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England

Aus Prophetia

Geschichte

19. Jahrhundert

England war jene europäische Hauptdespotie, welche die meisten Inseln im Pazifik ausfindig machte und erforschte, um sie zu kolonisieren und sich von den ungerecht unterjochten Völkern versorgen zu lassen. Die Engländer ließen nur jene Inselchen weitgehend ungeschoren, wo sie sich nach genauester Erforschung überzeugt hatten, dass es dort für ihr Rattengebiss nichts zu nagen gab. In ihrer kaufmännischen Habsucht machten sie sich nichts daraus, ob ihnen unter dem Äquator die Segel vor Hitze verbrannten, oder ob sie den dreivierten Teil des Jahres zwischen Eisbergen eingefroren lagen, ihre Schiffe unter meterhohem Schnee begraben.[1]

Die weltsüchtige englische Nation ging mit all den eroberten Inselstaaten politisch so um, wie es einst die Römer in Hinsicht auf das Fremdgöttertum machten. Hatten sie sich überzeugt, dass irgendein heidnisches Volk auf einer Insel gutmütiger Art war, wurde das Christentum nicht viel erwähnt, sondern sie ließen sich in dieser heidnischen Religionsform unterrichten. Kamen sie zu der Einsicht, dass eine solche armselige Religion für ihren großen Weltbeutel bessert taugte, dann waren sie Heiden mit den Heiden, um von ihnen etwas zu gewinnen. Hatte eine heidnische Religion sehr eigennützige Grundsätze, da wurde dann die christliche Religion mit dem schwersten Kanonenkaliber gepredigt. Hatte diese heidnische Nation die christliche Religion angenommen, dann gebührte den Heilsverkündern selbstverständlich der alles umfassende Lohn.[2]

Jenseits

Die besseren aus der englischen Nation befinden sich im Mittelpunkt aller Christen. Sie sind im Mittelpunkt, weil sie ein innerlicheres, intellektuelles Licht haben. Dies erscheint zwar Keinem in der natürlichen Welt, es erscheint aber ganz offenbar in der geistigen Welt; sie haben dieses Licht von der Denkfreiheit, und somit Rede- und Pressefreiheit, die sie genießen. Jenes Licht ist nicht durch sich selbst tätig, sondern es wird tätig durch andere, besonders durch Männer von Ruf und Ansehen bei ihnen; sobald diese etwas sagen, oder man etwas von ihnen Gebilligtes liest, glänzt jenes Licht hervor, selten aber früher. Aus diesem Grund setzt man ihnen geistige Vorsteher an die Spitze, und gibt ihnen Priester, welche eine große Berühmtheit erlangt haben wegen ihrer Gelehrsamkeit und ihres hervorragenden Genies; deren Geboten und Ermahnungen gehorchen sie vermöge jener ihrer Gemütsanlage gutwillig.[3]

Selten gehen die Engländer aus ihrer Gesellschaft heraus, weil sie dieselbe lieben wie in der Welt das Vaterland. Es findet eine Ähnlichkeit der Seelen unter ihnen statt, bei welcher sie mit Freunden aus ihrem Vaterland in ein vertrautes Verhältnis treten, selten aber mit anderen; sie leisten sich auch gegenseitig Hilfe und lieben die Aufrichtigkeit.[4]

Es gibt zwei Städte, welche London ähnlich sind, und in welche die meisten Engländer nach dem Tod kommen. Die eine liegt in der christlichen Mitte, die andere außerhalb derselben im Norden: in sie kommen nach dem Tod diejenigen, welche inwendig böse sind. In deren Mitte ist ein Zugang zur Hölle eröffnet, von welcher sie auch von Zeit zu Zeit verschlungen werden.[5]

Die Engländer in der geistigen Welt haben eine doppelte Theologie: eine aus der Glaubenslehre und eine aus der Lebenslehre, welche nicht übereinstimmt mit ihrer Glaubenslehre. Die aus der Glaubenslehre haben diejenigen, welche in das Priestertum eingeweiht werden, und die aus der Lebenslehre die Laien. Diese letzte Lehre ist zu finden in dem Gebet, das jeden Sonntag in den Kirchen denjenigen vorgelesen wird, die zum Heiligen Abendmahl gehen. In ihm wird offen gesagt, dass sie, sofern sie nicht das Böse als Sünde fliehen, sich in ewige Verdammnis stürzen werden, und wenn sie dabei dennoch zum Heiligen Abendmahl gehen, der Teufel in sie wie in den Judas fahren werde.[6]

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 8.3-13
  2. Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 8.17-19
  3. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht Fortsetzung 40
  4. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht Fortsetzung 41
  5. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht Fortsetzung 42; Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht Fortsetzung 43
  6. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht Fortsetzung 45