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Borneo

Aus Prophetia

Dayak

Die Ureinwohner Borneos sind chinesische Abkömmlinge, weswegen auch die Religion Chinas zuallermeist gehandhabt wurde, und auch gehandhabt werden musste, da die Anführer der Insel die Oberherrschaft Chinas anerkannten und dem Kaiser von China Tribut bezahlen mussten, wenn er dies verlangte. In verschiedenen Dingen wichen sie aber doch von der chinesischen Verfassung und Sitte ab, daher gab es auch in der Religion einige Änderungen.[1]

Der König dieser Insel hatte gewöhnlich den Beinamen: die goldfüßige Majestät, auch Sohn des Mondes; nur Sohn der Sonne nicht, weil dieser Ehrentitel nur dem Kaiser gebührte. Der König hatte für das Volk ein halbgöttliches Ansehen und wurde als der weiseste unter seinem Volk betrachtet. Er musste zu gewissen Zeiten angebetet werden und ihm musste geopfert werden. Waren die Opfer nicht reichlich vorhanden, wurden die Opferpriester verprügelt und ein zweiter Opfertag bestimmt. Während sie verprügelt wurden, mussten die Priester so laut als möglich heulen und dieses Geheul hatte jeder nachzuahmen, der es hörte. So geschah es nicht selten, dass an einem Tag das ganze Land in das kläglichste Heulen versetzt wurde. Zur Verehrung des Königs gehörte auch die Nachahmung seiner Handlungen, so er dies wünschte. Hustete der König, musste bald das ganze Land husten; setzte er sich nieder, so setzte sich alles nieder usw.[2]

Außer dem König und dem obersten Priester durfte niemand das höchste Wesen anbeten, weil das gemeine Volk nicht würdig war, Gott zu verehren und anzubeten. Wer von Gott eine Gnade haben wollte, musste zu einem Priester, dieser zum Oberpriester, und dieser erst zum König gehen, damit dieser die verlangte Gnade erbitte. Wer es wagte, allein sein Anliegen dem höchsten Wesen vorzutragen, wurde als Frevler und Schänder der alleinigen königlichen Majestät gewöhnlich mit dem Tod bestraft; war er von besserer Herkunft, wurde er nur ausführlich verprügelt. Ein Reicher konnte sich loskaufen. Damit sich das Volk nicht leichtlich gegen dieses strengste Gebot verfehle, wurde ihm, so wie den Chinesen gestattet, Hausgötter anzuschaffen, die im Namen des Königs von den Priestern eingeweiht und dadurch kräftig und wirksam gemacht wurden. Sie bestanden gewöhnlich aus überaus plump angefertigten hölzernen und tönernen Pagoden, die vom Volk desto mehr verehrt wurden, je älter und schlechter sie aussahen. Im Gegensatz zu den Chinese verprügelte dieses Volk ihre unnützen Gottheiten nicht. Es hielt nur auf die alten Gottheiten, weil diese, da ihnen schon so viel geopfert wurde, leichter zu etwas zu bewegen wären, als die neuen.[3]

Jenseits

Mit diesem Volk ist in der Geisterwelt nicht viel zu machen; doch sind sie für das Christentum und für das reine Evangelium bei weitem zugänglicher, als die (alten) Chinesen, und besonders die (alten) Japaner. Allerdings gehörte dazu sehr viel Geduld, und man muss mit ihnen wie mit Irrsinnigen umgehen, um sie auf den rechten Weg zu bringen, denn sie haben eine Menge höchst falscher, aber fixer Begriffe, welche in ihre Seele eingewurzelt sind. Man muss eine förmliche geistige Homöopathie anwenden, und sie stark fasten lassen, damit sich alles Schädliche in ihnen aufzehre, und sie dann erst fähig werden, eine neue Kost aufzunehmen und zu verdauen. Ist aber einmal einer geheilt, dann ist er auch fester als zehn andere, und besitzt einen Mut, und eine Liebe, die unvergleichlich ist. Solch ein Geist würde eher tausend Mal unter den grässlichsten Schmerzen den Tod erleiden, als nur um ein Haar von der im vorgeschriebenen Ordnung abweichen. Daher werden dann diese Geister auch zum Schutz jener Menschen gestellt, die eben in diesen Gegenden wohnen. Verlassen ihre Landsleute das Irdische, so sind diese Geister fast ausschließlich dazu bestimmt, sie auf den rechten Weg zu bringen.[4]

Quellenverweise