Protestanten

Wesen
Der bloße Glaube macht die Herzen derer, die in der protestantischen Kirche sind, dumm, widerspenstig und hart. Dies ergibt sich daraus, dass, wo der bloße Glaube ist, die Religion nicht in des Gute des Lebens gesetzt wird, und wenn man das Gute des Lebens nicht zur Religion macht, die zweite Tafel der Zehn Gebote, welche die Tafel der Buße ist, einer leeren Tafel gleicht, auf welcher nichts Geschriebenes erscheint.[1] Die das Wohlleben lieben und sich von den Reizen ihrer Begierlichkeit fortreißen lassen, sind begeistert davon, dass sie durch einige Wörter, im Ton des Vertrauens ausgesprochen, selig werden können und nicht nötig haben, um Gottes willen irgendworin auf ihr Leben Achtung zu geben, sondern bloß um der Welt willen.[2]
Die keine Lehre der Liebtätigkeit und des Lebens, sondern eine Lehre des bloßen Glaubens haben, machen sich aus keiner bösen Begierde und aus keiner Sünde ein Gewissen.[3] Protestanten ist ein gewisses Sträuben, eine Abneigung und ein Widerwille gegen die tätige Buße eigen, welcher so groß ist, dass sie sich nicht dazu bringen können, sich zu prüfen, ihre Sünden zu suchen und sie vor Gott zu bekennen; es ist, als ob sie ein Schauern überfiele, wenn sie es tun wollen. Der bloße Glaube hat sie in einen solchen Zustand der Unbußfertigkeit gebracht und ihnen ein solches Herz gegeben. Die sich wegen der Lehre vom bloßen Glauben nicht prüfen und infolgedessen irgendein Böses als Sünde wider Gott fliehen, sind die, zu denen der Herr sagt: "Dann werdet ihr anheben zu sagen: Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und auf unseren Gassen hast Du gelehrt. Er aber wird sprechen: Ich sage euch, Ich kenne euch nicht, woher ihr seid: weichet alle von Mir, ihr Übeltäter!" Luk 13.26-27 [4]
Geistliche und Gelehrte
Vor den Engeln im Himmel stehen jene, die sich in der Rechtfertigung und Seligmachung durch den bloßen Glauben bestärkt haben, die ihn ihren eigenen und daher auch vieler Anderen Augen als Gelehrte erscheinen, als solche da, welche hinsichtlich himmlischer und kirchlicher Dinge des Verstandes beraubt sind. Die sich in jenem Glauben bis auf ihr Inneres bestärken, verschließen das obere Gebiet des Verstandes schließlich so sehr, dass sie nichts geistig Wahres mehr im Licht sehen können, weil die Bestätigung des Falschen eine Leugnung des Wahren ist. Hören sie etwas geistig Wahres, so halten sie ihren Geist im Falschen fest und verdecken dann entweder das gehörte Wahre mit Falschem, oder verwerfen es als bloßen Schall, oder gähnen dabei, oder wenden sich ab, und dies umso mehr, je mehr sie infolge ihrer Gelehrsamkeit dünkelhaft sind. Das Wort ist ihnen daher verborgen wie das mit sieben Siegeln versiegelte Buch.[5]
Die im Inneren der Lehre vom bloßen Glauben sind (Anm.: die sog. Gelehrten), bekämpfen und verwerfen zwei wesentliche Punkte: (1.) Dass der Herr Selbst der Gott des Himmels und der Erde sei, und (2.) dass eine Verbindung mit Ihm geschehe durch ein den Zehn Gebotes gemäßes Leben. Sie tun dies, weil sie sich in den zwei Gegensätzen derselben bestärkt haben, (1.) dass man sich nicht an den Herrn, sondern an Gott den Vater wenden müsse, und (2.) dass ein den Zehn Geboten gemäßes Leben nicht ein geistig gutes Leben, sondern bloß ein bürgerlich und moralisch gutes Leben sei, und dies begründen sie, damit niemand glaube, dass man durch die Werke selig werde, sondern allein durch ihren Glauben. Alle jene, welche auf niederen und hohen Schulen diese Dogmen ihren Gemütern tief eingeprägt haben, gehen nachher nicht mehr davon ab, und dies aus drei Ursachen:
- Weil sie in ihrem Geist nach in der Geisterwelt mit Ähnlichen in eine Gemeinschaft getreten sind, in welcher die meisten Satane sind, die sich einzig am Falschen ergötzen und von welchen sie nicht los werden können, wenn sie jenes Falsche nicht verwerfen, was aber auch nicht geschehen kann, wenn sie sich nicht unmittelbar an Gott den Heiland wenden und ein christliches Leben nach den Zehn Geboten anfangen.
- Weil sie glauben, es gebe eine augenblickliche Sündenvergebung und Seligmachung im Akt des Glaubens und hernach im Zustand oder im Fortschreiten durch eben denselben Akt, sofern er durch den Heiligen Geist fortgesetzt, erhalten und festgehalten wird, getrennt von den Übungen der Nächstenliebe. Die dies einmal eingesogen haben, achten nachher die Sünden für nichts vor Gott und leben so in ihren Unreinheiten fort.
- Weil jene, welche sich das Innere dieses Glaubens, das man die Geheimnisse der Rechtfertigung nennt, in ihrer Jugend angeeignet haben, nachher wenn sie zu ansehnlichen geistlichen Ämtern gelangt sind, bei sich nicht mehr an Gott und den Himmel, sondern an sich und die Welt zu denken, indem sie die Geheimnisse des Glaubens nur um ihres Rufes willen beibehalten, damit sie als Weise verehrt und um ihrer Weisheit willen für würdig gehalten werden, mit zeitlichen Gütern belohnt zu werden. Dass dies die Wirkung jenes Glaubens ist, kommt daher, weil keine Religion in ihm ist.[6]
Die meisten Geistlichen, die um des Ansehens und Gewinnes willen den Ruf der Gelehrsamkeit anstreben, widmen sich der Lehre von der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben mit einem derartigen Eifer, dass diese Lehre jedes Teilchen ihres Gemüts erfüllt und besetzt hält. Und weil sie von dieser Lehre wie berauscht sind, so sehen sie auch nicht das Wesentliche der Kirche, nämlich dass Jehova Gott Selbst herabstieg und Menschliches annahm, obwohl doch einzig und allein durch diese Vereinigung dem Menschen die Verbindung mit Gott und so das Heil ermöglicht wurde. Das Heil hängt von der Erkenntnis und Anerkennung Gottes ab. Sie beten zu Gott dem Vater um des Sohnes willen, und nicht zum Heiland selbst, denn Jesus bedeutet Heiland. Sie sind nicht davon überzeugt, dass Christus sowohl Seinem Göttlichen als Seinem Menschlichen nach der Gott des Himmels und der Erde ist, auch wenn sie etwas darüber aus dem Verstand in ihren Gedanken haben.[7]
Die daran gearbeitet haben, den bloßen Glauben bis auf die Geheimnisse der Rechtfertigung und Seligmachung durch denselben zu befestigen, können nichts Wahres und Gutes des Glaubens, noch den Trieb und das Innewerden derselben wegnehmen, außer bei solchen, welche nicht im Glauben der Liebtätigkeit sind. Das ist deswegen so, weil außer dem geistigen Oberen, der diese Lehre lehrt und predigt, kaum einer jene Dinge fasst. Dem Laien gehen sie beim einen Ohr hinein und beim anderen wieder hinaus. Selbst der Geheimnisprediger musste die ganze Kraft seines Geistes darauf verwenden, sie in seiner Jugend zu erlernen und danach im späteren Alter zu behalten, und dass er sich ihretwegen für vorzüglich gelehrt hält. Der Glaube, der durch sich allein rechtfertigen soll, ist ein Glaube der Geistlichen, und nicht der Laien außer solchen, die in Sicherheit dahin leben. Diese nehmen aus den Geheimnissen derselben bloß das heraus, dass der bloße Glaube selig mache, dass sie das Gute nicht aus sich tun können, auch das Gesetz nicht zu erfüllen imstande seien, und dass Christus dafür gelitten habe, und noch einige wenige allgemeine, diesen ähnliche Sätze.[8]
Jenseits
Die die Rechtfertigung durch den Glauben allein aus dem Wort begründen, werden jenseits in eine Wüste ausgewiesen, in der sie bis ans äußerste Ende der christlichen Welt schweifen und sich mit den Heiden vermengen. Die die Rechtfertigung durch den Glauben allein begründen, befinden sich in der Gegend jenes Abgrundes, von dem in Off 9.1-11 die Rede ist, in den sie fallen. Sie werden von den Engeln Nachteulen, Fledermäuse, oder auch Heuschrecken genannt. Jener in der Offenbarung genannte Brunnen gleicht einer Ofenöffnung, erscheint in der mittäglichen Gegend, und der Abgrund unterhalb desselben dehnt sich weit gegen Morgen aus. Sie haben innen Licht, wird aber Licht aus dem Himmel eingelassen, so entsteht Finsternis bei ihnen, weshalb jener Brunnen oben verschlossen ist. Es gibt dort wie mit Ziegeln getäfelte Häuser, welche in kleine Zellen abgeteilt sind. In jeder Zelle befindet sich ein Tisch, darauf Papier und einige Bücher. Hier sitzt nun an seinem Tisch jeder, der in der Welt die Rechtfertigung und Seligmachung durch den bloßen Glauben begründet, und die Nächstenliebe zu einer bloß natürlich moralischen Handlung gemacht hatte, und der jene, welche die Werke der Nächstenliebe der Seligkeit wegen getan hatten, verdammt hatte. Alle in diesem Abgrund waren in der Welt Gelehrte, einige Metaphysiker und Scholastiker. Da sie schließlich nicht umhin können, das Wort zu verfälschen, so verschwinden ihre Häuser, und sie erblicken sich dann in einer Wüste. Es gibt auch einen Abgrund unterhalb jenes Abgrundes. In diesem befinden sich jene, welche auf gleiche Weise die Rechtfertigung und Seligmachung durch den bloßen Glauben begründet, bei sich selbst aber in ihrem Geist Gott geleugnet, und in ihrem Herzen zu dem Heiligen der Kirche gelacht hatten. Hier tun sie nichts, als zanken, ihre Kleider zerreißen, auf die Tische steigen, hinten ausschlagen, einander schelten, und weil man hier niemanden am Leib Übles zufügen darf, mit den Mund und mit den Fäusten drohen. Alles ist dort unrein und schmutzig.[9]
Jene Gelehrten von der Geistlichkeit, welche die Geheimlehren der Rechtfertigung auf niederen und höheren Schulen eingesogen haben, besonders diejenigen, welche deshalb im Dünkel der Gelehrsamkeit sind und alle verdammt haben, welche nicht denken wie sie, sind in der geistigen Welt so sehr erbittert gegen diejenigen, welche den Herrn allein anbeten und den bloßen Glauben nicht für das einzige Heilmittel anerkennen, dass sie in grimmigen Zorn geraten und in Wut ausbrechen, sobald sie dieselben sehen, und sobald sie von Ferne die göttliche Sphäre des Herrn und die Sphäre der Liebetätigkeit um dieselben her empfinden.[10]
Die das Ganze der Religion bloß in den nackten Glauben setzen, und außer ihm und dem feierlichen Gottesdienst in nichts, und daher dann auch leben, wie es sie gelüstet, halten sich in der mitternächtlichen Gegend in mit Kalk übertünchten Hütten aus Binsen und Schilf auf. Der Boden dieser zerstreut umher liegenden Hütten bildet die bloße Erde. Die Scharfsinnigeren, welche jenen Glaubens mittels ihres natürlichen Lichtes durch Schlüsse befestigen, und beweisen können, dass er nichts mit dem Leben gemein habe, wohnen mehr nach vorne zu, die Einfältigeren hinter diesen, und die Blödsinnigeren gegen die Abendseite dieser Gegend. Ihre Anzahl ist unglaublich groß. Sie werden von Engelsgeistern unterrichtet. Jene, welche die Wahrheiten des Glaubens nicht aufnehmen, noch nach ihnen leben, werden in die Hölle, die unter ihnen ist, hinabgelassen und eingekerkert.[11]
Die nicht geistig tot sind, aber den bloßen Glauben zum Hauptpunkt ihrer Religion machen, halten sich jenseits in der mitternächtlichen Gegend gegen Abend zu auf. Einige haben Hütten mit Dächern, einige dergleichen ohne Dächer. Ihre Bettstellen sind von Binsen, ihre Kleider von Bockshaaren. In dem vom Himmel einfließenden Licht erscheint auf ihren Angesichtern bleifarbige Blässe und auch Dummheit, und dies darum, weil sie von der Religion sonst nichts wissen, als dass ein Gott sei, dass drei Personen seien, dass Christus am Kreuz für sie gelitten habe, dass sie durch den bloßen Glauben selige werden, und außer ihm nichts bedürften, als den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen und zu bestimmten Zeiten zu beten. Mit dem Übrigen, das zur Religion und deren Lehre gehört, befassen sie sind nicht, denn das Weltliche und Fleischliche, von dem ihre Gemüter erfüllt und überfüllt sind, verschließt ihre Ohren dafür. Es ist kaum zu glauben in welcher Unwissenheit und Dummheit sich jene befinden, welche einmal den bloßen Glauben umfasst und ihn zum Ganzen ihrer Religion gemacht haben.[12]
Zu huren bedeutet im Wort auch das Wort schänden und verfälschen - die Schändung des Guten und die Verfälschung des Wahren. Dies kommt daher, weil im Einzelnen des Wortes eine Ehe des Guten und Wahren ist, und diese Ehe zerrissen wird, wenn man das Gute vom Wahren trennt und wegnimmt. Dies ist ein geistiges Huren, daher werden auch alle die, welche durch die eigene Vernunft das Wort verfälscht haben, nach dem Tod, wenn sie in die geistige Welt kommen, Hurer. Die sich im bloßen Glauben bis zur Ausschließung der Werke der Liebtätigkeit bestärkt haben, sind in der Begierde des Ehebruchs zwischen Sohn und Mutter.[13] Wie es jenseits jenen ergeht, welche sich im bloßen Glauben bis zur Rechtfertigung sowohl der Lehre als dem Leben nach bestärkt haben, wird in Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 153 ausführlich beschrieben.
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 461
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 500
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 132
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 531
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 421
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 499; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 500
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 98; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 294
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 426
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 113i; Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 162b; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 421
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 603
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 442
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 456
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 134