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Biblische Schöpfungsgeschichte

Aus Prophetia
(Weitergeleitet von Schöpfungsgeschichte)

Die Schöpfungsgeschichte nach Moses beschreibt in trefflichen Bildern die einzig wahre und mit aller Ordnung der ewigen Weisheit vollkommen übereinstimmende Entstehung und Fortbildung aller Dinge von ihrem Urbeginn an bis zur ihrer höchsten Vollendung. So entstanden die Sonnen und Erden für sich wie auch im Allgemeinen. So entstand der Mensch für sich wie auch im Allgemeinen, weil die ganze Schöpfung einem Menschen völlig gleicht und entspricht, und weil jedes einzelne, vom Größten bis zum Kleinsten, der ganzen geistigen und materiellen Schöpfung ebenfalls dem Menschen entspricht, da dieser der Grund und das Endziel der gesamten Schöpfung ist.[1]

Biblische Schöpfungsgeschichte nach dem Alten Testament

Die Schöpfung, Tissot, um 1900

In den ersten Kapiteln des Ersten Buches Moses wird die Erste Kirche auf der Erde in Entsprechungen beschrieben, wobei ihre Errichtung unter der neuen Schöpfung des Himmels und der Erde verstanden wird und unter dem Paradies in Eden die himmlische Weisheit dieser Kirche.[2]

Moses erklärt hauptsächlich den seelischen und geistigen Bildungsprozess vom neugeborenen Kind bis zum Greis und vom ersten Menschen der Erde bis ans einstige Ende dieser Welt. Zugleich erklärt er auch den natürlichen großen Schöpfungsakt von Uranbeginn (Anm.: nicht im naturkundlichen Sinn, sondern im geistigen Entsprechungssinn).[3] Was Moses von der Schöpfung sagt, hat mit der Erschaffung der Welt (Anm.: im buchstäblichen Sinn) gar nichts zu tun, sondern allein nur mit der Bildung des Menschen von der Wiege angefangen bis zu seine Vollendung hin. Auch die Gründung der Kirche Gottes auf Erden bis ans Weltende wird angedeutet. Unter "Himmel und Erde" ist der neue Erdenmensch gleich von Geburt an zu verstehen. Der "Himmel" bezeichnet seine innersten, verborgenen, geistigen Fähigkeiten, die leere und wüste "Erde" bezeichnet den neuerstandenen Naturmenschen, der seines Seins kaum bewusst ist - erstes Stadium des Menschen. Mit der Zeit gelangt das Kind zum Selbstbewusstsein und fängt an zu träumen und zu denken. Das ist das "Es werde Licht!" im Menschen, dass er wisse, dass er ist - zweites Stadium. Und so geht das durch alle Schöpfungstage bis zum Ruhestadium der Vollendung des Menschen. (nach Mathael)[4]

Man kann die Schöpfungsgeschichte auf vierfache Weise lesen:

  1. rein naturmäßig, woraus man ein notwendiges Werden in gewissen Perioden nach der ewig unwandelbaren Ordnung Gottes ersieht
  2. naturmäßig und geistig vermischt, wo natürliches und geistiges wie Hand in Hand gehend klar in der Tat und der Erscheinlichkeit ersichtlich wird
  3. rein geistig, wo es nur um die geistige Bildung des Menschen geht und auf Naturerscheinungen keine Rücksicht genommen wird
  4. rein himmlisch, wo der Herr alles in allem ist und alles auf Ihn Bezug hat.[5]

Auf eine Weizenpflanze bezogen sind die sieben Schöpfungstage folgendermaßen zu verstehen:

  1. Erster Tag: Samenlegung ins Erdreich bis zum Keimen.
  2. Zweiter Tag: Bildung des Halmes, der Saug- und Schutzblätter.
  3. Dritter Tag: Bildung des letzten Ringes knapp unter dem Ansatz der ersten Anlagen zur Bildung der Ähre.
  4. Vierter Tag: Bildung und Einrichtung der hülsenartigen Gefäße zur Einzeugung des freien, selbständigen Lebens, wozu auch der Blütenstand zu nehmen ist.
  5. Fünfter Tag: Vom Abfall der Blüte, die Entstehung und volle Ausbildung der eigentlichen, schon ein freies Leben tragenden Frucht und deren freie Tätigkeit, die sich noch im Verband befindet mit den früheren, unfreien Zuständen, aus denen noch ein Teil der Nahrung zur Bildung der Häute genommen wird, obwohl von da die Hauptnahrung aus den Himmeln des Lichtes und der wahren Lebenswärme genommen wird.
  6. Sechster Tag: Die gänzliche Ablösung der in der Hülse reif gewordenen Frucht, wo der Kern dann schon ganz allein zu seiner vollsten Konsolidierung und eben so allein und nun schon vollkommen selbständig die reine Kost der Himmel verlangt, sie annimmt und sich damit frei sättigt fürs freie, ewig unzerstörbare Leben. Das ist der letzte Tag zur Bildung und vollen Freiwerdung des Lebens.
  7. Siebter Tag: Es tritt die Ruhe ein, der Zustand des nun fertigen, vollreifen und für die Ewigkeit bestandfähigen aus den früheren Zuständen konsolidierten Lebens, ausgerüstet mit voller Gottähnlichkeit.[6]

Qualifikation

Um die mosaische Schöpfungsgeschichte ordentlich fassen zu können, muss man das ganze Wesen des Menschen sehr gut kennen. Solche Kenntnis ist so schwer zu erlangen, wie die richtige und volle Erkenntnis Gottes.[7]

Wer die mosaische Schöpfungsgeschichte nicht als die in Bildern gefasste Entstehung und Fortbildung aller Dinge versteht, der soll sie gar nicht lesen, weil er sie nicht versteht, nach einigem Nachdenken ganz irre wird, sich dann über die unlogische Dummheit des Moses ärgert und die sogar böswillige Dummheit aller derer, die solche unlogische dümmste Lehre, als sogar vom Geist Gottes eingegeben, den Menschen aufnötigen, obwohl sie ihnen selbst als eine größte Dummheit vorkommt. Wer die Schöpfungsgeschichte hingegen mit dem rechten Verständnis liest, der wir in Moses nicht nur den umfassendst weisen, sondern auch den vom Geist Gottes dichtest durchdrungenen, wahrsten Propheten erkennen.[8]

Die Schöpfung

Hinweis: Bibeltext nach der Übersetzung von Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984.

1.1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Moses, als ein echter Weiser, meinte durchaus nicht den sichtbaren Himmel. Er verhüllte seine tiefe Weisheit in entsprechende Bilder. Der Himmel bedeutet, dass Gott die Intelligenzfähigkeit sozusagen außer Sich hinausgestellt hat. Unter der Erde verstand Moses die Angleichungs- und Anziehungsfähigkeit der untereinander verwandten, hinausgestellten Intelligenzen, die fast das Gleiche ist, was einige Weltweise der Ägypter und Griechen Ideenassoziation nannten, wo aus verwandten Begriffen und Ideen endlich ein ganzer mit Wahrheit erfüllter Satz zum Vorschein kommen muss. Die materielle Erde ist an und für sich nichts als ein Konglomerat von lauter attraktionsfähigen und unter sich, wie in sich verwandten Substantialpartikeln, daher verwendet sie Moses als Bild.[9]

Der "Himmel" bedeutet das Geistige und die "Erde" das Naturmäßige im Menschen.[10]

1.2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Auf den Menschen bezogen

Mit der Finsterheit wollte Moses nicht die Lichtlosigkeit auf der neugeschaffene Erde andeuten, die als ein Kind der Sonne nicht finster sein konnte. Moses hat damit bildlich angedeutet, dass die Intelligenzfähigkeit und die attraktionsfähige Verwandtschaft der Intelligenzen noch kein wie immer geartetes Erkennen, Verständnis und Selbstbewusstsein - das alles mit dem Begriff "Licht" identisch ist -, sondern das Gegenteil so lange bedingen muss, bis sie sich ergreifen, zu drücken, zu reiben und sozusagen miteinander zu kämpfen anfangen. Das Licht, das Moses am Anfang entstehen lässt, ist wie das Feuer und Licht, das zum Vorschein kommt, wenn man Steine und Holz stark miteinander reibt.[11]

Die Erde war noch wüst und leer, weil mit der Fähigkeit allein, etwas in sich aufnehmen zu können, wie auch mit dem schon gefühlten Bedürfnis dazu, noch kein Gefäß zu füllen ist. Solange im Gefäß (Anm.: den Ideenassoziationen) nichts ist, so lange ist es wüst und leer. Das war auch bei der Urschöpfung der Fall. Wie ein Gedanke oder Begriff für sich noch gleich einem leeren Gefäß oder einem Spiegel im finstersten Keller ist, so ist auch die gesamte gegenseitige Ideen-Verwandtschaft noch wüst und leer. Da noch keine Tätigkeit der Intelligenzfähigkeiten untereinander, sondern pure Fähigkeit zum Sein und zur Tätigkeit vorhanden sind, so ist auch alles kalt, feuer- und lichtlos.[12]

Das Naturmäßige im Menschen war wüst und leer. Das "Wasser" sind die schlechten Erkenntnisse in allen Dingen, über denen wohl auch der Gottesgeist schwebt, aber noch nicht in ihnen ist. (Anm.: Der Mensch ist noch nicht vergeistigt, sein Erkennen daher rein natürlich.) [13]

Auf die Urschöpfung bezogen

Wenn ein Mensch Gedanken zu Ideen verbindet und sie bewerkstelligt haben möchte, benötigt er neben den materiellen Mitteln eine übermächtig große Liebe zu seinen Gedanken und Ideen. Durch diese Liebe werden die Gedanken und die daraus entstandenen Begriffe als schon mehr konkrete Ideen stets lebendiger und ausgebildeter. Diese Liebe ist der Geist Gottes in Gott Selbst, der auf dem Wasser schwebte, wobei das Wasser der noch form- und wesenlosen unendlichen Masse der Gedanken und Ideen Gottes entspricht. Durch diesen Geist belebt, fingen die Gedanken Gottes an, sich zu großen Ideen zu verbinden, und es drängte ein Gedanke den anderen und eine Idee die andere. Da geschieht dann in der göttlichen Ordnung wie von selbst das "Es werden Licht" und "Es ward Licht".[14]

1.3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

Da der Geist Gottes allzeit sieht, dass es in der materiellen Welttiefe des Menschen entsetzlich finster ist, so spricht Er zum Menschen.[15]

Der Geist Gottes ist das Göttlich-Wahre; ebenso das Licht. Die Welt ist durch das göttlich Wahre (dem Licht oder Wort Gottes) vom Herrn erschaffen worden, daher wird im Buch der Schöpfung zuerst vom Licht und dann erst von dem gesprochen, was aus dem Licht entstand.[16]

Die ewige Lebenskraft Gottes hat sich in ihrem Sein unterscheidlich zu erforschen und zu erkennen angefangen. Der Himmel stellt die sich selbst erkennende Weisheit seines Ichs dar; in dem liebeglühenden Schwerpunkt seines Zentrums aber, im liebeheißen Zentrum, das mit Erde gemeint ist, war es noch finster und wüste und leer, also noch ohne eine tiefere Erkenntnis des eigenen Selbst. Das Zentrum wurde desto heißer, je mehr die Massen des äußeren Selbstbewusstseins auf es zu drücken begannen. Das Zentrum geriet in die höchste Glut, und aus dem siedenden Lebenswasser entstieg der Dampf (Geist), schwebte nun frei auf und über den Wassern des stummen und ruhigen ewigen Vorseins und erkannte sich durch und durch. Dieses Erkennen ist das Licht, das Moses Gott zur Vertilung der Finsternis gleich nach der Erschaffung des Himmels und der Erde werden lässt. Von da an erst wird Gott als ein wie ausgesprochenes Wort Selbst zum "Wort", und dieses Wort "Es werde!" ist ein in sich sich selbst durch und durch erkennender freier Wille, ein Sein im Sein, ein Wort im Wort, ein Alles nun in Allem. Von da an erst beginnt aus dem freiesten Willen die sich nun durch und durch erkannte Urlebensquelle alles anderen Lebens hervorzugehen.(nach Mathael)[17]

1.4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis

Auf den Menschen bezogen

Die Scheidung von Licht und Finsternis wird leichter verständlich, wenn man für den Tag das schon selbständige Leben und für die Nacht den Tod oder das Gericht, oder für den Tag die Selbständigkeit und für die Nacht die Gebundenheit, oder für den Tag das sich selbst schon erkennende Liebeleben des göttlichen Geistes in der neuen Kreatur und für die Nacht die noch unbelebten Gedanken und Ideen aus Gott begreift. Das freie Leben wird von dem Gerichtsleben geschieden, das unverwüstbare Leben vom zerstörbaren Gerichtsleben.[18]

Es fängt in der Natur des Menschen zu dämmern an, und Gott sieht es wohl, wie gut das Licht für des Menschen Finsternis ist. Deshalb geschieht dann auch eine Teilung im Menschen und dieser erkennt dann aus dem Tag in sich die früherer Nacht seines Herzens. [19]

Auf die Urschöpfung bezogen

Dieser Satz bedeutet nicht, Gott habe erst nach dem sich aus dem Feuer der Liebetätigkeit des Geistes entwickelten Lichtes eingesehen, dass das Licht gut sei. Dies ist nur ein Zeugnis der ewigen und endlosen Weisheit Gottes, laut dem dies Licht ein wahrhaft freies, sich von selbst aus der Tätigkeit der Gedanken und Ideen Gottes nach der Ordnung der Weisheit entwickeltes Geistlebenslicht ist, durch das die auf diese Weise von Gott hinausgestellten Gedanken und Ideen Gottes sich als selbständige Wesen nach eigener Intelligenz weiterhin, natürlich unter dem unvermeidbar beständigen Einfluss Gottes, sich wie von selbst heraus ausbilden können.[20]

Der Spruch: "Da schied Gott das Licht von der Finsternis!" bezieht sich auf den Geisterfall.[21]

1.5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Beim Menschen ist sein erstes Natursein tiefer Abend, also Nacht. Da aber Gott ihm ein Licht gibt, so ist solch ein Licht dem Menschen ein rechtes Morgenrot, woraus sein erster Lebenstag folgt.[22]

So ein Kind zur Welt geboren wird, da ist es in dessen Seele vollkommen finster und somit Nacht. Das Kind aber wächst auf, bekommt dann allerlei Unterricht und wird dadurch stets einsichtsvoller in allerlei Dingen, und das ist der Abend - es fängt an, in der Seele dämmerig zu werden. Es dämmert wohl auch am Morgen und Moses hätte sagen können: "Und also wurde aus dem Morgendämmerung und aus dem eigentlich schon hellen Morgen der erste Tag!" Dies wäre aber in geistiger Entsprechung ein barster Unsinn, denn Moses wusste, dass nur der Abend dem irdischen Zustand des Menschen entspricht. Er wusste, dass es bei den Menschen mit der rein irdischen Verstandesbildung gerade also zugeht, wie mit dem stets schwächer werdenden Schein des natürlichen Abends. Je mehr die Menschen mit ihrem Verstand nach irdischen Dingen zu ringen anfangen, desto schwächer wird in ihrem Herzen das rein göttliche Licht der Liebe und des geistigen Lebens. Daher nannte Moses ein solches irdisches Licht des Menschen auch den Abend. Nur wenn Gott durch Seine Barmherzigkeit dem Menschen ein Lebenslichtlein im Herzen anzündet, dann fängt der Mensch erst an, die Nichtigkeit alles dessen einzusehen, was er sich zuvor mit seinem Verstand angeeignet hatte. Und er sieht dann auch stets mehr ein, dass alle Schätze des Abendlichtes ebenso vergänglich sind wie dieses Licht, denn alles Erkennen im Abendlicht der Welt ist trügerisch und daher vergänglich. Das rechte Licht von Gott aber, im Herzen des Menschen angezündet, ist der Morgen, der mit und aus dem vorhergegangen Abend den ersten wahren Tag im Menschen bedingt.[23]

Der Abend ist derjenige Zustand, in dem sich die Vorbedingungen zur endlichen Aufnahme des Liebelebens aus Gott durch den Einfluss des allmächtigen Gotteswillens zu konstatieren und zu ergreifen anfangen, gleich den einzelnen Gedanken und Begriffen zu einer Idee. Gemeint ist der Übergang des vorhergehenden gerichteten, unfreien Zustandes der Kreatur in den freien, selbstständigen Zustand, der Morgen genannt wird. Es folgen sechs solche Tage aus Abend und Morgen, weil jedes Ding von seinem Urbeginn bis zu seiner Vollendung als das, was es ist oder sein soll, sechs Perioden durchzumachen hat, bis es vollendet dasteht.[24]

Im naturmäßigen Sinn erkennt man den ersten Tag auf den ersten Blick als den größten Unsinn. Hätte Moses die Entstehung des ersten Naturtages der Erde in seiner Schrift anzeigen wollen, so dürfte er bei all seiner Wissenschaft und Weisheit doch gemerkt haben, dass aus dem Abend und Morgen nie ein Tag hervorgehen kann; denn dem Abend folgt natürlich doch allzeit die feste Nacht, und dem Morgen erst der Tag.[25]

1.6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern.

Damit sich das Gotteslicht im Menschen nicht ins Abendlicht ergießt und alsdann verzehrt oder derart vermischt wird, dass man am Ende nicht mehr weiß, was Naturlicht und was Gotteslicht im Menschen ist, machte Gott eine Feste zwischen den beiden Wassern, welche die beiderlei Erkenntnisse bedeuten, teilte also diese beiden Wasser.[26]

1.7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
1.8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Die Feste ist der eigentliche Himmel im Menschenherzen und spricht sich im wahren lebendigen Glauben aus, aber ewig nie in einer leeren und nichtigen Verstandesgrübelei. Aus demselben Grund nannte Jesus den mächtigen und ungezweifelten Glauben einen Fels und stellte ihn als eine Feste zwischen Himmel und Hölle. Diese Feste wird keine finstere Macht der Hölle ewig nicht überwältigen können. Wenn im Menschen solche Feste gestellt und der Glaube zunehmend mächtiger wird, dann wird aus solchem Glauben das Nichtige der Sache des Naturverstandes stets klarer ersichtlich. Der Naturverstand begibt sich dann unter die Herrschaft des Glaubens, und es entsteht im Menschenherzen aus seinem Abend und seinem stets helleren Morgen der andere und schon bei weitem hellere Tag.[27]

1.9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so.

Im Zustand des zweiten Tages sieht der Mensch schon das, was sich allein als vollends Wahres für ewig bewähren muss; aber es ist in ihm noch immer keine rechte Ordnung. Der Mensch vermengt noch das Naturmäßige mit dem rein Geistigen, vergeistigt oft die Natur zu sehr und erschaut dadurch im Geist Materielles und ist darum auch noch für keine rechte Tat entschieden da. Er gleicht einer Wasserwelt, die wohl von allen Seiten mit lichtdurchflossener Luft umgeben ist, wobei er aber doch nicht darüber ins klare kommen kann, ob seine Wasserwelt aus der sie umgebenden Lichtluft, oder ob diese aus der Wasserwelt hervorgegangen sei. Er weiß also noch nicht klar genug, ob sich seine geistige Erkenntnis aus seinem Naturverstand, oder ob dieser sich aus der geheim im Menschen wirkenden geistigen Erkenntnis entwickelt hat. Er weiß nicht, ob der Glaube aus dem Wissen oder das Wissen aus dem Glauben hervorgeht, und welcher Unterschied zwischen beiden ist. Kurz: Er weiß nicht, was eher da war, die Henne oder das Ei. Da kommt Gott wieder und hilft dem Menschen weiter, so der Mensch für solchen zweiten Tag seiner geistigen Bildung aus der ihm verliehenen und somit eigenen Kraft genug getan hat. Diese Hilfe besteht darin, dass im Menschen das Licht vermehrt wird und es dadurch, gleich der Sonne im Frühling, nicht allein durchs erhöhte Leuchten, sondern durch die eben durchs erhöhte Leichten bewirkte Wärme alle die ins Herz des Menschen gelegte Samen zu befruchten anfängt. Solche Wärme heißt die Liebe und ist geistig zugleich das Erdreich, in welchem die Samen und Keime ihre Wurzeln zu treiben beginnen.[28]

1.10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.

Der Mensch wird demnach gesondert sogar in seinem naturmäßigen Teil. Die Erkenntnisse haben ihren Ort, das ist das Meer des Menschen. Die aus den Erkenntnissen hervorgegangene Liebe als ein Früchte zu tragendes Erdreich wird stets von dem Meer als der Gesamtheit der Erkenntnisse rechten Lichtes umspült und zur stets reicheren Hervorbringung allerlei edelster Früchte neu gekräftigt.[29]

Auch aus dieser Stelle wird deutlich sichtbar, dass die Sage Moses unmöglich einen materiellen Sinn hat, sondern nur einen rein geistigen. Weil für wen hätte Gott Erde und Meer also benannt? Für Sich sicher nicht, denn das wäre zu lächerlich, der höchsten göttlichen Weisheit zumuten zu wollen, sie hätte ein besonderes Gefallen daran, weil es ihr etwa wie einem Menschen gelungen sei, das Trockene "Erde" und das abgesonderte Wasser "Meer" zu nennen. Und für jemand anders konnte Gott diese Namen sicher nicht geben, da außer Ihm noch kein Wesen da sein konnte, das Ihn verstanden hätte.[30]

1.11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so.

Wenn die Erkenntnisse des Menschen die Liebe von allen Seiten umgeben und von der Liebesfeuerflamme, der sie stets mehr und mehr Nahrung geben, zunehmend erhellt und ernährt werden, dann wird der Mensch in allem auch in gleichem Maß tatkräftiger und tatfähiger. In solchem Zustand kommt Gott dann im Geiste wieder zum Menschen, und spricht als die ewige Liebe zur Liebe des Mensch im Herzen: "Es lasse die Erde nun aufgehen allerlei Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume und Gesträuch aller Art, davon ein jegliches Frucht trage nach seiner Art und seinen eigenen Samen habe bei sich auf Erden!" Nach solchem Gebot bekommt dann der Mensch einen festen Willen, Kraft und Mut und legt nun Hand ans Werk.[31]

1.12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.

Die rechten Erkenntnisse des Menschen erheben sich als regenschwangere Wolken über das geordnete Meer, und ziehen über die trockene Erde, befeuchten und befruchten sie. Darauf fängt die Erde dann an zu grünen, das heißt, was nun der rechte, mit der himmlischer Weisheit durchleuchtete Verstand als vollends gut und wahr erkennt, das will und begehrt dann sogleich auch die Liebe im Herzen des Menschen. Gleichwie der Same, so er in die Erde gelegt wird, bald aufgeht und eine vielfältige Frucht bringt, ebenso wirken die rechten Erkenntnisse, so sie ins lebensfrohe Erdreich des Herzens gelegt werden. Kurz: Die rechte Erkenntnis wird erst im Herzen zur Tat, und aus der Tat gehen dann allerlei Werke hervor.[32]

1.13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

Der frühere ursprüngliche Abend des Menschen, durch das Licht aus den Himmeln zur rechten Erkenntnis erhoben, wird so zur Tat, der die Werke folgen müssen; und das ist der dritte Tag in der Bildung des Herzens und des ganzen Menschen im Menschen, des geistigen Menschen, um den allein sich alles handelt, weswegen Moses und alle anderen Propheten von Gott in diese Welt gekommen sind, so wie der Herr Selbst.[33]

1.14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre
1.15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.
1.16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

Solange der Mensch Geschöpf ist, ist er zeitlich, vergänglich und kann nicht bestehen; denn ein jeder Mensch, wie er naturmäßig geschaffen ist, ist nichts als nur ein taugliches Gefäß, in dem sich erst ein rechter Mensch durch beständige göttliche Mitwirkung entwickeln kann. Hat das äußere Gefäß den hinreichenden Grad der Ausbildung gewonnen, wozu Gott das Gefäß mit allen möglichen Bestandteilen und Eigenschaften übergenug eingerichtet hat, dann entwickelt Gott Seinen ungeschaffenen ewigen Geist im Menschenherzen. Dieser lehrt dann das frühere Gefäß, sich völlig in sein ewig ungeschaffenes Gottwesen umzugestalten und macht so den ganzen Menschen zu einem wahren Gotteskind. Dieser Geist ist nach dem Maß seiner Auswirkung das, was Moses unter den zwei Lichtern versteht und verstanden haben will, der Dirigent des wahren Tages im Menschen. Das haben auch alle Patriarchen und Propheten nie anders verstanden.[34]

1.17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde

Die Feste bedeutet der aus dem rechten Verständnis und aus der Liebe hervorgehende feste Wille nach der göttlichen Ordnung. Weil solcher Wille aber nur aus der fruchtbringenden Fülle der wahren Gottesliebe im Menschenherzen, so wie diese selbst aus dem himmlischen Licht, das Gott in den Menschen ausgoss, als Er dessen innere Finsternis teilte in Abend und Morgen, hervorgehen kann, so ist diese rechte Liebe und die rechte Einsicht und ein rechter Verstand, das sich im Menschen alles als ein lebendiger Glaube bekundet, der Himmel im Menschen, und der daraus hervorgegangene feste Wille in der Ordnung Gottes ist die Feste des Himmels im Menschen. An solche Fest gibt Gott, so sie vollends nach dem Liebewillen Gottes in der rechten Ordnung ist, neue Lichter aus dem Himmel der Himmel, der reinen Vaterliebe im Herzen Gottes. Diese Lichter beleuchten dann den Willen und erheben ihn zur Einsicht der Engel des Himmels der Himmel und erheben dadurch den geschaffenen Menschen zum ungeschaffenen, nun durch den eigenen freien Willen sich selbst in der göttlichen Ordnung neu umgestaltet habenden Kind Gottes.[35]

1.18 und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.

Das rein Göttliche, oder der ungeschaffene Geist Gottes, der nun für ewig an solche Himmelsfeste gestellt wird, ist das große Licht. Die Seele des Menschen, die durch das große Licht dann auch zu einem nahezu gleich großen Licht umgestaltet wird, ist das zweite, kleinere Licht. Es wird nun gleich dem ungeschaffenen großen Licht an dieselbe Himmelsfeste gestellt und vom ungeschaffenen Licht zum mitungeschaffenen Licht umgestaltet, ohne an seiner naturmäßigen Beschaffenheit etwas zu verlieren, sondern in einem vollends geistig geläuterten Sinne unendlich viele zu gewinnen. Denn die Menschenseele für sich könnte ewig nie Gott in Seinem reinsten Geistwesen erschauen, und umgekehrt könnte der reinste ungeschaffene Gottesgeist nie das Naturmäßige erschauen, da es für ihn keine materielle Naturmäßigkeit gibt. Aber in der zuvor erwähnten vollen Verbindung des reinsten Geistes mit der Seele kann nun die Seele durch den ihr zugekommenen neuen Geist Gott erschauen in Seinem urgeistigen reinsten Wesen, und der Geist durch die Seele das Naturmäßige. Das ist es, was Moses sagt, dass das eine große Licht den Tag und das kleine Licht die Nacht regiere und die Zeichen bestimme, das ist: in aller Weisheit den Grund aller Erscheinlichkeit und aller geschaffenen Dinge, also auch die Zeiten, Tage und Jahre bestimme, was so viel sagen will als: in allen Erscheinungen erkennen die göttliche Weisheit, Liebe und Gnade.[36]

Die ebenfalls erwähnten Sterne sind die zahllosen nützlichen Erkenntnisse in allen einzelnen Dingen, die natürlich aus der einen Haupterkenntnis kommen und daher an dieselbe Himmelsfeste wie die zwei Hauptlichter gestellt sind.[37]

Durch das Licht wird im Allgemeinen das Göttlich-Wahre bezeichnet, das Wahre aus dem Wort. Das Licht der Sonne bezeichnet das geistige Göttlich-Wahre, das Licht des Mondes und der Sterne das natürliche Göttlich-Wahre, beides aus dem Wort. Der geistige Sinn des Wortes fließt auch in seinem natürlichen Sinn ein, wie die Sonne mit ihrem Licht in den Mond. Ebenso erleuchtet auch der geistige Sinn des Wortes die Menschen, selbst jene, die nichts von diesem Sinn wissen, während sie das Wort im natürlichen Sinn lesen. Jedoch erleuchtet er den geistigen Menschen wie das Sonnenlicht sein Auge, den natürlichen Menschen aber wie das Licht des Mondes und der Sterne. Jeder wird erleuchtet nach dem geistigen Trieb zum Wahren und Guten, und zugleich nach den reinen Wahrheiten, durch die er sein Vernünftiges aufgeschlossen hat. Dies wird hier auch unter Tag und Nacht verstanden.[38]

1.19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

Dieser vierte Schöpfungstag ist wie die drei früheren aus demselben Abend und Morgen des Menschen (siehe oben) hervorgegangen.[39]

Auch der vierte Tag ist den bloß natürlichen Verstandeskräften nach der größte Unsinn. Wenn Gott schon am ersten Tag das Licht und Abend und Morgen schuf, wieso denn am vierten Tag noch einmal Lichter, die Tag und Nacht scheiden sollen? Zudem ist nur von Lichtern die Rede und nicht von Mond und Sonne. Was für Zeichen? Welche Zeiten? Was für Tage und Jahre? Ist die Nacht nichts, wird sie nicht so gut gezählt, wie der Tag? Dazu ist die Erde rund und hat auf einer Seite stets Tag und auf der anderen Nacht, die sie durch ihre Drehbewegung zustande bringt, wobei die Sonne nichts tut als nur zu leuchten, daher nie und nimmer den Tag regieren kann. Dann noch eine Feste am Himmel, die im natürlichen Raum nirgends besteht, indem Sonne, Mond und Gestirne alle völlig frei im Äther schweben und nirgends an eine himmlische Feste angeheftet sind, ansonsten sie sich ja nicht bewegen könnten.[40]

1.20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels.

Der fünfte und sechste Schöpfungstag, die nachträgliche Erschaffung der gesamten Tierwelt und endlich des Menschen, bezeichnet nichts anderes als die volle Lebendigwerdung und sichere Realisierung alles dessen, was der Mensch in seinem naturmäßigen Teil in sich fasst. Sein Meer und all sein Gewässer wird voll Leben, der Mensch erkennt und erschaut in seinem nun rein göttlichen, ungeschaffenen Licht die zahllose und endlos mannigfache Fülle der schöpferischen Ideen und Formen und wird auf diese Art seiner rein göttlichen Abkunft inne.[41]

1.21 Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
1.22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.
1.23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.
1.24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.
1.25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
1.26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

Zu Gottes Bild und zu Gottes Ähnlichkeit erschaffen heißt: alles, was zur göttlichen Ordnung vom Ersten bis zum Letzten gehört, in ihn hineintragen, und so denselben in Ansehung des Inneren seines Gemütes zum Engel machen.[42]

1.27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Die erzählte Erschaffung des ersten Menschen stellt die vollendete Menschwerdung dar oder die Überkommung der vollkommenen Kindschaft Gottes.[43]

1.28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
1.29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.
1.30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.
1.31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
2.1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.

Durch die Heere der Himmel wird Gutes und Wahres des Himmels und der Kirche bezeichnet.[44]

2.2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
2.3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.
2.4 So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden. Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.

Das Paradies

2.5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute;
2.6 aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land.
2.7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Gott hat aus Seiner ewigen Ordnung gewollt, dass die in der Erde gerichtet gefangenen Geister (siehe: Geisterfall) sich aus der Erde, die sie gefangen hielt, und zwar aus deren leichter fügbarem Lehm, einen Leib ganz nach der entsprechend geistigen Form bauen sollen, in dem sie sich mit vieler Freiheit bewegen könnten, ihr Ich und aus dem Gott wieder erkennen und sich so frei der göttlichen Ordnung unterordnen sollen, um dadurch zu ihrer urgeistigen Natur zu gelangen, nämlich ganz vollendet reine Geister zu werden, gleich den Urerzengeln.[45]

Der Hauch, den Gott Adam in die Nase blies, damit dieser eine lebendige Seele erhielt, weht fortwährend über und durch die ganze Erde, die sich samt und sämtlich in Adam verjüngt darstellt, und erweckt zahllose lebendige Seelen für künftige Menschen.[46]

Der Wind bedeutet den Einfluss; gemeint ist das göttliche Wahre, das einfließt. Daher heißt der Herr der Odem der Nase Klage 4.20 und wird gesagt, dass Er in Adams Nase den Lebenshauch geblasen habe.[47]

2.8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.
2.9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

Durch den Baum wird der Mensch bezeichnet, durch die Frucht das Gute des Lebens. Der Baum des Lebens bedeutet den aus Gott lebenden Menschen. Liebe und Weisheit, Nächstenliebe und Glaube, das Gute und Wahre bilden das Leben Gottes im Menschen, und so bezeichnet der Baum des Lebens den Menschen, in dem diese Dinge von Gott her sind, und der von daher ewiges Leben hat.[48]

Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen steht für den Menschen, der aus sich und nicht aus Gott zu leben glaubt, der Liebe und Weisheit, Nächstenliebe und Glaube, das heißt das Gute und Wahre nicht für Gottes, sondern für sein Eigentum hält, weil er allem Anschein nach denkt und will, redet und handelt wie aus sich.[49]

2.10 Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilte sich von da in vier Hauptarme.
2.11 Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold;
2.12 und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham.
2.13 Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch.
2.14 Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.
2.15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
2.16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten,
2.17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

siehe dazu Mensch und Erkenntnis

2.18 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.
2.19 Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.
2.20 Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.
2.21 Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch.
2.22 Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

Die mehr harten Teile der Erde fassen die hartnäckigeren Geister, also hatte sich auch im ersten wie in allen nachfolgenden Männern gewisserart der hartnäckigere Teil in die Knochen des Mannes gelagert, die mit den Bergen der Erde in vollster Entsprechung stehen. Das mehr Sinnliche, Stolze und Hochmütige des Mannes ward durch Gottes Weisheit und Macht aus dem Mann geschieden und in einer dem Mann ähnlichen weiblichen Form dargestellt. Diese steht mit dem Mann in einer lebendigen Entsprechung und ist dadurch und durch den Akt der Zeugung zur Erweckung einer lebendigen Frucht in ihr nach dem allmächtigen Willen Gottes fähig. Da ihr als dem hartnäckigeren geistigen Teil des Mannes ein größeres Leiden auferlegt ist, kann sie ihren Geist ebenso vollenden wie der Mann seinen sanfteren, - wodurch es dann nach der Schrift auch geschehen kann und geschieht, dass am Ende Mann und Frau eins werden.[50]

In Bezug auf die Erschaffung von Adam und Eva: Der "Lehm" versinnbildlicht die Liebe Gottes, die "Rippe" Seine Gnade und Erbarmung.[51]

2.23 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist.
2.24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein "ein" Fleisch.

Der Ausdruck, dass Mann und Frau dann einen Leib haben, bedeutet nichts anderes als dass obschon das Wesen der Frau der hartnäckigere Teil des Mannes ist, so wird es aber durch die im Verhältnis stärkere Probung am Ende dem ohnehin sanfteren Geistteil des Mannes vollends gleich.[52]

2.25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.

Durch die Blöße wird hier die Unschuld bezeichnet.[53]

Biblische Schöpfungsgeschichte nach dem Neuen Testament

siehe Johannes Evangelium (Geistiger Sinn) - Das Wort ward Fleisch

Falsche Vorstellungen

Die Schöpfungsgeschichte des AT als natürliches Geschehen

Die Schöpfungsgeschichte nach Moses im rein natürlichen Sinn ist ein gröbster Unsinn. Selbst die jüdischen Schriftgelehrten schenkten ihr einst keinen Funken Glauben, auch wenn sie sie des Volkes wegen aufrecht erhielten und sich dafür gut bezahlen ließen. Die Auffassung der Schöpfungsgeschichte im natürlichen Sinn besteht nicht einmal eine einfache kritische Betrachtung:

  • Wenn Gott schon am ersten Tag Licht und Finsternis, Tag und Nacht erschuf, wieso sollte Er es dann nötig haben, am vierten Tag, nachdem nun schon drei Tage und Nächte vergangen seien, noch zwei große Lichter zu erschaffen, von denen das größere den Tag, das kleinere die Nacht regiere?
  • Wenn man betrachtet, was Sonne, Mond und Sterne der Naturkunde nach sind, erweist sich die mosaische Schöpfungsgeschichte als ein größter Unsinn, aus dem man nicht klug werden kann.
  • Indem die Erde eine Kugel ist, wird es auf ihr eigentlich nie Nacht, weil ein Teil von ihr immer von der Sonne erleuchtet wird. Und der Mond ist ein sehr unbeständiger Patron und kümmert sich höchstens einige Tage im Monat um die Regierung der Nacht.
  • Es ist Wahnsinn, zu sagen, aus Abend und Morgen würde ein Tag gemacht. Jedermann erfährt sein ganzes Leben lang, dass der Tag stets nur zwischen dem Morgen und dem Abend, nie aber zwischen dem Abend und dem Morgen zu stehen kommt. Zwischen Morgen und Abend liegt logisch richtig der Tag, zwischen Abend und Morgen die Nacht.
  • Noch verrückter ist die Diktion, dass Gott erst dann, als Er das Licht erschuf, eingesehen hatte, dass es gut war. Gottes höchste Weisheit muss doch schon von Ewigkeit her als selbst Licht alles Lichtes gesehen und gemerkt haben, dass das Licht gut war. Es ist ein ärgerlicher Unsinn, annehmen zu müssen, Gott ruhte vorher von Ewigkeit in der tiefsten Finsternis, um dann nach der Schöpfung des Lichtes der Erde von neuem erst wieder einzusehen, dass das Licht gut war. (nach Cyrenius)[54]

Die Schöpfungsgeschichte nach Moses stellt nur Bilder auf, welche die Gründung der ersten Erkenntnis Gottes bei den Menschen der Erde kundgeben, nicht aber die materielle Schöpfung der Erde und aller anderen Welten. Wörtlich auf die Schöpfung der Naturwelt angewendet ist sie ein Unsinn. Sie soll als Gründung der ersten Kirche auf Erden verstanden werden. Wer die Bücher des Moses schärfer betrachtet als irgendeine Fabel, muss bald merken, dass sich Moses in seiner Bildersprache vor allem und nahezu allein nur mit der ersten Herzens- und Verstandesbildung der Menschen abgibt, weshalb er auch gleich das Menschlich-Historische (Anm.: die Adam-Eva Geschichte) daran bindet. Die Schöpfungsgeschichte hat mit der einstigen, natürlichen Schöpfung der Welten nur in einem aus dem Geistigen nach rückwärts wirkenden Entsprechungsssinn, d.h. vom Geistigen ins Materielle, eine Beziehung. Dies aber vermag nur die Weisheit der Engel zu ergründen. Kraft solcher Weisheit, welche die Weisheit der Weisen der ganzen Erde übertrifft, kann man dann bis auf ein Haar auch die ganze natürliche Schöpfung in der Schöpfungsgeschichte der Genesis finden, welche fast in derselben Ordnung aufeinanderfolgt, natürlich in sehr gedehnten Zeiträumen. Solche Wissenschaft ist aber auf dieser Welt für keinen Menschen besonders nützlich, weil der Mensch durchs viele Wissen selten bedeutend besser, oft aber schlimmer wird. Aber geradeaus, wie es da steht, hat es nur einen rein geistigen Sinn und zeigt an, wie vorerst ein Mensch für sich, und also auch die ganze Menschheit, von Zeit zu Zeit und von Periode zu Periode gebildet wird, von ihrer ursprünglich notwendigen Naturmäßigkeit ins stets reinere Geistige hinüber.[55]

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.222
  2. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 46
  3. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.220.7
  4. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.235.1-4
  5. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 4.163.2-6
  6. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.221.5-6
  7. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.219.2-3
  8. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.222.1-3
  9. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.219.5-9
  10. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.4
  11. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.219.10-11
  12. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.220.1-3
  13. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.4
  14. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.220.6-7
  15. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.5
  16. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 137; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 200
  17. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.28.5-8
  18. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.221.1-2
  19. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.6
  20. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.220.8
  21. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.224.1
  22. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.7
  23. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.11-17
  24. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.221.3-4
  25. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.3; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.157.8-9
  26. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.158.1-2
  27. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.158.3-5
  28. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.158.6-11
  29. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.158.16
  30. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.158.12-15
  31. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.159.1-3
  32. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.159.4-6
  33. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.159.7
  34. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.161.1-3
  35. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.160.12
  36. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.161.6-7
  37. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.161.8
  38. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 414
  39. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.161.9
  40. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.160.2-10
  41. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.162.1-2
  42. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 20
  43. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.162.2
  44. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 447
  45. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.166.3
  46. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.65.9-10
  47. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 343
  48. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 48q
  49. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 48r
  50. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.166.5
  51. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.30.12
  52. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.166.6
  53. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 213
  54. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.214
  55. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 2.172.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.156.9; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.158.15; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.162.5-7; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.215.1-3