Höllenfeuer

Unter dem höllischen Feuer oder der Höllenqual ist die Selbstsucht und Weltliebe und Herrschsucht zu verstehen, sowie jede Begierde, die diesen beiden Arten der Liebe angehört, d.h. jede selbstsüchtige Begierde, etwas Böses zu tun. Weil jeder in der Hölle in seinem Herzen den Haß gegen den anderen nährt und daraus in Grausamkeiten ausbricht, so weit er nur kann, sind diese Grausamkeiten und die damit verbundenen Qualen ebenfalls unter dem Höllenfeuer zu verstehen, da sie die Auswirkungen dieser Begierden darstellen.[1]
Weil das höllische Feuer die Begierde bezeichnet, Böses der Selbst- und Weltliebe zu tun, und weil diese Gier alle Bewohner der Hölle erfüllt, darum erscheint bei der Öffnung der Höllen etwas gleichsam Feuriges, verbunden mit einem Rauch, wie bei einer Feuersbrunst. In den Höllen der Selbstliebe handelt es sich um ein wütendes Feuer, in denen der Weltliebe um etwas Flammendes. Sind die Höllen aber geschlossen, erscheint das Feurige nicht, sondern stattdessen etwas Dunkles, ähnlich verdichtetem Rauch. Dennoch glüht dort im Inneren jenes Feuer, das anhand der davon ausstrahlenden Hitze bemerkt werden kann, vergleichbar einem Ofen. Die Bewohner der Hölle befinden sich aber nicht wirklich im Feuer, sondern es handelt sich dabei nur um den äußeren Anschein eines Feuers. Sie empfinden in ihrer Hölle keinerlei Brennen, sondern lediglich Wärme, ganz wie früher in der Welt. Die Erscheinung des Feuers ist eine Folge der Entsprechung, da die Liebe dem Feuer entspricht und in der geistigen Welt alles seiner Entsprechung gemäß erscheint.[2]
Wesen
Das höllische Feuer, die höllische Liebe, entspringt der gleichen Quelle wie das himmlische Feuer, die himmlische Liebe, nämlich aus der Sonne des Himmels, bzw. aus dem Herrn. Höllisch wird dieses Feuer nur durch die, die es aufnehmen, denn alles, was aus der geistigen Welt kommt, wird entsprechend seiner Aufnahme, bzw. je nach den Formen verändert, in die es einfließt. Es verhält sich damit nicht anders wie mit der Wärme und dem Licht der irdischen Sonne, das je nach Aufnahme völlig gegenteilige Wirkungen zeitigt. Fließt von der Sonne des Himmels her Wärme bzw. Liebe in etwas Gutes ein, wie es sich bei guten Menschen und Geistern und bei den Engeln findet, so wirkt es befruchtend. Auf die Bösen übt sie jedoch die gegenteilige Wirkung aus, denn durch deren Böses wird sie entweder erstickt oder verkehrt.[3]
Das mit dem Höllenfeuer zusammenhängende Böse besteht in der Verachtung anderer, in Groll und Feindschaft gegen alle, die einem nicht gewogen sind und einen nicht verehren und anbeten wollen, in Neid, Haß und Rachsucht und daraus Härte und Grausamkeit. Im Hinblick auf das Göttliche besteht dieses Böse in der Leugnung und daher Verachtung, Verspottung und Lästerung der heiligen Dinge der Kirche. Nach dem Tod, wenn der Mensch ein Geist wird, verwandelt sich diese Haltung in Erbitterung und Haß. Weil dieses Böse unausgesetzt nach der Vernichtung und dem Tod aller trachtet, die ihm als Feinde gelten, so besteht seine Lebenslust im Ziel, zu vernichten und zu töten oder zumindest zu benachteiligen, zu schaden und zu wüten. Das wird im Wort unter "Feuer" verstanden, wo von den Bösen und von den Höllen berichtet wird, wobei der "Rauch" das Falsche bedeutet, das dem Bösen entspringt, siehe z.B.: Joel 3.3-4, Jes 34.9-10, Mal 3.19, Off 18.2-18, Off 9.2, Off 9.17-21, Off 14.9-11, Off 16.8-11, Off 19.20, Off 20.14-15, Off 21.8, Mt 3.10, Luk 3.9, Mt 13.41-42, Mt 13.49-50, Mt 25.41, Mt 18.8-9, Mark 9.43-49, Luk 16.24 [4]
Jede Liebe in der geistigen Welt erscheint, wenn sie erregt wird, in der Ferne wie ein Feuer, innerhalb der Höllen wie ein weißglänzendes Feuer, außerhalb derselben wie der Rauch bei einer Feuersbrunst oder wie der Rauch eines Ofens.[5]
Das Feuer oder die Wärme der Hölle verwandelt sich in hochgradige Kälte, sowie aus dem Himmel Wärme einfließt. Die Anwesenden befällt dann ein Schauer gleich einem Fieberfrost, und sie erleiden innerliche Qualen. Der Grund dafür ist ihre negative Haltung gegenüber dem Göttlichen und der Wärme des Himmels, der göttlichen Liebe, die die Wärme der Hölle, die Selbstsucht, auslöscht und damit zugleich ihr Lebensfeuer. Zugleich entsteht dann dort auch eine dichte Finsternis, die eine Verdummung und geistiges Dunkel mit sich bringt. Doch das geschieht nur selten und auch nur, wenn Aufstände zu ersticken sind, die ein bestimmtes Maß überschreiten.[6]
Auswirkung auf den Menschen
Wenn die höllische Hitze in den Menschen eindringt, dann facht sie bei ihm Begierden an, bei bösen Menschen aber Haß und Rachsucht, bei kranken Wahnsinn. Die Menschen, die der Selbst- und Weltliebe verfallen sind, haben dieses Feuer oder diese Hitze, weil ihr Geist an jene Höllen gekettet ist, und zwar schon während ihres Lebens im Körper.[7]
Falsche Vorstellungen
Indem man das Wort nur materiell verstand, weil man dessen geistigen Sinn nicht kannte, dachten sich einige unter dem Höllenfeuer etwas Materielles, einige Folter im Allgemeinen und einige die Gewissensbisse. Andere meinten, die Rede vom Höllenfeuer diene bloß der Abschreckung vom Bösen.[8] Die höllischen Geister sind in keinem materiellen Feuer, sondern in einem geistigen Feuer, und dies ist ihre Liebe, daher sie auch kein anderes Feuer fühlen.[9]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 134; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 568; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 570; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 573; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 6.14.10
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 571
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 569
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 570; Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 573
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 422
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 572
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 571
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 566
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 422