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Ewiges Leben

Aus Prophetia
(Weitergeleitet von Unsterblichkeit)
"Fountain of Eternal Life" in Cleveland, Ohio

Das ewige Leben ist die Gottesliebe im Herzen,[1] das Reich Gottes;[2] es besteht darin, Gott allzeit zu erkennen und über alles zu lieben, denn aus der Liebe des heiligen Vaters sind wir aus Ihm hervorgegangen und können daher nur wieder durch die Liebe zu Ihm gelangen,[3] d.h. das ewige Leben in Gott ist allein im Vater.[4] Die Auferstehung zum ewigen Leben ist die geistige Wiedergeburt, der jüngste Tag,[5] die Geistestaufe.[6]

Wesen

Das allereigentlichste Leben ewig und unendlich ist Gott und Jesus Selbst und kann daher sogar der höchste und tiefsinnigste Cherub nie (völlig) begreifen und erschauen. Das urewige Grundleben alles Lebens in Gott ist nichts als pur Liebe, daher bedingt allein die Liebe zu Gott und zum Nächsten das ewige Leben. Außer Gott ist alles Tod, und hat nichts ein Leben - außer nur aus Gott.[7]

Das (vermittelte) ewige Leben ist eine Folge des bitteren Leidens des Herrn, bzw. der Erlösung. Das ewige, Gott völlig gleiche, seligste Leben ist durch Jesus allein ermöglicht worden und aller Kreatur als ein unendlicher Schatz gegeben.[8]

Der Mensch lebt ewig, weil er durch Liebe und Glauben mit Gott verbunden werden kann; dies kann jeder. Auf diesem Können beruht die Unsterblichkeit der Seele.[9]

Belege

Ewigkeit überall zu beobachten

Dass die göttlichen Ideen unendlich und nicht zeitlich beschränkt sind, zeigt sich schon an alltäglichen Dingen, z.B. lässt sich alles unendlich teilen oder ein Samen ist zu einer unendlichen Vermehrung fähig. Wer glaubt, dass Gott mit jenen Wesen (den Menschen), die Er mit dem lebendigen Gefühl des ewigen Lebens in der Liebe zu Sich versehen hat, eine zeitlich beschränkte Idee verbunden hätte, der ist überaus dumm und blind (nach Henoch).[10]

Ewiger Lebenstrieb

Einem (noch halbwegs normalen) Menschen sagt sein eigenes Gefühl, dass er ewig leben möchte und die endlos vielen Werke Gottes betrachten. Er hätte dieses Gefühl nicht, wenn er nur für ein zeitliches Dasein geschaffen wäre, denn dann würde er auch nur einen zeitlichen und keinen ewigen Lebenstrieb haben. Die Erde ist ein Leib, aus dem vieles geboren wird. Wie ein Samenkorn in der Erde verwesen muss, um aus dieser Verwesung hundertfältig wieder zu erstehen, muss auch der irdische Leib des Menschen in die Erde gelegt werden, damit dessen geistiger, unzerstörbarer Leib frei in der Fülle zum ewigen Leben erstehe.[11]

Weg zum ewigen Leben

Es ist der Wille Gottes, dass jeder stets nach dem ewigen Leben der Seele und des Geistes im eigenen Herzen trachten soll, aber dabei soll sich ja niemand verleiten lassen und der Meinung sein, dass man von einem Tag auf den anderen schon alles erreicht habe. (nach Henoch)[12]

Die Seele kann wie in einem Traum Tausende von Jahren leben. Dies ist aber noch lange kein wahres ewiges Leben. Wenn solche Seelen in das wahre ewige Leben eingehen wollen, dann haben sie in der Geisterwelt bei weitem größere Kämpfe und Proben durchzumachen, als (im Leib) auf Erden. Wer den Weg hier geht, der erreicht mit einiger Mühe und wahrem weisen Lebensernst das ewige Leben in aller Wahrheit, Klarheit und Gediegenheit schon in wenigen Jahren. Im schläfrigen Sinn der Seele kann er es erst nach Jahrhunderten oder vielen Jahrtausenden erreichen - wenn es gut geht. Geht dabei aber nur ein wenig schief, dann kann eine hier oder sonstwo ganz verdorbene Seele auch ein Weltenalter ums andere ein höchste elendes Traumleben genießen, in dem sie außer sich und ihren höchst elenden Phantasiegebilden durchwegs zu keiner Anschauung und Wahrnehmung von irgendetwas Wahrem, Reellem und außer ihr Seiendem gelangt. Trotzdem aber lehren sie gleichfort die bittersten Erfahrungen, dass sie von lauter Feinden umlagert ist, gegen die sie sich nicht zur Wehr stellen kann, weil sie diese nicht sieht, da ist wie ein Blinder ist, der nicht sehen kann, wo eine Gefahr lauert. Zwar ist ein Blinder nicht völlig lichtlos, weil er in seiner Phantasie Dinge erschaut, die sich wie die Dinge der Naturwelt darstellen, aber sie haben keine Beständigkeit und ihr Licht auch nicht. So ergeht es einer Seele in ihrer völligen Abgeschiedenheit. Sie hat bald Licht, bald wieder Nacht, aber weder Licht noch Nacht ist in der Seele irgendeine Wahrheit, sondern bloß nur ein zeitweiliger Abschimmer von dem, was die Seele ohne ihr Wissen und Wollen aus den Außensphären in sich aufnimmt. (nach Mathael)[13]

Forschen und Handeln

Nur die Handlung, nie aber das bloße Wissen, bedingt das ewige Leben.[14] Wenn man etwas reden will, dann darf es einem an den nötigen Kenntnissen sicher nicht fehlen. Auch das ewige Leben will erforscht und erkannt sein, weil wie wollte man es sonst erhalten, wenn man dies nicht tut? Es wäre so, als wolle man eine Frau nehmen, sie aber bei jede Gelegenheit schon von ferne hin flieht. Hinge das ewige Leben nur davon ab, dass es Gott wie ein Stück Brot geben könnte, dann bräuchte es keine Mühe. Aber die Bereitung und Erreichung des ewigen Lebens liegt ganz an uns allein. Wir müssen tun und handeln - erst dann werden wir gewahr, dass es in uns eine unzerstörbare Lebenskraft gibt, die sich von dem Augenblick an erst als solche zu erkennen beginnt und die rechten Mittel ergreift und anwendet, sich als solche für ewig zu erhalten. Da ist nichts mit gemütlichem Leben und süßem Schlaf, sondern da heißt es arbeiten und kämpfen und forschen ohne Rast und Ruhe. Erst wenn man über das stets einschlafen- und sterbenlüsterne Leben einen vollends lebenswachen Sieg errungen hat, dann erst lässt sich von irgendeiner Seligkeit reden. (nach Mathael)[15] Ohne Selbsttätigkeit kann der Mensch nicht in die wahre geistige Freiheit übergehen, ohne die es für die Seele und ihren Geist kein ewiges Leben gibt. (nach Jarah)[16]

Um sein Haus des wahren Leben in Gott aufzubauen, braucht man Material und Bauleute, ansonsten es keine Gestalt annehmen wird. Das Material sind die Taten und Werke eines lebendigen Willens, der tatkräftige Wille sind die Bauleute. Die Bauleute führen dann aus den guten Werken ein rechtes Haus auf, das unzerstörbar stehen wird. Es heißt tätig sein in aller Fülle der einem verliehenen Kraft, ansonsten es mit dem Bau schlecht vorangeht, denn mit einer geringen Mühe wird kein Haus erbaut. Man muss emsig bauen und sich gegen die Welt mit ihren Lügen und Trügereien und den daraus hervorgehenden Lockungen wehren, um die Lebensfestigung der Seele zur Erhaltung und endlichen Vollausbildung des Gottesgeisteslebens in der Seele zu erlangen. Wenn endlich die Flut der lockenden Weltversuchungen hinabsinken wird in die Tiefe ihrer Leere, so wird das Gottesleben in und über die Seele hinaustreten in aller Kraft und wird in der reinen und neuen Lebenssphäre in Freiheit ohne alle feindlichen Wegelagerer ein neues Werk beginnen und damit segnen in und mit Gott die ganze Unendlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. (nach Mathael)[17]

Selbstverleugnung und Nachfolge Jesu

Jesus ist Selbst das ewige Leben und durch Seine Lehre der Weg zum ewigen Leben.[18]

Der Weg zum ewigen Leben ist stets derselbe einfache Weg der Selbstverleugnung und getreuen Nachfolge Jesu. Es gibt nur diesen einen Weg und nicht mehrere, aus dem guten Grund, weil der Herr nur Einer ist und daher auch der alleinige Weg und die alleinige Tür zum ewigen Leben ist. Joh 14.6[19]

Demut, Bescheidenheit, Einfachheit, Ruhe

Wenn der Verstand seinen Arm, die Vernunft oder sein Vernehmvermögen, anstatt in die Unendlichkeit hinauszustrecken und das Unerreichbare erreichen zu wollen, demütig und bescheiden zurückzieht, und in das Herz als die Wohnung des Geist Gottes im Menschen lenkt und leitet, dann gelangt der Mensch auf solchem Weg zum wahren, ewigen Leben, zur wahren, seligen Ruhe desselben und findet da alles beisammen, was die Unendlichkeit enthält.[20]

Ohne die wahre, innere Demut seines Herzens kann niemand Gott wahrhaft liebend in seinem Herzen erfassen und dadurch ein vollkommenes, ewiges Liebeleben aus Gott leben.[21] Die rechte Gottesfurcht und des eigenen Herzens tiefste Demut ist jedes aus dem Wasser und Feuer Getauften unerlässlichste Pflicht, ohne die an kein ewiges Leben zu gedenken ist.[22]

Durch die Ruhe wird die ewige Erhaltung, Unvergänglichkeit und das ewige Leben aller Gott in der Liebe und ihrem lebendigen Geist völlig ähnlichen Wesen bewirkt.[23] So wie Gott werden auch Seine Geliebten gleich Ihm in aller ewigen Ruhe das ewige Leben genießen, obschon sie sich dieser Ruhe nie bewusst werden, sondern dafür nur einer ewigen, allerseligsten Regsamkeit, die aber eben durch diese eigentliche geistig-persönliche Ruhe unzerstörbar, also ewig dauernd unterhalten wird. Dies lässt sich nicht vollkommen fassen, solange man noch einen (vergänglichen) Leib trägt.[24]

Gottesliebe und Nächstenliebe

Um das ewige Leben zu erlangen, bedarf es nun nichts mehr und nichts weniger, als diese heilige, große Gabe des heiligen Vaters liebewillig zu verlangen und allerdankbarst anzunehmen - und der Mensch ist selig lebend in Ewigkeit in der Gesellschaft Gottes wie ein zweiter Gott.[25]

Es sind zwei Wege (oder Methoden, in dem nur einen Weg), die zum Vater (dem ewigen Leben) führen: der eine heißt die wahre, eifrige Erkenntnis Gottes, der andere aber heißt die Liebe. Wer Gott schon vor der Erkenntnis - d.h. solange man nur vor Ihm gehört hat und Ihn nicht kennengelernt hat - liebt, der wird das (ewige) Leben in Fülle überkommen; wer aber Gott nach der Erkenntnis liebt - d.h. obwohl er von Ihm gehört hat, Ihn aber erst liebt, nachdem er Ihn kennengelernt hat - der wird auch leben, aber nicht im Herzen, sondern im Reich der Gnade als ein wohlbelohnter Diener. Das ist fürs Leben von größter Wichtigkeit. (nach Kisehel)[26]

Man muss Gott in sich - und nicht außer sich, als ein endlos weit entfernter Gott - suchen, erkennen und dann über alles lieben, dann wird man das ewige Leben haben. Man bleibe in der reinen uneigennützigen Liebe; liebe den einen Gott als seinen Vater und Schöpfer über alles und die Menschen als seine Brüder wie sich selbst.[27]

Hindernisse

Eigenliebe, Selbstsucht, Herrschlust, Habsucht, Geiz, Neid, Fraß, Völlerei, Wollust, Unzucht und Hurerei verzehren das ewige Leben, statt es zu mehren.[28]

Für den Menschen ist nichts gefährlicher zum ewigen Leben als die großen Schätze der Welt.[29]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.118.5; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.71.9; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.207.24
  2. Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.450210.3; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.450428.1
  3. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.7.23; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.215.12
  4. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.46.4-8
  5. Jakob Lorber, Die geistige Sonne 1.64.15
  6. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420622.8
  7. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.185.19; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.34.17; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.251.16; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.56.11; Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400912.11; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.24.4
  8. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410409.18; Jakob Lorber, Robert Blum 1.126.2-3; Jakob Lorber, Robert Blum 1.129.5
  9. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 224
  10. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.70.17-19
  11. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.339.5-9
  12. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.83.14
  13. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.31.2-7
  14. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400528b.2
  15. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.29.9-16
  16. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.203.2
  17. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.43.7-10
  18. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.24.4
  19. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410207.13; Jakob Lorber, Robert Blum 2.155.12
  20. Jakob Lorber, Robert Blum 2.279.5-6
  21. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.12.14
  22. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420314b.18
  23. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.184.17
  24. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.184.18; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.184.22
  25. Jakob Lorber, Robert Blum 1.126.3
  26. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.215.13-28
  27. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.56.11-13; Jakob Lorber, Die Kindheitsgeschichte Jesu 111.18
  28. Jakob Lorber, Robert Blum 1.130.7
  29. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.102.3