Fünfte Erde
Den Bewohnern der Fünften Erde erscheint ihre Sonne flammend. Das Jahr misst bei ihnen 200 Tage, das nur die Dauer von 75 Tagen unseres Jahres hat. Ein Tag beträgt 9 Stunden unserer Zeit. Weil die Jahre so kurz sind, verweilt nicht die Kälte im Winter, noch die Hitze im Sommer. Es herrscht beständiger Frühling und Sommer; ohne Unterlass grünen die Felder und tragen die Bäume Früchte.[1]
Menschen
Die Wohnungen der Menschen sind niedrig, aus Holz, mit einem flachen Dach, um das ein schräg abwärts geneigter Kranz läuft. Vorn wohnt darin der Mann und die Frau, im anstoßenden Gemach die Kinder, dann die Mägde und Knechte. Was die Speise angeht, trinken sie Milch mit Wasser. Die Milch erhalten sie von Kühen, die Wolle gleich Schafen tragen. Die Menschen gehen nackt, wobei ihnen die Nacktheit nicht zur Schande gereicht. Ihre geselligen Unterhaltungen beschränken sich auf die Glieder eines Stammes untereinander.[2]
Die Töchter werden in ihrem mannbaren Alter zu Hause behalten und dürfen nicht ausgehen, bis sie vermählt werden sollen. Dann werden sie zusammen mit anderen mannbaren Jungfrauen in ein gewisses Verheiratungshaus geführt. Dort stellt man sie hinter eine Schranke, die ihnen bis zur Leibesmitte reicht, sie erscheinen also unverhüllt, was den Busen und das Angesicht betrifft. An den Gesichtern können die Menschen sehen, ob sie mit den Seelen übereinstimmen, denn bei jedem ist dort das Angesicht der Spiegel der Seele, das nicht heuchelt und lügt. Daraufhin kommen Jünglinge und wählen sich eine Gattin aus. Der Jüngling reicht seine Hand jener, die ihm zusagt, zu der sein Herz ihn hinzieht. Folgt sie, so führt er sie in sein bereitetes Haus und sie wird seine Gattin. Damit alles anständig zugeht und ohne Mutwillen, sitzen hinter den Jungfrauen ein Greis und zur Seite eine alte Frau und geben Acht. Es gibt mehrere solche Orte und Termine. Findet ein Jüngling an einem Ort kein Mädchen, das ihm zusagt, dann geht er zu einem anderen oder wartet auf einen anderen Termin. Der Mann hat stets nur eine Gattin und niemals mehrere.[3]
Was den Gottesdienst betrifft, kommen die Stämme mit ihren Familien an jedem dreißigsten Tag an einem Ort zusammen und hören Predigen. Der Prediger lehrt dann von einem etwas über die Erde erhöhten Katheder die göttlichen Wahrheiten, die zum Guten des Lebens führen. Was die Offenbarung betrifft, die ihre Prediger und manchmal auch andere haben, so geschieht diese früh morgens in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen, wenn sie in einem inneren, noch nicht durch die Körpersinne und durch weltliche Dinge getrübten Zustand im Licht sind. Dann hören sie die Engel des Himmels über die göttlichen Wahrheiten sprechen und über das Leben danach. Wenn sie erwachen, erscheint ihnen ein Engel in einem weißen Kleid neben dem Bett, der dann plötzlich aus den Augen verschwindet. Daran sehen sie, dass das, was sie vernommen haben, aus dem Himmel ist. So unterscheidet sich ein göttliches Gesicht von einem nicht göttlichen, wo dann kein Engel erscheint.[4]
Geisterwelt
Die Engelgeister der Fünften Erde vernünfteln nicht über die Wahrheiten, die ihnen aus innerer Wahrnehmung so selbstverständlich sind, dass sie nicht einmal wissen, was es heißt, Glauben zu haben oder an etwas zu glauben. Sie sind so beschaffen wie die Bewohner im himmlischen Reich des Herrn.[5]
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 177
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 176
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 178
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 175
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 169