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Erdbeben

Aus Prophetia
Erdbeben in Lissabon 1775

Erdbeben sind zwar eine natürliche Erscheinung, dürfen aber nicht bloß als solche angesehen werden, denn wenn sie zweckwidrig (sinnlos) wären, würde sie Gott leicht verhindern können. Da sie aber aus der Liebe und Weisheit Gottes zweckdienlich sind, werden sie an Orten, wo sich Menschen vorfinden, die von Gott kaum mehr etwas wissen, als warnende Mahnungen geführt; sie erinnern die gottvergessenen Menschen daran, dass Gott noch nicht gestorben ist, sondern in aller Macht und Kraft besteht.[1]

Erdbeben bezeichnen im geistigen Sinn die Zustandsveränderungen in der Kirche, weil die Erde die Kirche bezeichnet. In der geistigen Welt erscheint ein Erdbeben, wenn irgendwo der Zustand der Kirche umgekehrt wird und eine Veränderung erfolgt. Weil dies ihren Untergang vorher verkündigt, entsteht ein Schrecken. Die Erden in der geistigen Welt sind der äußeren Gestalt nach den Erden in der natürlichen Welt ähnlich. Weil aber die Erden dort, wie alles in jener Welt, einen geistigen Ursprung haben, so werden sie nach dem kirchlichen Zustand ihrer Bewohner verändert, und wenn der Zustand der Kirche umgekehrt wird, so beben sie und zittern, sinken zusammen, und bewegen sich von ihrer Stelle.[2]

Ursache

Je sinnlicher und gottvergessener irgendein Menschengeschlecht auf der Oberfläche der Erde wird, desto häufiger erscheinen Erdstöße und Erdbeben.[3] Wehe den Menschen, welche Gott nötigen, sie mit solchen Erscheinungen heimzusuchen. Diese werden wohl eine zweite Schöpfung abwarten können, bis ihnen wieder irgendein Weg zu einem abermaligen Freiheitsprobeleben gegeben wird.[4]

Der Erdstoß (schweres Erdbeben)

In die Erde sind zahllose Heere der einst gefallenen Geister gebannt, denen allen nach der Ordnung Gottes eine gewisse Frist zu ihrer Wiederbelebung gegeben ist. Wenn nun auf irgendeinem Punkt der Erde irgendein Menschengeschlecht zu sinnlich und materiell wird, so dass beim Sterben solcher Menschen ihre Geister nicht zum ewigen Leben gelangen, sondern wieder in den Tod übergeben, so treten dann eben diese (bösen) Geister wieder in die Tiefen der Erde zurück und werden gefesselt wie zuvor. Wenn solches lange andauert, dann fangen diese bösen Geister an, sich zusammenzurotten und sich in ihren bösen Begierden zu entzünden, wodurch die Naturgeister aus ihrem Ruhezustand geweckt werden, ihre kleinen Kerker zersprengen und in mächtigen Feuersäulen auf die anderen Geister losgehen und sie vernichten wollen. Dadurch entzünden sich die schon geboren gewesenen und wieder gefallenen Geister noch mehr, entbrennen in Wut gegen Gott und alle Engel und den Himmel, und wollen dieselben zerstören, weil sie glauben, solches Feuer sei das sogenannte Höllenfeuer als Strafe von Gott.[5]

Bei solchem Geschehen wird bald ein Friedensengel von Gott gesandt, der die Schleusen irgendeines unteririschen Gewässers öffnet und auf den wuterglühenden Punkt der Erde hinleitet. Dort angekommen, treten die Friedensgeister aus ihrer Umhüllung, dem Wasser, hinaus und entzünden sich gegen die bösen Rotten und züchtigen sie mit dem Feuer des Friedens. Wenn solches fortgesetzte Beispringen der Friedensgeister aus dem Wasser nichts fruchtet, dann macht der Engel einen gewaltigen Strich durch die Rechnung solcher Grimmgeister, worunter die sogenannten Weltgeister die ärgsten sind. Dieser Strich durch solche bösen Rechnungen der Geister besteht darin, dass von dem kräftigen Engel die Stelle durch und durch ergriffen und mit großer Gewalt in den kleinsten Teilen, wo noch ungeborene Geister bedrängt wohnen, in einem Augenblick zerrissen wird. Die nun losgewordenen Geister entzünden dann, da sie selbst ganz glühend geworden sind, auch die oft meilenweit angesammelten Friedensgeister (Gase). Das heißt: Das Wasser löst sich dabei in Dampf auf, dehnt sich aus und bewirkt einen gewaltigen Erdstoß (das eigentliche Beben), wodurch die Berge, Städte und Dörfer, die sich gerade über einem solchen Punkt befinden, übereinander geworfen werden. Durch dieses Geschehen entstehen im Innern der Erde neue Spalten und Klüfte, die oft an der Oberfläche der Erde sichtbar werden. Dort vereinen sich die diejenige Geister mit den friedlichen Wassergeistern und lassen sich zur ferneren Ausbildung von dem Engel leiten. Die bösen, gefallenen Geister bleiben gesänftet im auf diese Art entstandenen Schlamm zurück.[6]

Der natürlichen Menschenverstand sieht dieses Geschehen als Zusammentritt von Mineralien mit Wasser, gewisserart als eine chemische Zersetzung. Dadurch entwickeln sich verschiedene Gase und suchen einen Ausweg, gelangen in einen Raum, sammeln sich über Jahre gewaltig, und heben dann durch ihre naturmäßig Spannkraft nach und nach die sich über solchen Räumen befindliche Erdscholle. Diese bekommt dadurch zuerst Risse, die sich, je nachdem die Erhebungen fortdauern, zu Klüften und schließlich zu tiefen Abgründen erweitern. Die unterirdisch sich ansammelnden Gase, die durch kleine Risse bis zu den großen Wasserbehältern dringen, füllen diese nach und nach, wodurch dann diese Gewässer, von denen meistens alle unterirdischen Quellen herkommen, außer Verbindung mit den Oberadern gebracht werden. Die Erdoberfläche erhöht sich dabei oft bis achtzig, hundert, oft sogar zweihundert Klafter (1 Klafter = 1,8 Meter), wodurch alle Quellen und Brunnen versiegen. Auch das Meer, das stets in Verbindung mit diesen unterirdischen Wassern steht, wie auch andere große Seen weichen von ihren Ufern bedeutend zurück. So stellt sich das Geschehen dem natürlichen Auge dar, allein in der Wahrheit verhält es sich nicht so, sondern wie oben beschrieben. Die Gase der Gewässer sind dabei die Überzahl der Friedensgeister (deren äußere Umhüllung), die auf die Nötigung des Engels aus dem Wasser getreten sind, um die ergrimmten höllischen Geisterhorden zu sänften.[7]

Beben und Nachbeben

Die Schwingungen, welche "Erdbeben" bezeichnet werden, gehen auf das Öffnen der Schleuse durch den Engel, wie auch von den durch das Fallen des Wassers verursachten Erschütterungen der Erdschichten zurück.[8]

Die Nachbeben sind eine Folge des Rückzugs der Wassergeister mit den ungeborenen Geistern in die verschiedenen neuen Spalten und Klüfte des Erdkörpers.[9]

Größere und kleinere Erdbeben

Wenn das Wasser in die Tiefen der Erde dringt, wird es bald in Dämpfe aufgelöst; diese blähen die Erdhaut auf und dringen dann nach und nach als Gase oder Dämpfe durch die Poren, Klüfte und anderen Höhlungen der Erdrinde, erfüllen die Luft und stören das Gleichgewicht derselben, woher dann die Winde entstehen. Wenn diese innerlich gebildeten Wasserdämpfe und Gase manchmal zufolge einer Überfüllung einen gewaltsameren Ausweg nehmen, so wird dadurch ein größeres oder kleineres Erdbeben bewirkt.[10]

Vermeidung

Der Zorngrimm der Hölle wird durch Vulkane abgeleitet, die unterirdisch viele tausend Gänge und Mündungen haben, nicht unähnlich den Wurzelzügen eines großen Baumes. Wo die vulkanischen Gänge nicht hinreichen, geschehen sehr oft auch Erhöhungen durch die Ansammlung frei gewordener Geister. Damit Erdschläge nicht allzu häufig vorkommen, da sie mit der Zeit die völlige Zerstörung des Weltköpers herbeiführen könnten, hat Gott da und dort auf der Erde beständige Grimmableiter der höllischen Geister errichtet, durch die ständig Wasser zum Dämpfen der glühenden Stellen geleitet wird. Wenn da auch Ansammlungen von Gasen geschehen (siehe oben), dann werden sie, wie der Rauch durch ein Kamin, gewisserart natürlich, ohne bedeutende Verheerungen, abgeleitet. Solche Öffnungen werden von einem Engel bewirkt und finden sich in den Niederungen der Erde und öfter auch in den Gebirgsklüften. Durch sie strömen die Gase unentzündet, in der Art heftiger Winde, als Stürme über die Erdoberfläche heraus.[11]

Wenn auf irgendeinem Ort unter einer Million Menschen nur einer ist, der Gott in seiner Liebe erkannt hat, so wird der Ort, und wäre seine Unterlage so dünn wie ein Blatt Papier, dennoch so fest und sicher bestehen, als wäre sein Untergrund ein viele Meilen dickes und festes Gestein. Ist aber unter einer Million auch nicht einer mehr anzutreffen, der Gott erkennen möchte als den liebevollsten Erhalter aller Welten und aller Geschöpfe, dort wird eine sonnendicke Diamantenkruste zu schwach werden, um die vernichtende Notwendigkeit der ewigen Ordnung Gottes aufzuhalten.[12]

Siehe auch

Quellenverweise