Zum Inhalt springen

Kirchenlehre

Aus Prophetia
Dieser Artikel behandelt die christliche Kirchenlehre. Für die Kirchenlehre im allgemeinen Sinn siehe Kirche.

Wesen

Die (christliche) Kirche gründet sich auf das Wort und ist so beschaffen, wie ihre Einsicht in das Wort beschaffen ist. Wer die Kirchenlehre nicht aus dem Wort nimmt, sondern sie aus dem eigenen Verstand ausbrütet, der begeht damit eine Gotteslästerung. Alles Falsche in der Lehre hat seinen Ursprung nirgends anderswoher, als aus dem eigenen Verstand.[1]

Obwohl die christliche Lehre auf den strengen Rat des Kaisers Konstantin sehr vereinfacht wurde, blieb dennoch eine Menge Kehricht, der trotz der oftmals zugelassenen und vorgenommenen Sichtungen, Sektenabtrennung zur Folge hatte.[2]

Wenn man die Liebe zum Herrn und die tätige Nächstenliebe zur Hauptsache des Glaubens machte, so wären die verschiedenen Lehren lediglich Meinungsverschiedenheiten des Glaubens, welche die wahren Christen dem Gewissen eines jeden überließen, wobei sie in ihrem Herzen sprächen, ein wahrer Christ ist, wer als Christ lebt oder wie der Herr lehrt.[3]

Für den Menschen kann es in geistiger Hinsicht keinen beunruhigenderen Zustand geben, als wenn mit einigen Funken Christentum ein ganzer Feuerstrom des schmutzigsten Aberglaubens verbunden wird. Es ist leichter, die stockfinstersten Heiden sowohl hier als jenseits für die reine Wahrheit zugänglich zu machen, als solche verheidnete Christen.[4]

Gottesbild

Die Dreieinheit Gottes ist in der christlichen Welt teils bekannt, teils unbekannt.[5] Die Christen bekennen zwar Einen Gott, jedoch (meist) in folgender (oder ähnlicher) Form, in der sich die Dreiheit Gottes und die Einheit Gottes einander widersprechen (aus Athanasianum): "Katholischer (allgemeiner) Glaube ist, dass wir Einen Gott in der Dreiheit, und eine Dreiheit in der Einheit verehren. Es sind drei göttliche Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, und doch sind nicht drei Götter, sondern es ist Ein Gott. Eine andere ist die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes und eine andere die des Heiligen Geistes, und die haben einerlei Gottheit, gleiche Herrlichkeit und gleich ewige Majestät. So ist der Vater Gott, der Sohn ist Gott und der Heilige Geist ist Gott. Wie wir aber durch die christliche Wahrheit angetrieben werden, eine jede Person für sich als Gott und Herrn zu bekennen, werden wir durch die allgemeine Religion verhindert, drei Götter und drei Herren zu nennen."[6] Aufgrund dieser falschen Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist die heutige Kirche verwirrt und es gibt eine Zusammenhanglosigkeit in den Dingen der Kirche.[7]

Die Vorstellung einer Dreiheit von Göttern ist in den Gemütern der Christen fest verwurzelt, obgleich sie dem aus Scham widersprechen. Sie gleichen Taschenspielern, die durch das Falten von Stoff oder Papier zu beweisen versuchen, dass drei eins sind und eins drei.[8] Die wenigsten Menschen und auch die wenigsten Christen wissen, dass der Herr als Schöpfer des Himmels und aller Weltkörper vollkommen ein Mensch ist. Stattdessen machen sie sich die lächerlichsten Vorstellungen. Bei den einen muss Gott angetan sein wie ein Monarch, bei anderen halbnackt auf einer Wolke sitzen und das Kreuz in der Hand halten. Wieder andere stellen Ihn als eine fliegende Taube dar, die über den zwei unteren Personen, dem Monarchen und dem kreuztragenden Christus schweben muss, andere machen Ihn gleich zu allen diesen dreien.[9]

Man tut gut daran, sich Gott in menschlicher Gestalt zu denken. Auch die Alten haben nicht anders gedacht. Von Abraham, Lot, Gideon, Manoach und seiner Gattin wird im Wort berichtet, wie sie Gott in menschlicher Gestalt gesehen und Ihn, den Geschauten, als Schöpfer des Weltalls anerkannt und Jehova genannt haben. Dies geschah aus innerer Wahrnehmung. Heutzutage ist diese innere Wahrnehmung in der christlichen Welt verloren gegangen und nur bei Einfältigen, die im (lebendigen) Glauben stehen, zurückgeblieben.[10]

Erlösung

Es gibt gegenwärtig keine Lehre, welche die Bücher der Orthodoxen mehr füllte, die Bildungsanstalten eifriger gelehrt und von den Kanzeln herab häufiger gepredigt wurde, als die folgende: Gott Vater, erzürnt über das menschliche Geschlecht, hat es nicht allein aus Seiner Gegenwart verstoßen, sondern allgemein zur Verdammnis verurteilt, also mit dem Fluch belegt. Weil Er aber gnädig ist, hat Er Seinen Sohn bewogen oder erweckt, herabzusteigen und die beschlossene Verdammnis auf sich zu nehmen, um auf diese Weise den Zorn Seines Vaters zu versöhnen, da dieser nur so und nicht anders den Menschen wieder mit einiger Gunst anblicken konnte. Der Sohn hat dies auch wirklich getan, hat Sich geißeln und dann wie ein von Gott Verfluchter 5.Mose 21.23 kreuzigen lassen. Daraufhin war der Vater versöhnt und hat aus Liebe zum Sohn die Verdammnis zurückgezogen, freilich nur von denen, für die der Sohn einsteht, der so auf ewig zum Mittler von Seinem Vater geworden ist.[11] Daher solle man zu Gott Vater beten, Er möge einem doch um des Kreuzes und um des Blutes Seines Sohnes willen die Sünden erlassen, und zu Gott Sohn, Er möge doch beim Vater für einen bitten und einstehen, zum Heiligen Geist aber, Er möge einen rechtfertigen und heiligen. Man fleht also der Reihe nach zu drei Göttern, einem Triumvirat oder eher Triumpersonat, siehe Falsche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes.[12]

Infolge dieser falschen Vorstellung von Gott und von Erlösung sank die gesamte Theologie von ihrer geistigen Höhe auf die niedrigste natürliche Stufe - d.h. auf die sinnliche und körperliche - herab, da man Gott nur noch natürliche Eigenschaften zuschrieb und alles in der Kirche von der Vorstellung abhängt, die man sich von Gott und von der Erlösung, dem Heil, macht. Durch die sinnliche Vorstellung von der Erlösung und von Gott werden die Wege zum Himmel gleichsam durch Räuber und Diebe besetzt gehalten Joh 10.1-9, die Tore der Kirchen niedergerissen und den Bösen Einlass gewährt.[13]

Leben nach dem Tod

In der von den Neuoffenbarungen seit Emanuel Swedenborg noch unerleuchteten christlichen Welt weiß man gar nicht, dass der Himmel und die Hölle aus dem menschlichen Geschlecht sind; denn man glaubt, die Engel seien im Anfang erschaffen worden, und daher der Himmel entstanden, der Teufel oder Satan sei ein Engel des Lichtes gewesen, weil er aber ein Empörer wurde, mit seinem Haufen herabgeworfen worden, und daher die Hölle entstanden. Obwohl der Himmel ein Hauptgegenstand der kirchlichen Lehre ist, weiß man gar nichts von ihm. Dass die christliche Welt einen solchen Glauben von dem, was in dem Himmel und der Hölle ist, gefasst hat, kommt von einigen Stellen im Wort her, welche nur nach dem Buchstabensinn verstanden wurden, und nicht durch die echte Lehre aus dem Wort beleuchtet und erklärt worden sind. Dass man in der Kirche so glaubt, liegt auch daran, weil man meint, es komme kein Mensch früher in den Himmel oder in die Hölle, als zur Zeit des Jüngsten Gerichts, von dem man die Meinung angenommen hat, dass dann alles, was vor den Augen erscheint, untergehen, und Neues hervorgehen, und die Seele in den Körper zurück kehren, und nach dieser Verbindung der Mensch wieder als Mensch leben werde. Dieser Glaube schließt jenen anderen von den Engeln in sich, dass sie im Anfang erschaffen worden seien; denn man kann nicht glauben, dass Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht sind, wenn man glaubt, dass kein Mensch früher dort hinkommen werde, als am Ende der Welt. Durch diesen falschen Glauben wurde auch das Übrige, was zur Kirche gehört, zerstört. Das erkennt man daran, dass die Leute fragen: Wer ist vom Himmel zu uns gekommen, und hat gesagt, dass er sei? Wer von der Hölle, dass sie sei? Was soll das sein, dass der Mensch in Ewigkeit mit Feuer gequält werde? Was der Tag des Gerichtes? Ist er nicht Jahrhunderte lang vergeblich erwartet worden? Und noch weiters, das mit gänzlicher Leugnung zusammenhängt.[14]

Der irrige Kirchenglaube hinsichtlich des Lebens nach dem Tod ist besonders von den Gelehrten ausgegangen, welche nach dem körperlich Sinnlichen über die Seele nachgedacht, und sich daher keine andere Vorstellung von ihr gemacht haben, als wie von einem bloßen Denken, welches, sofern es ohne ein Subjekt betrachtet wird, an dem es sich befindet, und von dem es ausgeht, einem Ding gleicht, das im reinen Äther fliegt, und beim Tod des Körpers notwendig zerstreut werden muss. Da aber die Kirche, dem Wort gemäß, eine Unsterblichkeit der Seele glaubt, so hat man notwendig der Letzteren auch einiges Leben, dergleichen das des Denkens ist, zuschreiben müssen, doch nicht eine Empfindung, wie der Mensch sie hat, ehe sie wieder mit ihrem Körper verbunden ist. Auf diese Meinung gründet sich die Auferstehungslehre und der Glaube, dass zur Zeit des Jüngsten Gerichtes eine Verbindung der Seele und des Körpers geschehen werde, denn bei jener Voraussetzung von der Seele kann man, wenn damit der kirchliche Glaube in Ansehung des ewigen Lebens des Menschen verbunden wird, nicht anders schließen. Dazu kommt noch, dass kaum jemand weiß, was das Geistige ist, und noch weniger, dass diejenigen, welche geistig sind - und das sind alle Geister und Engel - eine menschliche Gestalt haben.[15]

Der (bessere) Glaube, in den Himmel zu kommen, sobald das Leben des Körpers entweicht, herrscht bei allen, welche nicht aus der kirchlichen Lehre von der Auferstehung zur Zeit des Jüngsten Gerichtes denken. Das sind jene, die gut leben, besonders jene, die dem Tod nahe sind.[16]

Falsche Vorstellungen

siehe Kirchliche Irrlehren

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 571
  2. Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.640425.17
  3. Emanuel Swedenborg, Himmlische Geheimnisse 1799
  4. Jakob Lorber, Die zwölf Stunden 10.15
  5. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 163
  6. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 9a
  7. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 15b
  8. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 184
  9. Jakob Lorber, Saturnus 10.12-13
  10. Emanuel Swedenborg, Die Erdkörper im Weltall und ihre Bewohner 158
  11. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 132
  12. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 133
  13. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 133
  14. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 14; Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 15
  15. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 17
  16. Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 19