Markus (Cäsarea Philippi)
Markus war ein römischer Veteran, den Jesus als eine äußerst treue und alle Wahrheit liebende Seele bezeichnete. Er hatte zwei Söhne und sechs liebe, artige Töchter, ebenso eine musterhaft brave Frau, die nur den Willen ihres biederen Mannes kannte. Das war der Grund, weswegen es dem Herrn gefiel, bei dieser sehr armen Familie einzukehren.[1] Zu dieser Zeit lebte Markus als schon älterer Mann mit seiner Familie in der Gegend von Cäsarea Philippi in einer Hütte. Diese befand sich in der Nähe des Galiläischen Meeres und lag etwa eine Stunde Wegzeit von der Stadt entfernt.[2]
Wesen
Markus war ein geborener Römer, der etwa dreißig Jahre dem Mars mit Schwert, Helm und Schild gedient hatte und dann auf eine dreijährige Probezeit ein unbeschnittener Jude wurde. Er fand jedoch bald heraus, dass die Priester der erhabeneren Gotteslehre der Juden gewissenlose Unmenschen und Heuchler waren. So blieb er unbeschnitten, ein Römer, aber dem Herzen nach ein Jude. Ihm lag nichts an der Beschneidung; ihm lag daran, sich nach der Lehre des Jesaja Gott zu nahen. (nach Markus)[3]
Geschichte
Der germanische Seher
Markus war ein Waffenbruder des damals etwa 15-jährigen Cornelius und mit ihm zusammen in Illyrien, Pannonien und in der Gegend von Vindobona (Anm.: heute etwa Westungarn, Ostösterreich und der Balkan). Es gab dort ein paar Jahre lang Probleme, die zank- und hadersüchtigen Menschen in einer erträglichen Ordnung zu erhalten. Unweit von Vindobona (Wien), die Ister (Donau) aufwärts, trafen sie während einer Eberjagd auf einen langbärtigen germanischen Seher und Priester, der auf einer Eiche saß und zusah, wie sie mit den Ebern kämpften. Dieser Mann sprach etwas römisch und sagte zu den beiden, als sie unter seiner Eiche einem Eber den Garaus machten: "Merket es wohl, ihr beiden mutigen Jungen! In Asien, im Lande über den Gewässern, harret eurer Großes! Dort werdet ihr sehen ein Etwas, das noch kein Sterblicher gesehen hat! Hier blüht nur der Tod; wie der mächtige Eber unter der Schärfe eurer Lanzen und Schwerter verendete, so verendet hier im Lande des Todes alles! Aber in Asia blüht das Leben; wer dort sein wird, der wird einen Tod ewig nicht sehen!" Dann verstummte er und wollte ihnen keine Antwort mehr geben, worauf sie weiter gingen. Wie sich erst viel später herausstellte, hatte der alte Germane richtig geweissagt. Jener Germane war auf seiner Eiche aufgrund deren Ausdünstung und der Angst vor den Lanzen und Speeren der beiden Römer in eine hellsehende Ekstase geraten, in der er die Weissagung machte. Danach wurde er wieder wach, wusste von allem nichts, was er gesagt hatte, und konnte daher auch keine weitere Antwort mehr geben.[4]
Bekehrung zum Judentum
Der Oberpharisäer von Cäsarea Philippi gab sich große Mühe, den Markus zu seinem Glauben zu bringen. Er ließ ihm sogar die für einen alten Menschen lästige und schmerzliche Beschneidung nach, wenn er sich nur zu seinem Glauben einschreiben lasse. Er versprach Markus eine Menge Vorteile und antwortete auf seine Bedenken, eine Religion anzunehmen, deren Grundsätze und Verpflichtungen er viel zu wenig kenne, dass dies bei seiner Religion gar nicht nötig sein, denn jede Religion sei ohnehin nichts anderes als eine Wiegenphilosophie der Kinder, die ein Mann mit ausgebildetem Verstand nicht mehr brauche und sich nur äußerlich der Kinder wegen daran halte. Es sei aber klug, sich dem Äußern nach zu einer Religion zu bekennen, die einem die wenigsten Hindernisse im Handel und Wandel in den Weg lege. Markus ging darauf ein und verschrieb sich samt seinem ganzen Haus dem Judentum. Bald darauf gingen ihm aber die Augen auf, denn er wurde nun mit allerlei lästigen Steuern belegt, vor allem den Zehent. Oft führte er Beschwerde darüber bei der römischen Behörde, aber da hieß es dann: "Dem Wollenden gescheit kein Unrecht!" Er solle nun büßen für seine unüberlegte Dummheit. Ging er dann zu dem Oberpharisäer und trug ihm sein Elend vor, dann hieß es stets in großem Hochmut: "Also steht es geschrieben!", und er konnte wieder abziehen. Wollte er die Schrift der Juden näher kennenlernen, dann hieß es von den Pharisäern: "Wir sind die Schrift und das lebendige Wort Gottes! Daher hat da niemand weiter um etwas zu fragen, sondern jeder tue das, was wir lehren und verlangen! Etwas Weiteres braucht niemand!" (nach Markus)[5]
Jesus und Seine Jünger kehren bei Markus ein
Der um die 70 Jahre alte Markus lebte mit seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern in einer einfachen Hütte in der Gegend von Cäsarea Philippi. Die Behausung des Markus war an eine der tiefen Höhlen und Grotten des nahen Berges angebaut. Diese Höhle diente dem Markus als ein sehr geräumiges Lager. Er war arm und hatte nur einen kleinen steinigen Grund. Die Fischerei war noch das Beste. Bei Markus kehrten zuerst die Jünger Jesu und dann auch Jesus Selbst ein. Der sehr gastfreundliche Hausherr war aber kaum in der Lage, ein ausreichendes Abendessen für alle zu bereiten. Er hatte als Schlauchmacher etwa fünfzig leere Weinschläuche im Haus, die Jesus ihn mit Wasser füllen ließ, welches Er dann in den besten Wein verwandelte. Auch die Speisekammer war plötzlich mit allerlei guten Speisen und dem besten Brot gefüllt. Daraufhin erkannte Markus in Jesus den Messias, Jehova Selbst leibhaftig.[6]
Angesichts der Gräueltaten in der Welt zweifelte Markus an der Existenz Gottes; weil er aber ein beispiellos ehrliches und rechtlich gutes Herz besaß, hielt Sich Jesus bei ihm und seiner Familie einige Tage lang auf.[7]
Jesus verhalf Markus zu einem reichsten Fischfang, wofür ihm dieser sehr dankbar war. Einige dieser Fische wurden als Frühstück zubereitet, andere auf Jesu Anweisung von den Kindern des Markus in die Stadt Cäsarea Philippi gebracht, wo sie diese um einen guten Preis verkaufen konnten. Durch den erwirtschafteten Erlös wurde Markus, der sich vor lauter Dank gar nicht zu helfen wusste, aus seiner vieljährigen Not geholfen.[8]
Markus war ein gesprächiger, alter und biederer Krieger, der zu Reden verstand und von dem die Jünger Jesu so manches zum Besten der Menschheit, die später ihrer Leitung anvertraut ward, lernen konnten.[9] Er zeigte sich zwar als ein höchst schlichter Mann, war aber dabei pfiffig und spielte vor den Pharisäern, mit denen er oft zusammen kam, einen so blitzdummen Teufel, dass sie ihn ganz arglos hinter ihre finstersten Geheimnisse und Gräuel blicken ließen.[10] Markus kannte die Verhältnisse des Jerusalemer Tempels sehr genau verabscheute sie zutiefst. (nach Markus)[11]
Markus und die Pharisäer
Etliche junge Pharisäer aus der Stadt Cäsarea Philippi kamen zu der ärmlichen Wohnhütte des Markus. Sie waren auf den Zehnt von den Fischen des Markus aus. Jesus wies Markus an, ihnen hundert Fische zu geben, worauf sie wieder nach Hause ziehen würden. Die Pharisäer verlangten aber noch dreißig Fische mehr, als Strafe, weil Markus nicht gleich von sich aus die Fische zu ihnen in die Stadt gesendet hätte. Markus gab ihnen noch vierzig Stück dazu, um sie möglichst bald loszuwerden. Dies legte ihm ein keck aussehender Pharisäer als Trotz aus und forderte nun allen Besitz von Markus. Damit wurde es Markus zu bunt; er lief in seine Hütte und kam mit einer Pergamentrolle heraus, die ihn als Römer mit allen Rechten eines freien Bürgers Rom auswies. Die Pharisäer verwunderten sich, wie der anscheinend allerdümmste Kerl nun plötzlich so schlau geworden war und Markus enthüllte ihnen, dies sei nur eine pfiffige Maske gewesen, um hinter ihre bösen Schliche und Schändlichkeiten zu kommen. Als Jude im Herzen war Markus dennoch bereit, ihnen freiwillig den Zehnt zu geben, obwohl sie keinerlei Recht darauf hatten, solches von ihm, als römischem Bürger, zu fordern. Darauf sagten die Pharisäer kein Wort mehr und zogen mit den Fischen heim.[12]
Markus war von ganzem Herzen gegen jeden nach seinen Kräften gastfreundlich, ihm machte das Geben mehr Freude als das Empfangen, aber der Zehnt an die Pharisäer ärgerte ihn bis in die Seele hinein. Als die Häuser dieser gewissenlosen, betrügerischen und faulen Pharisäer später in Flammen aufgingen (siehe Jesus wirkt ein Sonnenwunder), konnte selbst er sich der Schadenfreude nicht erwehren. (nach Markus)[13]
Der Besuch des Cyrenius
Als der alte Oberstatthalter Cyrenius in Cäsarea Philippi eintraf, da schickte er einen Boten zu Markus, um ihn zu sich zu bestellen. Markus war aber nicht willens, seinen besonderen Gast zu verlassen, und so erfuhr Cyrenius von der Anwesenheit Jesu bei seinem alten Kriegsgefährten. Cyrenius begab sich darauf mit seiner ganzen Gefolgschaft, darunter auch der Knabe Josoe, zu Markus. Als er Jesus wieder sah, kamen ihm vor Freude die Tränen. Cyrenius lobte Jesus und bedankte sich dafür, wie ihm der Herr in Kis aus einer schrecklichen Verlegenheit wegen geraubter Steuergelder geholfen hatte. Jesus lud ihn zum Mittagessen ein, das Er für ihn und sein Gefolge schon im Voraus bestellt hatte.[14]
Nach dem Mahl übergab Cyrenius dem Markus, der bisher gegen allerlei Not und Drangsal zu kämpfen hatte, zwei Säcke mit Gold und Silber. Sie reichten aus, damit sich Markus ein besseres Wohnhaus, einen Acker und eine Wiese kaufen konnte und dazu noch ein guter Notgroschen übrig blieb. So vermochte er mit seiner Familie gut vom Ackerbau zu leben. Markus dankte Cyrenius unter Tränen und zugleich auch dem Herrn, denn er sagte: obschon die Gabe vom Cyrenius komme, so sei er dennoch völlig überzeugt, der Herr sei der Grund von allem; darum danke er Ihm vor allem.[15]
Darauf unternahm die Gesellschaft einen Fischzug mit mehreren kleinen Booten. Im Boot von Jesus befanden sich Cyrenius, Josoe, Markus, Petrus, Johannes und Jakobus. Das Netz füllte sich bald mit so vielen kostbaren Fischen, dass der im Meer eingefriedete große Fischteich des Markus voll wurde. Markus wusste sich vor lauter Fröhlichkeit kaum zu helfen und er dankte Jesus fortwährend.[16]
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.166.39-40
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.175.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.177.1 Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.179.7; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.180.5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.182.13
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.181.19-23; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.192.8;Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.117.5; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.136.7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.167.3-13
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.136.7-12
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.175; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.176.1-2; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.177.1}; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.183.10-12; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.63.7; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.99.6; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.167.10
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.178; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.179.1
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.180.1-8; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.184.4
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.183.1-2
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.177.3-4; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.181.20
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.192.10
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.181
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.116.10-13; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 3.117.5-7
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.183; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.184
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.186.1-9
- ↑ Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.187.1; Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 2.189.7-9