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Sündenfall

Aus Prophetia
(Weitergeleitet von Adams Fall)
Sündenfall (Michelangelo)

Geschichte

Die Entsprechungsgeschichte von der Schlange, der Frucht und der Verbannung aus dem Paradies findet sich in der Bibel, Genesis, Kapitel 3 und etwas ausführlicher in Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.8 und in Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36

Beginn der Freiheitsprobe

Die erbarmende Liebe (Gott) fand großes Wohlgefallen an Adam und Eva und lehrte sie alle Dinge kennen, benennen und gebrauchen. Nur eines blieb noch zu lehren und die Kraft zu geben übrig: Die Fortpflanzung. Adam und Eva durften davon erst dann Gebrauch machen, nachdem Gott wiederkommen werde, nachdem Er sie für eine bestimmte Zeit verlassen hatte, und sie mit dem Kleid des Gehorsams, der Demut, der Treue und der gerechten Unschuld bekleidet finden werde. Würde Er sie aber nackt finden, so würde Er sie verstoßen, und der Tod wäre die Folge.[1]

Gott hat dieses leichte, kurze und einfache Gebot auf kurze Zeit nicht gegeben, um Adam zu prüfen, sondern um ihn ganz vollkommen frei und somit Ihm Selbst gleichmächtig wie eins zu machen. Hätte Adam es gehalten, würde Gott bei ihm geblieben sein und er hätte dann alles wie eins mit Ihm gehabt. Gott machte Adam auch klar, was die Folgen wären, wenn er vor Seiner segnenden Wiederkunft die süße Frucht verkosten würde.[2] Alles hing nun nicht mehr von Gott und Seiner Allmacht ab, sondern einzig und allein von Adams von Gott verliehenen Willensfreiheit. Es stand Adam frei, sich zu erhalten, oder sich zu verderben.[3]

Der Fall

Ihre Begierde wuchs im Gericht der versuchenden Gottheit in Ihrem Grimm und sie pflückten die Frucht vom verbotenen Baum Gen 3.1-6 und genossen sie und Adam erkannte sich als den Ersten (Luzifer), der verloren ging durch die große Eitelkeit seiner blinden Selbstsucht im Reich des Lichtes der ewigen Liebe und ins Zornmeer der ewig unerbittlich tötenden Gottheit (siehe Zorn Gottes) gefallen ist.[4] Kaum sieben Tage vergingen, als der erste, von Gott so überhoch und ganz frei gestellte Mensch durch den wollustvollen, verderblichen Anblick seines zweiten Ichs schwach, taub, blind und dennoch wissentlich zu seinem eigenen größten Schaden Gott vergaß und böswillig dem so leichten und der allerhöchsten Liebe vollsten Gebot seines überguten und heiligen Schöpfers ungehorsam wurde.[5]

Adam und Eva wurde gewahr, dass sie nackt waren, wofür sie sich schämten, und sie bedeckten ihre Blöße mit Blättern von einem Feigenbaum und Adam verbarg sich in einer Höhle und weinte vor Schmerz und Eva verbarg sich hinter einem Dornstrauch und trauerte gewaltig über ihre verführende Schuld. Gen 3.7-8 [6]

Die Tränen Adams wurden im Schoß der Erde aufbewahrt und heißen Thummim oder Steine, aus denen das Licht der sieben Geister Gottes sinnbildlich strahlt. Diese wurden über die ganze Erde zerstreut als tröstende Zeichen der künftigen Wiedergeburt.[7] Die Tränen Evas wurden zu Steinen namens Urim gefestet, zum sinnbildlichen Zeichen der gerechten Trauer Evas. Zwei ansonsten weiße Blumen des Strauches, hinter dem sich Eva verbarg, wurden durch ihre Tränen der verlorenen Unschuld rötlich gefärbt. Diese zwei Blumen verwahrten durch alle Stürme der Zeiten ihren Segen der ewigen Liebe treulich und machten zur Zeit der Lösung der Gnade von oben die Frau Abrahams lebendig zum Vorbild des Werkes der erbarmenden Liebe. Sie machten auch die Frau des Zacharias zur wirklichen Vollbringung der größten aller Taten der erbarmenden Liebe des ewigen Gottes lebendig.[8]

Kampf zwischen Liebe und Zorn Gottes

Die ewige Liebe fand Adam und Eva nackt, verlassen, weinend und trauernd in gerechter Reue und Scham und sie getrauten sich nicht das Angesicht ihres Vaters anzusehen, denn sie waren erschreckt von einem großen Donner des todbringenden Gerichtes aus der Tiefe des Grimmes der Gottheit, deren Zornflammen sich furchtbar durch alle endlosen Räume zur Erde hinabwälzten. Der Ewige, Heilige zerstörte die ganze sichtbare Schöpfung vor dem Angesicht des reuigen Frevlers, alles fand den völligen Untergang in dem unendlichen Meer des göttlichen Zornfeuers. Es entstand ein heißer Kampf zwischen der durch die Reue und Trauer der Geschaffenen Sich wieder erbarmenden ewigen Liebe und zwischen der alles zerstören wollenden, ergrimmten Gottheit zur Sühnung Ihrer unbestechlichen Heiligkeit.[9]

Es geschah etwas, was in alle Ewigkeit kein Engel begreifen wird. Während Er, der Heilige, mit Seiner Rechten alles vernichtet im Zorn, der Entheiligung durch die Sünde des großen Frevlers wegen, schützte Seine gleich heilige Linke den weinenden Sünder. Nur eine kleine Träne des Sünders fiel in das so mächtig grausam zornglühende Auge Gottes, und aller Zorn war verschwunden und schon lächelte eine neue Schöpfung in und aus den endlosen Räumen den ungehorsamen Menschen an, und die Erde und alle Welten wimmelten wieder fröhlich von zahllosen Geschöpfen zum Dienste des ungehorsamen Menschen.[10]

Die ewige Liebe schützte das reuige neugeschaffene Paar vor dem wütenden Zorn der Gottheit, worauf diese sich von Ihrer Liebe verlassen sah und daher alle Werke der ewigen Liebe von Grund auf vernichtete, damit in allen künftigen Ewigkeiten Ihre Liebe nichts habe, was Sie von Ihr abziehe und entferne.[11]

Die ewige Liebe, welche das alleinige Leben in der allmächtigen Gottheit aller Macht, Kraft und Heiligkeit ist, und so ewig und mächtig wie die Gottheit aus Ihr und Sie aus Ihr ist, beschwichtigte die Gottheit. Sie solle Gnade für Recht ergehen lassen, die Liebe genugtun lassen und Sühnung für Ihre verletzte Heiligkeit fordern, wobei kein Opfer für Ihre Liebe zur Sühnung Ihrer Heiligkeit zu groß sein würde. Darauf beruhigte Sich die Gottheit und kündigte an, alle Schuld auf die ewige Liebe zu legen, die den Schmach Ihrer Heiligkeit tilgen sollte. Sie verfluchte die Erde, damit kein Fleck Ihre Heiligkeit besudle und Sie gleich der Liebe ein unheiliger Gott würde und auch dieser Fluch wurde der ewigen Liebe als Ihre Schuld anheimgestellt, den Sie auf sich zu nehmen und die Erde mit ihrem Blut vom Fluch der Schande durch die Sünde Adams zu tilgen habe. Die Liebe nahm an, worauf die Schöpfung neu erschaffen wurde, aber auf ewig Spuren der gänzlichen Zerstörung behielt, gleich den Wundmalen der ewigen Liebe, die später am Kreuz für alle blutete. Als sichtbarer Beleg für dieses Gericht werden das zerrissene Gestein der Erden und anderweltliche Trümmer auf dem Land und im Meer genannt. Bei all dem schonte der Herr den Menschen und wollte ihm nur die göttliche Macht zeigen und wie gar nichts der Mensch gegen Gott ist.[12]

Aufgrund des Sündenfalls musste Gott die ganze Schöpfung umgestalten und anstatt der vollkommenen Zeugung die unvollkommene mit dem Vorbehalt segnen, dass diese nicht eher von Ihm angesehen werden kann, als bis sich das geerbte Übel aus dem Grundwesen Satanas (Satan) durch die reinste Liebe zu Ihm gänzlich verzehren wird, indem im Adam wie in der Eva ein Teil der Satana notwendig zurückblieb, welches sich gegenseitig fortwährend begierlich anfallen muss, weil es von der wenn auch getrennten, aber dennoch eigentümlichen Doppelnatur der Satana ist. (siehe Adam)[13]

Erneute Bewährungsprobe

Die Gottheit erkannte in der Ruhe Ihrer Heiligkeit die große Aufrichtigkeit und ewige Treue der Liebe und wurde durch deren große Erbarmung mitleidig. Sie zog Ihre Gerichte zurück; von nun an sei Ihr Name der heilige Vater auf ewig, und Seine Liebe sei Sein Sohn und der heilige Geist das mächtig allwirkende Band der Kraft zwischen Ihnen und allem, was von Ihnen ausgegangen ist und alle Räume erfüllen soll. Adam und Eva sollten die Gebote der Liebe und Erbarmung bis an ihr Lebensende halten, worauf Gott ihnen einen Mittler zwischen Ihm und ihnen senden werde, der die große Schuld tilgen und die schwere Last ihres Ungehorsams erleichtern würde (Jesus). Bis dahin sollten sie verharren in Geduld und Sanftmut, und das Brot, das Er ihnen nur kärglich geben werde, sollten sie dankbar im Schweiße ihres Angesichtes genießen und nicht satt werden bis zur Zeit des Mittlers, den Gott aus ihrer Mitte erwecken werde. Die Gerichte Gottes wurden nur eingestellt für jene, die Seine strengen Gebote pünktlich halten werden; den Übertretern aber seien sie für alle Ewigkeiten in aller Strenge der ewig heiligen Wahrheit angedroht. Die Gottheit machte die zeitlichen Leiber von Adam und Eva mühselig, bis Sie diese schließlich töten würde, zur Erlangung des Lebens nach dem Tod.[14]

Als dies der gute, heilige Vater verkündet hatte, war die ewige Liebe bis in die innerste Tiefe Ihres erbarmenden Herzens von Seiner großen Gnade gerührt.[15] Der Herr klärte Adam und Eva über alles auf, was sie wissen mussten, um Seinen Segen empfangen zu können und segnete sie.[16] Er gründete die erste Kirche, die in dem neuen und leichten Gebot bestand, dass ein Paar vor jeder Zeugung seine Herzen Gott opfern solle, ansonsten die Mütter statt einer Frucht des Segens, eine Frucht des Verderbens zur Welt bringen würden.[17] Außerdem sendete Er ihnen einen sündenlosen Geist als Boten von oben mit einem Flammenschwert in der Hand, der sie führen und die ganze Erde zeigen sollte. Er würde ihnen die Irrtümer der Welt erleuchten und sie züchtigen, wenn sie von Seinen Wegen abweichen sollten.[18] Damit verschwand die Liebe vor den Augen der Geschaffenen und kehrte in den Schoß des Vaters zurück.[19]

Flucht vor dem Engel mit dem Flammenschwert

Als das neugeschaffene Paar auf der weiten Erde ganz allein war, und der Engel mit dem Flammenschwert erschien, da erschraken sie sehr, als sie seiner ansichtig wurden und flohen vor ihm. Die Furcht beschleunigte die Zeit Evas, und sie wurde mit Schmerzen der verbotenen Frucht entledigt, welche die Schlange in der Blindheit Adams in sie gelegt hatte. (siehe Kain)[20] Adam blieb auch nach der Sünde noch über dreißig Jahre begnadigt, aber er fiel dann wieder und vergaß im Taumel der Wollust seines so liebevollen Schöpfers, worauf er das Paradies verlassen musste.[21]

Wesen

Der Fall Adams hat mehr Objektivität als der Geisterfall, ist dabei aber in der Entsprechung dennoch homogen dazu. Beim Fall Adams kommt allerdings ein positives Gesetz zum Vorschein, was beim sogenannten Fall der Engel nicht sein konnte, weil damals erst mit der großen Entwicklung der frei zu machenden Wesen der Anfang gemacht ward und daher außer Gott noch keine solche Intelligenz dastand, der man irgendein positives Gesetz hätte geben können. Während der Geisterfall unter einer notwendigen und genötigten Scheidung zwischen Licht und Finsternis Gen 1.4 geschah, ist der Fall Adams, als schon von ihm selbst ausgehend, eine freie Scheidung. Es handelte sich um einen freien Akt des schon in allen seelischen Sphären freien ersten Fleischmenschen. Im Ganzen ist diese Trennung aber dennoch ein vorhergesehener Akt aus der geheimen Ordnung Gottes, die zwar nie als eine absolute Nötigung, aber dennoch als eine Zulassung unter "du sollst" und "du sollst nicht" dem freien Willen des Menschen wegen seiner aus der eigenen Tätigkeit zu gewinnenden Konsolidierung gegeben wird. Adam wurde nicht, gleich einem Säugling, an den gewünschten Ort getragen, sondern ihm wurde, als schon selbst gehfähig, der Weg zum Ort der Bestimmung gezeigt. Er machte aber freiwillig Umwege und daher muss er es sich dann auch selbst zuschreiben, so er das vorgesteckte Ziel oft viel später, schwerer und mühevoller erreicht.[22]

Ursache

Adam kam so wie der erstgestaltete größte Engelsgeist durch Aberwitz und Ungehorsam zu Fall.[23]

Folgen

Durch den Ungehorsam Adams ist die Menschheit, resp. die vollkommene Seele des Menschen, zu dem schweren und gebrechlichen Fleischleib gekommen, der nun mit vielen Gebrechen und Mängeln behaftet ist. Adam war zwar davor schon fleischlich und hätte sterben müssen, und der Apfel an sich war auch nicht auf irgendeine Weise vergiftet. Wird aber der Genuss auf eine unbestimmte Zeit verboten, der größeren Konsolidierung der Seele wegen, die Seele aber, kraft ihres freien Willens, das Gesetz missachtet, dann fügt sie sich sozusagen eine Wunde zu, die schwer völlig zu heilen ist; es bleibt eine druckempfindliche Narbe. Die Seele wird dann davon abgezogen, hauptsächlich nur für das freie Gedeihen des Geistes in ihr zu sorgen, und sie verwendet nun zum größten Teil ihre Tätigkeit darauf, dass die Narbe wieder vergehe, und diese Narbe heißt "Welt". Sie will zwar diese Narbe loswerden, denn sie schmerzt die Seele im Gefühl der Weltsorge. Aber je mehr die Seele sich abmüht, desto derber wird die Narbe, desto mehr Sorge erzeugt sie. Am Ende hat die Seele nichts zu tun, als sich allein mit der Heilung dieser alten Narbe zu beschäftigen, geht am Ende selbst beinahe ganz in die Narbe über und kümmert sich nur mehr wenig um ihren Geist. Und das ist die sogenannte Erbsünde.[24]

Quellenverweise

  1. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.7.15; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.8.1
  2. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.7
  3. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.8-9
  4. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.8.2, Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.8.11
  5. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.10
  6. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.8.12
  7. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.2
  8. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.3-5
  9. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.6-9; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.11; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.400726.3
  10. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.13
  11. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.12-15
  12. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.18-23; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.297.9-11; Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.400726.3-4
  13. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 3.24.18
  14. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.25-29
  15. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.10.1
  16. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.10.12-13
  17. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.10.14-15
  18. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.10.16
  19. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.11.1
  20. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.11.3-4
  21. Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.14
  22. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.224.1-7
  23. Jakob Lorber, Bischof Martin 40.35; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.9.27; Jakob Lorber, Die Haushaltung Gottes 1.36.10
  24. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.224.6-11