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Fürsprache

Aus Prophetia

Wenn man sieht, dass ein wie immer gearteter armer Mitmensch entweder arm am Leib, arm im Herzen, arm in der Liebe, arm in der Tatkraft, arm am Willen, arm in der Einsicht, arm am Verstand oder ganz verarmt am Geiste ist, und man erbarmt sich aus der Liebe seines Herzens zu Gott und daraus erst zum Nächsten, dann ist das Erbarmen ein vollkommenes, da es dann eine Aufnahme der großen Erbarmung Gottes ist. In einer solche Erbarmung soll ein Mensch seinem Mitmenschen so viel tun als er kann aus der und durch die von Gott lebendigen Liebe heraus, und Gott wird dann seine Tat und seine Fürbitte so ansehen, als wäre sie etwas vor Ihm.[1]

Fürbitte vor Gott durch einen unberufenen Vorbitter (jemand der keine Gottesliebe hat) ist eine Torheit, denn niemand ist besser und barmherziger als der göttliche Vater Selbst. Wer Gott durch Fürbitte zu bereden meint, der bezeugt damit, dass er Gott für einen argen Unhold hält, der schlechter ist als die Menschen, denn selbst ein gewöhnlicher menschlicher Vater liebt seine Kinder mehr als jeder Fremde.[2] Wer Gott zu einer Miterbarmung durch seine Fürbitte zu bewegen wähnt, der ist noch dümmer als einer, der meint, wo immer er eine Träne geweint hat, müsse das Meer hinkommen und da seine Träne aufnehmen. Wer sich jedoch durch Gott bewegen lässt, der ist mit seiner Erbarmung in der Ordnung, und seine Tränen fallen schon sogleich ins Meer. Es ist überhaupt nicht notwendig, dass Sich Gott durch Seine Geschöpfe zu etwas bewegen lassen sollte, wohl aber, dass sich Seine Kinder von Gott bewegen lassen in ihrem Herzen und Ihn aufnehmen in der reinen Liebe, dann des Zuges seiner großen Erbarmung achten und darauf lebendig mitbarmherzig werden. Das ist Gottes Wille.[3]

Da das liebtätige Bemühen der Engel und Schutzgeister aus Gott rührt, ist es nicht gerecht, wenn der Mensch Gott umgeht und bei denen Hilfe sucht, die aus sich nichts haben, sondern alles nur aus Gott. Der Allerhöchste ist mit dem Menschen ein Mensch, will ihm sogar ein Bruder werden, damit dieser daraus ersehen soll, dass Gott mehr als jeder Mensch von ganzem Herzen demütig und sanftmütig und überaus herablassend ist und nicht ein ferner Gott, sondern allernächster Vater und Bruder.[4]

Ursache und Zulassung

Die Anrufung von Schutzgeistern oder Schutzpatronen anstelle von Gott, der jedem Menschen näher ist als sogar dessen eigenes Leben, rührt von einem durch gewinnsüchtige Anstalt der äußeren Kirche hervorgerufenen Schwachglauben her. Um die Freiheit der Menschen unbeschadet zu lassen, bleibt nichts anderes übrig, als den Schwachgläubigen, die auf eine verkehrte Weise an Hilfe und Führung von gewissen Schutzgeistern und Engeln glauben, nämlich ohne sich dessen recht bewusst zu sein, dass alle Seligen in Gott sind und Er in ihnen, auf dem Weg der vermeintlichen Dazwischenkunft (Fürsprache oder Mittlerschaft) Gottes Hilfe und Vorsehung angedeihen zu lassen.[5]

Im Jenseits kommt niemand durch vermeintliche gottwohlgefällige Verdienste oder ein vermitteltes oder unvermitteltes Erbarmen zum Herrn oder in den Himmel. Der Herr ist ohnehin von der allergrößten Erbarmung und es wäre eine große, sündhafte Torheit, den allerbarmherzigsten, liebevollsten, allerbesten Vater zur Barmherzigkeit bewegen zu wollen. Jeder muss selbst ernstlich Hand an sein eigenes Werk legen, ansonsten es unmöglich wäre, zu Gott zu gelangen. Die eigene Liebe zum Herrn und die daraus hervorgehende Gnade des Herrn Jesus Christus ist der alleinige Weg. Selbst wenn ein großer Engel zum Herrn ginge, und Ihn für jemanden in Ewigkeit bitten würde, dann würde demjenigen das nichts nützen, da jeder selbst aus seiner Liebe heraus tun muss, was in seiner Kraft steht, ansonsten er nie zur wahren Freiheit seines Geistes gelangen kann. Nicht die Allmacht Gottes macht jemanden frei, da ja gerade sie es ist, aus der man durch den freien Willen und die Liebe zu Gott frei gemacht werden muss, da wir sonst nichts als Maschinen dieser Allmacht wären. Es gibt nirgends einen Himmel außer in einem selbst und diesen muss man selbst öffnen, wenn man in ihn eingehen will.[6]

Siehe auch

Quellenverweise