Leiden Jesus

Wesen
Jesus hat an seinem Leib wie ein jeder andere Mensch gelitten, so wie es in den (biblischen) Evangelien zu lesen ist. Da aber sein menschlich leidendes Ich noch ein göttliches Ich in sich schloss, war auch das Leiden ein doppeltes, nämlich das äußere, leibliche, und das innere, göttliche.[1]
Das göttliche Leiden kann begrifflich gemacht werden, wenn man betrachtet, wie der unendliche Gott in dieser Leidensperiode Sich aus Seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog und im Herzen des leidenden Sohnes Seine Wohnung nahm. Das Äußere des Herrn wurde durch die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt. Die sich im Herzen befindliche Gottheit musste den Tod und die Hölle vom innersten Punkt aus besiegen. Der leidende Gottmensch war so zwischen zwei Feuer gestellt: Von außen drückte Ihn der Tod und die Hölle mit aller Gewalt so lange, bis Sein natürliches Leben bis zum innersten Punkt Seines Herzens getrieben war. Von innen aus aber wirkte diesem Druck die Gottheit mit all Ihrer unendlichen Macht und Kraft entgegen und ließ sich nur durch die Liebe selbst bis auf einen Punkt zusammentreiben. Das bedeutet: Dieselbe Macht, die mit einem Hauch die ganze Unendlichkeit auslöschen könnte, von der Unendlichkeit nicht erfasst werden kann und die ganze unendliche Schöpfung aus Sich werden hieß, hat Sich in Ihrer Allheit auf einen Punkt beengen lassen, worin die größte freiwillige Demütigung der Gottheit in Christus bestand.[2]
Das Leiden des Herrn dauerte bis zum Ausruf am Kreuz: "Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist!" Joh 19.30, Lk 23.46 Mit andern Worten: "Siehe Vater! Deine Liebe kommt zu Dir zurück!" Da wurden von der unendlichen Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen und die die ewige Macht stürmte mit verunendlichfältigter Gewalt hinaus, wobei die ganze Erde bebte, angerührt von der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die Gefangenen zum Leben hervor. (Anm.: Erdbeben und wiederauferstandene Tote waren kein natürliches Ereignis, sondern eine Entsprechung, siehe außerdem auch Dichtungen im Lukas Evangelium.)[3] Dass die Gottheit bei diesem neuen Austritt nicht alles zerstört und vernichtet hat, liegt allein an der Liebe, mit der Sie nun wieder völlig vereint war.[4] Im Leiden des Herrn liegt jedoch noch Unendliches mehr verborgen, woran in alle Ewigkeiten zu forschen ist. Das hier Gesagte ist wie ein Punkt gegen die Unendlichkeit.[5]
Im Leiden Jesus ist die Liebe.[6]
Unter dem Tragen der Missetaten ist nicht deren Wegnahme zu verstehen, sondern die Entweihung der Wahrheiten des Wortes wird vorgebildet. (siehe Jesus als Prophet) [7]
Geistige Wiedergeburt zum Verstehen notwendig
Der große Grund für die Leiden Christi kann erst als geistig Wiedergeborener ganz rein und klar eingesehen werden.[8]
Wer im Herzen das große Geheimnis des Leidens des Herrn versteht, bei dem würden alle Engel des Himmels ehrfurchtvoll und in allerhöchster Freude ewig in die Schule gehen und stets nach beendigter Schulzeit mit unermesslichen Wundern bereichert zurückkehren.[9]
Die Engel im Himmel denken nicht an das Leiden des Herrn, sondern an Seine Auferstehung. Wenn der Mensch an das Leiden des Herrn denkt, dann vernehmen sie Seine Verherrlichung, und zwar dann bloß Seine Auferstehung.[10]
Nicht ident mit Leiden aus eigener Schuld oder Unwissenheit
Jesus und die Seinen (Kinder Gottes und Gottgeweihte) haben von den durch eigene Schuld verbildeten Menschen vieles zu leiden. Aber ihre Leiden kommen nicht über sie, als hätten sie keine Kenntnis von der rein göttlichen Lebensordnung, und als liefen ihre Taten dieser zuwider, sondern sie machen durch ihre Leiden die blinden Menschen sehend. An ihnen kann ersehen werden, welch kleinen Wert sie auf das Leben dieser Welt legen, und welch großen Wert das Leben der Seele haben muss, wenn man ihm zuliebe alle irdischen Vorteile von sich weist. Darin erst besteht die eigentliche Erlösung der Menschen vom Tod zum Leben.[11]
Jesus hat Sich aus Liebe zu Seinen Kindern zu ihrem Heil freiwillig viel gefallen lassen.[12]
Ursache
Gott als der alleinige Träger alles Seins und Lebens musste auch das, was von Ewigkeiten her durch die Festigkeit Seines Willens dem Gericht und dem Tod verfallen war, erlösen. Er musste durch Gericht und Tod Seines Fleisches und Blutes in das alte Gericht und in den alten Tod eindringen, um so Seinem eigenen Gottwillen jene Bande insoweit zu lockern und zu lösen, wegen der in sich reif gewordenen Materie der Dinge, auf dass darauf alle Kreatur aus dem ewigen Tod zum freien selbständigen Leben übergehen kann.[13]
Wirkung
Das (vermittelte) ewige Leben ist eine Folge des bitteren Leidens des Herrn, bzw. der Erlösung.[14]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.8
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.9-11
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.13
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.14
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.15
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.24
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 130c
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 5.247.4
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.3
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 379
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 6.162.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 8.16.2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 5.247.5
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.18