Materialist
Wesen
Wer sich und die Welt über alles liebt, trachtet nur nach weltlichen Dingen, weil diese den äußeren Sinnen schmeicheln und die Genusssucht befriedigen, nicht aber nach den geistigen Dingen, die die inneren Sinne ansprechen und das Gemüt erfreuen. Diese weist man zurück und sagt, sie stünden zu hoch, um als Denkobjekte in Frage zu kommen.[1]
Der äußeren Form nach lebt der bloß natürliche Mensch nach denselben Geboten wie der geistige, denn in gleicher Weise verehrt er das Göttliche, geht in die Kirche, hört die Predigt, zeigt eine andachtsvolle Miene. Er tötet nicht, begeht keinen Ehebruch, stiehlt nicht, legt kein falsches Zeugnis ab, bringt den Partner nicht um seine Güter. Aber alles tut er nur um seiner selbst, um der Welt und um des Scheines willen. Seiner inneren Gestalt nach ist er das genaue Gegenteil von dem, was er in der äußeren zu sein vorgibt, denn im Herzen leugnet er das Göttliche, im Gottesdienst spielt er den Heuchler, und wenn er sich seinen eigenen Gedanken überlässt, lacht er nur über die heiligen Dinge der Kirche und glaubt, sie dienten bloß als Zügel für die einfältige Masse. Ein solcher Mensch ist ganz und gar vom Himmel abgeschnitten und kann als einer, der nicht geistig ist, nicht als sittlich und bürgerlich guter Mensch gelten. Denn wenn er auch nicht tötet, so hasst er doch jeden, der ihm im Wege steht, und er würde töten, wenn ihn nicht die bürgerlichen Gesetze und äußeren Fesseln, das heißt seine Befürchtungen, davon abhielten. Weil er aber im Verlangen danach steht, tötet er im Grunde fortwährend. Dasselbe gilt auch für Ehebruch usw. Die wahre Beschaffenheit solcher Menschen zeigt sich deutlich im anderen Leben. Obgleich das äußere Leben des natürlichen und geistigen Menschen gleich erscheint, sind beider Arten von Menschen grundverschieden.[2]
Materialisten oder Weltmenschen haben für außerordentliche Dinge (Wunder) wohl auch einen Sinn, wenn sie direkt vor ihren Augen ausgeführt werden. Aber sie ziehen daraus für ihren Geist keinen Gewinn, da für sie jedes noch so große Wunder eine pure Vergnügungssache ist. Solche Menschen haben eine große Ähnlichkeit mit Schweinen, die auch allerlei fressen, aber dennoch stets die alten Schweine bleiben, denen alles gleich schmeckt, ob Kot oder feinstes Weizenbrot.[3]
Gott und der Materialist
Man kann nicht zugleich Gott und dem Mammon (=der Gott der Welt) dienen. Mt 6.24 Lk 16.13 Freundschaft mit der Welt bedeutet Feindschaft mit Gott. Jak 4.4 Der Mensch kann in seinem Herzen nicht zugleich Böses und Gutes, Falsches und Wahres ertragen. Er kann beides dem Verstand nach erkennen (und äußerlich entsprechend handeln), aber im Herzen kann nur entweder das eine oder das andere als Lebensgrund weilen.[4]
Schicksal
Verlust des Angehäuften
Jene Menschen, die sich auf der Erde einen Himmel voll der seligsten Genüsse haben schaffen wollen, müssen am Ende allen ihren mühsam gesammelten Vorrat dennoch fahren lassen, und hundert andere vergeuden ihn dann auf eine oft sehr liederliche Weise. (nach Jarah)[5]
Entfremdung von Gott und Himmel
Wer in was auch immer an der Welt hängt, kann nicht zu gleicher Zeit in der sogenannten Verbindung mit dem Himmel sein.[6] Im gleichen Maße, wie der Mensch sich selbst und die Welt liebt und bei allem sein Ich und die Welt im Auge hat, entfremdet er sich dem Göttlichen und entfernt sich vom Himmel.[7]
Ein Selbst- und Weltsüchtiger kann die Dinge des Himmels und der Kirche nicht mehr sehen, da sie bei ihm in Finsternis liegen, Finsteres wird aber entweder geleugnet oder nicht verstanden. Er kann sie höchstens aus dem Gedächtnis hersagen, ohne sie zu verstehen, betrachtet sie auch mit denselben Augen (empirisches Denken), mit denen er die weltlichen und körperlichen Dinge betrachtet. Er kann seinen Geist nicht mit anderem beschäftigen, als mit dem, was durch seine körperlichen Sinne eindringt, woran er seine Freude hat. Darunter gibt es vieles, was schmutzig, unzüchtig, gemein und verbrecherisch ist und von dem er nicht abgebracht werden kann, weil sein Gemüt nach oben verschlossen ist, deshalb keinen Einfluß aus dem Himmel empfangen kann.[8]
Wer sich selbst mehr als den Herrn, und die Welt mehr als den Himmel liebt, und die Genüsse der Selbst- und Weltliebe kostet, bis er schließlich nicht mehr weiß, dass es noch andere, eben himmlische Freuden gibt, dem verschließen sich die inneren Bereiche, und öffnen sich die äußeren gegen die Welt hin. Ist dies geschehen, so sieht der Mensch alles, was die Welt betrifft, in hellem Licht, befindet sich aber in Finsternis hinsichtlich aller Dinge, die zum Himmel gehören.[9]
Ewiger Tod
Wer seine Liebe an die materielle Welt heftet, dessen Liebe wird durch die Macht des Todes erdrückt, und die Folge ist dann das Los der Materie oder der (geistige) Tod.[10]
Da Weltmenschen oder Materialisten wie ein toter Stein sind, der nicht belebt werden kann, heißt es, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein geisttoter Reicher ins ewige Leben. Mt 19.24, Mark 10.25, Luk 18.25. Sie hören nach dem Naturleben für ewig auf zu sein und verfallen (der Seele nach) der Reinkarnation.[11]
Verhalten
siehe Verhalten gegenüber Weltmenschen
Jenseits
Ein der Selbst- und Weltliebe ergebener Mensch empfindet, solange er im Körper lebt, das von ihnen Angenehme und die einzelnen Vergnügungen, die ihnen entstammen. Nach dem Tod jedoch verwandelt sich was der Selbst- und Weltliebe angehört in das was man höllisches Feuer nennt, in Schmerz und Schrecken, zuweilen auch etwas Ekelhaftes und Schmutziges, das den unreinen Lüsten entspricht und dann merkwürdigerweise angenehm erscheint. (Anm.: Wer in der Hölle ist, wähnt sich glücklich, obwohl sein Leben schmerzhaft und schmutzig ist.)[12]
Alle, die sich und die Welt mehr als ihre Nutzwirkung geliebt hatten, finden im Himmel keinen Platz. Denn jedem Menschen verbleibt nach dem Erdenleben seine Liebe oder Neigung, und sie wird (dem Geist nach) in Ewigkeit nicht ausgerottet.[13]
Jene Seelen, deren Herz sehr stark an der Welt gehangen ist, hängen noch lange nach dem Hinscheiden an der materiellen Erde und vorzugsweise gerne an dem Ort, wo ihr Leib verwest. Manche verweilen so lange auf den Friedhöfen über den Gräben ihrer Leiber, bis nicht ein Atom mehr von ihrem Leib durch den Akt der Verwesung übrigbleibt.[14] Die Hauptursache dafür ist die falsche Lehre von der Auferstehung des Fleisches. Zwar werden die Seelen stets belehrt, dass sie der verstorbene Körperleib gar nichts mehr angeht, dass aus demselben für sie in alle Ewigkeit nichts mehr herauswachsen wird und er daher für sie nicht mehr zu beachten ist als ein gänzlich zerrissener, zugrunde gerichteter Leibrock, aus dem auch in alle Ewigkeit kein neuer Rock mehr auferstehen wird. Aber solche Lehre nützt bei diesen Wesen geradesoviel, als wollte man einem Erzmönch beweisen, dass der Herr auch ohne ein sichtbares kirchliches Oberhaupt Seine Kirche lenken und regieren möchte, oder seine "Reliquie" gerade soviel wert ist, als ein halb verwester Strohhalm in einem Dunghaufen.[15]
Jene vielen Menschen, die es in der Welt- und Selbstliebe und somit in der Lebensfinsternis so weit als nur möglich gebracht haben, werden jenseits auf eben dem Punkt wieder anfangen und nach Umständen immer ärger und materieller. Sie werden wieder (der Seele nach) in die tote, harte Materie übergehen, und zwar durch einen unsäglich schmerzlichen Prozess, und das über lange Zeiten. Schließlich in viele Teile zerteilt, werden sie nach langen Zeiten wieder zu Menschen oder zu Geschöpfen, entweder auf diese Erde oder auf anderen Weltkörper gestaltet. (siehe Reinkarnation)[16]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 87
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 531
- ↑ Jakob Lorber, Die drei Tage im Tempel 19.7-8
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.167.17-18
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.201.9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.167.16
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 360
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 532
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 252
- ↑ Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.4.4
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420607a.6-8; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.11.2-3
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 401
- ↑ Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 393
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410525a.3
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.410525a.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.640309.6