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Micha (Geistiger Sinn)

Aus Prophetia

Hinweis: Bibeltext nach der Übersetzung von Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984.

Erstes Kapitel

Gott erscheint zum Gericht über Israel und Juda

1.1 Dies ist das Wort des HERRN, welches geschah zu Micha aus Moreschet zur Zeit des Jotam, Ahas und Hiskia, der Könige von Juda, das er geschaut hat über Samaria und Jerusalem.
1.2 Höret, alle Völker! Merk auf, Land und alles, was darinnen ist! Denn Gott der HERR hat mit euch zu reden, ja, der Herr aus seinem heiligen Tempel.
1.3 Denn siehe, der HERR wird herausgehen aus seiner Wohnung und herabfahren und treten auf die Höhen der Erde,
1.4 dass die Berge unter ihm schmelzen und die Täler sich spalten, gleichwie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, wie die Wasser, die talwärts stürzen.
1.5 Das alles um Jakobs Übertretung willen und um der Sünden willen des Hauses Israel. Was ist aber die Übertretung Jakobs? Ist's nicht Samaria? Was sind aber die Opferhöhen Judas? Ist's nicht Jerusalem?
1.6 Und ich will Samaria zu Steinhaufen im Felde machen, die man für die Weinberge nimmt, und will seine Steine ins Tal schleifen und es bis auf den Grund bloßlegen.
1.7 Alle seine Götzen sollen zerbrochen und all sein Hurenlohn soll mit Feuer verbrannt werden. Und ich will alle seine Götzenbilder zerstören; denn sie sind von Hurenlohn zusammengebracht und sollen auch wieder zu Hurenlohn werden.

Durch die Götzen wird das Falsche der Religion und daher des Gottesdienstes bezeichnet.[1]

Unheil kommt über die Städte Judas

1.8 Darüber muss ich klagen und heulen, ich muss barfuß und bloß dahergehen; ich muss klagen wie die Schakale und jammern wie die Strauße:
1.9 Denn unheilbar ist die Plage des HERRN: Sie kommt bis nach Juda, sein Schlag reicht bis an meines Volkes Tor, bis hin nach Jerusalem.
1.10 Verkündet's ja nicht in Gat; lasst euer Weinen nicht hören; in Bet-Leafra wälzt euch im Staube!
1.11 Ihr Einwohner von Schafir müsst dahin mit allen Schanden; die Einwohner von Zaanan werden nicht ausziehen; das Leid Bet-Ezels wird euch wehren, dass ihr euch da lagert.
1.12 Die Einwohner von Marot vermögen sich nicht zu trösten; denn es wird das Unglück vom HERRN kommen auch bis an die Tore Jerusalems.
1.13 Du Stadt Lachisch, spanne Rosse an und fahre davon; denn du bist für die Tochter Zion der Anfang zur Sünde, und in dir finden sich die Übertretungen Israels.
1.14 Du wirst dich scheiden müssen von Moreschet-Gat; die Häuser von Achsib werden den Königen von Israel zum Trug werden.
1.15 Ich will über dich, Marescha, den rechten Erben bringen, und die Herrlichkeit Israels soll kommen bis Adullam.
1.16 Lass dir die Haare abscheren und geh kahl um deiner verzärtelten Kinder willen; ja, mach dich kahl wie ein Geier, denn sie sind gefangen von dir weggeführt.

Bei den Israeliten bedeutete sich eine Glatze machen die größte Schande und die tiefste Trauer. Die Haare stellen den buchstäblichen Sinn des Wortes vor. Die Söhne der Lust (die verzärtelten Kinder) sind das echte Wahre der Kirche aus dem Wort.[2]

Die Lieblingssöhne (verzärtelte Kinder) bezeichnen Wahres. Es werden jene verstanden, die in den Wahrheiten der Lehre aus dem Wort sind und, abstrakt genommen, die Wahrheiten selbst.[3]

Zweites Kapitel

Weheruf über die Machthaber, die das Volk berauben

2.1 Weh denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken um auf ihrem Lager, dass sie es frühe, wenn's licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben!

Durch das Bett oder Lager wird die Lehre bezeichnet.[4]

2.2 Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wie sie's gelüstet. So treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause und mit eines jeden Erbe.
2.3 Darum spricht der HERR: Siehe, ich ersinne wider dies Geschlecht Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und unter dem ihr nicht so stolz dahergehen sollt; denn es soll eine böse Zeit sein.
2.4 Zur selben Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: Es ist aus - so wird man sagen -, wir sind vernichtet! Meines Volkes Land kriegt einen fremden Herrn! Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat?
2.5 Jawohl, ihr werdet keinen Anteil behalten in der Gemeinde des HERRN.
2.6 »Geifert nicht!«, so geifern sie. »Solches soll man nicht predigen! Wir werden nicht so zuschanden werden!
2.7 Ist denn das Haus Jakob verflucht? Meinst du, der HERR sei schnell zum Zorn? Sollte er solches tun wollen?« Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.
2.8 Aber ihr steht wider mein Volk wie ein Feind; denn wie Leute, die aus dem Kriege kommen, raubt ihr Rock und Mantel denen, die sicher dahergehen.

Die Oberkleider bezeichnet das Göttlich-Wahre des Wortes im Allgemeinen. Die langen Kleider, die Mäntel, die Oberkleider bezeichnen das Wahre im Allgemeinen, weil sie allgemeine (d.h. die übrigen bedeckende) Anzüge waren.[5]

2.9 Ihr treibt die Frauen meines Volks aus ihren lieben Häusern und nehmt von ihren Kindern meinen Schmuck auf immer.

Durch die Frauen werden die Neigungen zum Wahren bezeichnet, durch welche die Kirche zur Kirche wird.[6]

2.10 Darum macht euch auf! Ihr müsst davon, ihr sollt an dieser Stätte nicht bleiben! Um der Unreinheit willen muss sie unsanft zerstört werden.
2.11 Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen - das wäre ein Prediger für dies Volk!

Verheißung des künftigen Heils

2.12 »Ich will dich, Jakob, sammeln ganz und gar und, was übrig ist von Israel, zusammenbringen. Ich will sie wie Schafe miteinander in einen festen Stall tun und wie eine Herde in ihre Hürden, dass es von Menschen dröhnen soll.«
2.13 Er wird als ein Durchbrecher vor ihnen heraufziehen; sie werden durchbrechen und durchs Tor hinausziehen, und ihr König wird vor ihnen hergehen und der HERR an ihrer Spitze.

Drittes Kapitel

3.1 Und ich sprach: Höret doch, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel! Ihr solltet die sein, die das Recht kennen.
3.2 Aber ihr hasst das Gute und liebt das Arge; ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Knochen
3.3 und fresst das Fleisch meines Volks. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Knochen; ihr zerlegt es wie in einen Topf und wie Fleisch in einen Kessel.
3.4 Darum, wenn ihr nun zum HERRN schreit, wird er euch nicht erhören, sondern wird sein Angesicht vor euch verbergen zur selben Zeit, wie ihr mit eurem bösen Treiben verdient habt.
3.5 So spricht der HERR wider die Propheten, die mein Volk verführen, die da predigen, es werde gut gehen, wenn man ihnen zu fressen gibt; wer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dem predigen sie, es werde ein Krieg kommen:
3.6 »Darum soll euch die Nacht ohne Gesichte sein und die Finsternis ohne Wahrsagung.« Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden.

Hier wird unter den Propheten die ganze Kirche hinsichtlich des Wahren der Lehre verstanden.[7]

Das Schwarze (Finsternis) bedeutet das Falsche.[8]

3.7 Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden; sie müssen alle ihren Bart verhüllen, weil kein Gotteswort da sein wird.
3.8 Ich aber bin voll Kraft, voll Geist des HERRN, voll Recht und Stärke, dass ich Jakob seine Übertretung und Israel seine Sünde anzeigen kann.
3.9 So hört doch dies, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel, die ihr das Recht verabscheut und alles, was gerade ist, krumm macht;
3.10 die ihr Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht
3.11 - seine Häupter richten für Geschenke, seine Priester lehren für Lohn und seine Propheten wahrsagen für Geld - und euch dennoch auf den HERRN verlasst und sprecht: »Ist nicht der HERR unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen«:
3.12 Darum wird Zion um euretwillen wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zu Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe wilden Gestrüpps.

Viertes Kapitel

Das kommende Friedensreich Gottes

4.1 In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen,
4.2 und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.
4.3 Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
4.4 Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat's geredet.
4.5 Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes, immer und ewiglich!

Die Begnadigung des zerschlagenen Volkes

4.6 Zur selben Zeit, spricht der HERR, will ich die Lahmen sammeln und die Verstoßenen zusammenbringen und die ich geplagt habe.

Am Ende der Welt, das heißt in jener Zeit, wann die Welt eines jeden einzelnen Menschen ein vollkommenes Ende genommen hat, wenn er dann zu Gottes vollkommenen, ewig verbleibenden Anschauung und Besitznahme des unvergänglichen ewigen Lebens gelangt, sollen alle seine darniederliegenden Kräfte geweckt werden und vereinigt zu einer Kraft der Liebe und des ewigen Lebens in ihm. Die verstoßenen und zerstreuten Begierden sollen auf einen Haufen, das heißt, unter ein und dasselbe Dach der Liebe gebracht werden. Die verschiedenartigen Prüfungen und Versuchungen nehmen da ganz natürlicherweise ein ewiges Ende. Wenn in jemandem der Herr spricht und wirkt und ihn lehrt und zieht, der ist in gewisser Hinsicht doch nur ein leidender Mensch, da er sich nicht selbst zieht, sondern von Gott gezogen wird, welches ebenso viel heißt als geplagt werden.[9]

4.7 Und ich will den Lahmen geben, dass sie viele Erben haben, und will die Verstoßenen zum großen Volk machen. Und der HERR wird König über sie sein auf dem Berge Zion von nun an bis in Ewigkeit.
4.8 Und du, Turm der Herde, du Feste der Tochter Zion, zu dir wird kommen und wiederkehren die frühere Herrschaft, das Königtum der Tochter Jerusalem.
4.9 Warum schreist du denn jetzt so laut? Ist kein König bei dir? Und sind deine Ratgeber alle hinweg, dass dich die Wehen erfassen wie eine in Kindsnöten?
4.10 Leide doch solche Wehen und stöhne, du Tochter Zion, wie eine in Kindsnöten; denn du musst zwar zur Stadt hinaus und auf dem Felde wohnen und nach Babel kommen. Aber von dort wirst du wieder errettet werden, dort wird dich der HERR erlösen von deinen Feinden.
4.11 Nun aber werden sich viele Heiden wider dich zusammenrotten und sprechen: Sie ist dahingegeben; wir wollen auf Zion herabsehen!
4.12 Aber sie wissen des HERRN Gedanken nicht und kennen seinen Ratschlag nicht, dass er sie zusammengebracht hat wie Garben auf der Tenne.
4.13 Darum mache dich auf und drisch, du Tochter Zion! Denn ich will dir eiserne Hörner und eherne Klauen machen, und du sollst viele Völker zermalmen und ihr Gut dem HERRN weihen und ihre Habe dem Herrscher der ganzen Welt.

Unter dem Horn wird die Macht verstanden.[10]

Mit den Reichtümern sind geistige Reichtümer gemeint.[11]

4.14 Aber nun zerraufe und zerkratze dich, denn man wird uns belagern und den Richter Israels mit der Rute auf die Backe schlagen.

Fünftes Kapitel

Der Herrscher aus Davids Geschlecht wird aus Bethlehem kommen

5.1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.
5.2 Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel.
5.3 Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist.

Weiden bedeutet lehren, weil die Kirche im Wort eine Herde heißt; und die Menschen der Kirche Schafe und Lämmer genannt werden, weswegen dann Weiden das Lehren, und der Hirt den Lehrenden bezeichnet.[12]

5.4 Und er wird der Friede sein. Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen,
5.5 die das Land Assur verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit ihren bloßen Waffen. So wird er uns von Assur erretten, wenn es in unser Land fallen und in unsere Grenzen einbrechen wird.
5.6 Und es werden die Übriggebliebenen aus Jakob unter vielen Völkern sein wie Tau vom HERRN, wie Regen aufs Gras, der auf niemand harrt noch auf Menschen wartet.
5.7 Ja, die Übriggebliebenen aus Jakob werden unter den Heiden inmitten vieler Völker sein wie ein Löwe unter den Tieren im Walde, wie ein junger Löwe unter einer Herde Schafe, dem niemand wehren kann, wenn er einbricht, zertritt und zerreißt.
5.8 Denn deine Hand wird siegen gegen alle deine Widersacher, dass alle deine Feinde ausgerottet werden.
5.9 Zur selben Zeit, spricht der HERR, will ich deine Rosse ausrotten und deine Wagen zunichte machen
5.10 und will die Städte deines Landes vernichten und alle deine Festungen zerbrechen.
5.11 Und ich will die Zauberei bei dir ausrotten, dass keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen.
5.12 Ich will deine Götzenbilder und Steinmale aus deiner Mitte ausrotten, dass du nicht mehr anbeten sollst deiner Hände Werk,

Durch die Götzen wird das Falsche der Religion und daher des Gottesdienstes bezeichnet.[13]

5.13 und will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen.
5.14 Und ich will mit Grimm und Zorn Vergeltung üben an allen Völkern, die nicht gehorchen wollen.

Sechstes Kapitel

Der rechte Gottesdienst

6.1 Höret doch, was der HERR sagt: »Mach dich auf, führe deine Sache vor den Bergen und lass die Hügel deine Stimme hören!«

Hier bezeichnen die Berge und Hügel die höllischen Neigungen, welche die Selbstsucht und die Weltliebe sind.[14]

6.2 Höret, ihr Berge, wie der HERR rechten will, und merkt auf, ihr Grundfesten der Erde; denn der HERR will mit seinem Volk rechten und mit Israel ins Gericht gehen!

Die Erde bedeutet hier die Kirche. Durch die Gründung und den Grund derselben wird die Stiftung der Kirche bezeichnet.[15]

6.3 »Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir!
6.4 Habe ich dich doch aus Ägyptenland geführt und aus der Knechtschaft erlöst und vor dir her gesandt Mose, Aaron und Mirjam.
6.5 Mein Volk, denke doch daran, was Balak, der König von Moab, vorhatte und was ihm Bileam, der Sohn Beors, antwortete; wie du hinüberzogst von Schittim bis nach Gilgal, damit ihr erkennt, wie der HERR euch alles Gute getan hat.«
6.6 »Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern?
6.7 Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?«

Unter der Zahl wird im geistigen Sinn die Beziehung auf die Beschaffenheit verstanden. Dies wird hier dadurch beschrieben, dass sie Myriaden von Myriaden, und Tausende von Tausenden waren; denn die Myriade (Unzählige) wird vom Wahren und das Tausend vom Guten gesagt. Dass die Myriade vom Wahren und das Tausend vom Guten gesagt wird, hat seinen Grund darin, dass die Myriade die größere Zahl, und das Tausend die kleinere ist, und das Wahre vielfach, das Gute aber einfach ist, und dass im Wort, wo vom Wahren die Rede ist, auch vom Guten gehandelt wird, wegen der Ehe des Wahren und Guten im Einzelnen des Wortes.[16]

6.8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Gegen Lug und Trug in Jerusalem

6.9 Des HERRN Stimme ruft über die Stadt - wer deinen Namen fürchtet, dem wird's gelingen -: Höret, ihr Stämme und Ratsleute!
6.10 Noch immer bleibt unrecht Gut in des Gottlosen Hause und das verfluchte falsche Maß.
6.11 Oder sollte ich unrechte Waage und falsche Gewichte im Beutel billigen?
6.12 Ihre Reichen tun viel Unrecht, und ihre Einwohner gehen mit Lügen um und haben falsche Zungen in ihrem Halse.

Unter den Reichen werden hier diejenigen verstanden, welche die Erkenntnisse des Wahren und Guten besaßen, weil sie das Wort hatten.[17]

6.13 Darum will auch ich anfangen, dich zu plagen und dich um deiner Sünden willen wüst zu machen.
6.14 Du sollst essen und doch nicht satt werden. Und was du beiseite schaffst, wirst du doch nicht retten; und was du rettest, will ich doch dem Schwert preisgeben.
6.15 Du sollst säen und nicht ernten; du sollst Öl keltern und dich damit nicht salben und Wein keltern und ihn nicht trinken.

Der Wein bezeichnet das Wahre aus dem Guten der Liebe.[18]

6.16 Denn du hieltest dich an die Weisungen Omris und alle Werke des Hauses Ahab und folgtest ihrem Rat. Darum will ich dich zur Wüste machen und ihre Einwohner, dass man sie auspfeifen soll, und ihr sollt die Schmach meines Volks tragen.

Siebtes Kapitel

Klage über die Verderbnis des Volkes

7.1 Ach, es geht mir wie einem, der Obst pflücken will, der im Weinberge Nachlese hält, da man keine Trauben findet zu essen, und ich wollte doch gerne die besten Früchte haben!
7.2 Die frommen Leute sind weg in diesem Lande, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Sie lauern alle auf Blut, ein jeder jagt den andern, dass er ihn fange.
7.3 Ihre Hände sind geschäftig, Böses zu tun. Der Fürst und der Richter fordern Geschenke. Die Gewaltigen reden nach ihrem Mutwillen, um Schaden zu tun, und drehen's, wie sie wollen.
7.4 Der Beste unter ihnen ist wie ein Dornstrauch und der Redlichste wie eine Hecke. Aber es kommt der Tag, den deine Späher geschaut haben, da sollst du heimgesucht werden; da werden sie nicht wissen, wo aus noch ein.
7.5 Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf einen Freund! Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft!
7.6 Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter widersetzt sich der Mutter, die Schwiegertochter ist wider die Schwiegermutter; und des Menschen Feinde sind seine eigenen Hausgenossen.
7.7 Ich aber will auf den HERRN schauen und harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören.

Die Hoffnung der Gemeinde auf Gottes Gnade

7.8 Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Wenn ich auch daniederliege, so werde ich wieder aufstehen; und wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht.
7.9 Ich will des HERRN Zorn tragen - denn ich habe wider ihn gesündigt -, bis er meine Sache führe und mir Recht schaffe. Er wird mich ans Licht bringen, dass ich seine Gnade schaue.
7.10 Meine Feindin wird's sehen müssen und in Schande dastehen, die jetzt zu mir sagt: Wo ist der HERR, dein Gott? Meine Augen werden's sehen, dass sie dann wie Dreck auf der Gasse zertreten wird.
7.11 Es kommt der Tag, da werden deine Mauern gebaut werden, da wird weit werden deine Grenze,
7.12 da werden sie von Assur und von den Städten Ägyptens zu dir kommen, von Ägypten bis an den Euphrat, von einem Meer zum andern, von einem Gebirge zum andern.
7.13 Denn die Erde wird wüst sein ihrer Bewohner wegen, um der Frucht ihrer Werke willen.
7.14 Du aber weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbteils, die da einsam wohnt im Walde, mitten im fruchtbaren Lande; lass sie in Baschan und Gilead weiden wie vor alters!

Durch den Stab wird die Macht bezeichnet.[19]

Weiden bedeutet lehren, weil die Kirche im Wort eine Herde heißt; und die Menschen der Kirche Schafe und Lämmer genannt werden, weswegen dann Weiden das Lehren, und der Hirt den Lehrenden bezeichnet.[20]

7.15 Lass uns Wunder sehen wie zur Zeit, als du aus Ägyptenland zogst,
7.16 dass die Heiden es sehen und aller ihrer Macht sich schämen sollen und die Hand auf ihren Mund legen und ihre Ohren zuhalten.
7.17 Sie sollen Staub lecken wie die Schlangen, und wie das Gewürm auf Erden sollen sie zitternd hervorkommen aus ihren Burgen. Sie werden sich fürchten vor dem HERRN, unserm Gott, und vor dir sich entsetzen.

Die Schlangen bezeichnen hier das von bösen Trieben abhängende Sinnliche.[21]

7.18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig!
7.19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
7.20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 459
  2. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 47
  3. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 543
  4. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 137
  5. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 328
  6. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 434
  7. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 8
  8. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 312
  9. Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.420226.6-7
  10. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 270
  11. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 206
  12. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 383
  13. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 459
  14. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 336
  15. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 589
  16. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 287
  17. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 206
  18. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 316
  19. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 485
  20. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 383
  21. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 455