Bitte
Bittgebet
Um was immer man im Namen Gottes bittet, das will ihm der Herr auch stets gerne geben. Aber um Dinge der Welt (Anm.: Geldreichtum, Macht, Ansehen, Luxus, Rache usw.) soll man Ihn nicht bitten, denn diese sind der Tod. Der Herr, als das ewige Leben, ist am allerwenigsten geeignet und als Vater aufgelegt, Seinen Kindern den Tod zu geben.[1]
Rechtes Bitten
Geduld und Beständigkeit
Um was da jemand bittet im Namen Gottes, das wird ihm gegeben ohne Falsch und Trug – freilich nicht über Nacht, sondern nur nach und nach, je nach seiner Kraft und Stärke.[2] Mit anhaltenden Gebeten sind nicht etwa stundenlange Gebete gemeint, sondern dass im festen und lebendigen Glauben und Vertrauen mit dem Gebet an den Namen Gottes angehalten wird, in welchem allein jede Bitte sichere Gewährung finden kann und wird. Wann das Gebet die gerechte Glaubenskraft erreicht hat, das weiß nur Gott. Das Gelingen richtet sich stets nach der selbsttätigen Glaubenskraft. Je mehr diese fest und unerschüttert anhält an den Namen Gottes, desto näher liegt auch das Gelingen, welches stets in der gänzlichen, ungezweifelten Ergebung, Geduld und aller Liebe und Sanftmut liegt. Daher darf in jeder Bitte die Geduld nicht ausgeschlossen werden, damit sich ein jeder selbst prüfe, wie stark er an den Namen Gottes hält. Zu jeder Bitte aber soll hinzugesetzt werden: "Herr, führe uns nicht in die Versuchung, sondern erlöse uns vom Übel!"[3]
Ernsthaftigkeit
Gott wird dem Bitten und Suchen des Menschen allzeit auf dem kürzesten Weg entgegenkommen, vorausgesetzt dem Menschen ist es es vollkommen ernst und er bittet nicht nur versuchsweise, um sich zu überzeugen, ob an Gott und an dessen Verheißungen wohl etwas sei. Ist Letzteres der Fall, wird er von Gott nicht angesehen und erhört werden. Denn Gott in Sich Selbst ist die reinste Liebe und kehrt Sein Antlitz nur denen zu, die ebenfalls in der reinen Liebe ihres Herzens zu Ihm kommen und Gott Seiner Selbst willen suchen, Ihn als ihren Schöpfer dankbarst wollen kennenlernen und den heißen Wunsch haben, von Ihm Selbst beschützt und geführt zu werden. Solche lehrt und leitet Gott alle Wege. Aber die von Ihm nichts wissen wollen, für die weiß dann auch Gott im vollsten Ernste nichts, auch wenn sie dereinst vor Gott hingestellt noch so sehr "Herr! Herr!" rufen werden.[4]
Natürlichkeit und Lebendigkeit
In jeder Not soll mit natürlicher Sprache im Herzen zu Gott gebetet werden, und man wird nicht vergeblich bitten. Dabei soll man nicht viele Worte und keine Zeremonie machen, sondern ganz still im geheimen Liebeskämmerlein des Herzens bitten. Jeder soll so entsprechend dem Vater Unser im Herzen bitten, und seine Bitte wird erhört werden, wenn es ihm mit derselben völlig ernst ist und er nicht nur nur mit dem Mund, sondern wahr und lebendig im Herzen gebetet hat.[5]
Bestimmtheit
Man soll nicht unbestimmt bitten. Wer kein Brot hat, der bitte ums Brot, und er wird es überkommen. Wer ein Weib möchte, der bitte um ein Weib, und es soll ihm werden. Wer die Weisheit will, der bitte um die Weisheit, und sie soll ihm werden. Um was jemand bittet, volltrauend, ganz bestimmten Herzens, dann soll es ihm werden, so es nicht törichter oder unordentlicher Art ist. Wenn der Herr im Geist des Bittstellers aber keine Bestimmtheit sieht, dann gibt Er nichts.[6]
Falsche Vorstellungen
Gott bitten sei eine Beleidigung der göttlichen Weisheit
Wer die Kindschaft Gottes nicht kennt, der sieht Bitten als eine Beleidigung der göttlichen Weisheit an, da man ja offensichtlich meint, einsichtsvoller als Gott zu sein. Eine Bitte erscheint so jemand wie ein höflicher Kampf, durch den das Geschöpf eine gewisse Härte und eigensinnige Unbarmherzigkeit im Schöpfer besiegen und damit über Ihn triumphieren möchte, obwohl doch der Schöpfer die Bedürfnisse des Geschöpfs besser kennt als es selbst.[7]
Richtig ist: Jesus Christus hat uns im Vater Unser bitten gelehrt, daher ist es Gott nicht unrecht, wenn Ihn Seine Kinder um etwas bitten. Die Bitte steht höher als der Dank, weil uns nicht nur die Erkenntnis zukommt, eine Gottesgabe als eine freie anerkennen zu dürfen, sondern auch sogar die freie Wahl der Gabe. Zur vollkommenen Freiheit des Geistes gehört nicht nur die freie Erkenntnis dessen, was der Herr als für uns Lebensnotwendiges frei gibt, sondern hauptsächlich die freie Wahl dessen, was uns nottut. Dazu gehört mehr freie Selbsterkenntnis als nur die Wahrnehmung, dass alles, was wir sind, haben und empfangen, freie Gaben aus Gott dem Herrn sind. Dem völlig freien Wesen steht nicht nur das Recht des Empfangens, sondern auch das demütig freie Recht des Begehrens zu, das aber bei jedem Menschen eine mächtige Selbsterkenntnis voraussetzt, ohne die kein Mensch ein vollkommener Mensch werden kann. Daher ist die Bitte für jeden freien Geist um vieles nötiger als der beste Dank. (nach Petrus)[8] Wer frei ist, muss auch selbst erkennen, was ihm nottut. (nach Petrus)[9]
Gott und die Bittenden
Der Herr gibt, dass man bittet und um was man bitten soll, weil Er es auch voraus weiß. Trotzdem will der Herr, dass der Mensch zuvor bitte, damit er es wie aus sich tue, und es ihm so zugeeignet werde. Der Herr gibt, wenn man ihn bittet, siehe Mt 7.7-8, Mt 21.22, Joh 14.13-14, Joh 15.7, Joh 16.23-27.[10]
Viele bitten den Herrn, die einen hin, die anderen her, d.h. gegensätzlich. Daher gewährt der Herr allzeit die Bitte nur dem Teil, der mit der stärkeren Liebe zu Ihm bittet. Die schwächer Bittenden haben den Trost, dass Er auch ihre Bitten in das Buch des Lebens zeichnet und sie einst auch in aller Fülle wird gewähren lassen.[11]
Mit einer rechten Bitte kann man beim Herrn sehr viel ausrichten aber nicht alles; einer Bitte wider Seine Ordnung, z.B. nach einem ewigen Leben auf Erden, schenkt Er kein Gehör.[12]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.430221b.1
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400802.5
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410418.2-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.92.15-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 10.32.4-7
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.421119.1-3
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 178.5-8
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 179.3-9
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 179.15
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 376
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.481202a.3
- ↑ Jakob Lorber, Robert Blum 1.84.11