Gewissen
Das Gewissen entsteht im Menschen, indem Gott nach der bösen Tat das Herz zuschnürt. Damit verwahrt Er die Liebe oder das Leben im Menschen, damit es die argen Geister nicht an sich reißen können und den Menschen zum Eigentum der Hölle machen. Daher und darum dann auch die Unlust nach der Tat und die Reue als ein im Herzen geschrieben gefundenes Wort aus der Liebe Gottes, die solches bewirkt hat im Menschen.[1]
Wesen
Das Gewissen entsteht durch das Wahre aus dem Guten des Herrn.[2]
Jeder Mensch hat ein von Gott verliehenes Gewissen in seinem Herzen, wo allzeit der Willen Gottes erkennbar ist und das einen strafenden Geist in sich trägt. Es gleicht Johannes dem Täufer, denn während alle andern (göttlichen) Begriffe, Lehren und Eigenschaften im Menschen (anfangs) wie tot schlafen, wird das Gewissen zuerst wach und kündigt sich als solches an. Aber viele Menschen bedecken es mit allen Sünden, damit sie den Willen Gottes nicht mehr sehen können.[3]
Das Gewissen ist gleich einem geistigen Organ im Herzen eines jeden Menschen, das den Engeln Gottes stets offen steht und unbehindert zugänglich ist. Dieses Organ vertritt stets die einfachen Begriffe: gut – schlecht, wahr – unwahr, recht – unrecht. Indem man gleichfort das Gute, Wahre und Rechte tut, wird von den Engeln der bejahende und gute Teil des Organs angerührt, wodurch das lohnende Gefühl entsteht, gut und recht gehandelt und geredet zu haben. Hat man nicht gut gehandelt und geredet, wird von den Engeln das Gegenteil des Organs erregt, worauf ein Bangen entsteht, welches einem sagt, dass man aus der göttlichen Ordnung getreten ist. Man kann sich auf diese Stimme treu verlassen, sie wird einen nicht trügen - außer wenn jemand dieses Organ so abstumpfen lässt, dass es am Ende als ein materiell gewordenes die Berührungen der Engel gar nicht mehr wahrnimmt. Dann aber ist der geistige Teil des Menschen ohnehin schon so gut wie völlig verloren. (nach Raphael)[4]
Die Folge eines nicht reinen Gewissens ist immer die Furcht.[5]
Gewissenlosigkeit
Wer geistig tot ist, hat kein Gewissen.[6]
Gott kann mit einem Menschen nichts mehr machen, wenn dieser es aufgrund seiner Gewissenlosigkeit so weit gebracht hat, dass die "Himmelsvögel" (Engel), welche gleichsam die Stimme des Gewissens im Menschen sind, aus dem inneren "Nest der Liebe", welches im Herzen erbaut ward, ausgeflogen sind. Ein solches Nest wird dann den bösen Winden preisgegeben: 1. Leichtsinn; 2. Lauheit zu allem Ernsten, Wahren, Guten und daraus Schönen; 3. die daraus hervorgehende selbstgefällige und wohlbehagliche Trägheit; 4. Versinken in allerlei irre und wirre Welttümlichkeiten und endlich daraus in die gänzliche Vergessenheit Gottes.[7]
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.401202.4
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 161
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 38.17; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.174.4; Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.500919.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.232.8-11
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.76.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.123.4
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410327.20-21