Lukas Evangelium

Das Evangelium des Lukas ist eine Datensammlung über die Taten und Lehren von Jesus Christus und die Apostel, die Lukas durch sein eifriges Forschen in Jerusalem von verschiedenen Menschen in Erfahrung gebracht hat. Es hat einen entschiedenen und heiligen Wert, weicht jedoch in manchen kleinen Begebenheiten von Matthäus ab.[1] Es wurde nicht gar zu sehr viele Jahre nach dem Herrn aufzuzeichnen angefangen, ist aber viel später niedergeschrieben worden als das Matthäus Evangelium und das Markus Evangelium.[2]
Wesen
Lukas bemühte sich, aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten der Lehre des Herrn das Reinste und Beste herauszusuchen. Die Quellen des Lukas waren allerdings kaum die wirklichen Jünger des Herrn, sondern zumeist andere Menschen, die an Jesus und Seine Lehre glaubten, Ihn teilweise noch persönlich gekannt hatten, zum größten Teil aber von Seinen Jüngern unterrichtet worden waren. Was die materiellen Fakten angeht, hat Lukas sie zum Teil gedichtet, zum größten Teil aber waren sie aus Berichten von angeblichen Augen- und Ohrenzeugen entnommen. Diese Angaben verglich er mit ihm bekannten Stellen aus den alten Propheten. Fand er die Sache übereinstimmend, war für ihn das Kriterium für die Wahrheit des Niedergeschriebenen vollkommen fertig und gültig. Vom Prüfen war in jener Zeit keine Rede. Lukas schrieb sein Evangelium etwa 35 Jahre oder erst nach 50 Jahren (Anm.: verschiedene Angaben, wahrscheinlich weil das biblische Lukas Evangelium erst Theophilus nach Lukas schrieb) nach dem Dasein von Christus als Mensch auf der Erde.[3]
Was Lukas geschrieben hatte, sendete er seinem bekannten Freund Theophilus nach Athen. Dieser verglich es mit seinen Aufzeichnungen und schrieb dann wieder ein Evangelium aus dem Evangelium des Lukas, bereicherte es mit manchen Zusätzen, brachte aber auch Unrichtigkeiten in dasselbe hinein, woraus sich dann Widersprüche ergaben, besonders im naturmäßigen Buchstabensinn, z.B. das übertyrannische Auftreten des Herrn im sogenannten "Jüngsten Gericht".[4] Die von Lukas im Land der Juden zusammengebrachten Daten waren vielseitig Dichtungen von nicht zur Ausbreitung des Wort Christi berufenen Jüngern und Predigern, von denen jeder es besser wissen wollte als der andere. So gelangten in das Evangelium des Lukas Dichtungen und Übertreibungen, von denen die wirklichen Apostel und Jünger Christi wenig oder nichts wussten, denn sie hielten sich in Jerusalem sehr wenig auf, sondern in Galiläa, Samaria und in anderen von Jerusalem weiter entfernten Orten.[5] Aus diesem Grund wurde das von Lukas Geschriebene bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa auch beinahe für apokryph erklärt, jedoch die abendländischen Bischöfe sträubten sich dagegen, worauf es als authentisch erklärt wurde. Das Unrichtige wird sich jedoch mit der Zeit selbst ausstreichen.[6]
Zu den Dichtungen gehören das Erdbeben und die Finsternis beim Kreuzestod von Christus, ebenso die eröffneten Gräber im Tal Josaphat, die Himmelfahrt Christi auf zwei sich widersprechenden Bergen und die gewisse Sendung des Heiligen Geistes. Man erkennt sie als solche, da der verlässlichste aller Evangelisten - Johannes - der bei jeder wichtigen Gelegenheit zugegen sein musste, davon keine Erwähnung macht und auch Lukas nicht kundgibt, ob er selbst z.B. bei der Ausgießung des Heiligen Geistes persönlich zugegen war oder nicht. Hätte die Sonne aus welchem selbst für Gott nicht nachvollziehbarem Grund tatsächlich drei Stunden lang nicht geleuchtet, wäre das überall auf der Welt aufgezeichnet worden. So aber wissen nicht einmal die römischen Geschichtsschreiber von einer solchen Begebenheit, außer in Jerusalem wären alle Menschen für drei Stunden blind geworden, nur nicht der Johannes, der von solch einem Ereignis keine Kunde gibt. Ebenso verhält es sich mit einer in dieser Welt erscheinlichen Himmelfahrt; denn wo sollte dieser Himmel sein, in den der Herr aufgefahren ist, oder wohin sollte der Allgegenwärtige fahren, um den Menschen anzuzeigen, wo er eigentlich zu Hause ist? (siehe Christi Himmelfahrt) In diesen Episoden liegt dennoch etwas geistig Gutes und Wahres, jedoch naturmäßig sind sie um nichts besser als die Bilder des Hohenliedes Salomons, wonach die Tochter Zions eine Gestalt hätte, an der nie ein Mensch auch nur das geringste Wohlgefallen fände. Aber inwendig sieht es dann im Geiste ganz anders aus.[7]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640318.18; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.3; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.174.16;
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.420328.4; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640424.14
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.3; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640318.18; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.7; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640424.4; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640424.15
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640318.19; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640319.15; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.7
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.9-10
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.12-13
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.11; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640407.14-16