Australier
Geschichte
19. Jahrhundert
Australien hatte gleich gewissen Ländern der Erde von Gott aus ganz andere Zwecke, als von der schändlichen Habsucht der Menschen vor der Zeit genotzüchtigt zu werden. Die (westlichen) Menschen drangen in ihrer Tollheit vor der Zeit in Länder, die noch nicht reif geworden waren und daher geschah es ihnen, wie es verwahrlosten Kindern ergeht, die unreifes Obst und giftige Beeren verzehren.[1]
An der östlichen Küste befand sich ein Landungsplatz namens "Botany Bai", wo zahlreiche Verbrecher von den Engländern ausgeschifft und von da in die verschiedenen Ländereien verteilt wurden. Dort wurde die Stadt Sidney erbaut. Auch im Westen wurden vorzugsweise Deportierte ausgeschifft, die das sehr unwirtliche Land kultivierten und kolonisierten. Dies ging schlechter als an der Ostküste, da an die Westküste gewöhnlich nur die allerschlechtesten Spitzbuben Englands gebracht wurden. Die Menschen wurden dort sehr viel ärger gemartert, als an der Ostküste, was auch ein Grund war, warum die Kolonisierung dort schlecht voran kam.[2]
Im nördlichen Teil und an der östlichen Küste gab es häufig Anpflanzungen, die aber nicht gut gediehen und ihre Natur nach und nach merklich veränderten, z.B. die Birnen wurden oft ganz holzig und am Stiel breiter als an der Krone oder den Kirschen wuchsen die Steinkerne oft auswendig an der Haut und die Frucht selbst wurde wässrig. Am besten gediehen noch die Schlangennüsse, an der nördlichen Küste die Kokosnüsse, indische Feigen, Johannisbrot und eine Art Melonenpflaumen.[3]
Die neu Eingeschifften wurden unter die Leitung mehrerer Aufseher gestellt und mussten mit den Übeln des noch unkultivierten Landes kämpfen, wobei es einem solchen Hauptkolonisten egal war, wie viele dabei umkamen. Er war für sein Haus hinreichend versorgt, auch ohne neu hinzugekommene Arbeiter. Konnte er dem Land wieder einen bedeutenden Teil abgewinnen, war es ihm recht, schlugen aber alle grausamen Versuche fehl, machte er sich auch nichts daraus. Wenn die Verbrecher ein neues Stück Land urbar gemacht hatten, wurde ihnen nicht etwa ein zinsbares Eigentum eingeräumt; der Kolonist benutzte es vielmehr zu ganz anderen Zwecken und ließ nur da und dort Arbeitshütten errichten; was immer der Boden trug, gehörte ausschließlich ihm. Die Arbeiter hatten nichts als kaum genießbare Kost. Der Hunger war zuweilen so groß, dass sie Schlangen fingen und roh verzehrten. Zudem stießen die Gefangenen besonders im nördlichen Teil auf Ureinwohner, die sie mit vergifteten Pfeilen zurücktrieben, oder sie gefangen nahmen und roh verspeisten. Die Züchtigungen der Befehlshaber und Vorsteher waren unbeschreiblich unmenschlich und standen im Vergleich mit den Landplagen, die mörderisch waren, in keinem Verhältnis. Nichts als die schändliche Habsucht der "moralischen" und sogar "christlichen" Menschen trug die Schuld an all dem.[4]
Aborigines

Im Inneren Australiens gab es eine bedeutende Menge Völkerschaften, zu denen noch beinahe kein Strahl menschlicher Bildung gelangt ist, reine Naturmenschen, die aber nichts direkt Bösartiges an sich hatten. Es handelte sich bei ihnen um Kainiten, aber von der besten Art. Sie waren überaus friedfertig, vom Krieg wussten sie nichts, obwohl sie den Tod nicht im Geringsten fürchteten, hatten im Gegenteil nicht selten eine große Sehnsucht danach. Leibliche Schmerzen konnten sie mit unfassbarer Gleichgültigkeit ertragen, ebenso die größten Strapazen des Lebens. Kämpfe mit reißenden wilden Bestien waren ihnen eine unterhaltsames Spiel.[5]
Sie hatten einen dunklen Begriff von der Urzeit und von einem höchsten Wesen. Dieses verehrten sie aber nicht selbst, sondern überließen solches den Vögeln. Sie sagten: Gott sehe nicht auf die Verehrung, sondern lediglich auf die Arbeit des Menschen, und habe über ihm herum fliegende himmlische Gestalten erschaffen, die ihn beobachten, was er tut; und wenn sie ihn beobachtet haben, so fliegen sie dann bald wieder aufwärts zu den Sternen, und erzählen es dem höchsten Wesen, wie sich die Menschen drunten auf der Erde aufführen. Daher waren sie auch sehr fröhlich, wenn sie eine Menge Vögel um sich fliegen sahen, denn daraus schlossen sie, dass sich Gott für sie sehr interessiere. Flugunfähige Vögel standen bei ihnen in keinem großen Ansehen.[6]
Im Schlangenfang waren sie die größten Meister; Schlangen waren für sie die wohlschmeckendsten Leckerbissen.[7] Sie aßen auch das rohe Fleisch von flugunfähigen Vögeln, denn bei ihnen war die Regel, dass man Geflügel roh, vierfüßige Tiere gesalzen und in der Luft getrocknet, Fische gesotten und Reptilien gebraten essen müsse. Früchte müsse man so genießen, wie sie wachsen, wann sie reif sind; die beste Frucht sei die Kokosnuss, die Getränk, Butter und eine Art Brot gibt.[8]
Nur selten hatten diese Menschen Häuser oder Hütten; sie wohnten so ähnlich wie die Urmenschen. Dichte Baumgruppen wurden mit einer Art lebendigem Zaun umfasst, wobei nur auf einer Seite ein Eingang gelassen wurde. Inwendig war alles ganz blank geputzt, nach außen sah es einem undurchdringlichen Gestrüpp ähnlich. Bei alten Wohnungen umgab das Zaungestrüpp die dichte Baumgruppe in einer Entfernung von 3 bis 400 Klaftern. Dies war gewöhnlich das Haus einer oft sehr zahlreichen Familie. Die Eingangstrasse verlief nie in gerader Richtung, sondern möglichst gekrümmt. So eine Gasse war nicht selten eine Stunde lang und ein wahrer Irrweg. Dadurch wurde das Eindringen und Überfälle von fremden Völkerschaften und reißenden wilden Tieren zur Nachtzeit verhindert. Längs dieses Irrwegs befanden sich der größeren Sicherheit wegen nicht selten 2 Klafter tiefe Gruben, die gewöhnlich so breit wie der Weg selbst waren, nämlich 3-4 Schuh, und um anderthalb Klafter lang. Tagsüber wurden diese Gruben zugedeckt, nachts wieder abgedeckt. Am Schrecklichsten war für die Bewohner, wenn ein Baum ihres lebendigen Hauses aus Altersschwäche abzusterben drohte. Dann wurde alles mögliche versucht, um ihn wieder zu beleben. Nützte aber alles nichts, so wurde er wie ein Haus von oben her behutsam abgetragen bis zur Wurzel. Dann wurde auf dem Wurzelstock ein Feuer gemacht und der ganze Baum langsam verbrannt. Daraufhin wurde an dieselbe Stelle ein andere Baum gesetzt und gepflegt.[9]
Außer einer Art Hacke und Schnitzmesser kannten sie gar kein landwirtschaftliches Gerät. Sie waren aber Meister in allerlei Flechtwerk aus Gras, Wurzeln und einer Art Baumwolle. Dies wurde aber lediglich zur besonderen Ausschmückung ihrer Wohnhäuser gebraucht; sie selbst blieben ganz nackt. Statt der Kleidung ließen sie sich manchmal ihre Haut tätowieren, was aber auch nicht bei allen der Fall war.[10]
Vor fremden Ankömmlingen ergriffen sie gewöhnlich die Flucht, weniger aus Furcht, als aus einer Abscheu; nichts war ihnen widerlicher und ärgerlicher als bekleidete Menschen.[11] Diese Menschen waren überaus unglücklich, wenn nicht selten habgierige Europäer an ihre über alles geliebten Wohnungen kamen und diese von außen her anzündeten, wodurch die armen Einwohner oft am massiven Rauch erstickten. Dies erfüllte jene armen unschuldigen Menschen auch zu allermeist mit einer untilgbaren Abscheu gegen bekleidete Menschen. Dergleichen Urstämme gab es nur noch im mittelsüdlichen Australien. Der Osten, Norden und Westen war schon größtenteils unter englischer und holländischer Herrschaft.[12]
In einigen nördlichen Gebieten wurden einige Urstämme geduldet, die aber eine Art königlicher Oberhäupter hatten, mit einer Verfassung ähnlich jener auf Borneo. Diese Oberhäupter hatte auch eine Art Militär, das mit Bogen bewaffnet war. Ein solcher australischer Krieger hatte einen überaus scharfen Geruchssinn, wodurch er einen Feind auf eine Stunde weit riechen konnte. Auch bei den anderen Urbewohnern diese Weltteils war der Geruchssinn überaus scharf, aber sie machten weniger Gebrauch davon. Bei den Nordbewohnern gab es einen größeren Grad von Kultur, als bei den einfachen südlichen Urbewohnern. Die Religion bei den Nordländern war schon mehr chinesischer Art, daneben aber auch uraustralisch.[13]
Diese einfachen unschuldigen, überaus gutmütigen Menschen konnten in der Geisterwelt sehr leicht zum Christentum gebracht werden. Jene aus den nördlichen Gebieten, die von der chinesischen Religion beeinflusst waren, allerdings nicht so leicht.[14]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 7.30-31
- ↑ Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 7.8-12; Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 7.56
- ↑ Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 7.18-19
- ↑ Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 7.42-57
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.1-4; Jakob Lorber, Die Erde 83.6
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.6-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.4
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.9-10
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.11-16
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.22
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.5
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.17-18
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.19-22
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 83.22-23