Zwang

Wesen
Unter "Muss" wirken nur Maschinen.[1]
Mensch und Zwang
Wer mit Gewalt (Zwang) gehalten und geleitet werden muss, ist noch ein Teufel; nur wer sich von der Liebe, Sanftmut und Geduld leiten lässt, ist gleich einem Engel Gottes und ist wert, ein Kind des Allerhöchsten zu sein.[2]
Zwang hat keine Geltung für das eigene Leben
Jeder Zwang von irgendwo anders her als aus dem höchst eigenen Herzen ist fremd und kann für jedes Menschen ebenfalls nicht fremdes, sondern allein nur höchst eigenes Leben unmöglich irgendeine Geltung haben in der ewigen, also allerfreiest dastehenden Ordnung des Herrn.[3]
Jeder innere, moralische Zwang ist schon im Grunde ein Gericht, denn was ein Mensch nicht aus seinem freien Willen und seiner völlig eigenen Erkenntnis und Überzeugung annimmt und tut, das gereicht ihm nicht zum Leben, sondern nur zum Gericht. Ein Muss lässt keine Freiheit zu, die in den rein göttlichen Lebensdingen das einzige fruchtbare Feld ist, auf dem der Same des Lebens keimen, treiben und endlich zur segensreichen und reifen Lebensfrucht gedeihen kann. Soll ein Mensch das wahre geistige Leben überkommen, darf er durch kein anderes Zwangmittel genötigt werden, als nur seinen eigenen, ganz freien und festen Willen. Weder Gesetz noch Lohn oder Strafe dürfen ihn dazu bestimmen, sondern allein nur sein freier Glaube, seine innere Überzeugung und sein reines Erkennen und des äußeren Menschen Gehorsamkeit und sein freier Wille, der aus der reinen Liebe zu Gott und zu allem Guten und Wahren hervorgehen muss.[4]
Nur das, was ein Mensch aus freiem Willen nach seiner freien Einsicht tut, ist wahrhaft getan und bringt Nutzen auf die eine oder die andere Art. Bei jeder erzwungenen Arbeit und Tat arbeitet stets Zorn und Rache gegen den Zwinger mit, und das kann ewig kein Segen für welches Werk auch immer sein.[5]
Die volle Ausbildung des eigenen Lebens ist jedem Menschen in die höchst eigenen Hände gelegt. Was als Fremdes, Aufgezwungenes, bei der einstigen großen Lebensprüfung jedes einzelnen Menschen vor den Augen Gottes an dem Menschen erkannt wird, das wird für ihn auch keinen Wert haben und wird ihm genommen werden. Und es wird da heißen: Wer da hat, dem wird's belassen und noch vieles hinzugegeben werden; aber wer nicht hat das Eigene, dem wird's genommen werden, was er hat, da es nicht sein Eigenes, sondern nur Fremdes ist.[6]
Zwang erweckt den Geist Gottes im Menschen höchstens teilweise
Zwang erweckt den Geist Gottes in der Seele nicht oder nur hie und da teilweise.[7] Wie ein Vogel ohne Flügelfedern nicht fliegen kann, so kann auch der Geist des Menschen nie zur freien Lebenstätigkeit gelangen, wenn ihm durch das sanktionierte Muss die Flügel der freien Erkenntnis gestutzt werden. Ein Geist ohne freie Tätigkeit ist schon darum tot, weil er das nicht hat, was im Grunde des Grundes sein Leben bedingt und ausmacht.[8]
Zwang bewirkt letztlich Verderben
Wenn in einem Land oder Reich Ruhe und Ordnung durch den schärfsten Zwang erzielt werden, dann kann dies einige Zeit gelingen, aber wenn es den zu sehr gedrückten Teufeln zu stark wird, dann werden sie aufspringen und mit fürchterlichem Hohn Gesetze und Gesetzgeber zertreten.[9] Mit Liebe ist alles zu erreichen, mit Gewalt aber wird der Teufel nur aus seinem Schlaf geweckt. Daher ist es endlos besser, dass unter den Menschen die Liebe und Sanftmut wach bleibt zu aller Zeit und dadurch die Teufel zum Schlaf und zur Ruhe nötigt, dass sie der Erde nicht schaden, als dass man mit dem dröhnenden Gepolter der Gewalt die Teufel wecke und sie dann die Erde und alles was darauf ist verderben.[10]
Gott und der Zwang
Der Herr könnte alle Menschen der Welt mit Seinem Willen zu Handlungen nötigen. Das würde aber ein Gericht sein, das den freien Menschen zu einer Maschine machen würde. Der Mensch würde ein Sklave, ein Tier, sogar noch schlechter, denn der von Natur aus gerichteten Seele des Tieres würde kein weiterer moralischer Schaden zugefügt, weil sie noch lange nicht etwas mit einem freien Moralgesetz zu tun haben kann, aber die Seele des freien Menschen würde durch einen inneren mechanischen Zwang den größten Schaden an ihrem Wesen erleiden, weil das gerichtete Tierische ganz wider ihre freie moralische Natur liefe.[11]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.227.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.76.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.93.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.28.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 6.7.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.27.8
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.93.6-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 10.46.5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.28.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.76.3
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.76.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.17.2-4