Zum Inhalt springen

Judit (Geistiger Sinn)

Aus Prophetia

Hinweis: Bibeltext aus der Lutherbibel 2017.

Erstes Kapitel

Nebukadnezar führt Krieg gegen Arphaxad

1.1 Es geschah im zwölften Jahr des Königs Nebukadnezar, der über die Assyrer herrschte in der großen Stadt Ninive, und in den Tagen Arphaxads, der über die Meder herrschte in Ekbatana.
1.2 Arphaxad hatte rings um Ekbatana eine Mauer aus Quadersteinen gebaut, drei Ellen breit und sechs Ellen lang, und er hatte die Mauer siebzig Ellen hoch und fünfzig Ellen breit gemacht.
1.3 Ihre Türme hatte er über ihren Toren errichtet, hundert Ellen hoch, gegründet auf sechzig Ellen im Geviert.
1.4 Und er hatte Tore gemacht, die siebzig Ellen in die Höhe ragten, vierzig Ellen breit, damit seine Streitmacht und die Schlachtreihen seiner Fußtruppen ausrücken konnten.
1.5 In jenen Tagen führte der König Nebukadnezar Krieg gegen den König Arphaxad in der großen Ebene, das ist die Ebene in dem Gebiet von Ragau.
1.6 Und zu Arphaxad stießen alle Bewohner des Gebirges und alle, die am Euphrat und am Tigris, am Hydaspes und in der Ebene Ariochs, des Königs der Elymäer, wohnten. Und viele andere Völker schlossen sich dem Heer der Söhne Chelëuds an.

Nebukadnezar beschließt einen Feldzug gegen die unbotmäßigen Völker

1.7 Da sandte Nebukadnezar, der König der Assyrer, Boten zu allen, die in Persien und nach Westen hin wohnten, den Bewohnern von Kilikien und Damaskus, zu denen, die auf dem Libanon und dem Antilibanon wohnten, und zu allen am Meer,
1.8 zu den Völkern am Karmel und in Gilead, nach Obergaliläa und in die große Ebene Jesreel,
1.9 zu allen in Samarien und seinen Städten, zu denen jenseits des Jordans bis hin nach Jerusalem und Betane, Chelus, Kadesch und dem Strom Ägyptens, nach Tachpanhes und Ramses und dem ganzen Land Goschen,
1.10 über Zoan und Memphis hinaus zu allen, die in Ägypten wohnten, bis an die Grenzen Äthiopiens.
1.11 Doch die Bewohner aller dieser Länder missachteten das Wort Nebukadnezars, des Königs der Assyrer. Sie kamen ihm nicht zu Hilfe, denn sie fürchteten ihn nicht, da er ihnen vorkam wie einer, der keine Macht hat. So sandten sie seine Boten wieder zurück, unverrichteter Dinge und entehrt.
1.12 Da wurde Nebukadnezar sehr zornig über alle diese Länder. Und er schwor bei seinem Thron und bei seiner Königsherrschaft, dass er sich rächen werde an dem ganzen Gebiet von Kilikien, Damaskus und Syrien und dass er mit dem Schwert töten werde alle Bewohner des Landes Moab und die Ammoniter und ganz Judäa und alle in Ägypten, bis zum Gebiet der beiden Meere.
1.13 Und er trat mit seiner Streitmacht an gegen den König Arphaxad im siebzehnten Jahr und überwand ihn im Kampf. Die ganze Streitmacht Arphaxads schlug er in die Flucht, seine Reiterei und alle Streitwagen.
1.14 Er nahm seine Städte in Besitz und drang vor bis Ekbatana, bemächtigte sich ihrer Türme, plünderte ihre Straßen und zerstörte ihre Pracht.
1.15 Den König Arphaxad aber ergriff er in den Bergen von Ragau, durchbohrte ihn mit seinen Speeren und vernichtete ihn ein für alle Mal.
1.16 Danach kehrte er heim mit seiner ganzen Heerschar, einer gewaltigen Menge von Kriegern. Hundertzwanzig Tage lang feierte und tafelte er mit seiner Streitmacht.

Zweites Kapitel

Nebukadnezar sinnt auf Rache

2.1 Im achtzehnten Jahr, am zweiundzwanzigsten Tag des Monats, wurde im Hause Nebukadnezars, des Königs der Assyrer, befohlen, an allen Ländern Rache zu nehmen, wie er es angekündigt hatte.
2.2 Und er rief sein ganzes Gefolge und alle seine Würdenträger zusammen und beriet sich mit ihnen im Geheimen. Mit seiner Rede beschwor er großes Unheil über die ganze Erde herauf:
2.3 Sie beschlossen, alle zu vernichten, die seinem Befehl nicht gehorcht hatten.
2.4 Und als er die Ratsversammlung beendet hatte, rief Nebukadnezar, der König der Assyrer, Holofernes herbei, den Feldhauptmann seiner Streitmacht, den Zweiten nach ihm, und sagte zu ihm:
2.5 So spricht der Großkönig, der Herr der ganzen Erde: Siehe, du sollst von hier aus aufbrechen und Männer mit dir nehmen, die auf ihre Kraft vertrauen, etwa hundertzwanzigtausend Mann zu Fuß und ein Aufgebot von zwölftausend Pferden mit Reitern.
2.6 Zieh aus zum Kampf gegen alle Länder, die nach Westen hin liegen; denn sie haben meinem Befehl nicht gehorcht.
2.7 Du sollst sie auffordern, sich zu unterwerfen, denn ich werde in meinem Zorn über sie kommen. Ich werde die ganze Erde mit meiner Streitmacht überziehen und werde ihr alle Länder zur Beute geben.
2.8 Ihre Verwundeten sollen Schluchten und Sturzbäche füllen, und jeder Fluss soll von Leichen überfließen.
2.9 Die Gefangenen will ich wegführen bis an die Enden der Erde.
2.10 Du aber zieh aus und nimm ihr ganzes Gebiet für mich ein. Sie sollen sich dir ergeben, und du wirst sie festhalten bis zu dem Tag, an dem ich sie richten werde.
2.11 Mit den Widerspenstigen aber sollst du keine Nachsicht üben, sondern sie überall Mord und Plünderung preisgeben.
2.12 Denn, so wahr ich lebe und bei meiner Königsmacht: Ich habe es gesagt und werde es ausführen mit meiner Hand!
2.13 Du aber sollst auch nicht eines dieser Worte deines Herrn übertreten, sondern gewissenhaft ausführen, was ich dir geboten habe, und sollst nicht zögern, es zu tun.

Holofernes beginnt seinen Feldzug

2.14 Da ging Holofernes hinaus von seinem Herrn, rief alle Mächtigen, die Heerführer und die Befehlshaber der assyrischen Streitmacht herbei
2.15 und musterte geeignete Männer für die Schlachtordnung, wie ihm sein Herr befohlen hatte: hundertzwanzigtausend zu Fuß und zwölftausend Bogenschützen zu Pferde,
2.16 und er stellte sie so auf, wie ein Heer zur Schlacht geordnet wird.
2.17 Er beschaffte Kamele, Esel und Maultiere für ihre Ausrüstung, eine gewaltige Menge, und zahllose Schafe, Rinder und Ziegen zu ihrer Versorgung,
2.18 auch reichliche Vorräte für alle, dazu sehr viel Gold und Silber aus der königlichen Schatzkammer.
2.19 So brach er mit seiner ganzen Streitmacht zum Feldzug auf, dem König Nebukadnezar voraus, um die ganze Erde nach Westen hin mit Streitwagen, Reitern und ausgesuchten Fußtruppen zu bedecken.
2.20 Und der Heerhaufen wuchs gewaltig. Wie die Heuschrecken schlossen sich ihnen Leute an, und zahllos wie der Staub der Erde wurde ihre Menge.
2.21 Von Ninive aus zogen sie drei Tagesmärsche weit bis zu der Ebene von Bektilet. Und sie schlugen ihr Lager auf jenseits von Bektilet, nahe dem Gebirge, das im Norden von Oberkilikien liegt.
2.22 Und er nahm seine ganze Streitmacht, die Fußtruppen, die Reiter und seine Streitwagen, und zog in das Gebirge hinauf.
2.23 Und er zerschlug Pud und Lud und plünderte alle Rassiter und Ismaeliter, die am Rande der Wüste südlich der Cheleer wohnten.
2.24 Dann überschritt er den Euphrat, durchzog Mesopotamien und zerstörte alle befestigten Städte am Fluss Habor bis hin zum Meer.
2.25 Er nahm das Gebiet von Kilikien ein und schlug alle nieder, die ihm Widerstand leisteten, und kam bis in das Gebiet von Jafet, das im Süden liegt, am Rande von Arabien.
2.26 Und er umzingelte alle Midianiter, brannte ihre Zelte nieder und plünderte ihre Viehherden.
2.27 Danach stieg er hinab in die Ebene von Damaskus zur Zeit der Weizenernte, steckte alle ihre Felder in Brand und gab die Schafe und Rinderherden der Vernichtung preis. Er raubte ihre Städte aus, verwüstete ihre Ebenen und erschlug alle ihre Jünglinge mit der Schärfe des Schwertes.
2.28 Da befiel Furcht und Zittern alle, die am Meer wohnten, in Tyrus und Sidon, und die Bewohner von Sur und Okina, von Jamnia, Aschdod und Aschkelon. Sie alle fürchteten ihn sehr.

Drittes Kapitel

Viele Völker unterwerfen sich / Die Bedrängnis des Gottesvolkes

3.1 Und sie sandten Friedensboten, die ihm sagen sollten:
3.2 »Siehe wir, die Knechte des Großkönigs Nebukadnezar, liegen vor dir. Tu mit uns, was dir gefällt!
3.3 Siehe, unsere Höfe und alle unsere Ortschaften und alle Weizenfelder und die Schafe und Rinderherden und alles Vieh bei unseren Zelten liegen vor dir. Tu mit ihnen, was dir gefällt!
3.4 Siehe, auch unsere Städte und alle, die darin wohnen, sind deine Sklaven. Komm und verfahre mit ihnen, wie es dir gut erscheint!«
3.5 Und die Boten kamen zu Holofernes und richteten ihm alles Wort für Wort aus.
3.6 Da zog er mit seiner Streitmacht zum Meer hinunter, besetzte die befestigten Städte und hob in ihnen geeignete Männer für seine Hilfstruppen aus.
3.7 Und die Bewohner der ganzen Gegend empfingen ihn mit Kränzen, Tänzen und Trommeln.
3.8 Er aber zerstörte ihr gesamtes Gebiet und riss ihre Heiligtümer nieder. Denn ihm war aufgetragen, die Götter des Landes auszurotten, damit alle Völker Nebukadnezar allein dienen und alle Zungen und Stämme ihn allein als Gott anrufen sollten.
3.9 Und er kam bis nach Jesreel in die Nähe von Dotan, das gegenüber der großen Bergkette von Judäa liegt.
3.10 Dann schlug er zwischen Gabbai und Skythopolis sein Lager auf und blieb dort einen Monat lang, um die Ausrüstung seiner Streitmacht neu zu ordnen.

Viertes Kapitel

Die Bewohner Judäas leisten Widerstand

4.1 Die Israeliten aber, die in Judäa wohnten, hörten alles, was Holofernes, der Feldhauptmann Nebukadnezars, des Königs der Assyrer, den Völkern angetan und wie er alle ihre Heiligtümer beraubt und sie der Vernichtung preisgegeben hatte.
4.2 Da gerieten sie in größte Furcht vor ihm und wurden bestürzt, weil sie an Jerusalem und den Tempel des Herrn, ihres Gottes, dachten.
4.3 Denn gerade erst waren sie aus der Gefangenschaft zurückgekommen, und erst vor Kurzem hatte sich das ganze Volk von Judäa wieder zusammengefunden, und die Geräte, der Altar und das Haus Gottes waren nach ihrer Schändung wieder geweiht worden.
4.4 Darum sandten sie Boten in das ganze Gebiet von Samarien, Kona, Bet-Horon und Belmain, nach Jericho, Choba und Hazor und in die Talebene von Salim.
4.5 Zuerst besetzten sie alle hohen Bergkuppen, dann befestigten sie ihre Dörfer und legten Nahrungsvorräte für den Krieg an, denn ihre Felder waren eben erst abgeerntet worden.
4.6 Jojakim aber, der zu dieser Zeit Hoherpriester in Jerusalem war, schrieb an die Einwohner von Betulia und Betomestajim, das Jesreel gegenüber nahe bei Dotan liegt,
4.7 sie sollten die Zugänge ins Gebirge besetzt halten, durch die der Weg nach Judäa führte. Hier nämlich wäre es leichter, die Eindringenden aufzuhalten. Denn der Durchgang war hier so eng, dass immer nur zwei Mann nebeneinander hindurch konnten.
4.8 Und die Israeliten taten, was ihnen der Hohepriester Jojakim und der Rat der Ältesten des Volkes Israel in Jerusalem aufgetragen hatten.
4.9 Alle Männer in Israel schrien inständig zu Gott und demütigten sich selbst mit großer Inbrunst.
4.10 Sie selbst, ihre Frauen und Kinder, ihr Vieh und alle Fremden, Knechte und Sklaven legten Säcke um ihre Hüften.
4.11 Alle Männer, Frauen und Kinder, die in Jerusalem wohnten, fielen vor dem Tempel nieder auf ihr Angesicht, streuten Asche auf ihre Häupter und breiteten ihre Bußgewänder vor dem Herrn aus.
4.12 Sogar den Brandopferaltar umhüllten sie mit Säcken, und sie schrien zu dem Gott Israels einmütig und inständig, dass er nicht den Heiden überlasse ihre Kinder zum Raub und ihre Frauen zur Beute, die Städte ihres Erbteils zur Vernichtung und das Heiligtum zu Entweihung, Spott und Schändung.
4.13 Und der Herr hörte auf ihr Rufen und schaute ihre Bedrängnis an. Das Volk in Judäa und Jerusalem aber fastete mehrere Tage lang vor dem Heiligtum des Herrn, des Allmächtigen.
4.14 Auch der Hohepriester Jojakim und alle Priester, die vor dem Herrn standen, und alle, die dem Herrn dienten, hatten Säcke um ihre Hüften gelegt und brachten so das tägliche Brandopfer sowie die Opfer und Gaben des Volkes dar.
4.15 Sie hatten Asche auf ihre Häupter gestreut und schrien zum Herrn mit aller Kraft, er möge das Haus Israel gnädig bewahren.

Fünftes Kapitel

Holofernes hält Kriegsrat

5.1 Da wurde Holofernes, dem Feldhauptmann der assyrischen Streitmacht, gemeldet, dass sich die Israeliten zum Krieg gerüstet, die Gebirgspässe versperrt, alle hohen Bergkuppen befestigt und in den Ebenen Hindernisse errichtet hätten.
5.2 Darüber entbrannte er in großem Zorn. Er rief alle Obersten der Moabiter und alle Heerführer der Ammoniter und alle Statthalter der Meeresküste zusammen
5.3 und sprach zu ihnen: Sagt mir doch, ihr Kanaaniter, was ist das für ein Volk, das im Gebirge lebt! Welche Städte bewohnen sie? Wie groß ist ihre Streitmacht? Worin bestehen ihre Kraft und Stärke? Welcher König führt ihr Heer?
5.4 Warum haben allein sie unter allen anderen Bewohnern des Westens sich geweigert, mir zur Huldigung entgegenzuziehen?

Rede des Achior

5.5 Da antwortete ihm Achior, der Anführer aller Ammoniter: Möge mein Herr doch ein Wort aus dem Munde seines Knechtes anhören! So will ich dir die Wahrheit sagen über dieses Volk, das im Gebirge wohnt, ganz in deiner Nähe, und ich werde dich gewiss nicht belügen.
5.6 Dieses Volk stammt von den Chaldäern ab.
5.7 Früher haben sie als Fremdlinge in Mesopotamien gewohnt, denn sie wollten nicht mehr den Göttern ihrer Väter nachfolgen, die im Lande der Chaldäer waren.
5.8 Deshalb verließen sie den Weg ihrer Vorfahren und beteten den Gott des Himmels an, dem allein sie als Gott dienten. Da vertrieben die Chaldäer sie von dem Angesicht ihrer Götter, und sie flohen nach Mesopotamien und wohnten da als Fremdlinge lange Zeit.
5.9 Ihr Gott aber gebot ihnen, sie sollten fortziehen und nach Kanaan gehen. Dort ließen sie sich nieder und wurden reich an Gold, Silber und großen Viehherden.
5.10 Als nun eine Hungersnot über das Land Kanaan kam, zogen sie hinab nach Ägypten und lebten wiederum als Fremdlinge, solange sie Nahrung fanden. Dort wurden sie zu einem so großen Volk, dass ihre Menge nicht mehr zu zählen war.
5.11 Der König von Ägypten aber bedrückte sie und zwang sie zum Ziegelstreichen, erniedrigte sie und machte sie zu Sklaven.
5.12 Und sie schrien zu ihrem Gott. Der schlug das ganze Land Ägypten mit Plagen, vor denen es keine Rettung gab. Da jagten die Ägypter sie fort.
5.13 Und Gott trocknete vor ihnen das Rote Meer aus
5.14 und führte sie auf den Weg zum Sinai und nach Kadesch-Barnea. Und sie vertrieben alle, die in der Wüste wohnten.
5.15 Danach ließen sie sich nieder im Lande der Amoriter und zerstörten Heschbon durch ihre Stärke. Sie überschritten den Jordan und nahmen das ganze Gebirge als Erbteil in Besitz.
5.16 Sie vertrieben die Kanaaniter und Perisiter, Jebusiter und Sichemiter und alle Girgaschiter und ließen sich dort nieder für lange Zeit.
5.17 Und solange sie nicht sündigten vor ihrem Gott, ging es ihnen gut, denn sie haben einen Gott, der das Unrecht hasst.
5.18 Als sie aber von dem Weg abwichen, den er ihnen geboten hatte, wurden sie in vielen Schlachten geschlagen und gefangen in ein fremdes Land geführt. Der Tempel ihres Gottes wurde dem Erdboden gleichgemacht, und ihre Städte wurden von Feinden eingenommen.
5.19 Und jetzt, da sie sich wieder zu ihrem Gott bekehrt haben, sind sie heraufgezogen aus der Fremde, wohin sie zerstreut waren, haben Jerusalem, wo ihr Heiligtum steht, wieder in Besitz genommen, und haben sich niedergelassen im Gebirge, das verödet war.
5.20 Darum nun, mein Herr und Gebieter: Nur wenn es in diesem Volk ein Vergehen gibt und sie sich gegen ihren Gott versündigt haben und wir Kunde davon erhalten, dann können wir hinaufziehen und gegen sie Krieg führen.
5.21 Wenn es aber kein solches Vergehen in ihrem Volk gibt, dann, mein Herr, lass ab von deinem Vorhaben, damit nicht ihr Herr und Gott sie beschirme und wir vor aller Welt zum Gespött werden.
5.22 Und es geschah, als Achior diese Rede beendet hatte, da murrte das ganze Volk, das rings um das Zelt stand, und die Würdenträger des Holofernes und alle, die am Meer und in Moab wohnten, sagten: Haut ihn in Stücke!
5.23 Wir fürchten uns doch nicht vor den Israeliten! Denn siehe, diesem Volk fehlen Macht und Stärke, um ein geordnetes Heer aufzustellen.
5.24 So lass uns hinaufziehen und sie deinem Heer zum Fraß vorwerfen, Holofernes, du unser Gebieter!

Sechstes Kapitel

Antwort des Holofernes

6.1 Als sich der Tumult unter den Männern rings um den Kriegsrat gelegt hatte, sprach Holofernes, der Feldhauptmann der assyrischen Streitmacht, zu Achior vor der ganzen Volksversammlung der Philister und zu allen Moabitern:
6.2 Wer bist du denn, Achior, mit deinen Söldnern aus Ephraim, dass du heute unter uns als Prophet auftrittst und sagst, man solle gegen das Volk Israel keinen Krieg führen, weil ihr Gott sie beschirme? Wer ist denn Gott außer Nebukadnezar? Der wird seine Macht aufbieten und sie vernichten von der Erde, und ihr Gott wird sie nicht retten können.
6.3 Sondern wir, Nebukadnezars Knechte, werden sie schlagen wie einen einzigen Mann, und sie werden der Kraft unserer Rosse nicht standhalten.
6.4 Denn wir werden sie überrennen, und ihre Berge werden trunken sein von ihrem Blut, und ihre Felder werden übersät sein mit ihren Leichen, und sie werden uns nicht widerstehen können, sondern zugrunde gehen – spricht der König Nebukadnezar, der Herr der ganzen Erde. Denn er hat es gesagt, und was er sagt, wird geschehen
6.5 Du aber, Achior, du ammonitischer Söldner, der du dich heute um Kopf und Kragen geredet hast, du sollst mir von diesem Tag an nicht mehr unter die Augen kommen, bis ich dieses Volk, das aus Ägypten dahergelaufen ist, bestraft habe.
6.6 Dann werden das Schwert meiner Leute und der Spieß meiner Diener deine Rippen durchbohren, und du wirst unter den Verwundeten Israels liegen, wenn ich zurückkehre.
6.7 Meine Knechte werden dich jetzt in eine der Städte am Rande des Gebirges bringen.
6.8 Und du sollst nicht eher als die Verwundeten Israels zugrunde gehen.
6.9 Solltest du aber in deinem Herzen hoffen, dass sie doch nicht besiegt werden, dann musst du den Blick nicht senken. Ich habe es gesagt, und so wird es geschehen.

Achior wird an die Einwohner Betulias ausgeliefert

6.10 Und Holofernes befahl seinen Knechten, die in seinem Zelt bereitstanden, Achior zu ergreifen, ihn nach Betulia zu bringen und in die Hände der Israeliten auszuliefern.
6.11 Da ergriffen ihn seine Knechte und führten ihn hinaus aus dem Lager in die Ebene, und von dort brachten sie ihn in das Gebirge hinauf. So kamen sie zu den Quellen, die unterhalb von Betulia liegen.
6.12 Als die Männer der Stadt sie von oben sahen, griffen sie zu den Waffen und liefen hinaus auf die Bergkuppe. Die Schleuderer aber besetzten den Weg, der zur Stadt hinaufführte, und beschossen sie mit Steinen.
6.13 Da suchten die Assyrer unten am Berg Schutz, fesselten den Achior und ließen ihn dort liegen. Dann zogen sie sich wieder zurück zu ihrem Herrn.

Achior wird ehrenvoll aufgenommen

6.14 Die Israeliten aber kamen herab aus ihrer Stadt, traten zu ihm und banden ihn los. Und sie führten ihn nach Betulia und stellten ihn vor die Oberhäupter der Stadt.
6.15 Das waren zu dieser Zeit Usija, der Sohn des Micha aus dem Stamme Simeon, und Kabri, der Sohn des Otniël, und Karmi, der Sohn des Malkiël.
6.16 Die riefen alle Ältesten der Stadt zusammen; ebenso kamen alle jungen Männer und Frauen herbei. Sie stellten Achior in die Mitte des ganzen Volkes, und Usija fragte ihn, was sich zugetragen habe.
6.17 Der antwortete und berichtete ihnen alles, was Holofernes im Kriegsrat und im Kreis der assyrischen Befehlshaber gesagt und wie er gegen Israel geprahlt hatte.
6.18 Da fiel das Volk nieder, und alle beteten zu Gott, schrien und sprachen:
6.19 Herr, Gott des Himmels, sieh doch herab auf ihren Hochmut und erbarme dich des Elends unseres Volkes, und schau gnädig auf dein heiliges Volk am heutigen Tag!
6.20 Dann sprachen sie Achior Mut zu und lobten ihn sehr.
6.21 Nach der Versammlung nahm Usija ihn mit in sein Haus und bereitete ihm ein Gastmahl mit den Ältesten, und die ganze Nacht hindurch riefen sie den Gott Israels um Hilfe an.

Siebtes Kapitel

Holofernes belagert Betulia

7.1 Am nächsten Tag aber befahl Holofernes seinem ganzen Heer und allen seinen Leuten, die als Hilfstruppe zu ihnen gestoßen waren, gegen Betulia zu ziehen, die Zugänge ins Gebirge zu besetzen und gegen die Israeliten Krieg zu führen.
7.2 Da zogen alle waffenfähigen Männer hinauf. Ihre Streitmacht umfasste hundertsiebzigtausend Mann zu Fuß und zwölftausend Reiter, ohne den Tross und die Männer, die sie begleiteten, eine sehr große Menge.
7.3 Und sie schlugen ihr Lager in der Talebene nahe bei Betulia an der Quelle auf. Es dehnte sich aus in der Breite von Dotan bis Belmain und in der Länge von Betulia bis Kyamon, das Jesreel gegenüberliegt.
7.4 Als aber die Israeliten diese Menge sahen, wurden sie bestürzt und sagten zueinander: Jetzt werden sie das ganze Land aussaugen. Weder die hohen Berge noch die Schluchten und Hügel werden diese Last tragen können.
7.5 Da griffen alle zu ihren Waffen, entzündeten Feuer auf ihren Türmen und hielten die ganze Nacht hindurch Wache.
7.6 Am zweiten Tag aber führte Holofernes seine Reiterei heraus vor den Augen der Israeliten, die in Betulia waren.
7.7 Er erkundete die Zugänge zu ihrer Stadt, spähte ihre Wasserquellen aus, besetzte sie und stellte bei ihnen bewaffnete Posten auf. Dann kehrte er wieder zu seinen Leuten zurück.
7.8 Und es kamen zu ihm alle Oberhäupter der Söhne Esaus und alle Anführer des Volkes Moab und die Heerführer von der Meeresküste und sprachen:
7.9 Möge doch unser Gebieter ein Wort anhören, damit deiner Streitmacht kein Schaden entstehe!
7.10 Denn das Volk der Israeliten vertraut weniger auf seine Speere als auf die Höhe der Berge, auf denen sie wohnen, denn es ist nicht leicht, zu ihnen ins Gebirge vorzudringen.
7.11 Deshalb, unser Gebieter, kämpfe gegen sie nicht in der gewohnten Schlachtordnung! Dann wird auch kein Einziger von deinen Leuten fallen.
7.12 Bleibe vielmehr in deinem Lager und schone die Männer deiner Streitmacht! Deine Knechte aber sollen sich der Wasserquelle bemächtigen, die am Fuße des Gebirges entspringt,
7.13 weil dort alle Einwohner von Betulia ihr Wasser holen. Dann wird der Durst sie umbringen, und sie werden dir ihre Stadt übergeben. Wir aber und unsere Leute wollen auf die benachbarten Berggipfel steigen und darauf Wachposten errichten, sodass niemand die Stadt verlassen kann.
7.14 So werden sie mit ihren Frauen und Kindern vor Hunger dahinschwinden und in den Straßen ihrer Stadt niedergestreckt liegen, noch ehe das Schwert über sie kommt.
7.15 Dann magst du an ihnen unerbittlich Vergeltung üben, weil sie sich gegen dich erhoben haben und dir nicht im Frieden entgegengezogen sind.
7.16 Diese Worte gefielen Holofernes und seinem ganzen Gefolge, und er befahl zu tun, was sie vorgeschlagen hatten.
7.17 Da brach das Lager der Ammoniter auf und mit ihnen fünftausend Assyrer. Sie lagerten im Tal und besetzten die Wasserstellen und Quellen der Israeliten.
7.18 Die Söhne Esaus aber und die Ammoniter zogen hinauf ins Gebirge und schlugen ihr Lager gegenüber von Dotan auf, und sie sandten einige nach Süden und einige nach Osten, in das Gebiet gegenüber Egrebel, das nahe bei Chus am Bach Mochmur liegt. Das übrige Heer der Assyrer aber lagerte in der Ebene und bedeckte das ganze Land. Ihre Zelte und ihr Tross breiteten sich gewaltig aus; es war eine riesige Menge.

Die Einwohner Betulias geraten in VerzweiflungDie Rettung des Gottesvolkes

7.19 Da schrien die Israeliten zum Herrn, ihrem Gott, weil ihr Geist verzagte. Denn alle ihre Feinde hatten sie umringt, und es gab kein Entrinnen mehr.
7.20 Und die Belagerung der Assyrer, ihrer Fußtruppen, Streitwagen und Reiter dauerte vierunddreißig Tage. Da gingen den Bewohnern von Betulia die Wasservorräte aus,
7.21 und die Zisternen vertrockneten. Weil ihnen das Wasser zugemessen werden musste, hatten sie an keinem Tag mehr genug, um ihren Durst zu stillen.
7.22 Ihre kleinen Kinder siechten dahin, und die Frauen und die Jünglinge wurden ohnmächtig vor Durst. Auf den Straßen der Stadt und in den Torwegen brachen sie zusammen, weil sie keine Kraft mehr hatten.
7.23 Da versammelte sich das ganze Volk vor Usija und den Oberhäuptern der Stadt, junge Männer, Frauen und Kinder. Sie schrien mit lauter Stimme und sprachen zu den Ältesten:
7.24 Gott sei Richter zwischen euch und uns! Ihr habt großes Unglück über uns gebracht, weil ihr nicht mit den Assyrern Frieden schließen wolltet!
7.25 Nun gibt es für uns keine Hilfe mehr, sondern Gott hat uns in ihre Hand gegeben, damit wir vor ihren Augen verschmachten und jämmerlich zugrunde gehen!
7.26 So ruft nun die Leute des Holofernes herbei und liefert ihnen und ihrer Streitmacht die ganze Stadt zur Plünderung aus!
7.27 Denn es ist besser für uns, ihre Beute zu werden und als Sklaven am Leben zu bleiben, als mit eigenen Augen den Tod unserer Säuglinge, Frauen und Kinder ansehen zu müssen.
7.28 Als Zeugen gegen euch rufen wir an Himmel und Erde, unseren Gott und den Herrn unserer Väter, der uns bestraft um unserer Sünden und um der Übertretungen unserer Väter willen: Er lasse diese Worte am heutigen Tag nicht an uns wahr werden!
7.29 Und es erhob sich großes Wehklagen inmitten der ganzen Gemeinde wie mit einer Stimme, und sie schrien laut zum Herrn, ihrem Gott.
7.30 Da sprach Usija zu ihnen: Nur Mut, Brüder und Schwestern! Lasst uns noch fünf Tage aushalten, in denen der Herr, unser Gott, uns sein Erbarmen wieder zuwenden kann, denn er wird uns nicht endgültig verlassen.
7.31 Wenn aber diese Tage vorüber sind, ohne dass wir Hilfe erfahren haben, dann wollen wir tun, was ihr gesagt habt.
7.32 Und er schickte das Volk fort, alle auf ihre Posten. Sie besetzten wieder die Mauern und Türme, die Frauen und Kinder aber gingen zurück in ihre Häuser. Und in der Stadt herrschte große Verzagtheit.

Achtes Kapitel

Judits Herkunft und Lebensführung

8.1 Das hörte in jenen Tagen auch Judit, die Tochter Meraris, des Sohnes des Uz, des Sohnes Josefs, des Sohnes Usiëls, des Sohnes Hilkijas, des Sohnes des Hananjas, des Sohnes Gideons, des Sohnes Rafaïns, des Sohnes Ahitubs, des Sohnes Elijas, des Sohnes Hilkijas, des Sohnes Eliabs, des Sohnes Natanaëls, des Sohnes Schelumiëls, des Sohnes Zurischaddais, des Sohnes Israels.
8.2 Judits Mann Manasse aber, aus ihrem Stamm und ihrer Sippe, war zur Zeit der Gerstenernte gestorben.
8.3 Er hatte auf dem Felde die Garbenbinder beaufsichtigt, als ihn ein Hitzschlag traf. Da fiel er auf sein Bett und starb in seiner Stadt Betulia. Und sie begruben ihn bei seinen Vätern auf dem Feld, das zwischen Dotan und Belmain liegt.
8.4 Judit aber lebte nun schon drei Jahre und vier Monate als Witwe in ihrem Haus.
8.5 Auf dem Dach ihres Hauses hatte sie sich ein Zelt gemacht. Um ihre Hüften hatte sie einen Sack gelegt und trug darüber die Kleider einer Witwe.
8.6 Und sie fastete alle Tage ihrer Witwenschaft, außer am Tag vor dem Sabbat und am Sabbat selbst, am Tag vor dem Neumond und am Neumond selbst sowie an den Festen und Freudentagen des Hauses Israel.
8.7 Sie war sehr schön von Gestalt und von blühendem Aussehen. Ihr Mann Manasse hatte ihr Gold und Silber, Knechte und Mägde, Vieh und Felder hinterlassen, über die sie verfügte.
8.8 Und es gab niemanden, der ihr etwas Schlechtes nachsagen konnte, denn sie fürchtete Gott sehr.

Judit redet zu den Ältesten von Betulia

8.9 Und Judit hörte die harten Reden des Volkes gegen sein Oberhaupt Usija, weil sie kleinmütig geworden waren wegen des Mangels an Wasser. Auch hörte sie alle Worte, die Usija zu ihnen gesagt hatte, und wie er ihnen geschworen hatte, die Stadt nach fünf Tagen an die Assyrer zu übergeben.
8.10 Da sandte sie die Magd, die ihr Hab und Gut verwaltete, und lud Usija, Kabri und Karmi zu sich ein, die Ältesten ihrer Stadt.

Rede der Judit

8.11 Als die nun zu ihr kamen, sprach sie zu ihnen: Hört mich an, ihr Oberhäupter von Betulia! Das Wort, das ihr heute zu dem Volk gesprochen habt, war nicht recht. Ihr habt einen Eid geschworen, der nun zwischen Gott und euch steht, und habt versprochen, die Stadt unseren Feinden zu übergeben, wenn der Herr uns unterdessen nicht hilft!
8.12 Wer seid ihr denn, dass ihr Gott am heutigen Tage versucht und euch vor allen Menschen über Gott erhebt?
8.13 Wollt ihr etwa den Herrn, den Allmächtigen, herausfordern? Wollt ihr denn ewig unverständig bleiben?
8.14 Könnt ihr doch nicht einmal die Tiefe des menschlichen Herzens noch seine Gedanken begreifen! Wie wollt ihr da Gott erforschen, der alles geschaffen hat, seinen Sinn erkennen oder seine Überlegungen begreifen? Niemals, Brüder! Erzürnt nicht den Herrn, unsern Gott!
8.15 Denn auch wenn er uns nicht in diesen fünf Tagen helfen will, hat er doch die Macht, uns vor unseren Feinden zu schützen oder uns zu vernichten, wann immer er will.
8.16 Versucht nicht, den Willen des Herrn, unseres Gottes, zu erzwingen! Gott ist ja nicht wie ein Mensch, dem man drohen könnte, und nicht wie einer, der sich bedrängen ließe!
8.17 Darum lasst uns auf seine Rettung warten und ihn um Hilfe anrufen! Er wird unsere Stimme erhören, wann es ihm gefällt!
8.18 Denn es gibt ja zu dieser Zeit unter uns keinen Stamm und keine Sippe, kein Geschlecht und keine Stadt mehr, die selbst gemachte Götter anbeten, wie das in früheren Zeiten geschehen ist.
8.19 Darum kamen Schwert und Raub über unsere Väter, und sie wurden vor unseren Feinden tief gedemütigt.
8.20 Wir aber kennen keinen anderen Gott als ihn allein. Deshalb hoffen wir auch, dass er niemanden von uns und unserem Volk vergessen wird.
8.21 Denn wenn wir besiegt werden, wird ganz Judäa fallen. Dann wird auch unser Heiligtum geplündert, und für seine Entweihung wird von uns Rechenschaft gefordert.
8.22 Der Tod unserer Brüder und die Verbannung aus unserem Land und die Verwüstung unseres Erbteils werden auf unser Haupt zurückfallen, wenn wir fremden Völkern dienen müssen. Und wir müssen zu Hohn und Spott werden bei denen, die uns beherrschen.
8.23 Dann wird sich unsere Knechtschaft nicht mehr zum Guten wenden; sondern der Herr, unser Gott, wird uns zuschanden machen.
8.24 Deshalb lasst uns unseren Brüdern in Jerusalem zeigen, dass wir für ihr Leben einstehen und uns vor das Heiligtum, den Tempel und den Altar stellen wollen.
8.25 Zugleich aber lasst uns dem Herrn, unserem Gott, danken, dass er uns ebenso prüft wie unsere Väter auch.
8.26 Erinnert euch, was er mit Abraham getan hat, wie er Isaak versuchte und wie es Jakob in Mesopotamien erging, als er die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, hütete.
8.27 Denn wie er jene im Feuer geläutert hat, um ihre Herzen zu prüfen, so ist auch dies keine Strafe für uns, sondern durch Züchtigung ermahnt der Herr, die ihm nahe sind.

Antwort des Usija

8.28 Da antwortete Usija ihr: Alles, was du sagst, kommt aus einem reinen Herzen, und es gibt niemanden, der deinen Worten widerstehen könnte.
8.29 Nicht erst seit heute ist ja deine Weisheit offenbar, sondern schon von jeher kennt das ganze Volk deine Einsicht und das Gute, das dein Herz ersinnt.
8.30 Aber das Volk litt furchtbaren Durst und zwang uns, zu tun, was wir ihnen zugesagt haben, und uns einen Eid aufzuerlegen, den wir nicht mehr brechen dürfen.
8.31 Darum bete nun für uns, denn du bist eine gottesfürchtige Frau. Vielleicht wird der Herr uns Regen senden, damit sich unsere Zisternen füllen und wir nicht verschmachten müssen.

Judit bittet die Ältesten um Unterstützung

8.32 Judit aber entgegnete ihnen: Hört mich an! Ich will eine Tat vollbringen, von der man noch in fernen Zeiten bei den Nachkommen unseres Volkes erzählen wird.
8.33 Wartet heute Nacht am Tor, wenn ich mit meiner Magd hinausgehe. Noch bevor ihr die Stadt übergeben müsst, wie ihr es versprochen habt, wird sich der Herr durch meine Hand Israel wieder zuwenden.
8.34 Ihr sollt aber meinem Vorhaben nicht nachforschen, denn nichts davon will ich euch sagen, bis vollbracht ist, was ich tun will.
8.35 Und Usija und die Oberhäupter sprachen zu ihr: Geh hin in Frieden! Gott der Herr sei mit dir, um uns an unseren Feinden zu rächen!
8.36 Und sie verließen Judits Zelt und kehrten auf ihre Posten zurück.

Neuntes Kapitel

Gebet der Judit

9.1 Judit aber fiel nieder auf ihr Angesicht, streute Asche auf ihr Haupt und enthüllte den Sack, mit dem sie sich bekleidet hatte. Es war aber gerade um die Zeit, da man zu Jerusalem das abendliche Rauchopfer im Hause Gottes darbrachte. Und Judit schrie mit lauter Stimme zum Herrn und sprach:
9.2 Herr, du Gott meines Vaters Simeon, dem du ein Schwert in die Hand gegeben hast zur Rache an den Fremden, die dem Leib der Jungfrau Gewalt antaten, um sie zu beflecken, und die ihren Schenkel entblößten, um sie zu entehren, und die ihren Schoß aufbrachen, um sie zu schänden. Denn du hattest gesagt: So soll es nicht sein! Und sie taten es doch.
9.3 Deshalb gabst du ihre Befehlshaber dem Tode preis. Ihr Bett, missbraucht durch ihren Betrug, wurde nun selbst blutig betrogen. Du erschlugst die Knechte wie die Mächtigen, ja die Mächtigen auf ihren Thronen.
9.4 Und du gabst ihre Frauen der Plünderung und ihre Töchter der Gefangenschaft preis und all ihren Besitz zur Verteilung an deine geliebten Söhne; denn die eiferten deinem Vorbild nach und verabscheuten die Schande, die an ihrem Blut geschehen war, und riefen dich als Helfer an. Gott, mein Gott, erhöre auch mich, die Witwe!
9.5 Denn alle Dinge, die vormals waren und danach, hast du gemacht, und die jetzigen wie die noch kommenden hast du ersonnen, und was du erdacht hast, ist geschehen.
9.6 Und die Dinge, die du beschlossen hattest, standen da und sprachen: Siehe, hier sind wir! Denn alle deine Wege sind bereitet, und dein Urteil ist schon gesprochen.
9.7 Und siehe, die Assyrer sind groß geworden mit ihrer Streitmacht, sie sind emporgekommen mit Ross und Reiter, sie haben sich gebrüstet mit der Kraft ihres Kriegsvolks, haben ihre Hoffnung gesetzt auf Schild und Speer, Bogen und Schleuder, aber sie haben nicht erkannt: Du bist der Herr, der die Kriege zerschlägt!
9.8 »Herr« ist dein Name. Brich ihre Stärke mit deiner Macht und wirf ihre Kraft nieder in deinem Zorn! Denn sie haben beschlossen, dein Heiligtum zu entweihen, das Zelt zu verunreinigen, in dem dein herrlicher Name wohnt, und das Horn deines Altars mit dem Eisen abzuhauen.
9.9 Sieh an ihren Hochmut! Gieß aus deinen Zorn über ihre Häupter! Gib meiner schwachen Hand die Kraft, zu tun, was ich vorhabe!
9.10 Wirf zu Boden den Knecht wie den Herrn und den Herrn wie den Diener durch meine trügerischen Worte! Brich ihren Hochmut durch die Hand einer Frau!
9.11 Denn nicht in der Übermacht liegt deine Kraft, und deine Herrschaft ruht nicht auf den Starken, sondern du bist ein Gott der Erniedrigten, ein Helfer der Geringen, ein Beistand der Schwachen, ein Beschützer der Verachteten und ein Retter der Hoffnungslosen!
9.12 Ja, du Gott meines Vaters und Gott des Erbbesitzes Israels, du Herrscher des Himmels und der Erde, Schöpfer allen Wassers und König deiner ganzen Schöpfung, erhöre mein Flehen!
9.13 Gib, dass mein trügerisches Wort zur Wunde und Strieme werde für jene, die Unheil beschlossen haben gegen deinen Bund und deinen heiligen Tempel, gegen den Berg Zion und das Haus, das deine Söhne bewohnen.
9.14 Lass dein ganzes Volk und jeden Stamm erkennen, dass du der Gott aller Macht und Kraft bist und dass es keinen anderen gibt, der das Volk Israel beschirmt, als dich allein!

Zehntes Kapitel

Judit bereitet ihre Tat vor

10.1 Als sie nun aufgehört hatte, zu dem Gott Israels zu schreien, und als ihr Gebet beendet war,
10.2 da stand sie vom Boden auf, rief ihre Magd herbei und ging hinunter in das Haus, wo sie sich am Sabbat und an Festtagen aufzuhalten pflegte.
10.3 Sie zog die Kleider ihrer Witwenschaft aus und legte den Sack ab, mit dem sie sich bekleidet hatte. Sie wusch ihren Leib mit Wasser und salbte sich mit betörendem Balsam, flocht ihre Haare und wand Bänder hinein und zog jene Festkleider an, die sie zu Lebzeiten ihres Mannes Manasse getragen hatte.
10.4 Sie wählte Sandalen für ihre Füße aus und legte Fußkettchen und Armreifen, Fingerringe und Ohrgehänge und all ihr Geschmeide an. So machte sie sich schön, um die Augen der Männer zu blenden.
10.5 Dann gab sie ihrer Magd einen Schlauch mit Wein, einen Krug mit Öl und einen Beutel, der mit Gerstengraupen, Fruchtkuchen und reinen Broten gefüllt war, bedeckte die Gefäße und lud ihr alles auf.
10.6 So gingen sie hin zum Stadttor von Betulia. Dort warteten Usija und die Ältesten der Stadt, Kabri und Karmi.
10.7 Als die sahen, wie ihr Antlitz strahlte und ihre Kleidung verwandelt war, bewunderten sie ihre Schönheit über die Maßen und sprachen zu ihr:
10.8 Der Gott unserer Väter gebe dir Gnade und vollende, was du dir vorgenommen hast, zum Ruhm der Israeliten und zur Erhöhung Jerusalems! Und sie beteten Gott an.

Judit geht in das Lager der Assyrer

10.9 Sie aber sprach zu ihnen: Gebt Befehl, dass mir das Stadttor geöffnet werde! Dann will ich hinausgehen, um zu vollenden, was ihr mir gesagt habt. Und sie befahlen den jungen Männern, ihr zu öffnen, wie sie gesagt hatte.
10.10 Das taten sie. Und Judit ging hinaus. Die Männer der Stadt aber blickten ihr nach, bis sie den Berg hinabgestiegen war, das Tal erreicht hatte und nicht mehr zu sehen war.
10.11 Als sie nun im Tal geradeaus weiterging, stieß sie auf eine assyrische Wache.
10.12 Die nahmen sie gefangen und fragten sie aus: Zu wem gehörst du, wo kommst du her und wo gehst du hin? Und sie sprach: Ich bin eine Tochter der Hebräer und bin ihnen entlaufen, weil sie euch bald zum Fraß vorgeworfen werden.
10.13 Und nun gehe ich zu Holofernes, dem Feldhauptmann eurer Streitmacht, um ihm Wichtiges mitzuteilen. Denn ich will ihm einen Weg zeigen, den er gehen kann, um das ganze Gebirge in Besitz zu nehmen, ohne dass auch nur einer von seinen Männern Leib und Leben verliert.
10.14 Als aber die Männer ihre Worte hörten und sie näher betrachteten, waren sie von ihrer großen Schönheit betört. Und sie sagten zu ihr:
10.15 Das hat dir dein Leben gerettet, dass du rechtzeitig herabgestiegen bist zu unserem Herrn! Und nun komm mit zu seinem Zelt, damit wir dich in seine Hände übergeben.
10.16 Wenn du dann vor ihm stehst, fürchte dich nicht in deinem Herzen, sondern berichte ihm, was du weißt, so wird er dich gut behandeln.
10.17 Und sie wählten unter sich hundert Männer aus, die sie und ihre Magd begleiteten und zum Zelt des Holofernes führten.
10.18 Da lief das ganze Lager zusammen, denn ihre Ankunft hatte sich bei den Zelten herumgesprochen. Und sie kamen und umringten sie, wie sie draußen vor dem Zelt des Holofernes stand, bis man sie ihm gemeldet hatte.
10.19 Sie staunten über ihre Schönheit und bewunderten die Israeliten ihretwegen und sprachen untereinander: Wer könnte ein Volk verachten, in dem es solche Frauen gibt? Keinen einzigen Mann sollte man von ihnen übrig lassen. Denn wenn man sie verschonte, wären sie imstande, alle Welt zu überlisten.
10.20 Da kamen die Leibwächter des Holofernes mit allen seinen Beamten heraus und führten sie in das Zelt.
10.21 Holofernes aber ruhte gerade auf seinem Bett unter einem Mückennetz, das aus Purpur, Gold und Smaragd gewirkt und mit Edelsteinen verziert war.
10.22 Und sie berichteten ihm von ihr. Da ging er hinaus in das Vorzelt, und ihm wurden silberne Leuchter vorangetragen.
10.23 Als Judit aber vor ihn und seine Beamten trat, staunten alle über ihre Schönheit. Und sie fiel vor ihm nieder und huldigte ihm, und seine Diener richteten sie wieder auf.

Elftes Kapitel

Judit redet mit Holofernes

11.1 Und Holofernes sprach zu ihr: Nur Mut, Frau! Fürchte dich nicht in deinem Herzen! Denn ich habe noch keinem Menschen etwas zuleide getan, der Nebukadnezar, dem König der ganzen Erde, dienen will.
11.2 Auch jetzt hätte ich meinen Speer nicht erhoben gegen dein Volk, das im Gebirge wohnt, wenn sie mich nicht missachtet hätten. Sie selbst haben sich das angetan.
11.3 Und nun sage mir, warum du ihnen entlaufen und zu uns gekommen bist! Denn damit hast du dein Leben gerettet! Nur Mut! In dieser Nacht und auch in Zukunft sollst du am Leben bleiben!
11.4 Niemand darf dir ein Unrecht tun, sondern man soll dich gut behandeln, wie es den Dienern meines Herrn, des Königs Nebukadnezar, gebührt.
11.5 Da antwortete ihm Judit: Vernimm die Worte deiner Magd, und lass deine Dienerin vor dir reden, denn ich werde meinen Herrn nicht belügen in dieser Nacht.
11.6 Wenn du den Worten deiner Dienerin folgst, wird Gott mit dir sein Werk vollenden, und mein Herr wird nicht ablassen von dem, was er vorhat.
11.7 So wahr Nebukadnezar, der König der ganzen Erde, lebt und bei der Kraft deines Herrn, der dich gesandt hat, um alles, was lebt, recht zu ordnen: Nicht allein die Menschen werden deinem Herrn dienen durch dich, sondern auch die Tiere des Feldes und das Vieh und die Vögel des Himmels werden leben durch deine Stärke für Nebukadnezar und sein ganzes Haus.
11.8 Denn wir haben von deiner Weisheit und Tüchtigkeit gehört. Auf der ganzen Erde ist bekannt, dass du der Beste bist im Königreich, mächtig im Rat und bewundernswert in der Kriegskunst.
11.9 Und nun zu den Worten, die Achior in deinem Kriegsrat gesprochen hat: Auch wir haben seine Reden gehört, denn die Männer von Betulia haben ihn leben lassen, und er hat ihnen alles berichtet, was er vor dir gesagt hat.
11.10 Darum, mein Herr und Gebieter, missachte seine Rede nicht, sondern nimm sie dir zu Herzen, denn sie ist wahr. Unser Volk nämlich wird weder gestraft noch vom Schwert überwältigt, es sei denn, es hätte gegen seinen Gott gesündigt.
11.11 Bevor nun aber mein Herr ohne Erfolg und mit leeren Händen wieder abziehen muss, wird sie der Tod doch noch ereilen. Denn ihnen droht eine Schuld, mit der sie ihren Gott erzürnen werden, sobald sie dieses tun:
11.12 Denn als ihnen das Essen ausging und das Wasser knapp wurde, beschlossen sie, nicht nur ihr Vieh zu schlachten, sondern auch all das aufzuzehren, was ihnen Gott im Gesetz verboten hat.
11.13 Sogar die Erstlinge des Getreides und die Zehnten von Wein und Öl, die sie als Weihegaben für die Priester unseres Gottes in Jerusalem aufbewahren und die keiner aus dem Volk auch nur mit den Händen berühren darf, wollen sie aufbrauchen.
11.14 Auch haben sie Boten nach Jerusalem gesandt, die ihnen eine Erlaubnis vom Rat der Ältesten beschaffen sollen, weil die Bewohner dort das Gleiche tun.
11.15 Und so wird es geschehen: An dem Tag, da sie die Erlaubnis erhalten und danach handeln, werden sie dir zum Verderben ausgeliefert.
11.16 Als ich, deine Magd, dies alles erkannt hatte, bin ich von ihnen geflohen. Gott hat mich zu dir gesandt, um mit dir etwas zu tun, worüber die ganze Erde und alle, die davon hören, außer sich geraten werden.
11.17 Denn deine Magd ist gottesfürchtig und dient dem Gott des Himmels Tag und Nacht. Und nun, mein Herr, will ich bei dir bleiben. In der Nacht aber wird deine Magd hinausgehen zur Schlucht. Dort will ich zu Gott beten, und er wird mir sagen, wann sie ihr Unrecht begangen haben.
11.18 Dann werde ich kommen und es dir berichten, und du wirst ausziehen mit deiner ganzen Streitmacht, und niemand wird dir widerstehen können.
11.19 Und ich werde dich durch Judäa hindurchführen, bis du nach Jerusalem kommst, und mitten in der Stadt werde ich deinen Thronsitz aufstellen. Und du wirst sie wegführen wie Schafe, die keinen Hirten haben, und kein Hund wird es wagen, dich auch nur anzuknurren. Das alles wurde mir offenbart, und ich bin gesandt, es dir mitzuteilen.
11.20 Diese Worte gefielen Holofernes und allen seinen Beamten, und sie staunten über ihre Weisheit und sprachen:
11.21 Von einem Ende der Erde bis zum andern gibt es keine Frau, die ihr an Schönheit und Verstand gleichkäme!
11.22 Und Holofernes sprach zu ihr: Dein Gott hat gut daran getan, dich von deinem Volk fortzuschicken, damit in unseren Händen die Kraft, aber der Untergang bei denen sei, die meinen Herrn verachten.
11.23 Du bist anmutig in deiner Erscheinung und klug in deinen Worten. Wenn du tust, was du gesagt hast, soll dein Gott auch mein Gott werden, und du wirst sitzen im Hause des Königs Nebukadnezar und wirst berühmt sein auf der ganzen Erde.

Zwölftes Kapitel

Judit darf das Lager zum Gebet verlassen

12.1 Da befahl er, sie in das Zelt hineinzuführen, wo sein silbernes Tafelgeschirr lag. Und er gebot, dass ihr von seinen Leckereien aufgetragen und von seinem Wein zu trinken gegeben werde.
12.2 Judit aber sprach: Ich darf nichts davon essen, damit kein Anstoß entsteht. Ich will mich aber versorgen mit dem, was ich mitgebracht habe.
12.3 Und Holofernes sprach zu ihr: Wenn aber deine Vorräte zu Ende gehen, wie sollen wir dann Ersatz beschaffen, um dir davon vorzusetzen? Wir haben ja bei uns niemanden aus deinem Volk.
12.4 Judit antwortete ihm: Bei deinem Leben, mein Herr, deine Magd wird ihre Vorräte nicht aufbrauchen, bis der Herr durch meine Hand vollbringt, was er beschlossen hat.
12.5 Und die Beamten des Holofernes führten sie in ihr Zelt, und sie schlief dort bis Mitternacht. Vor der Morgenwache aber stand sie auf.
12.6 Und sie sandte zu Holofernes und ließ ihm ausrichten: Mein Herr möge doch seiner Magd erlauben, zum Gebet hinauszugehen.
12.7 Und Holofernes befahl seiner Leibwache, sie nicht daran zu hindern. Und sie blieb drei Tage im Lager. Des Nachts ging sie hinaus zur Schlucht von Betulia und wusch sich in der Wasserquelle beim Lager.
12.8 Und wenn sie herausstieg, betete sie zu dem Herrn, dem Gott Israels, dass er ihr den Weg ebnen möge, ihr Volk wieder aufzurichten.
12.9 Und gereinigt kehrte sie zurück und blieb im Zelt, bis sie am Abend ihre Speise zu sich nahm.

Holofernes lädt Judit zum Festmahl ein

12.10 Und es geschah am vierten Tag, da veranstaltete Holofernes ein Trinkgelage für seine nächsten Diener, und er lud dazu niemanden ein von denen, die sonst um ihn waren.
12.11 Und er sprach zu dem Kämmerer Bagoas, der seine Habe verwaltete: Geh doch und überrede die Hebräerin, die bei dir ist, dass sie zu uns kommt und mit uns isst und trinkt!
12.12 Denn siehe, es wäre doch eine Schande für uns, wenn uns eine solche Frau entgehen sollte, ohne dass wir mit ihr verkehrt hätten. Wenn wir uns ihrer nicht bemächtigen, wird sie uns verlachen.
12.13 Da ging Bagoas von Holofernes weg, trat bei ihr ein und sprach: Die schöne Frau möge doch keine Bedenken haben, zu meinem Herrn zu kommen, um vor ihm geehrt zu werden und mit uns zum Vergnügen Wein zu trinken und an diesem Tage wie eine der Töchter der Assyrer zu werden, die im Hause Nebukadnezars leben.
12.14 Und Judit sprach zu ihm: Wer bin ich, dass ich meinem Herrn widersprechen könnte? Denn alles, was wohlgefällig ist in seinen Augen, will ich eilends tun, und das wird mir eine Freude sein bis zum Tag meines Todes.
12.15 Und sie stand auf und machte sich zurecht mit einem festlichen Gewand und all ihrem Schmuck. Und ihre Magd ging voraus und breitete für sie vor Holofernes die Felle aus, die sie von Bagoas erhalten hatte, um darauf während des Essens zu liegen.
12.16 Als nun auch Judit hineinging und sich niederlegte, geriet das Herz des Holofernes ganz außer sich, und seine Seele erbebte und er entbrannte vor Begierde nach ihr. Denn er suchte schon seit dem Tage, an dem er sie zuerst gesehen hatte, nach einer Gelegenheit, um sie zu verführen.
12.17 Und Holofernes sprach zu ihr: Trink doch und vergnüge dich mit uns!
12.18 Judit aber sprach: Gern will ich trinken, mein Herr, denn heute bin ich erhöht worden, mehr als je zuvor in meinem Leben!
12.19 Und sie aß und trank vor ihm, was ihre Magd ihr zubereitet hatte.
12.20 Und Holofernes wurde ihretwegen immer ausgelassener, und er trank so viel Wein, wie er noch nie im Leben an einem einzigen Tag getrunken hatte.

Dreizehntes Kapitel

Judit tötet Holofernes

13.1 Als es nun spät geworden war, brachen seine Knechte eilends auf. Und Bagoas verschloss das Zelt von außen und entließ alle, die noch Dienst taten. Und sie gingen fort zu ihren Nachtlagern. Denn alle waren erschöpft, weil das Gelage so lange gedauert hatte.
13.2 Judit aber blieb allein in dem Zelt zurück mit Holofernes, der vornüber auf sein Bett gefallen war. Denn er war völlig betrunken.
13.3 Und Judit hatte ihrer Magd gesagt, sie solle draußen vor ihrem Schlafzelt stehen und warten, dass sie wie üblich komme. Dann wolle sie wieder zum Gebet hinausgehen. Auch zu Bagoas hatte sie so gesprochen.
13.4 Als sich nun alle entfernt hatten und niemand mehr zurückgeblieben war, vom Kleinsten bis zum Größten, da trat Judit an sein Bett heran und sprach in ihrem Herzen: Herr, du Gott aller Macht, sieh in dieser Stunde gnädig herab auf das Werk meiner Hände, zur Erhöhung Jerusalems!
13.5 Denn jetzt ist die Stunde gekommen, dass du dich deines Erbteils annimmst und ich mein Vorhaben ausführe, um die Feinde zu zerschmettern, die sich gegen uns erhoben haben.
13.6 Und sie ging zum Bettpfosten am Kopf des Holofernes, nahm sein Schwert herab,
13.7 trat ganz nah an das Bett heran, packte das Haar seines Hauptes und sprach: Gib mir Kraft, Herr, du Gott Israels, an diesem Tag!
13.8 Und sie schlug zweimal auf seinen Nacken, so stark sie nur konnte, und hieb ihm den Kopf ab.
13.9 Dann wälzte sie seinen Körper vom Bett herunter und löste das Mückennetz von den Stangen. Danach ging sie hinaus und übergab ihrer Magd das Haupt des Holofernes.
13.10 Die steckte es in den Beutel für ihre Speisevorräte. Und die beiden gingen gemeinsam hinaus, als ob sie nach ihrer Gewohnheit beten wollten. Doch als sie das Lager durchquert hatten, machten sie einen Bogen um die Schlucht, stiegen auf den Berg von Betulia hinauf und kamen vor die Tore der Stadt.

Judit kehrt heim

13.11 Und Judit rief den Wächtern bei den Toren schon von Weitem zu: Öffnet, öffnet doch das Tor! Gott ist mit uns! Gott zeigt noch immer Stärke in Israel und Kraft gegen unsere Feinde, so wie er auch heute getan hat!
13.12 Und es geschah, als die Männer in der Stadt ihre Stimme hörten, eilten sie zum Stadttor und riefen die Ältesten zusammen.
13.13 Da liefen alle, Klein und Groß, herbei, denn auf ihre Rückkehr hatten sie kaum noch zu hoffen gewagt. Und sie öffneten das Tor, nahmen beide in Empfang, entzündeten zur Beleuchtung ein Feuer und umringten sie.
13.14 Judit aber sprach zu ihnen mit lauter Stimme: Lobt Gott, ja lobet ihn! Lobt Gott, der dem Haus Israel sein Erbarmen noch nicht entzogen, sondern unsere Feinde zerschmettert hat in dieser Nacht durch meine Hand!
13.15 Dann zog sie das Haupt aus dem Beutel hervor, zeigte es ihnen und sprach: Seht, das Haupt des Holofernes, des Feldhauptmanns der assyrischen Streitmacht! Und seht, das Mückennetz, unter dem er in seiner Trunkenheit lag! Der Herr hat ihn erschlagen durch die Hand einer Frau!
13.16 So wahr der Herr lebt, der mich bewahrt hat auf meinem Weg, den ich gegangen bin: Mein Aussehen hat ihn verführt zu seinem Verderben, doch er konnte mir keine Gewalt antun, um mich zu beflecken oder zu schänden.
13.17 Und das ganze Volk geriet außer sich, und sie warfen sich nieder, beteten Gott an und sprachen einmütig: Gepriesen seist du, unser Gott, der du am heutigen Tag die Feinde deines Volkes zuschanden gemacht hast!
13.18 Und Usija sprach zu ihr: Gesegnet bist du, Tochter, mehr als alle Frauen auf der Erde, von Gott, dem Höchsten, und gepriesen sei Gott der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, der dich geleitet hat, das Haupt unserer Feinde zu schlagen!
13.19 Denn die Hoffnung, die dich geleitet hat, soll nicht aus den Herzen der Menschen weichen, die der Stärke Gottes vertrauen ewiglich!
13.20 Gott gebe, dass dies zu deinem ewigen Ruhm werde und belohne dich mit Gutem, weil du dein Leben nicht geschont hast in der Erniedrigung unseres Volkes, sondern unserem Untergang entgegengetreten und vor unserem Gott auf geradem Wege gegangen bist! Und das ganze Volk sprach: Amen! Amen!

Vierzehntes Kapitel

Judit rät zum Angriff

14.1 Und Judit sprach zu ihnen: Hört mich an, liebe Brüder! Nehmt dieses Haupt und hängt es über die Zinne eurer Mauer!
14.2 Und so sollt ihr es machen: Wenn der Morgen dämmert und die Sonne aufgeht über der Erde, dann nehmt eure Waffen und rückt aus der Stadt aus, jeder im Kampf erprobte Mann. Bestimmt einen Anführer und stellt euch so, als ob ihr hinunter in das Tal gegen die Vorposten der Assyrer ziehen wolltet. Doch zieht nicht hinab!
14.3 Dann werden diese zu den Waffen greifen und in ihr Lager gehen und die Heerführer der assyrischen Streitmacht wecken. Und sie werden zum Zelt des Holofernes laufen. Doch sie werden ihn dort nicht finden. Da wird sie Furcht befallen und sie werden vor euch fliehen.
14.4 Dann könnt ihr sie verfolgen, ihr und alle Bewohner Israels, und könnt sie niederstrecken auf ihrer Flucht.
14.5 Doch bevor ihr das tut, ruft mir den Ammoniter Achior herbei, damit er den sieht und wiedererkennt, der das Haus Israel verachtet und ihn als Todgeweihten zu uns gesandt hat.

Achior bekennt sich zu dem Gott Israels

14.6 Und sie riefen Achior herbei aus dem Hause des Usija. Als der aber zur Volksversammlung kam und das Haupt des Holofernes in der Hand eines der Männer sah, fiel er zu Boden und wurde ohnmächtig.
14.7 Als sie ihn aber wieder aufgerichtet hatten, fiel er zu Füßen der Judit nieder, huldigte ihr und sprach: Gesegnet seist du in allen Zelten Judas und bei allen Völkern! Wer deinen Namen hört, wird erschaudern!
14.8 Und nun berichte mir, was du getan hast in diesen Tagen! Da erzählte ihm Judit vor dem ganzen Volk, was sie getan hatte, seitdem sie hinausgegangen war, bis zu diesem Augenblick.
14.9 Als sie aber zu reden aufgehört hatte, brach das Volk in lauten Jubel aus und ließ ein Freudengeschrei in der ganzen Stadt erschallen.
14.10 Da nun Achior all das sah, was der Gott Israels getan hatte, kam er zum festen Glauben an ihn, ließ sich beschneiden und wurde dem Haus Israel hinzugefügt bis auf diesen Tag.

Die Assyrer geraten in Verwirrung

14.11 Sobald aber der Morgen heraufzog, hängten die Judäer das Haupt des Holofernes über die Mauer. Und alle Männer griffen zu den Waffen und rückten in Gruppen zu den Zugängen in das Gebirge vor.
14.12 Als die Assyrer sie sahen, meldeten sie es ihren Oberen, die aber gingen zu ihren Heerführern und Hauptleuten und allen ihren Befehlshabern.
14.13 Und sie kamen zum Zelt des Holofernes und sprachen zu dem, der seine Habe verwaltete: Wecke doch unseren Herrn, denn diese Knechte wagen es, zum Kampf gegen uns herabzuziehen, auf dass sie nun endgültig ausgerottet werden.
14.14 Da ging Bagoas hinein und schlug laut gegen den Vorhang des Zeltes, denn er meinte, dass Holofernes noch bei Judit schliefe.
14.15 Als sich aber nichts regte, zog er den Vorhang zur Seite, ging hinein zum Lager und fand Holofernes tot vor dem Bett hingestreckt, und sein Haupt war abgeschlagen.
14.16 Da schrie er auf mit lauter Stimme unter Klagen und Stöhnen und großem Geschrei und zerriss seine Kleider.
14.17 Und er ging in das Zelt, in dem Judit gewohnt hatte, und fand sie nicht. Da stürzte er hinaus zu dem Volk und schrie:
14.18 Diese Knechte haben uns hintergangen! Eine einzige hebräische Frau hat Schande über das Haus des Königs Nebukadnezar gebracht! Seht! Holofernes liegt am Boden, und sein Haupt ist abgeschlagen.
14.19 Als das die Befehlshaber der assyrischen Streitmacht hörten, zerrissen sie ihre Gewänder und waren tief bestürzt. Und im Lager erhob sich Wehklagen und großes Geschrei.

Fünfzehntes Kapitel

Die Assyrer werden geschlagen

15.1 Als nun die Leute in den Zelten das hörten, gerieten sie darüber ganz außer sich
15.2 und wurden von Furcht und Zittern befallen, sodass es keinen mehr bei dem anderen hielt. Alle liefen sie auseinander und suchten ihr Heil in der Flucht auf allen Wegen in der Ebene und im Gebirge.
15.3 Auch diejenigen, die ihr Lager im Gebirge rings um Betulia aufgeschlagen hatten, wandten sich zur Flucht. Da aber stürzten sich alle Krieger der Israeliten auf sie.
15.4 Und Usija sandte Boten nach Betomestajim und Choba und Kola und in das ganze Gebiet Israels, die von den Ereignissen berichteten, damit sich alle auf die Feinde stürzen und sie vollständig aufreiben sollten.
15.5 Als die Israeliten das hörten, fielen sie einmütig über die Feinde her und schlugen sie bis nach Choba. Ihnen schlossen sich die aus Jerusalem und dem Gebirge an, denn es war ihnen berichtet worden, was sich im Lager der Feinde ereignet hatte. Die aus Gilead und Galiläa schnitten ihnen den Weg ab und fügten ihnen schwere Verluste zu, bis sie über das Gebiet von Damaskus hinaus geflohen waren.
15.6 Die übrigen Bewohner von Betulia fielen über das Lager der Assyrer her, plünderten es und machten reiche Beute.
15.7 Was sie aber übrig ließen, nahmen die Israeliten in Besitz, als sie vom Kampf zurückkehrten. Auch die Dörfer und Höfe im Gebirge wie in der Ebene machten reiche Beute.
15.8 Und Jojakim, der Hohepriester, und der Ältestenrat der Israeliten kamen aus Jerusalem, um anzuschauen, was der Herr den Israeliten Gutes getan hatte, und um Judit zu sehen und ihr Frieden zu wünschen.
15.9 Als sie zu ihr kamen, priesen sie Judit einmütig und sprachen zu ihr: Du bist die Krone Jerusalems, du bist der Stolz Israels, du bist der Ruhm unseres Volkes.
15.10 Mit eigner Hand hast du dies alles vollbracht. Du hast Gutes an Israel getan, und Gott hatte Gefallen daran. Gepriesen seist du in Ewigkeit vor dem Herrn, dem Allmächtigen. Und das ganze Volk sprach: Amen!
15.11 Das Volk plünderte das Lager dreißig Tage lang. Und Judit gaben sie das Zelt des Holofernes und alle silbernen Geräte, die Liegen, die Gefäße und seine gesamte Einrichtung. Und sie nahm es und bepackte ihr Maultier. Dann spannte sie ihre Wagen an und belud sie.
15.12 Und alle Frauen aus Israel liefen herbei, um sie zu sehen. Sie priesen sie, und einige tanzten im Reigen. Und Judit nahm Zweige in ihre Hände und gab davon auch den Frauen, die bei ihr waren.
15.13 Sie alle bekränzten sich mit Ölzweigen, und Judit ging her vor dem ganzen Volk im Reigen und führte die Frauen an. Und es folgten alle Männer Israels unter Waffen, mit Kränzen auf dem Haupt und mit Hymnen auf den Lippen.
15.14 Und Judit stimmte vor Israel dieses Loblied an, und das ganze Volk fiel in den Lobgesang ein.

Sechzehntes Kapitel

Lobgesang der Judit

16.1 Und Judit sang: Spielt meinem Gott mit Pauken, singt meinem Herrn mit Zimbeln! Lasst ihm erklingen Psalm und Lobgesang, erhöht und ruft an seinen Namen!
16.2 Denn der Herr ist ein Gott, der die Kriege zerschlägt! Denn er führte mich heim in sein Lager inmitten des Volkes, und entriss mich aus der Hand meiner Verfolger.
16.3 Assur kam von den Bergen des Nordens, kam mit Zehntausenden seiner Streitmacht, ihre Menge erfüllte die Täler, und ihre Reiter bedeckten die Hügel.
16.4 Sie drohten, mein Land zu verbrennen, meine Jünglinge mit dem Schwert zu töten, meine Säuglinge am Boden zu zerschmettern, meine Kinder der Plünderung preiszugeben und meine Jungfrauen als Beute zu nehmen.
16.5 Doch der Herr, der Allmächtige, hat sie verworfen durch die Hand einer Frau.
16.6 Denn der Machthaber fiel nicht durch junge Krieger, noch haben Göttersöhne ihn erschlagen; auch sind ihm keine Riesen entgegengetreten, sondern Judit, die Tochter Meraris, hat ihn mit ihrer Schönheit überwunden.
16.7 Denn sie legte ihre Witwenkleider ab, um die Bedrückten in Israel aufzurichten, sie salbte ihr Antlitz mit Öl,
16.8 wand Bänder in ihr Haar und kleidete sich in Leinen, um ihn zu verführen.
16.9 Ihre Sandalen blendeten seine Augen, und ihre Schönheit nahm seine Seele gefangen – da traf das Schwert seinen Nacken.
16.10 Die Perser erschraken vor solcher Kühnheit, und die Meder entsetzten sich über ihren Mut.
16.11 Da jubelte mein erniedrigtes Volk, und alle Schwachen jauchzten auf. Die Feinde aber erschraken. Sie schrien laut auf und flohen.
16.12 Unmündige Knaben erstachen die Feinde und erschlugen sie auf der Flucht. Sie wurden vernichtet durch das Heer des Herrn, meines Gottes.
16.13 Ich will singen meinem Gott ein neues Lied! Groß bist du, Herr, und herrlich, wunderbar in deiner Stärke, und niemand kann dich überwinden!
16.14 Dir muss die ganze Schöpfung dienen. Denn du sprachst, und es geschah. Du sandtest aus deinen Geist, und alles wurde geschaffen, und niemand kann deiner Stimme widerstehen.
16.15 Berge und Meer erbeben in ihren Grundfesten, und Felsen schmelzen vor deinem Angesicht wie Wachs. Denen aber, die dich fürchten, schenkst du Gnade!
16.16 Denn viel zu gering sind alle Opfer, als dass sie dir wohlgefielen, und viel zu wenig ist alles Fett, als dass es ein Brandopfer sein könnte für dich. Wer aber den Herrn fürchtet, ist groß allezeit.
16.17 Wehe den Völkern, die gegen mein Volk aufstehen! Der Herr, der Allmächtige, wird sie bestrafen am Tag des Gerichts und wird ihren Leib plagen mit Feuer und Würmern. Da werden sie seiner Macht innewerden und klagen bis in Ewigkeit.

Die Judäer feiern ihren Sieg

16.18 Als sie nun nach Jerusalem kamen, beteten sie Gott an, und sobald sich das Volk gereinigt hatte, brachten sie ihre Brandopfer, Dankopfer und Gaben dar.
16.19 Judit aber legte alle Geräte des Holofernes, die ihr das Volk gegeben hatte, im Tempel nieder. Auch das Mückennetz, das sie von seinem Bett genommen hatte, brachte sie Gott als Weihegabe dar.
16.20 Und das Volk war fröhlich in Jerusalem bei dem Heiligtum drei Monate lang, und Judit blieb bei ihnen.

Judit beschließt ihr Leben

16.21 Nach diesen Tagen brachen alle wieder auf zu ihrem Erbteil. Auch Judit kehrte zurück nach Betulia und wohnte in ihrem Haus. Und sie war hochgeehrt zu ihrer Zeit im ganzen Land.
16.22 Viele begehrten sie zur Frau, doch zeit ihres Lebens vermochte keiner sie zu gewinnen, nachdem ihr Mann Manasse gestorben und zu seinen Vätern versammelt worden war.
16.23 Und sie wurde sehr alt und lebte im Haus ihres Mannes, bis sie hundertundfünf Jahre alt war. Und sie schenkte ihrer Magd die Freiheit. Sie starb in Betulia, und man begrub sie in der Grabhöhle ihres Mannes Manasse.
16.24 Und das ganze Haus Israel betrauerte sie sieben Tage lang. Noch vor ihrem Tod hatte sie ihr Hab und Gut unter ihre Verwandten und die ihres Mannes Manasse verteilt.
16.25 Und niemand vermochte die Israeliten in Furcht zu versetzen, solange Judit lebte und weit über ihren Tod hinaus.

Siehe auch

Quellenverweise