Tullia
Tullia war die blind geborene und durch ein Schiffsunglück verwaiste Tochter eines mächtigen Patriziers, die von Joseph adoptiert wurde.[1]
Geschichte
Tullia war eine in Rom blind geborene Tochter eines mächtigen Patriziers namens Victor Aurelius Dexter Latii, eines Bruders der Mutter von Cyrenius. Als sie zehn Jahre und sieben Monate alt war, riet ein Priester ihren Eltern, sie nach Delphi zu bringen, damit sie durch die Erbarmung des Apollo das Augenlicht bekäme. Die Eltern waren sehr reich und liebten sie als ihre einzige Tochter überaus. Sie befolgten also den Rat und mieteten ein Schiff. Nach kaum drei Tagen auf dem Meer aber kam ein Sturm auf und trieb das Schiff in die Gegend von Ostracine, wo es auf die Klippen geschleudert wurde. Nur Tullia und ein Matrose, der sie gerettet hatte, überlebten. Es fand sich keine Gelegenheit, Tullia wieder in ihre Vaterstadt zu bringen. Der Matrose starb nach einigen Jahren und Tullia wurde zu einer verwaisten Bettlerin, die trotz ihres jugendlichen Alters von kaum zwanzig Jahren wie eine alte Frau aussah. (nach Tullia und Cyrenius)[2]
Heilung und Aufnahme von Joseph
Als Joseph mit seiner Familie und dem Jesuskind in Ostracine weilte, kam Tullia in das Zimmer von Maria und klagte viel über ihr Elend. Sie berichtete ihr von einem Traum, in dem sie sah, dass Maria ein mächtig leuchtendes Kind habe, welches sie badete, woraufhin das Wasser voll leuchtender Sterne war. Das verwunderte Tullia, denn sie war ja blind. Maria sagte dann im Traum zu ihr, sie solle sich mit dem Wasser die Augen waschen, worauf sie dann sehend würde, was Tullia auch tat, aber dann doch blind erwachte. Am Morgen darauf wies jemand (Anm.: vermutlich ein Engel) Tullia an, Maria und das Kind aufzufinden. (nach Tullia)[3] Tullia tat wie befohlen und gelangte gerade in dem Moment bei Maria an, als diese das Jesuskind gebadet hatte. Maria reichte Tullia das Badewasser, diese wusch sich das Gesicht damit und war im Augenblick sehend. Tullia wusste sich vor lauter Dank nicht zu helfen und wollte das Geschehen sogleich in Ostracine bekanntmachen, was ihr Maria aber nachdrücklich verbot.[4] Daraufhin bat Tullia, ob sie nicht eine Zeitlang im Haus als Dienerin bleiben konnte, was Joseph bewilligte. Dies machte die arme Waise ganz glücklich.[5]
Nachdem Joseph und seine Familie vom Schicksal der Tullia erfahren hatten, und dass sie trotzdem sie wie eine alte Frau aussah, doch noch so jung war, adoptierte Joseph die Tullia als seine Tochter.[6] Nachdem sie gereinigt und mit neuen Kleidern versehen worden war, sah man ein liebes, schüchternes und überaus dankbares Mädchen, in dessen Gesicht nur noch die Spuren der ehemaligen Traurigkeit zu sehen waren. Sie war ihren Zügen nach von großer Schönheit, und in ihren Augen lag tiefe Demut, aber auch tiefe Liebe. Sie wurde von Joseph und seinen Söhnen mit viel Freude aufgenommen und auch das Jesuskind nahm sie an.[7]
Tullia erkannte und bekannte das Jesuskind kraft ihres Herzens als ihren Heiland, worauf ihr das Kind gebot, dieses Glaubensbekenntnis geheim zu halten, denn der Feind alles Lebens spitzte seine Ohren gerade in dieser Zeit und würde Tullia auf ewig töten, wenn sie das Jesuskind verriet. Tullia gelobte daraufhin allerkräftigst davon zu schweigen.[8] Tullia erkannte im Jesuskind die höchste Gottheit Selbst, den Herrn des Himmels und der Erde von Ewigkeit.[9]
Ehe mit Cyrenius
Tullia wurde die Frau von Cyrenius, siehe Vermählung mit Cyrenius. So war sie nun als eine vormals blinde Bettlerin durch das lebendige Wasser des Herrn sehen gemacht und dann eine erste Frau im großen Reich der Heiden. Als Cyrenius verkündete, das Jesuskind mehr zu lieben sogar als seine Ehefrau, da wurde sie eifersüchtig und fand den Tod, denn dies war eine grobe Sünde. Das Jesuskind erweckte sie jedoch wieder.[10]
Vernachlässigung des Jesuskindes
Das Jesuskind beklagte sich bei Tullia und tadelte sie, von ihr vernachlässigt zu werden. Sie mochte Seiner nicht gedenken, obwohl sie von Ihm das Leben und großes Glück erhalten hatte. Es gab ihr Licht, sie aber erkannte Es nicht. Es gab ihr einen Mann aus den Himmeln, sie aber wollte an ihm Seinen Liebeteil für sich nehmen. Sie nahm die Huldigungen der Welt an und achtete nicht des Jesuskindes. Das Jesuskind verkündete darauf, nicht weiter vor der Tür der Tullia zu betteln und verließ unmittelbar nach dieser Ermahnung mit Jakob das Haus, worauf die Tullia bitterlich weinend anfing, sich selbst zu bemitleiden und mit dem Herrn zu hadern.[11]
Maria tröstete Tullia und wies sie darauf hin, dass es die Art des Herrn sei, jene die Er liebt, recht starken Prüfungen auszusetzen. Sie solle ihre Liebe zu Ihm neu erwecken und Er würde sie dann wieder von neuem in Seine Gnade aufnehmen. Dies flößte Tullia wieder Mut ein, und sie fing an, über sich nachzudenken, und fand bald eine Menge Fehler in sich. Wie aber könnte sie es wagen, mit ihrem höchst unreinen Herzen den Heiligen aller Heiligkeit zu lieben? Da ließ sie Maria wissen, dass sie den Herrn eben darum lieben solle in ihrer reuigen Schulderkenntnis, denn solche Liebe allein würde ihr Herz reinigen vor Ihm.[12]
Als das Jesuskind wieder ins Haus zurückkehrte, verlangte Es etwas zu essen und bekam von Maria ein Butterbrot mit Honig. Darauf wollte es noch eine andere Speise, nämlich das Herz der Tullia, welches Maria schon zubereitet hatte. Hier fiel Tullia vor dem Herrn nieder und weinte. Maria bat darauf den Herrn, der leidenden Tullia zu vergeben, worauf das Jesuskind sagte, Es habe Sich ihrer schon lange erbarmt, ansonsten Es sie nicht wieder auferweckt hätte. Nachdem Tullia nun nach dem Hadern ihr Herz wieder zu Ihm gewendet habe, habe Es ihr getan wie den Niniviten. Nach diesen Worten wollte das Jesuskind wie früher in die weichen Arme der Tullia, was dieser völlig das Herz brach. Mit höchster Liebe nahm sie das Kind weinend in die Arme, wodurch alle zu Tränen gerührt wurden.[13]
Familie
Mann: Cyrenius
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 95.10-19; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 96.3
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 95.10-19; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 101.18-21
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 93.9-17
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 93.9; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 93.18-20
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 94.1; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 95.1-8
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 95.21; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 96.1-3
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 97.10-18
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 98
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 103.17-22
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 188.10-16; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 198.23-26; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 206.22
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 204.49-58; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 205.1-6
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 205.7-20
- ↑ Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 205.21-33