Aberglaube
Aberglaube oder Irrglaube ist ein irdisches Übel, die Folge des Leichtglaubens, das durch die Trägheit der Menschen bei der Suche nach Gott entsteht, die eine Frucht der Welt- und Selbstliebe ist. Der träge Mensch möchte sich das Streben nach dem geistigen Reich so bequem als möglich machen, wodurch er auf Betrüger hereinfällt, die ihm versprechen, das Selbstsuchen für ein Opfer abzunehmen, wobei sie falsche Wunder und Zeichen tun. Dadurch entstehen dann viele Arten des Aberglaubens, Lügen, Betrug und völlige Lieblosigkeit und mit ihr alles Unheil auf der Erde unter den Menschen.[1]
Wesen
Ist der Glaube ein falscher (=beruht auf einer Lüge), dann kann man noch so ungezweifelt fest glauben, und der Glaube wird keine Wirkung haben, weil er keinen festen Grund hat, auf dem sich ein Haus bauen ließe.[2]
Ist der Glaube falsch, so ist auch die Liebe falsch und ihre Ordnung so gut wie keine. Wenn jemand allerdings (unschuldig) einen falschen Glauben überkommt aus einer falschen Lehre, dessen Glaube ist dann auch ohne Falsch und er wird die Gnade Gottes finden. Aber wehe dem Lehrer falscher Lehre, denn er ist ein Täter des Übels und ein Störer der göttlichen Ordnung. (nach Paulus)[3]
Der Satan bedient sich der äußeren Zwangsmittel, um den bösen Aberglauben aufrechtzuerhalten. Der böse Aberglaube hat sich noch allzeit mit Feuer, Schwert und Blutvergießen den Weg und Eingang in die Welt verschafft. (nach Engeln)[4]
Omen
Abergläubische Visionen (Omen) sind aus dem Heidentum und Judentum eingebrachte, höchst dumme und abergläubische Annahmen, wonach gewisse, natürliche Erscheinungen prophetischen Zusammenhang haben sollen. Daraus gehen die größten Albernheiten und Bosheiten hervor. Solche Zeichendeuter wollen die Zukunft kennen, erkennen aber nicht einmal die Zeichen der Zeit vor ihren Augen.[5]
Wer beim reinen Glauben bleibt, der darf bitten, und es wird ihm gegeben werden, um was er gebeten hat, und möchten auch die durch Erfahrung bestätigten bösesten Zeichen der Erde und der Luft das genaue Gegenteil anzeigen; wer sich aber auf die Zeichen verlässt, dem soll auch nach den Zeichen werden, d.h. er wird verdammt werden. Der Mensch bitte Gott, der allein alles vermag, ob nun die Zeichen so oder so stehen.[6]
Bauernkalender und Lostage
Es gibt Kalender (Bauernkalender), die auf lächerlichste Weise die Witterung auf jeden Tag vorausbestimmen. Sie sind nichts als Betrug, Erfindungen der übergroßen Dummheit der Menschen, obwohl die Sache einen realen Hintergrund hat, siehe dazu Wirkungen der Sterne.[7] Dazu gehören auch die Lostage, die vielmehr Festtage, Sauftage usw. - kurz: Lumpentage sind. Lichtmess, 40 Märtyrer, Margareta, Portiunkula und Medari.[8] Die Folgen solcher Betrügerei sind, dass der Glauben von Gott abgelenkt und zum dummen Kalender geleitet wird. Die abergläubischen Menschen meinen dann, selbst Gott könne das Wetter, wie es im Kalender steht, nicht ändern.[9] Die Menschen fangen an, die Kalendermacher für eine Art Halbgötter, Zauberer oder wenigstens Schwarzkünstler zu halten, die mit gewissen Teufeln und Hexen in Verbindung stünden, die ihnen das Wetter vorhersagen, wofür sie ihnen ihre Seele verschrieben haben. Die Folge sind dann Narrheiten, durch die schlechtes Wetter abgewendet werden soll, wie z.B. die Wettermessen, Wetterläuten, Feldersegen, Wetterkreuze usw. - man begegnet dem Wetter, das man für Hexenwerk hält, mit antihexischen Mitteln. So wird die Menschheit anstatt zum Licht, in die Finsternis getrieben. Die in ihrem Herzen noch bessere Menschlichkeit wird so von dem Vertrauen auf Gott gänzlich abgeleitet und setzt all ihr Vertrauen am Ende auf die Kalender, die Wettermessen, das Wetterläuten usw. Das ist eine Wirkung der Hölle, welche auf diese Weise ganze Völker in den schändlichsten Besitz nimmt und diese nicht selten zu den schändlichsten Ausartungen gegen ihre armen, unschuldigen Brüder verleitet.[10]
Wenn Wettervorhersagen aus uralten Erfahrungen auf einer rein wissenschaftlich berechenbaren Basis ruhen, kann man darauf halten. Andernfalls ist solches eine Sünde, weil der Mensch dabei einen zweiten Glauben, der den reinen Glauben an die alleinige göttliche Vorsehung schwächt, annimmt und am Ende mehr an die Zeichen als an den allein wahren, allmächtigen Gott glaubt.[11]
Glücks- und Unglückszeichen
Eine weitere Art abergläubischer Visionen sind die Glücks- und Unglückszeichen, z.B. es sei ein günstiges Zeichen, wenn man beim Verlassen des Hauses einem Mann begegnet, und ein ungünstiges Zeichen, wenn man einer Frau begegnet. Die Folge ist dann, dass völlig unschuldige Frauen im Stillen oder sogar laut verflucht werden. Ähnliches im Falle von Katzen, Hasen und anderen ganz unschuldigen Tieren. Solche Narrheiten sind eine Krankheit der Seele, die von den bösen Geistern, die dem Heidentum entstammen, aber nicht für die Hölle reif sind, und daher auf der Erdoberfläche bleiben dürfen, um zur rechten Erkenntnis zu gelangen und bessere Wesen zu werden, verursacht werden. Sie gesellen sich zu allerlei Menschen, kleben sich an ihr Fleisch und wirken mit ihrem Heidentum in die Wurzeln der Seele, wo sie mit dem Leib zusammenhängt, wodurch dann die Seele zu derlei Annahmen gelangt. Viele Menschen sehen den Unsinn zwar ein, glauben bei sich aber dennoch daran. Bei einem ordentlichen Christen sollte solches nie anzutreffen sein, da es nie zu etwas Gutem, sondern nur zu Schlechtem führen kann. Solcher Aberglaube sollte sorgfältigst vermieden werden.[12]
Weitere Torheiten sind die gewissen Kaffeesudlesereien, um die Zukunft zu erforschen. Dazu wird von den albernen Menschen z.B. Blei oder ein frisches Ei ins Wasser gegeben, mit gewissen Wünschelruten ein verborgener Schatz gesucht, Gold in Gläser gehängt usw. Diese Dinge, wonach ein totes Metall mehr Einsicht habe als man selbst, sind selbst für dumme Menschen eine Schande. Glücklicherweise ist solches mehr Spielerei als wirklicher Aberglaube.[13]
Kartenlegen
siehe Kartenlegen
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 9.19.9-10; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 5.214.3-4; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 9.210.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 5.177.3
- ↑ Jakob Lorber, Robert Blum 1.81.26-27
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.59.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 68.1; Jakob Lorber, Die Erde 68.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.65.16-17
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 22.3-4; Jakob Lorber, Die Erde 68.3; Jakob Lorber, Die Erde 68.6; Jakob Lorber, Die Erde 68.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 68.3-5
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 68.10
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 68.11-12; Jakob Lorber, Die Erde 68.14-19
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.65.14-15
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 69.1-7
- ↑ Jakob Lorber, Die Erde 69.8-11