Irhael

Irhael war eine Samariterin aus Sichar, welche Jesus am Jakobsbrunnen traf.[1]
Geschichte
Bevor Irhael Jesus traf, hatte sie bereits fünf Männer gehabt, aber da ihre Natur nicht der Natur der Männer entsprach, so wurden diese bald krank und starben, denn in ihrem Leib befand sich ein arges Gewürm (eine tödliche Krankheit).[2] Die anderen Stadtbewohner hielten sie für eine große Sünderin, dabei aber war sie unberührt geblieben, bevor sie geheiratet hatte. Dass sie mit ihren fünf rechten Männern nicht fruchtbar werden konnte, und dass ein Mann bald starb, so er mit ihr seine Sache verrichtet hatte, dafür konnte sie nichts. Nachdem ihr der Tod der fünf Männer ein kaum erträgliches Herzleiden verursacht hatte, beschloss sie, sich mit keinem Mann mehr zu verbinden. Aber nach Jahren kam ein Arzt mit Kräuter-Ölen und Salben nach Sichar und machte viele Leute gesund. Da ging auch sie zu ihm. Dieser Arzt, Joram, konnte ihr aber auch nicht völlig helfen, sondern nur ihr Übel lindern. Er zog dann in ihr ärmliches Haus und gab ihr alle Tage lindernde Mittel und sorgte für sie. Ihren kranken Leib berührte er jedoch nie in einer schlechten Absicht. (nach Irhael)[3]
Am Jakobsbrunnen
Als Jesus am Jakobsbrunnen vergeblich auf ein Schöpfgefäß wartete, erschien Irhael, die noch keine dreißig Jahre alt war, mit einem Krug, mit dem sie aus dem Brunnen Wasser schöpfte. Jesus bat sie, Ihm zu trinken zu geben. Joh 4.5-8 [4] Irhael aber meinte in Jesus einen stolzen Juden (Anm.: einen Judäer oder gar Pharisäer, für Samariter das Schlimmste) zu erkennen und wollte Ihm daher nichts geben. Joh 4.9 Sie sagte: "Ja, so ich es vermöchte, mit diesem Kruge Wassers ganz Judäa zu ersäufen, so gäbe ich dir mit großem Vergnügen aus diesem Kruge das verlangte Wasser zu trinken; sonst aber möchte ich dich lieber sterben sehen vor Durst, als dir darreichen auch nur einen Tropfen Wassers aus diesem Kruge!"[5]
Jesus erwiderte: "Weil du blind bist in deiner Erkenntnis, darum redest du also; wärest du offensehender Erkenntnis und erkenntest die Gabe Gottes und Den, der zu dir spricht und gesagt hat: 'Weib, gib Mir zu trinken!', da würdest du niederfallen vor Ihm und Ihn bitten um ein rechtes Wasser, und Er gäbe dir zu trinken lebendiges Wasser! Ich sage es dir, wer Mir aber glaubt, das Ich zu ihm sage, aus dessen Leibe werden Ströme des gleichen lebendigen Wassers fließen, wie solches geschrieben steht im Jes 44.3 und im Joel 3.1." (Anm.: Die aktuelle Unterteilung der Bibel geht auf das Jahr 1205 (Kapitel) und 1553 (Verse) zurück. Die Worte des Herrn sind aus dem Geistigen geschöpft, nicht aus dem wortwörtlich Historischen.) Joh 4.10 [6]
Irhael verdächtige nun den Herrn, es auf sie abgesehen zu haben, da sie noch jung und reizend war.[7] Mit dem lebendigen Wasser meint Jesus jedoch Sein Wort und Seine Lehre, wodurch Er den Durst des Lebens für ewig stillt.[8] Er erklärte Irhael, kein stolzer, hochmütiger Jude zu sein, sondern von ganzer Seele sanftmütig und von tiefster Demut. Es ist daher auch die Demut gemeint; wer nicht also demütig wird, wie der Herr Selbst es ist, wird am Reich Gottes keinen Teil haben. Zugleich ist es die einzig wahre Erkenntnis Gottes und des ewigen Lebens aus Gott.[9]
Das Wasser, das der Herr jemandem gibt, wird in ihm zu einem Wasserbrunnen, dessen Wasser ins ewige Leben hinüberquillt. Es quillt also aus Gott, dem Leben alles Lebens, in den Menschen als das ewige Leben, wird da zu einem unversiegbar ewig bleibenden Leben, das in das Leben Gottes zurückquillt und in Gott ein und dasselbe freitätigste Leben bewirkt. Dies aber verstand Irhael nicht, da sie von geistigen Dingen keine Ahnung hatte. So wies der Herr sie an, ihren Mann zu holen. Joh 4.13-16 [10]
Irhael erwiderte daraufhin, keinen Mann zu haben, worauf ihr Jesus sagte, sie hätte bereits fünf Männer gehabt, die aber alle gestorben waren. Ihr gegenwärtiger Mann war nicht wirklich ihr Mann, sondern nur ihr Buhler. So gesehen hatte die Frau recht vor dem Herrn geredet. Daraus erkannte Irhael den Herrn als einen Propheten und wollte wissen, wie sie zu heilen sei, ob sie Gott auf dem Berg Garizim oder in Jerusalem anbeten solle. Joh 4.17-20 [11]
Jesus sagte: "Weib, Ich kenne wohl deine Armut, deine Not und deinen schlechten Leib; aber Ich kenne auch dein Herz, das gerade nicht das beste, aber auch nicht schlecht zu nennen ist, und sieh, das ist der Grund, dass Ich nun mit dir rede. Wo aber das Herz nur einigermaßen gut ist, da ist auch noch jegliche Hilfe möglich! – Aber da bist du ganz irrig daran, so du zweifelst, wo man Gott würdig und wirksam anbeten solle! Sieh, Ich sage es dir, glaube es Mir: es kommt die Zeit, und sie ist schon da, dass ihr weder auf dem Berge noch zu Jerusalem den Vater anbeten werdet!" Joh 4.21 [12]
Darauf erschrak Irhael, weil sie meinte, Gott werde Sein altes Volk ganz verlassen und Seine Wohnstätte bei einem andern Volk nehmen, denn darüber hatte sie ein Gesicht gehabt.[13]
Der Herr: "Ihr besteiget wohl den Berg und betet daselbst, aber ihr wisset es nicht, was ihr da betet, und wen ihr anbetet. Desgleichen ist es auch bei denen, die zu Jerusalem anbeten; sie laufen wohl in den Tempel und machen da ein grässliches Geplärre, aber sie wissen es auch nicht, was sie tun und was sie anbeten! Aber dennoch, wie Gott durch den Mund des Propheten geredet hat, kommt das Heil nicht von euch, sondern von den Juden! Lies nur den Jes 2.3, und du wirst es finden!" (Anm.: Diese Worte sind aus dem Geistigen geschöpft, nicht aus dem wortwörtlich Historischen.) Joh 4.22 [14]
Nun wollte Irhael wissen, wie der Herr sagen könne, 'weder auf dem Berg noch zu Jerusalem', wenn das Gesetz von Zion (den Juden) ausgehe.[15]
Der Herr: "Du hast Mich noch immer nicht verstanden. Sieh, Gott der Vater von Ewigkeit ist ja weder auf dem Berg, noch im Tempel und ebenso wenig in der Lade zu Hause! Darum sagte Ich dir: Es kommt die Zeit und sie ist nun schon da vor deinen Augen, in der die rechten Anbeter (wie du sie hier unter den Bäumen in großer Anzahl ruhen siehst und dir schon einige in der Stadt begegneten, Speise zu kaufen) Gott den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten werden; denn also will es von nun an der Vater Selbst, dass Ihn die Menschen also anbeten sollen!" Joh 4.23-24 [16]
Irhael wollte dem Herrn nun doch Wasser aus ihrem Krug geben, dieser aber sagte, er wolle das viel köstlichere Wasser (Glaube und Liebe) aus ihrem Herzen, als das Brunnenwasser in ihrem Krug. Er sagte: "Mit dem Wasser deines Herzens kannst du auch heilen deinen ganzen Leib; denn was an dir Mir wohltut, das wird dich heilen, so du glauben kannst!"[17]
Irhael wusste nicht, wie sie das anstellen sollte; ihr Herz wollte sie dem Herrn bieten, aber zu ihren vielen Sünden keine neuen hinzufügen. Darauf erwiderte Jesus, nicht dass sie Ihm ihr Herz böte, sondern Er Selbst habe es genommen, als Er sie ums Wasser bat. Daher möge sie ihr Herz Ihm bieten, denn er nehme auch die Herzen der Samariter an. Wenn sie Ihn liebte, tat sie wohl daran; denn Er hatte sie schon lange eher geliebt, als sie Seiner gedenken mochte. Um dies zu belegen, erzählte Er ihr, wie Er sie als Zwölfjährige aus einer Zisterne zog, in die sie gefallen war, ohne dass sie Seine Hand sehen konnte. Hier wurde Irhael ganz verwirrt und wusste nicht, was sie darauf sagen sollte, denn ihr Herz hatte nun schon viel Feuer in sich, und ihre Liebe wuchs.[18] Sie wusste um das Kommen des verheißenen Messias, der Christus heißen würde, und bat Jesus um Auskunft. Darauf sagte Jesus ganz kurz, aber sehr liebeernst: "Ich bin es, Der nun zu dir redet!" Joh 4.25-26 [19]
Die Samariterin ließ den Krug stehen, damit sich Jesus und die Seinen bedienen konnten. Sie eilte in die Stadt, um sich etwas Besseres anzuziehen, denn sie war nur sehr dürftig bekleidet. Sie liebte Jesus nun mächtig. Dabei begegnete sie mehreren Männern, die wissen wollten, wohin sie so eilig ginge. Joh 4.28 [20] Irhael berichtete ihnen, was sie am Jakobsbrunnen erlebt hatte, das Jesus so weise wie ein Elias rede und ihr kundtat, was sie je getan hatte und dass sie Ihn fest für den Messias hielt. Zuletzt hatte Er zu ihr gesagt "Werde gesund!", worauf ihr Übel aus ihr wie ein Wind fuhr. Joh 4.29 [21] Beinahe hundert Menschen kamen aus der Stadt, um den Messias zu sehen.[22]
Viele von denen, die aus der Stadt zu Jesus kamen, fingen an Ihn zu glauben an, anfangs wegen dem Zeugnis von Irhael, weil Jesus ihr alles gesagt habe, was sie je getan hatte. Dann aber glaubten viele aus dem, was die Jünger von Ihm aussagten. Am festesten glaubten jene Samariter, die so nahe bei Jesus waren, dass sie Seine eigenen Worte vernehmen konnten. Joh 4.39-42 [23]
Die wunderbare Bestellung des Hauses
Als es Abend geworden war, kündigte Jesus an, für zwei Tage im geräumigen Haus von Irhael Herberge zu nehmen, die sich sehr darüber freute. Sie schenkte dem Herrn ihr Haus mit allem, was darinnen war. Darauf sagte der Herr: "O Weib, dein Glaube ist groß und lieblich dein Herz; darum sollst auch du Meine Jüngerin sein und bleiben. Und wo immer dies Evangelium verkündet wird, soll deiner erwähnt werden in Ewigkeit!"[24]
Irhael lebte mit dem Arzt Joram und einiger Dienerschaft des Arztes in einem geräumigen, aber schon sehr baufälligen Haus. Es war dies das alte Haus von Joseph, welches Jakob seinem Sohn erbauen ließ und hatte viele und reine Gemächer, die auch einigermaßen gut eingerichtet waren.[25]
Als die Gesellschaft in das Haus kam, fand sich dort eine ausreichende Menge gedeckter Tische und um die Tische eine rechte Anzahl Stühle. Auf jedem Tisch waren wohlleuchtende Lampen aus edlen Metallen, die Fußböden waren mit den schönsten Teppichen überzogen, sogar die Wände symmetrisch mit Blumenteppichen behangen, und aus den schönsten Kristallbechern blinkte ein köstlicher Wein den Gästen entgegen. Irhael konnte dies gar nicht fassen und wollte wissen, woher dies alles kam. Jesus erklärte ihr, dass dieses Haus ja nun Ihm gehöre und es nicht fein gewesen wäre, wenn Er sie als Schenkerin in ein unzierliches Gemach geführt hätte. Irhael schenke dem Herrn ihr Haus vollends aus ihrem ganzen Herzen und der Herr gab es ihr wunderbar eingerichtet wieder zurück. Alle setzten sich zu Tisch, dankten und stärkten sich dann mit Speise und Trank.[26]
Während des Mahls besprach sich Irhael mit der Dienerschaft des Arztes und befragte diese, wie alles herbeigeschafft worden sei. Die Diener aber konnte es sich selbst nicht erklären. Sie hatten das wenigste dabei getan und der Arzt gar nichts. Ein blendend schöner Jüngling war gekommen und hatte ihnen gesagt, dass sie dies und jenes tun sollen, da der Herr dessen bedürfe, und sie taten alles sogleich, was der seltene Jüngling geboten hatte. Aber wie sie etwas tun wollten, da war es schon getan, und sie konnten sich das nur mit Gottes Allmacht erklären, und dass der weiße Jüngling ein Engel Gottes gewesen sein müsse. Daraus erkannte Irhael, dass Jesus mehr als allein der verheißene Messias war, sondern Der den Pharao züchtigte, die Israeliten aus Ägypten führte und ihnen die Gesetze gab. Jesus aber gebot ihr, solches den Menschen nicht kundzutun, weil die Zeit noch nicht reif sei.[27]
Nachdem alles fest schlief, und nur mehr Jesus, Irhael und Joram wach geblieben waren, da fielen die beiden vor dem Herrn auf die Knie und dankten Ihm inbrünstig für die große Gnade, die Er ihnen und ihrem ganzen Haus erwiesen hatte. Zugleich baten sie Ihn, sich Ihm anschließen und Ihm folgen zu dürfen. Jesus sagte ihnen, dass dies um ihrer Seligkeit willen nicht nötig war. Es war genug, dass sie Ihm in ihren Herzen folgten. Sie sollten in diesem Land als Seine Zeugen bleiben und den Zweiflern, die zu ihnen kamen, ein gutes Zeugnis von Ihm geben.[28]
Irhael war nun vollkommen gesund an Leib und Seele. Jesus verehelichte sie mit Joram und sagte über dieses Bündnis, dass es seit Adam auf der Erde kein vollkommeneres Ehebündnis als das ihre gab; denn Er Selbst hatte dieses Bündnis gesegnet. Er wies sie an, am nächsten Tag den Priestern und anderen Bürgern der Stadt anzuzeigen, dass sie nun vollends rechte Eheleute vor Gott und der Welt waren. Sie sollten ihre Kinder in der Lehre Jesu erziehen und sie in Seinem Namen taufen. Solange der Herr im Haus verweilte, durften sie sich der Zucht wegen nicht berühren. Der Herr sorgte für die Zeit Seines Verweilens für den Unterhalt des Hauses von oben, was Irhael und Joram aber nicht öffentlich machen durften, da es die Menschen nicht fassen würden. Erst als Er gegangen war, durften sie es den Helleren kundgeben.[29]
Familie
Mann: Joram und davor fünf andere Männer (kinderlos)
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.36.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.31.7-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.2; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.31.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.3; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.7; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.9-11
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.1-4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.9-10
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.11
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.27.12
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.28.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.28.3-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.28.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.26.5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.29.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.29.9-12
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.29.14
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.31.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.32.1-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.32.2; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.32.5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.61.2; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.73.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.34.4-10; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.61.2; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.56.2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.35.1-3; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.35.9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.36.11
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.36.14-18