Griechisches Heidentum

Wesen
Dem griechischen Heidentum nach sollte jeder Mensch einen Gott nur fürchten, verehren und Ihm Opfer darbringen. Die Liebe zu einem Gott war untersagt, da sie zu unheilig sei und außerdem die strafende Eifersucht der Göttinnen erwecken und man das herbe Los einer Europa, Dido, Daphne, Eurydike und Proserpina für ewig zu erleiden hatte. Die Menschen mussten sich durch ihr Leben auf der Erde erst rein machen, damit an ihrer Seele kein Makel mehr zu finden sei auch durch das schärfste Gericht der drei unerbittlichsten Richter Äakus, Minos und Rhadamanthys. Wurden sie von diesen als völlig rein erklärt vor den Augen und Ohren aller Götter, dann erst war ihnen im ewigen Elysium als größte aller Seligkeiten gestattet, die hohen Götter wenigstens ganz geheim lieben zu dürfen. Zudem tranken sie Lethe (Anm.: Strom der Unterwelt, wer daraus trank, vergaß die Vergangenheit) und verloren ihre Erinnerung. (nach Ouran und Helena)[1]
Die Göttergesetze waren Gesetze des menschlichen Hochmutes, die dieser zu Gottes Willen erklärte. Sie waren von Grund auf widersprüchlich, daher stand der Mensch stets unter Strafe. Beispielsweise sagten die schlauen Priester: "Opferst du dem Pluto, so erzürnst du den Zeus, und opferst du dem Zeus, so erzürnst du den Pluto; aber wenn du den Priestern opferst, die es allein wissen, den Zorn der Götter zu beschwichtigen, so tust du wohl!" Denn sie allein seien die wirkungsvollen Vermittler zwischen den Göttern und Menschen. So zogen die Priester alles Opfer an sich und ließen sich vom armen, blinden Volk, das sie für nichts und wieder nichts aussaugten, noch dazu eine göttliche Verehrung erweisen, und alles Volk musste vor ihrer Macht zittern. (nach Helena)[2]
Götter
Die Götter, welche die alten Griechen verehrten - Zeus, Apollo, Merkur usw. - bestanden in der lebendigen Wirklichkeit nicht. Ihre Namen waren früher bezeichnende Ausdrücke der Eigenschaften des einen, allein wahren Gottes, dann aber nichts als leere Namen, nichts als ein eitles Machwerk, aus der Materie von Menschenhänden angefertigt. Daher kann man sie Jahrtausende lang bitten, anbeten, verehren und lieben mehr als das eigene Leben, und sie werden einen dennoch nie erhören oder einem etwas Gutes tun. Die alte Vielgötterei der Griechen war völlig nichtig; die griechischen Götter waren gar nichts gegen einen vom wahren Geist Gottes erfüllten Menschen.[3]
Götterkrieg
Nach der Sage der Heiden gab es einst einen fürchterlichen Götterkrieg auf der Erde. Dabei schleuderten die riesenhaften Unterweltsgötter gleich ganze brennende Berge mit großer Kraft gegen den Olymp, worauf Zeus mit zahllosen Blitzen und gewaltigen Hagelkörnern antwortete und die bösen Mächte der Unterwelt dadurch besiegte.[4]
Die Orakel
Die Priester und Priesterinnen in Delphi waren nichts als recht feine Dialektiker, die – natürlich um viel Gold und Silber – auf jede Frage eine solche Antwort zu geben wussten, dass sie am Ende recht hatten. Wer z.B. die unsinnige Pythia befragte, ob er mit seiner Ehefrau glücklich sein werde, dann antworte sie "Mit dem Weib wirst du glücklich sein(,) nicht(,) wohl unglücklich!" Dadurch hatte das Orakel recht, ob er nun glücklich war oder nicht, je nachdem er den Satz vor oder nach der Verneinung teilte.[5]
Kein Mensch ist so tot und böse, dass er zu einer gewissen Zeit nicht irgendeine rechte Weissagung hervorbrächte; aber diese kann nicht zugleich als ein Bürge für alle seine gemachten Weissagungen dastehen, sondern ist nur für sich allein wahr. So konnten auch das Orakel von Delphi und das Orakel von Dodona wahre Weissagungen machen, aber einer wahren folgten dann tausend falsche und lügenhafte.[6]
Der Tartarus
Der griechische Mythos vom Tartarus wurde inspiriert von Dingen, die in Grotten und Tropfsteinhöhlen zu finden sind. Die am meisten pfiffige Priesterschaft aller Völker hat es zu allen Zeiten am besten verstanden, solche Naturbestände zu ihrem eigenen Vorteil auszubeuten und zu benutzen, wobei sie ihrer argen Phantasie den freiesten Spielraum gab. Solange die Erde in ihrem notwendigen, sehr verschiedenartigen Gefüge irgend beschauliche Gestaltungen aufzuweisen haben wird, so lange werden auch ihre Menschen, die aus verschiedenen Ursachen blind und lichtscheu sind im Geiste, in ihrer Verstandesphantasie allerlei Zerrbilder formen - den Schiffer Charon, den Styx, die Furien, den Zerberus und Pluto mit der Proserpina - und ihnen außerordentliche, göttliche Kräfte und Wirkungen beilegen, weil sie als Blinde den wahren Grund nicht ersehen mögen.[7]
Geschichte
Die griechische Gotteslehre hatte sicher den gleichen Ursprung wie die der Juden; sie basierte auch auf nur einem Urgrundwesen, dem unbekannten Gott der Götter. Mit der Zeit aber fand man nichts als für einen denkenden Menschen höchst dummer, nichtssagender Fabeln und Märchen, zusammengetragen aus allen Winkeln der menschlichen Tugenden, aber zumeist aus menschlichen Leidenschaften, Schwächen und Lastern. Und dies wurde den Menschen als Gotteslehre mit Feuer und Schwert aufgedrängt. (nach einem römischen Hauptmann)[8]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.88.9-21; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.89.6-7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.113.3-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.210.12; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.84.10-11; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.89.11; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.90.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.99.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.187.13-19; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.88.6
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.167.14-16
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.4.9-12
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.105.4-5