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Weltfurcht

Aus Prophetia

Wer die Welt mehr fürchtet als Gott, der ist Gottes nicht wert. Wer den Menschen mehr traut als Gott, ist Seiner nicht wert. Wer die Armut der Welt fürchtet, ist der Schätze Gottes nicht wert. Wer Gott neben der Welt herziehen will, ist Seiner nicht wert. Wer Gott nicht zu seinem allerhöchsten Gut macht; auch der ist Seiner durchaus nicht wert und wird einst an der ewigen Armut dafür nagen müssen. Jedem Menschen muss alles an Gott gelegen sein, so er will, dass Er ihn ansehe in Seiner Erbarmung. Wer Gott vergessen kann der Welt wegen, nachdem Gott ihm so vieles schon von Ewigkeit getan hat, den wird Gott seiner Untreue wegen nicht mehr suchen, sondern ihn gehen und fallen lassen, dahin er will, und Er wird Sich in Ewigkeit nicht mehr um ihn kümmern, da Gott nicht auf den Menschen angewiesen ist, wohl aber der Mensch auf Gott.[1]

Wer dies und jenes Gute der Welt wegen zu tun unterlässt, und dann mit seinem guten Weltzeugnis zu Gott kommt, der hört dann folgendes: "Der dir dies gute Zeugnis gegeben hat, zu dem gehe auch hin und verlange deinen Lohn; denn Mein Name steht in diesem Zeugnis nicht geschrieben! Ich kenne dich nicht, denn du hast der Welt wegen dies und jenes getan und wolltest nicht die Mir allein wohlgefälligen Wege der wahren christlichen Demut wandeln. Es gefiel dir und schmeichelte deinem Ehrgeiz, so die Welt von dir sagte: 'Siehe, das ist ein Ehrenmann!' – So wird es dir auch gefallen müssen, dass du in Meinem Reich wahrlich zu sehr geringen Ehren gelangen wirst." Damit ist nicht gesagt, man solle so handeln, dass die Welt mit Fingern auf einen zeigt und einen einen bösen Menschen nennt. Gemeint ist, dass man das wahrhaft Gute ohne die geringste Scheu vor der Welt vollbringen soll, weil es gut ist und weil es Gott so haben will.[2]

Jene, die sich fürchten, den Herrn frei zu bekennen, da sie die Menschen mehr fürchten als den Herrn, das sind die Letzten, wenn sie auch die Ersten sind, an die das Evangelium ergeht. Jene aber, die, obschon sie keine Zeugen sind, in späterer Zeit und an entlegenen Orten erst das Wort überkommen, selbes aber sogleich annehmen und mit ihrem Leben bereit sind, es sobald zu verteidigen, so es von irgendwoher angefochten würde – diese sind der Zeit nach zwar die Letzten und also auch dem Ort nach, aber der Tat nach sind sie die Ersten. (vgl. Lk 13.30)Sie haben keine Furcht vor den Juden (vgl. Joh 7.13) oder vor der Welt. Denn das Wort sagt es ihnen in ihrem Herzen, dass der Herr mächtiger ist als alles Welt- und Judentum und als die Finsternis aller Priesterschaft. Nur der Pharisäer fürchtet sich vor dem Judentum und will sich nicht verfeinden mit ihm, solange dasselbe noch reich und mächtig an Gold und grausam tyrannisch ist – und solange es noch große Ehrenämter und sehr viel Gold tragende Stellen zu vergeben hat. Wenn aber das Judentum zerfällt, was wird wohl da der wetterwendische Pharisäer tun? Er wird zwar den Mantel nach dem Wind drehen, aber der Erste wird er darum nimmer, sondern der vollkommen Letzte, denn Ehre, ein weltlich guter Namen usw. sind vor dem Herrn ein Gräuel. Wer jedoch auf den Herrn alles hält und aus Liebe zu Ihm die Welt gar nicht fürchtet, der wird dann auch bei weitem einer der Ersten sein.[3]

Siehe auch

Quellenverweise