handelt nach seiner Barmherzigkeit.
50.23 Er gebe uns ein fröhliches Herz, und es werde Friede in Israel in unseren Tagen und immerdar;
50.24 sein Erbarmen bleibe stets bei uns und erlöse uns in unseren Tagen.

Drei böse Völker

50.25 Zwei Völker sind mir zuwider, das dritte ist gar kein Volk:
50.26 die in den Bergen Samarias wohnen, die Philister und die törichten Leute von Sichem.

Schluss des BuchesGebet Jesu, Sohn des Sirach

50.27 Erziehung zu Verständnis und Wissen lehrt in diesem Buch Jesus, der Sohn des Sirach, der Sohn des Eleasar aus Jerusalem, der die Weisheit strömen ließ aus seinem Herzen.
50.28 Wohl dem, der danach lebt! Und wer's sich zu Herzen nimmt, der wird weise werden.
50.29 Denn wer danach handelt, vermag alles, weil die Furcht des Herrn ihn leitet. [Und den Frommen gab er Weisheit. Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit. Amen. Amen.]

Einundfünfzigstes Kapitel

51.1 Ich will dir danken, Herr, mein König, und dich preisen, Gott, meinen Heiland. Ich danke deinem Namen,
51.2 dass du mir Schutz und Hilfe geworden bist und hast meinen Leib erlöst vom Verderben und vom Strick der falschen Zunge, von den Lügenmäulern; und hast mir gegen die Feinde geholfen
51.3 und mich erlöst nach deiner großen Barmherzigkeit und um deines hohen Namens willen aus den Schlingen derer, die mich fressen wollten, aus der Hand derer, die mir nach dem Leben trachteten, und aus viel Trübsal, die ich hatte;
51.4 und hast mich errettet, als die Hitze mich zu ersticken drohte, mitten aus dem Feuer, das ich nicht entzündet hatte,
51.5 aus dem tiefen Rachen der Unterwelt und von den Verleumdern und Lügnern
51.6 und den Pfeilen der ungerechten Zunge. Meine Seele war dem Tode nahe, und mein Leben der Unterwelt.
51.7 Ich war umringt von allen Seiten, und niemand half mir; ich suchte Hilfe bei den Menschen und fand keine.
51.8 Da gedachte ich, Herr, deiner Barmherzigkeit und deiner Wohltaten von Ewigkeit her, dass du allen aufhilfst, die auf dich warten, und sie errettest aus der Hand der Bösen.
51.9 Von der Erde erhob ich mein Bitten und flehte um Erlösung vom Tod;
51.10 ich rief den Herrn an, den Vater meines Herrn, dass er mich nicht verlasse in den Tagen der Not, wenn ich den Überheblichen gegenüber hilflos bin.
51.11 Ich will deinen Namen loben ohne Unterlass und dich preisen und dir danken. Und mein Gebet wurde erhört,
51.12 denn du hast mich errettet aus dem Verderben und emporgehoben, als ich in Not war. Darum will ich dich loben und preisen und Dank sagen im Namen des Herrn.

Schlusswort

51.13 Als ich noch jünger war, bevor ich mich hätte verirren können, suchte ich schon mit Eifer die Weisheit in meinem Gebet.
51.14 Vor dem Tempel bat ich um sie, und bis zum Ende will ich sie suchen.
51.15 Mein Herz freut sich an ihr, wie wenn Blüten aufgehen und Trauben reifen. Ich ging auf geradem Weg und spürte ihr nach von Jugend an.
51.16 Nur wenig neigte ich mein Ohr und nahm sie auf, und viel Erziehung fand ich für mich.
51.17 Ich hatte reichen Gewinn von ihr. Darum will ich den rühmen, der mir Weisheit gab.
51.18 Denn ich nahm mir vor, nach ihr zu handeln, und suchte das Gute und werde nicht zuschanden.
51.19 Meine Seele rang mit ihr, und ich war darauf bedacht, sorgfältig nach dem Gesetz zu leben. Ich hob meine Hände auf zum Himmel und sann über ihre Geheimnisse nach.
51.20 Ich richtete meine Seele auf sie und fand sie in ihrer Reinheit. Mit ihr gewann ich von Anfang an Einsicht; darum werde ich gewiss nicht verworfen.
51.21 Und mein Inneres brannte danach, sie zu suchen; so gewann ich einen guten Schatz.
51.22 Als Lohn hat mir der Herr eine Zunge gegeben; damit will ich ihn loben.
51.23 Kommt her zu mir, ihr Ungebildeten, und wohnt im Haus der Bildung!
51.24 Warum wollt ihr noch warten und eure Seelen dürsten lassen?
51.25 Ich habe meinen Mund aufgetan und gesprochen: Kauft euch Weisheit – ganz ohne Geld!
51.26 Beugt euren Nacken unter ihr Joch und nehmt ihre Erziehung an. Sie ist nahe und leicht zu finden.
51.27 Seht mich an: Ich habe eine kleine Zeit Mühe und Arbeit gehabt und habe großen Trost gefunden.
51.28 Nehmt Bildung an, die wertvoll ist wie Silber, und gewinnt Gold durch sie.
51.29 Freut euch an der Barmherzigkeit Gottes und schämt euch nicht, ihn zu loben.
51.30 Tut euer Werk zur rechten Zeit, so wird er euch belohnen zu seiner Zeit.

Siehe auch

Quellenverweise