Kloster

Das Kloster oder Ordensleben ist eine leibliche und noch viel mehr eine geistige Gefangenschaft der Toten, aus der noch sehr wenige zum (geistigen oder ewigen) Leben hervorgegangen sind.[1]
Wesen
Das Ordenswesen ist ein Kastenwesen, bei dem sich Menschen – wenn auch zum Teil aus redlicher Absicht – von andern absondern, um dadurch eine gewisse, so oder so geartete, tugendheldliche Kaste zu bilden, zu der nur die wenigsten hinzugelassen werden können. Wohl muss es eine Verschiedenheit der Arbeiter wie der Stände dem Äußern nach geben, aber nicht dem Innern nach. Da sollen alle gegenseitig lauter liebeerfüllte, barmherzige Brüder und Schwestern sein.[2]
Die Sekten und Orden unterscheiden sich in allerlei törichtem Zeug und allerlei albernen Gebräuchen, die alle dem Äußern nach gehalten werden. Innerlich aber sind sie voll Moder und Ekelgeruch, weil keine Liebe darinnen ist, sondern allein Neid, Missgunst, Verfolgung, Ehrsucht und oft übermäßige Ranglust, hier und da auch große Hoffart, Stolz, Pracht, Verachtung des Geringen und somit die Herrschsucht in aller ihrer Ausdehnung.[3]
Wer unter einer gewissen Ordensschraube und öfter unter der noch viel erbärmlicheren Klausur handelt, der ist selten mehr denn ein zu einer gewissen Arbeit bestellter Faulenzer, der nie auf die Arbeit, sondern nur auf den Mietgroschen sieht.[4]
Folgen

Wer sich in abgelegenen Einsiedeleien oder hinter Klostermauern verschanzt, besiegt damit den Feind nicht. Der Feind verlegt sich dann auf Belagerung, zieht Verstärkung heran und überwältigt den Gegner schließlich umso leichter. Man kann sich nicht ewig verschanzen und je länger man es versucht, desto schwerer wird der Kampf, da sich der Feind besser vorbereiten und Hinterhalte anlegen kann. Um einen Feind zu besiegen, muss man ihm sich im offenen Feld entgegenstellen.[5]
Gott und Orden
Alle sogenannten Sekten und Orden sind vor dem Herrn ein Gräuel. Denn Er hat alle Menschen berufen zur Liebe und daraus zum ewigen Leben. Die Liebe aber kennt nur Brüder, und keine Sekten und Orden. Es ist die Weltsucht und die allerartige Eigenliebe, die solche Schranken zieht, wodurch Brüder und Schwestern oft auf das schroffste und gehässigste voneinander getrennt werden.[6]
Der Herr hat nie einen Orden oder eine Kaste gestiftet, am allerwenigsten einen Frauenorden. Er gab den Aposteln die Anweisung, in aller Liebe untereinander Brüder zu sein und sie nannten dann nach Seinem Gebot alle Menschen nichts als "liebe Brüder". Die Menschen sollen untereinander eines Ordens der reinen Liebe zu Ihm sein, als lauter Kinder eines und desselben Vaters und als einerlei Erlöste durch Seine Menschwerdung. Sie sollen eine und dieselbe liebevolle, barmherzige Bruder- und Schwester-Kaste sein in der lebendigen Kraft Seines Wortes und Namens, da alle durch denselben Jesus Christus zu Kindern Seiner Liebe, Erbarmung und Gnade gemacht worden sind.[7]
Der freie Mensch muss auch frei und ungebunden handeln in der unendlich freien Ordnung der ewig freien Liebe Gottes, wenn er wünscht, dass Gott sein Werk als etwas ansieht. Wer von Klausur und Regel gezwungen und/oder des Entgelts wegen arbeitet, dessen Werk wird von Gott als das Werk eines Tieres angesehen, das in seiner gerichteten Ordnung allezeit ein und dieselben Werke verrichten muss, weil es nicht anders kann und darf vermöge der gerichteten Ordnung. Seine Werke sind daher so gut wie keine Werke.[8]
Verhalten
Die echten Getreuen Gottes haben es nicht nötig, sich in einem eigenen Kreis zu sammeln, sie verbleiben Gott und den Seinen auch unter dem ausgelassensten, Gott gänzlich vergessenden Geschlecht treu. Wer diese rechte Treue nicht hat, dem nützt auch ein enger Kreis fürs ewige Leben wenig, weil wenn er sich unter den Getreuen befindet, dann wird er tun, als wäre er ein Getreuer; unter Ungetreuen aber wird er tun wie sie.[9]
Jenseits
Auch wenn man ein überfrommes Ordensleben führt, sich einsperren, prügeln und förmlich umbringen läßt, sich z.B. bildet oder auch Kranke pflegt oder Schüler unterrichtet, fastet, unaufhörlich betet und dauernd an Messe, Beichte und Kommunion teilnimmt, sich womöglich auch noch selbst kasteit und überhaupt wie ein Kettenhund lebt, führt dies allein zu alles anderem als einem seligen Jenseits. Der Grund dafür ist eine verkehrte Auffassung von Tugend und der Zwang.[10]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410711.8
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410425.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420523a.3-4
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410425.9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 7.156.2-3
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420523a.1-3
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410425.2-4
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410425.8-9
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.124.1-4
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 59.4-11; Jakob Lorber, Bischof Martin 60.2-3; Jakob Lorber, Bischof Martin 60.7-15; Jakob Lorber, Bischof Martin 61.3-18