Martin
Martin war um die 50 Jahre lang ein römisch-katholischer Bischof in Europa.[1] Obwohl Martin verdiente, von Gott mit Seiner Allmacht ergriffen und in die Hölle geworfen zu werden, wurde er jenseits zu einem Einwohner des dritten Himmels, ein reines Kind Gottes. Gott findet keine Ehre darin, als Allmächtiger einen Ohnmächtigen zu verderben, sondern vielmehr, ihn zu erhalten und aufzurichten.[2]
Martins Schutzengel und erster Führer in der geistigen Welt war Petrus.[3] Im Jenseits wurde außerdem sein ehemaliger Freund, der Buchhändler Borem, als Engelsgeist im Auftrag des Herrn sein Begleiter und Führer.[4]
Charakter
Martin war seinem geistigen Wesen nach ein erkenntnisloser Gottbekenner, der dem Mund nach an Gott glaubte, dem Herz nach aber der reinste Atheist war.[5] Er war einer jener zahllosen Menschen, die alles im Kopf, in ihrer Einbildung besaßen, aber wenig oder nichts in ihrem Herzen.[6] Nach seinem Buchhändler war Martin äußerlich ein Zelot (Glaubenseiferer), innerlich ein Atheist, der statt der Vulgata (lateinische Bibelübersetzung) fleißig Kant, Hegel, Strauß, Voltaire, Rousseau und Helvetius las, die er dann von seiner Kanzel aus tausendmal zur Hölle sandte, sie aber im Herzen bei weitem über Jesus erhob. Auch von Swedenborg wollte Martin nichts wissen.[7]
Leben
Diesseits
Martin hielt insgeheim nichts von seinem heidnischen Götzenamt, das er dem Buchstaben nach streng verrichtete. Bei sich war er sehr stolz und herrschsüchtig und liebte trotz seines geschworenen Zölibats das Fleisch der Frauen über alles. Entgegen dem Gebot der Armut und Einfachheit von Christus an Seine Apostel besaß er große Reichtümer, aß die ausgesuchtesten Speisen, besaß ein glänzendes Fuhrwerk und zierte sich mit den reichsten Bischofsinsignien. Er war außerdem meineidig, hat sich oft selbst befleckt und war im Beichtstuhl trotzdem unerbittlich streng gegen die Armen und Kleinen, aber sehr großzügig gegenüber den Großen, die allein bei ihm einen Wert hatten. Er hatte keinem Armen geholfen und niemanden befreit, sondern Tausende in ihrem Geist zu harten Gefangenen gemacht. Er war ein Hauptgegner aller geistigen Aufklärung, ein Feind der Protestanten, der sie aufgrund der vermeintlichen Ketzerei mit Hass verfolgte, obwohl er auf die Lehre der römischen Kirche bei sich nichts hielt. Er hatte nie etwas dem Willen Gottes gemäß getan, all sein Tun war nichts als eine arge Politik, hinter der sich irgendein geheimer herrschsüchtiger Plan verbarg und er lebte nach der Maxime: "Die Welt muss ohne Ausnahme betrogen werden." Kurz: Er war fortwährend ein gierigstes Raubtier. Dies alles war Gott ganz und gar nicht wohlgefällig und Martin hätte dafür nach seinem Sterben unmittelbar die Hölle verdient. Sein jenseitiges Erleben wird in dem Buch Bischof Martin offenbart.[8]
Die weltliche Freude Martins bestand in den zumeist weiblichen Seelen, die kreuzfromm gelebt haben, dabei aber auf die römische Geistlichkeit bei weitem größere Stücke hielten, als auf Gott, den sie nicht (wirklich) kannten; der Zölibat war ihm (heimlich) ein Ärgernis.[9]
Martin beschuldigte die schlechte Welt (strukturelle Gewalt) für seine Sünden, aber tatsächlich hatte er niemandem anderen gehorcht als sich selbst, hatte die Welt in seinem Bezirk noch um viel schlechter gemacht als zuvor, und er hätte sich tausendmal eher aus herrschsüchtiger Liebe ans Kreuz schlagen lassen, als nur einmal fürs reine Gotteslicht.[10] Martin fürchtete sich wohl vor seiner eingebildeten Hölle, hatte an der wirklichen Hölle (das natürliche oder weltliche Leben) aber ein großes Wohlgefallen und wollte nicht heraus.[11]
Jenseits
Die Gnade des Herrn
Martin wurde durch die Gnade Gottes gerettet, weil er einmal (ernsthaft) gebeten hatte, der Herr möge ihn mit Seiner Hand ergreifen. Dennoch musste er davor von allem Falschen und Bösen befreit werden.[12]
Nach eigener Aussage wollte Martin seinem innersten Gefühl nach bei Gott, seinem Schöpfer sein, auch wenn ihm dies aufgrund seiner vielen Sünden unmöglich erschien.[13] Zwar konnte er auf der Welt jene am wenigsten leiden, die es wagten, ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dennoch hatte er Jesus im Jenseits liebgewonnen, weil ihm dieser die Wahrheit wie ein weisester und sanftester Richter offen ins Gesicht gesagt hat.[14]
Er erkannte im Jenseits, dass gar nichts daran gelegen ist, was man auf der Welt war (Status, Rang), sondern alles daran liegt, was man auf der Welt getan hat und wie und unter welchen Bedingungen.[15] Fortan begann er unter Anleitung des Herrn Gutes zu tun und rettete Seelen und wurde von einem Saulus zu einem Paulus,[16] dem der Herr alle seine Sünden vergab.[17]
Jesus hatte mit Martin deswegen eine so große Geduld und hat Sich ihm Selbst gewidmet, da Er in Martin eine (verborgene) große Liebe sah. Die verborgene Liebe Martins zu Gott, die ihn vor dem Verderben rettete, bestand nach seiner eigenen Aussage in einer gedanklichen Phantasie, nach der er sich Jesus so vorstellte, wie Er beschrieben war, und sich dachte und wünschte, mit dem Herrn so zusammen zu wirken, unter dem überzeugenden Bewusstsein, dass Er möglicherweise wirklich das allerhöchste Gottwesen wäre, was ihn auf ewig glücklich machen würde, denn erstens wäre es die höchste Ehre, zweitens die sicherste Versorgung und Lebensversicherung für alle Ewigkeit und drittens könnte er Wunder sehen. Diese Phantasie wurde jenseits zur Wirklichkeit: Martin war selig und da, wo Jesus Selbst ist.[18]
Die Entscheidung
Jesus hatte Martin eine endlose Gnade erwiesen, und ihm das Gift der Bosheit genommen. Seine Dummheit aber mochte ihm der Herr Selbst nicht nehmen, ohne ihn zu richten. (nach Borem)[19] Erst als Martin ganz auf sich gestellt war, kam es auf ihn an, was er tun würde, wie er die erhaltenen weisen Lehren (die Gnade) bei und in sich behandeln würde, ob er den Weg zum Himmel oder den zur Hölle wählen würde.[20] Er entschied sich dazu, frei aus sich Gutes zu tun, wobei ihm Borem zur Seite stand.[21] Darauf erwachte in Martin erst die Liebe zu Christus.[22]
Geistiges Paradies
Martin wurde (Anm.: in gewisser Hinsicht, siehe dazu Geistiges Paradies) zu einem Einwohner des dritten Himmels, ein reines Kind Gottes.[23] Es gelang ihm schließlich sogar, durch die rechte Anwendung der Gnade Gottes, sehr schwer zu überzeugende Sonnenmenschen für den Herrn zu gewinnen, worauf ihn der Herr gleich Seinen Aposteln Petrus und Johannes zu einem Fischmeister für die Sonne ernannte.[24]
Trotzdem war Martin von seiner fleischlichen Sinnlichkeit noch nicht völlig frei und musste auf der Sonne Prüfungen bestehen, wobei ihn der Herr im Falle des Nichtbestehens 1000 Erdjahre lang zur Reinigung in den Mond gegeben hätte, anstatt mit den Seinen bei ihm zu bleiben und ihn höher zu leiten. Denn alles, was mit und um Martin in der Geisterwelt geschah, das geschah hauptsächlich seinetwegen, um aus ihm einen rechten Engel und einen tüchtigen Weinbergarbeiter des Herrn zu machen. Das wahre Gottesreich und dessen Seligkeiten aber waren Martin immer noch fremd. Martin war immer noch einer, der den Herrn beim Anblick einer schönen Frauenhaut beinahe völlig vergaß, solange es ihm nur irgend erträglich ging, und nur dann zum Herrn lief, wenn ihm seine grenzenlose Torheit übel bekam, er war also nach wie vor mehr ein Tier als ein Mensch. (nach Petrus)[25]
Martin bewährte sich als ein Wegbereiter für Johannes und es gelang ihm mit dem Satan ein Kunststück, das noch keinem Boten ganz ohne Gericht gelungen war, indem diese ohne ein Gericht gegen die Schärfe der Rede (Rhetorik) des Satans nicht bestehen konnten. Martin aber hatte ihn durch seine Rede so zugerichtet, dass er sich in die Rede des Johannes von selbst freiwillig gefangen geben musste, und das war bisher noch nie vorgekommen.[26]
Indem Martin, Borem und Chorel alle schweren Prüfungen durchgemacht und aus manchen starken Kämpfen siegreich hervorgegangen waren, hatten sie sich für das Reich Gottes völlig tauglich gemacht und wurden zu tüchtigen Arbeitern im Weinberg des Herrn.[27] Die höchste Vollendung gemäß der Ordnung Gottes wollte es, dass sie sich eine Gemahlin nähmen.[28] Martin wählte sich eine Frau aus der Sonne namens Marelisael. Der Herr segnete diese Verbindung für ewig, wodurch Martin vollendet war.[29]
Martin wurde auf ewig zum Schutzengel für das Haus und die Gemeinde auf der Sonne, wo er und der Herr gewirkt hatten.[30] Er wurde von allen Aposteln, samt Maria, Joseph und David, Moses, Abraham, Noah, Henoch, Adam und Eva, nebst allen Patriarchen und Propheten als ein neuer Bürger in der heiligen Stadt Gottes begrüßt, wo Martin die Augen erst völlig geöffnet wurden und seine wahre Seligkeit erst hier ihren vollsten Anfang nahm. Die weitere Führung Martins ist den irdischen Menschen kaum mehr fassbar, weil es da kein Ende gibt.[31]
Siehe auch
Quellenverweise
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 54.7; Jakob Lorber, Bischof Martin 91.9
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 158.5; Jakob Lorber, Bischof Martin 129.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 3.2; Jakob Lorber, Bischof Martin 129.1
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 52.1; Jakob Lorber, Bischof Martin 52.12; Jakob Lorber, Bischof Martin 52.38
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.8; Jakob Lorber, Bischof Martin 11.14-16
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 11.3
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 32.14-15
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 12.8; Jakob Lorber, Bischof Martin 13.3-12; Jakob Lorber, Bischof Martin 14.9-10; Jakob Lorber, Bischof Martin 15.3-4; Jakob Lorber, Bischof Martin 21.25; Jakob Lorber, Bischof Martin 21.29; Jakob Lorber, Bischof Martin 36.20
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 6.1; Jakob Lorber, Bischof Martin 10.10; Jakob Lorber, Bischof Martin 6.5; Jakob Lorber, Bischof Martin 6.10
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 14.8-11; Jakob Lorber, Bischof Martin 15.8-10
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 15.16
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 10.5
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 16.4
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 16.7
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 23.11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 24.4-5; Jakob Lorber, Bischof Martin 24.17
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 34.15
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 34.20; Jakob Lorber, Bischof Martin 36.21-22
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 53.16
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 53.25-26
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 67.4-5
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 80.6
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 129.5-6
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 144.5-13; Jakob Lorber, Bischof Martin 150.2
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 159.7-10
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 201.4-6
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 202.1-2
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 202.3
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 202.5-11
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 202.16
- ↑ Jakob Lorber, Bischof Martin 204.2-5