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Prophetia

Offenbarungswissen

Der Prophet Isaiah (russische Ikone, 18. Jhdt)

Offenbarungswissen ist zumeist eine Mischung von natürlichen und geistigen Inhalten. Die primären geistigen Inhalte werden in sekundäre natürliche Bilder gehüllt. Da die natürliche Ebene je nach Zeit und Umständen mehr oder weniger bedingt ist, kommt es manchmal zu Widersprüchen mit dem aktuellen Erkenntnisstand der Naturwissenschaften (typisches Beispiel: Schöpfungsgeschichte) oder sogar zu unmöglichen und empörenden Aussagen (z.B. als Jesus behauptet, man müsse Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken Joh 6.60). Falsch sind solche Angaben dennoch nicht, wie gern von Kritikern unterstellt wird. Gott hat nicht vor, all die Naturwissenschaftler arbeitslos zu machen, indem Er naturwissenschaftliche Bücher offenbart.

Gott ist Geist und daher spricht Er in der Sprache des Geistes, der sogenannten Entsprechungen. Würde Gott rein geistig anstatt geistig und natürlich gemischt mit uns sprechen, könnten Ihn nur sehr wenige Menschen richtig verstehen. In die pur geistige Richtung gehen z.B. Jesaja und die Apokalypse des Johannes. Zu welchen Irrtümern diese Werke schon geführt haben und immer noch führen, dürfte ziemlich bekannt sein. Daher diese zugegeben oft irritierenden, aber eben so gut wie gar nicht vermeidbaren, dennoch nur anscheinenden "Fehler". (siehe dazu: Entsprechungswissenschaft).

Wie heikel es sein kann, wenn geistige Aussagen im materiellen Sinn aufgefasst werden, zeigt z.B. "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat." Mt 13.12 Auf materielle Umstände bezogen würde dies bedeuten, es wäre im Sinne Gottes, wenn den Armen auch noch das Wenige genommen und den Reichen gegeben wird, also eine Ungerechtigkeit. Wie diese Aussage dennoch im Geiste richtig ist, lässt sich in Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.191.18-24 erfahren.

Der Prophet Jeremia (russische Ikone, 18. Jhdt)

Ein verbreiteter Irrtum ist auch zu glauben, man könne die Echtheit einer Offenbarungsschrift, z.B. die Lorberwerke, an einer anderen geistigen Schrift messen, etwa an der Bibel. Eine solche kritische Prüfung würden nicht einmal die Evangelien der Bibel untereinander bestehen, da sich in jedem davon gegenteilige Aussagen befinden. Übrig bliebe nur der Glaube an ein einziges Evangelium, oder viel wahrscheinlicher der gänzliche Unglaube, weil wie wollte man feststellen, welches Evangelium nun die richtigen Aussagen macht? Der Verstand ist nicht qualifiziert, über die Echtheit einer Offenbarung zu urteilen, auch dann nicht, wenn er eine andere Offenbarungsschrift anwendet. Erst aus dem gewissenhaften Handeln nach der Offenbarung kann man erkennen, ob eine Offenbarung von einem Menschen (also falsch) oder von Gott (echt) gekommen ist. (siehe dazu: Beurteilung von Offenbarungsschriften).

Ebenfalls ein verbreiteter Irrtum ist es zu glauben, "Prüft alles und behaltet das Gute!" 1Th 5.21 wurde gesagt, weil prophetische Schriften teils aus dem fehlerfreien Wort Gottes und teils aus dem fehlermachenden Unterbewusstsein usw. des Propheten bestünden. Das ist ein typisches Urteil aus dem Verstandesglauben. Wirklich geglaubt wird jedoch mit dem Herz und nicht mit dem Verstand, der eine Glaubensleere hinterlässt. Dem Verstandesglauben werden in Offenbarungswerken bewusst Hindernisse in den Weg gelegt, damit man 1. bemerken kann, dass man auf dem Holzweg ist und 2. den Verstand verdemütigen und damit weiter vergeistigen kann. Ein wirklich von Gott angesprochener Prophet steht mit Gott in einer viel zuverlässigeren Verbindung als etwa ein Sekretär mit dem ihm Diktierenden. Ein Prophet kann besser als jeder Sekretär unterscheiden, ob etwas von seinem "Chef" ist oder nicht. Gott achtet viel besser als jeder gewöhnliche Mensch darauf, dass Sein sorgfältig erwählter "Sekretär" sich keine Eigenmächtigkeiten anmaßt. Gott hat alle Macht, den Satan zu vertreiben und hat überhaupt noch nie mit diesem zusammengearbeitet. Siehe dazu z.B. die diesbezüglichen Anmerkungen über Die Haushaltung Gottes.

Die größte Gefahr einer Verfälschung besteht darin, dass eine Offenbarung von den Menschen, denen sie anvertraut wurde, nicht ordentlich überliefert wird. Glaube bedeutet, sich und sein Leben vom Wort Gottes definieren zu lassen und nicht umgekehrt. Alles zu prüfen und das Gute zu behalten bedeutet richtig verstanden, 1. nicht leicht- oder blindgläubig alles was als eine Offenbarungsschrift daherkommt annehmen und 2. das einem selbst Entsprechende oder Bestimmte aus einer Offenbarung zu filtern, ähnlich wie eine Pflanze die ihr entsprechenden Nährstoffe aus dem Humus entnimmt, oder ein vernünftiger Mensch die ihm bekömmlichen Speisen auswählt und nichts isst, was ihm nicht bekommt, denn das Wort Gottes enthält Nahrung für verschiedene Menschen. Tatsächlich falsch oder schlecht ist in einer echten Offenbarungsschrift nichts, auch wenn es manchmal so aussieht. Zudem finden sich in Offenbarungschriften gewöhnlich Aussagen, die erst später enthüllt werden sollen, nachdem die Menschheit eine bestimmte geistige Reife erlangt hat. Erst mit einem reinen Herz sieht man die völlige Reinheit einer göttlichen Offenbarung.

Seht, was euch von Dingen hier wird Kunde,
geht, wie alles, nur aus Meinem Munde.
Sag' Ich euch da unerhörte Dinge,
wenn Ich Selbst von Meiner Größe singe,
so bedenkt, dass Ich es bin voll Gnade,
zeigend euch der Liebe heil'ge Pfade.
Denn es weiß sonst niemand, was die Sünden,
als nur, dem's der Vater will verkünden.
(Himmelsgaben 1.400808.3)