Traurigkeit
Die Traurigkeit und Trauer ist im Grunde nur ein Schmerz über den Verlust einer Person oder eines Gegenstandes. So manche Trauer ist nicht selten nur ein Same für einen bald daraus erwachsenden Zorn, bis hin zur verzweifelten Raserei und Rache. So die Trauernden die effektive Ursache ihres leidenden Zustands ergreifen können und die entsprechende Macht haben, da dürfte es dem Gegenstand, welcher der Grund für die Trauer war, schlecht ergehen.[1]
Trauer
Die Trauer ist keine Tugend und wohnt näher der Eigenliebe denn Gott. Wäre sie eine Tugend, so müssten die Menschen um jeden hingeschiedenen Bruder und jede hingeschiedene Schwester gleich trauern, da Gott doch allen Ein und Derselbe Vater ist. Der meisten Menschen Traurigkeit um die Hingeschiedenen ist zumeist eine Gewohnheits-Traurigkeit, darum sie dann auch um die zumeist trauern, an die sich ihr Herz auch am allermeisten schon von Jugend auf gewöhnt hatte. Es ist aber jede alte Gewohnheit schmerzlich für den, der sie verlassen muss; daher auch die des Herzens betreffende.[2]
Der Schmerz um die heimgeschiedenen nahen Verwandten ist in der Ordnung gegründet. Allerdings wäre ein Freudenschmerz besser denn ein undankbarer Trauerschmerz; denn der Trauerschmerz gleicht fast jenem Neidschmerz der gerechten Kinder des Vaters, darum er überfreudig dem wieder zu Ihm nach Hause gekehrten verlorenen Sohn ein großes Freudenmahl bereitete, siehe dazu Luk 15.11-32.[3]
Niemand fehlt, der da trauert, doch wer Gott recht erkannt hat in seinem Herzen, der wird nimmerdar trauern.[4] Wer Gott wahrhaft liebt, hat wenig Grund zum Trauern, denn er hat in Gott alles, und kann nichts verlieren, was ihm einen Schmerz bereiten sollte.[5]
Die Kinder Israels stellten die Trauer durch Verschiedenes vor, das vermöge der Korrespondenzen bezeichnend war: Asche über das Haupt streuen, sich im Staub wälzen, lange stillschweigend auf der Erde sitzen, sich scheren, klagen und heulen, die eigenen Kleider zerreißen und auch sich in Säcke hüllen usw. Jedes einzelne bezeichnet etwas Böses in der Kirche bei ihnen, wegen dessen sie gestraft wurden; und wenn sie gestraft wurden, so stellten sie durch dergleichen die Buße vor, und wegen dieser Vorbildung der Buße und zugleich dann der Selbstdemütigung wurden sie erhört.[6]
Traurigkeit
Ein trauriger Mensch ist stets ein beleidigtes Wesen, und dieses Wesen ist für nichts aufnahmefähig.[7]
Eine traurige Seele schrumpft zusammen und wird am Ende ganz finster und mürrisch. Durch frohe und heitere Mitmenschen kann sie besser gestimmt werden. Gott ist die Heiterkeit des Herzens angenehm, da ein solches Herz Liebe birgt, jedoch ein trauriges, mürrisches, klagendes und unzufriedenes Herz fasst wenig Liebe.[8]
Es gibt Geister, die noch nicht fest mit der Hölle verbunden sind. Sie lieben Unverdautes und Bösartiges, wie die in Zersetzung übergehenden Speisen im Magen. Weil diese ihnen angenehm sind, halten sie sich beim Menschen dort auf wo sie dergleichen finden und unterhalten sich dort aus ihren bösen Neigungen heraus. Die Stimmung ihrer Rede fließt von daher beim Menschen ein (siehe Einfluß der Geisterwelt auf den Menschen), und wenn sie ihm zuwider ist, verursacht sie dem Menschen Traurigkeit und melancholische Beängstigung, sagt sie ihm aber zu, so wird er fröhlich und heiter. Hier liegt die Ursache für die Beängstigung des Gemüts. Werden diese Geister verjagt, dann hört auch die Bangigkeit auf, entsprechend ihrer Entfernung.[9]
Gott allein gibt Traurigkeit und Freude, da Er ein Herr ist in aller Herzen und was in ihnen ist.[10]
Wer Gott wahrhaft kennt und liebt, der kann selbst in den bittersten irdischen Momenten nie gar zu traurig werden; denn es müssen ihn doch schon viele der augenfälligsten Beweise überzeugt haben, dass Gott den, der stets und lebendig wahr in seiner Liebe sich an Ihn um was immer für ihn wahrhaft Gutes und Nützliches gewendet hat, noch nie unbefriedigt und ungesegnet gelassen hat.[11]
Gott und die Traurigkeit
Es gibt Tausende von Menschen, welche in ihrer eitlen Trauer sogar Gott auf abscheulichste Weise geflucht haben. Daher hat Christus die Trauer nie gutgeheißen, außer einer Trauer über den eigenen Zustand, wenn dieser wider die Ordnung Gottes ist, also eine wahrhaftige Reue des Herzens, aufgrund einer natürlichen großen Liebe zum Herrn, oder der Trauernde muss trauern in aller Sanftmut des Herzens. Aus der Bibel lässt sich erfahren, dass viele Frauen bei der Kreuzigung des Herrn dem schwer misshandelten Heiland der Welt gefolgt sind und Ihn beweint und betrauert haben. Er aber hat ihre Traurigkeit nicht gutgeheißen, sondern verwies sie ihnen und gab ihnen zu verstehen, dass sie lieber über sich, also über ihre Sünden, und über ihre Kinder weinen sollten.[12]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.76.1-3; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 206.11
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.411208.12-13
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.411208.11
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.411208.14
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.76.3; Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470516.1
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 492
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 206.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 4.167.15
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 299
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.481202a.1
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.560917.4
- ↑ Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.76.2-3