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Java

Aus Prophetia

Ureinwohner

Aufgrund des sonderbaren Klimas auf Java hatten die Ureinwohner den sonderbarsten Begriff von der Gottheit. Sie erkannten nur Einen Gott an, aber dieser Gott hatte gewisserart zwei Leiber, die am Rücken zusammengewachsen waren. Auf diesen Leibern saß ein Kopf, der zwei Gesichter hatte. Der eine Leib war strahlend weiß, der andere dunkelgrau. Am Tag wendete die Gottheit den weißen Teil ihres Leibes und Gesichtes den Menschen zu; bei Nacht den dunkelgrauen. Aus dem weißen Teil ging lauter Gutes, aus dem dunklen lauter Schreckliches und Böses hervor. Daher getraute sich niemand leicht zur Nachtzeit ins Freie. Der Grund dafür lag darin, weil die Insel, besonders die inneren Täler, eine giftige Luft entwickelte, welche die Europäer tötete und die Einheimischen krank machte und manchmal auch töten konnte. Deswegen bewohnten die Ureinwohner die Berge. Nur am Tag, wenn die Sonne die böse Luft verscheucht hatte, gingen sie in die Täler.[1]

Die Bewohner Javas legten auf ihre Doppelgottheit nicht viel Gewicht. Sie hatten auch den Koran und die Bibel, die ihnen viel wichtiger waren, wobei einige der Bibel den Vorzug gaben, andere dem Koran. Einige waren der Meinung, ein vollkommener Mensch solle alle Religionen kennen, und sich daraus das Beste nehmen. Andere sagten, dass unter den vielen Religionen nur Eine die rechte sein könne, aber diese herauszufinden, sei selbst für den Allerweisesten unter ihnen die schwierigste Aufgabe. Daher wäre es am besten, unterdessen für alle etwas zu tun. Da in jeder Religion etwas Weises und etwas Dummes zu finden sei, huldige man bloß dem Weisen in jeder Religion, und verwerfe das Dumme, wodurch mal endlich doch so weise sein würde, um aus den vielen Religionen die rechte herauszufinden.[2]

Jenseits

Da sich die Bewohner Javas im Nichts begründen (Anm.: daher offen für alles sind), sind sie im Geisterreich am allerzugänglichsten. Nur mit der Liebe geht es ein wenig schwer, weil sie auf der Welt die Liebe, unter der sie nur eine dem Rausch ähnliche Leidenschaft verstehen, durch welche das beiderseitige Geschlecht sich wie in einer blinden Raserei ergreift, und miteinander die tierähnliche Unzucht treibt, welcher Akt die Weisheit des Menschen manchmal bis zur scheußlichen Affengestalt herabwürdigt und den Menschen unter die niedrigsten Tiere stellt, für die größte Dummheit halten. Sind die Geister dieser Menschen aber einmal über diese falsche Auffassung von der Liebe im Klaren, dann sind sie die fähigsten Wesen im Geisterreich, und zugleich die bereitwilligsten, und die pünktlichsten in der Erfüllung jedes ihnen anvertrauten Geschäftes.[3]

Geschichte

19. Jahrhundert

Java wurde von China aus mittels eines Vizekönigs beherrscht; dennoch gehörten die Küsten zumeist den Europäern. Das Innere des Landes wurde von den Europäern wenig besucht aufgrund der mannigfaltigen giftigen Ausdünstungen. Die Ureinwohner hatten sich schon mehr akklimatisiert, sie konnten diese Ausdünstungen bei weitem eher ertragen.[4]

Es gab ein gänzlich unbewohntes Tal, das die Einwohner das Tal des Todes nannten, ein etwa zwanzig Meilen langer und eine Meile breiter Kessel ohne Wasser. Darin befanden sich die Giftbäume namens Bohonupas, deren tödliche Ausdünstungen sich durch das ganze Tal verbreiteten und alles abtöteten. Zum Tod verurteilte Verbrecher mussten manchmal in dieses Tal gehen und das giftige Harz dieses Baumes holen. Mit diesem Gift wurden ehebrecherische Frauen getötet. Von hundert kamen gewöhnlich höchstens zwei wieder zurück, denen dann das Leben geschenkt wurde. Es kam darauf an, genau auszuforschen, wie der Wind ging. Es gab auf Java auch Höhlen, aus denen ein beständig giftiger Hauch aufstieg, der sich aber nicht so weit verbreitete, wie das giftige Miasma der Giftbäume. Die Einwohner konnten sich unter Beachtung des Windes diesen Höhlen nahen. Sie schleuderten dann brennende Bündel hinein, wodurch sich das ausströmende brennbare Gas schnell entzündete und danach manchmal jahrelang weiter brannte. Durch das Brennen wurde es ganz unschädlich.[5]

Quellenverweise