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Markus Evangelium (Geistiger Sinn)

Aus Prophetia

Hinweis: Evangeliumstext nach der Übersetzung von Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984.

Erstes Kapitel

Johannes der Täufer

1.1 Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
1.2 Wie geschrieben steht im Propheten Jesaja: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten soll.«
1.3 »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!« (Maleachi 3,1; Jesaja 40,3):
1.4 Johannes der Täufer war in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.
1.5 Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Leute von Jerusalem und ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden.
1.6 Johannes aber trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden und aß Heuschrecken und wilden Honig
1.7 und predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stärker als ich; und ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse.
1.8 Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Unter dieser Aussage ist zu verstehen, dass der Herr den Menschen durch den Glauben und die tätige Liebe wiedergebiert. Mit dem Heiligen Geist taufen heißt: Wiedergebären durch das göttliche Wahre, welches Sache des Glaubens und durch das göttliche Gute, welches Sache der Liebe ist.[1]

Jesu Taufe und Versuchung

1.9 Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan.
1.10 Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn.

Die Taufe und ebenso die Taube bezeichnet Wiedergeburt und Reinigung.[2]

1.11 Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

siehe Taufe Jesu

1.12 Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste;

Jesus wurde, von der allerhöchsten Liebe aus Sich Selbst getrieben, in die öde, wüste Welt der Menschheit hinausgeführt.[3]

Hier bezeichnet die Wüste den Zustand der Versuchung, in dem sich der Mensch befindet, wenn er gleichsam ohne Wahres ist, weil er umzingelt ist von bösen Geistern, welche die Versuchung herbeiführen und ihm dann die Wahrheiten gleichsam wegnehmen.[4]

1.13 und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Dass Jesus vom Satan versucht wurde heißt mit anderen Worten nichts anderes, als dass die ewige unendliche Liebe selbst das Allerverworfenste aus Sich nicht ausschließt, sondern sie stellt Sich ihm dar, damit auch dieses erkennen möchte, dass in Gott nicht die allerhöchste Hoffart, wie seine grundirrige Idee ist, sondern nur die allerhöchste Demut wohnt.[5]

Unter den wilden Tieren, bei denen der Herr während 40 Tagen weilte, sind höllische Geister zu verstehen.[6]

siehe Versuchungen Jesus

Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa

1.14 Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes
1.15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

Die Berufung der ersten Jünger

1.16 Als er aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer.
1.17 Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!

Die Fische stehen hier für die, welche in den allgemeinen Wahrheiten und in dem mit der Nächstenliebe verbundenen Glauben sind. So erklärt sich, wieso der Herr Fischer zu seinen Jüngern erwählt hat und sie zu Menschenfischern machen wollte.[7]

1.18 Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
1.19 Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten.
1.20 Und alsbald rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und folgten ihm nach.

Jesus in Kapernaum

1.21 Und sie gingen hinein nach Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.
1.22 Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten.
1.23 Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie:
1.24 Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
1.25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm!
1.26 Und der unreine Geist riss ihn und schrie laut und fuhr aus von ihm.
1.27 Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern und sie gehorchen ihm!
1.28 Und die Kunde von ihm erscholl alsbald überall im ganzen galiläischen Land.
1.29 Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes.
1.30 Und die Schwiegermutter Simons lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr.
1.31 Da trat er zu ihr, fasste sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie und sie diente ihnen.
1.32 Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen.
1.33 Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür.
1.34 Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn.

Durch die Dämonen und bösen Geister werden die Lüste des Bösen bezeichnet. Diese wurden durch den Herrn ausgetrieben.[8]

1.35 Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.
1.36 Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach.
1.37 Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich.
1.38 Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
1.39 Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.

Die Heilung eines Aussätzigen

1.40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen.
1.41 Und es jammerte ihn und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein!
1.42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm und er wurde rein.
1.43 Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich
1.44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
1.45 Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

Zweites Kapitel

Die Heilung eines Gelähmten (»Der Gichtbrüchige«)

2.1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
2.2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
2.3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
2.4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
2.5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
2.6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
2.7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
2.8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
2.9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
2.10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten:
2.11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
2.12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Das Bett bezeichnet die Lehre, die sich jeder aus dem Wort oder aus der eigenen Einsicht erwirbt, denn wie der Leib in seinem Bett liegt, so der Geist in seiner Lehre. Das Bett tragen und gehen, bedeutet: über die Lehre nachdenken; so wird es im Himmel verstanden.[9]

Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern

2.13 Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm und er lehrte sie.
2.14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.
2.15 Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm nachfolgten.
2.16 Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Isst er mit den Zöllnern und Sündern?
2.17 Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

Die Frage nach dem Fasten

2.18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel; und es kamen einige, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht?
2.19 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten.
2.20 Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage.
2.21 Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird ärger.
2.22 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man soll neuen Wein in neue Schläuche füllen.

Das Ährenraufen am Sabbat

2.23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.
2.24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
2.25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren:
2.26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren?
2.27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
2.28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Drittes Kapitel

Die Heilung eines Mannes am Sabbat

3.1 Und er ging abermals in die Synagoge. Und es war dort ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand.
3.2 Und sie lauerten darauf, ob er auch am Sabbat ihn heilen würde, damit sie ihn verklagen könnten.
3.3 Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Tritt hervor!
3.4 Und er sprach zu ihnen: Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten? Sie aber schwiegen still.
3.5 Und er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und seine Hand wurde gesund.
3.6 Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes, wie sie ihn umbrächten.

Zulauf des Volkes und viele Heilungen

3.7 Aber Jesus entwich mit seinen Jüngern an den See und eine große Menge aus Galiläa folgte ihm; auch aus Judäa
3.8 und Jerusalem, aus Idumäa und von jenseits des Jordans und aus der Umgebung von Tyrus und Sidon kam eine große Menge zu ihm, die von seinen Taten gehört hatte.
3.9 Und er sagte zu seinen Jüngern, sie sollten ihm ein kleines Boot bereithalten, damit die Menge ihn nicht bedränge.
3.10 Denn er heilte viele, sodass alle, die geplagt waren, über ihn herfielen, um ihn anzurühren.
3.11 Und wenn ihn die unreinen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien: Du bist Gottes Sohn!
3.12 Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht offenbar machten.

Die Berufung der Zwölf

3.13 Und er ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm.
3.14 Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen
3.15 und dass sie Vollmacht hätten, die bösen Geister auszutreiben.
3.16 Und er setzte die Zwölf ein und gab Simon den Namen Petrus;
3.17 weiter: Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab ihnen den Namen Boanerges, das heißt: Donnersöhne;
3.18 weiter: Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Thaddäus und Simon Kananäus
3.19 und Judas Iskariot, der ihn dann verriet.

Jesus und seine Angehörigen

3.20 Und er ging in ein Haus. Und da kam abermals das Volk zusammen, sodass sie nicht einmal essen konnten.
3.21 Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen.

Jesus und die bösen Geister

3.22 Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und: Er treibt die bösen Geister aus durch ihren Obersten.
3.23 Jesus aber rief sie zusammen und sprach zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben?
3.24 Wenn ein Reich mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.
3.25 Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.
3.26 Erhebt sich nun der Satan gegen sich selbst und ist mit sich selbst uneins, so kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm.
3.27 Niemand kann aber in das Haus eines Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus berauben.
3.28 Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Menschenkindern vergeben, auch die Lästerungen, wie viel sie auch lästern mögen;
3.29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig.
3.30 Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

Jesu wahre Verwandte

3.31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.
3.32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.
3.33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?
3.34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!
3.35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Unter der Mutter wird die Kirche verstanden, unter den Brüdern die, welche in der Liebtätigkeit sind. Weil das Gute der tätigen Liebe der Bruder ist, so nennt der Herr die, welche in diesem sind, Brüder.[10]

Viertes Kapitel

Vom Sämann

4.1 Und er fing abermals an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, sodass er in ein Boot steigen musste, das im Wasser lag; er setzte sich, und alles Volk stand auf dem Lande am See.
4.2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen:
4.3 Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen.
4.4 Und es begab sich, indem er säte, dass einiges auf den Weg fiel; da kamen die Vögel und fraßen's auf.
4.5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging alsbald auf, weil es keine tiefe Erde hatte.
4.6 Als nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.
4.7 Und einiges fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht.
4.8 Und einiges fiel auf gutes Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach.
4.9 Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Vom Sinn der Gleichnisse

4.10 Und als er allein war, fragten ihn, die um ihn waren, samt den Zwölfen, nach den Gleichnissen.
4.11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; denen aber draußen widerfährt es alles in Gleichnissen,
4.12 damit sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann

4.13 Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr dies Gleichnis nicht, wie wollt ihr dann die andern alle verstehen?
4.14 Der Sämann sät das Wort.
4.15 Das aber sind die auf dem Wege: wenn das Wort gesät wird und sie es gehört haben, kommt sogleich der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war.
4.16 Desgleichen auch die, bei denen auf felsigen Boden gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es sogleich mit Freuden auf,
4.17 aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so fallen sie sogleich ab.
4.18 Und andere sind die, bei denen unter die Dornen gesät ist: die hören das Wort,
4.19 und die Sorgen der Welt und der betrügerische Reichtum und die Begierden nach allem andern dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.
4.20 Diese aber sind's, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen's an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach.

Vom Licht und vom rechten Maß

4.21 Und er sprach zu ihnen: Zündet man etwa ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Keineswegs, sondern um es auf den Leuchter zu setzen.
4.22 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, was nicht an den Tag kommen soll.
4.23 Wer Ohren hat zu hören, der höre!
4.24 Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört! Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch wieder messen, und man wird euch noch dazugeben.
4.25 Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat.

Wenn jemand einen Acker hat, der ihm viel Frucht bringt, weil er gutes Erdreich hat, hat aber auch einen Acker, der trotz alles Düngens mager bleibt und kaum etwas mehr Frucht bringt, als in ihn gesät ward, was wird der Besitzer tun? Er wird dem mageren Acker die Frucht, die er spärlich getragen, abnehmen, sie zur guten und reichlichen Frucht des guten Ackers tun und wird im nächsten Jahr in den mageren Acker keine Frucht mehr säen, sondern wird allen Samen in den guten Acker legen! Dieser wird dann alle Frucht tragen; der magere aber wird dem Unkraut, den Disteln und Dornen preisgegeben. So wie ein kluger Hauswirt tut, handelt auch der Vater im Himmel und darin liegt keine Ungerechtigkeit. Ebenso geht man nur jenen um einen Rat an, der irgendeine Weisheit hat, und wendet sich bald von einem Maulhelden ab, bei dem man nur zu bald einsieht, dass er ein Maulheld ist. Darin liegt kein Unrecht, wenn man vom Maulhelden den Glauben abzieht und ihn dem recht Weisen gibt, der ohnehin des Vertrauens von allen Seiten her in Überfülle hat. Auch die Jünger Jesus taten kein Unrecht, indem sie Ihm nachfolgten und Tempel, Pharisäer und alle Schriftgelehrten verließen und ihnen dadurch den letzten Funken Vertrauens weg nahmen und es Jesus gaben, der durch Seine Taten und Worte ohnehin schon massenhaft Vertrauen besaß. Was Jesus redet, das gilt dem Geist und nicht der Materie, wo es wohl eine Ungerechtigkeit wäre, so man dem wenig Habenden die kleine Gabe wegnähme und sie einem Reichen gäbe.[11]

So jemand seine kleine Kraft geübt hat und kann nun größere Lasten tragen, der wird dadurch nicht schwächer, sondern nur fortwährend stärker. Wer aber seine kleine Kraft nie hatte üben wollen, der wird bald noch diese Kraft verlieren und erschöpft hinsinken in den vollen Tod. Daher soll man beständig all die Kräfte des Geistes üben, damit er einst in der Fülle der ewigen Lebenskraft dastehen und auf seinen Schultern die größten Lasten der Liebe, Gnade und Erbarmung Gottes zu tragen imstande sein wird. Also wird dem, der da hat, gegeben in der Fülle; wer aber nicht hat, der wird auch noch das verlieren, das er hatte von seinem Grund aus.[12]

Vom Wachsen der Saat

4.26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft
4.27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie.
4.28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.
4.29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Vom Senfkorn

4.30 Und er sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden?
4.31 Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist's das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden;
4.32 und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.
4.33 Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort so, wie sie es zu hören vermochten.
4.34 Und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen; aber wenn sie allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus.

Die Stillung des Sturmes

4.35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren.
4.36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.
4.37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde.
4.38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
4.39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

Durch das Meer wird hier die Hölle, und durch den Wind der Einfluss aus ihr bezeichnet.[13]

4.40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
4.41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Die Stillung des Sturmes

4.35 Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren.
4.36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.
4.37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde.
4.38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
4.39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

Das Meer bezeichnet hier, wie an vielen anderen Stellen, die Hölle.[14]

4.40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
4.41 Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Fünftes Kapitel

Die Heilung des besessenen Geraseners

5.1 Und sie kamen ans andre Ufer des Sees in die Gegend der Gerasener.
5.2 Und als er aus dem Boot trat, lief ihm alsbald von den Gräbern her ein Mensch entgegen mit einem unreinen Geist,
5.3 der hatte seine Wohnung in den Grabhöhlen. Und niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit Ketten;
5.4 denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen.
5.5 Und er war allezeit, Tag und Nacht, in den Grabhöhlen und auf den Bergen, schrie und schlug sich mit Steinen.
5.6 Als er aber Jesus sah von ferne, lief er hinzu und fiel vor ihm nieder
5.7 und schrie laut: Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht!
5.8 Denn er hatte zu ihm gesagt: Fahre aus, du unreiner Geist, von dem Menschen!
5.9 Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er sprach: Legion heiße ich; denn wir sind viele.
5.10 Und er bat Jesus sehr, dass er sie nicht aus der Gegend vertreibe.
5.11 Es war aber dort an den Bergen eine große Herde Säue auf der Weide.
5.12 Und die unreinen Geister baten ihn und sprachen: Lass uns in die Säue fahren!
5.13 Und er erlaubte es ihnen. Da fuhren die unreinen Geister aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürmte den Abhang hinunter in den See, etwa zweitausend, und sie ersoffen im See.
5.14 Und die Sauhirten flohen und verkündeten das in der Stadt und auf dem Lande. Und die Leute gingen hinaus, um zu sehen, was geschehen war,
5.15 und kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, wie er dasaß, bekleidet und vernünftig, den, der die Legion unreiner Geister gehabt hatte; und sie fürchteten sich.
5.16 Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, was mit dem Besessenen geschehen war und das von den Säuen.
5.17 Und sie fingen an und baten Jesus, aus ihrem Gebiet fortzugehen.
5.18 Und als er in das Boot trat, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm bleiben dürfe.
5.19 Aber er ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch große Wohltat dir der Herr getan und wie er sich deiner erbarmt hat.
5.20 Und er ging hin und fing an, in den Zehn Städten auszurufen, welch große Wohltat ihm Jesus getan hatte; und jedermann verwunderte sich.

Die Heilung einer blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Jaïrus

5.21 Und als Jesus wieder herübergefahren war im Boot, versammelte sich eine große Menge bei ihm, und er war am See.
5.22 Da kam einer von den Vorstehern der Synagoge, mit Namen Jaïrus. Und als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen
5.23 und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm doch und lege deine Hände auf sie, damit sie gesund werde und lebe.
5.24 Und er ging hin mit ihm. Und es folgte ihm eine große Menge und sie umdrängten ihn.
5.25 Und da war eine Frau, die hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren
5.26 und hatte viel erlitten von vielen Ärzten und all ihr Gut dafür aufgewandt; und es hatte ihr nichts geholfen, sondern es war noch schlimmer mit ihr geworden.
5.27 Als die von Jesus hörte, kam sie in der Menge von hinten heran und berührte sein Gewand.
5.28 Denn sie sagte sich: Wenn ich nur seine Kleider berühren könnte, so würde ich gesund.
5.29 Und sogleich versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie spürte es am Leibe, dass sie von ihrer Plage geheilt war.
5.30 Und Jesus spürte sogleich an sich selbst, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, und wandte sich um in der Menge und sprach: Wer hat meine Kleider berührt?
5.31 Und seine Jünger sprachen zu ihm: Du siehst, dass dich die Menge umdrängt, und fragst: Wer hat mich berührt?
5.32 Und er sah sich um nach der, die das getan hatte.
5.33 Die Frau aber fürchtete sich und zitterte, denn sie wusste, was an ihr geschehen war; sie kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
5.34 Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage!
5.35 Als er noch so redete, kamen einige aus dem Hause des Vorstehers der Synagoge und sprachen: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du weiter den Meister?
5.36 Jesus aber hörte mit an,1 was gesagt wurde, und sprach zu dem Vorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur!
5.37 Und er ließ niemanden mit sich gehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
5.38 Und sie kamen in das Haus des Vorstehers, und er sah das Getümmel und wie sehr sie weinten und heulten.
5.39 Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft.
5.40 Und sie verlachten ihn. Er aber trieb sie alle hinaus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter und die bei ihm waren und ging hinein, wo das Kind lag,
5.41 und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! - das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!
5.42 Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war aber zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich sogleich über die Maßen.
5.43 Und er gebot ihnen streng, dass es niemand wissen sollte, und sagte, sie sollten ihr zu essen geben.

Sechstes Kapitel

Die Verwerfung Jesu in Nazareth

6.1 Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach.
6.2 Und als der Sabbat kam, fing er an zu lehren in der Synagoge. Und viele, die zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die durch seine Hände geschehen?
6.3 Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.
6.4 Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und bei seinen Verwandten und in seinem Hause.
6.5 Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.
6.6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er ging rings umher in die Dörfer und lehrte.

Die Aussendung der Zwölf

6.7 Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie auszusenden je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister
6.8 und gebot ihnen, nichts mitzunehmen auf den Weg als allein einen Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel,
6.9 wohl aber Schuhe, und nicht zwei Hemden anzuziehen.
6.10 Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus gehen werdet, da bleibt, bis ihr von dort weiterzieht.
6.11 Und wo man euch nicht aufnimmt und nicht hört, da geht hinaus und schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie.
6.12 Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun,
6.13 und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund.

Das Ende Johannes des Täufers

6.14 Und es kam dem König Herodes zu Ohren; denn der Name Jesu war nun bekannt. Und die Leute sprachen: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum tut er solche Taten.
6.15 Einige aber sprachen: Er ist Elia; andere aber: Er ist ein Prophet wie einer der Propheten.
6.16 Als es aber Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferstanden.
6.17 Denn er, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes ergriffen und ins Gefängnis geworfen um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet.
6.18 Johannes hatte nämlich zu Herodes gesagt: Es ist nicht recht, dass du die Frau deines Bruders hast.
6.19 Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht.
6.20 Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; und wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig; doch hörte er ihn gern.
6.21 Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa.
6.22 Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und gefiel Herodes und denen, die mit am Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir's geben.
6.23 Und er schwor ihr einen Eid: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs.
6.24 Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers.
6.25 Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers.
6.26 Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen des Eides und derer, die mit am Tisch saßen, wollte er sie keine Fehlbitte tun lassen.
6.27 Und sogleich schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis
6.28 und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab's dem Mädchen und das Mädchen gab's seiner Mutter.
6.29 Und als das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Die Speisung der Fünftausend

6.30 Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
6.31 Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen.
6.32 Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein.
6.33 Und man sah sie wegfahren, und viele merkten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.
6.34 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.
6.35 Als nun der Tag fast vorüber war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Es ist öde hier und der Tag ist fast vorüber;
6.36 lass sie gehen, damit sie in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich Brot kaufen.
6.37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben?
6.38 Er aber sprach zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Geht hin und seht! Und als sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf und zwei Fische.
6.39 Und er gebot ihnen, dass sie sich alle lagerten, tischweise, auf das grüne Gras.
6.40 Und sie setzten sich, in Gruppen zu hundert und zu fünfzig.
6.41 Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie unter ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle.
6.42 Und sie aßen alle und wurden satt.
6.43 Und sie sammelten die Brocken auf, zwölf Körbe voll, und von den Fischen.
6.44 Und die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Mann.

Jesus kommt zu seinen Jüngern auf dem See

6.45 Und alsbald trieb er seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren nach Betsaida, bis er das Volk gehen ließe.
6.46 Und als er sie fortgeschickt hatte, ging er hin auf einen Berg, um zu beten.
6.47 Und am Abend war das Boot mitten auf dem See und er auf dem Land allein.
6.48 Und er sah, dass sie sich abplagten beim Rudern, denn der Wind stand ihnen entgegen. Um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und ging auf dem See und wollte an ihnen vorübergehen.
6.49 Und als sie ihn sahen auf dem See gehen, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien;
6.50 denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!,
6.51 und trat zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich über die Maßen;
6.52 denn sie waren um nichts verständiger geworden angesichts der Brote, sondern ihr Herz war verhärtet.

Krankenheilungen in Genezareth

6.53 Und als sie hinübergefahren waren ans Land, kamen sie nach Genezareth und legten an.
6.54 Und als sie aus dem Boot stiegen, erkannten ihn die Leute alsbald
6.55 und liefen im ganzen Land umher und fingen an, die Kranken auf Bahren überall dorthin zu tragen, wo sie hörten, dass er war.
6.56 Und wo er in Dörfer, Städte und Höfe hineinging, da legten sie die Kranken auf den Markt und baten ihn, dass diese auch nur den Saum seines Gewandes berühren dürften; und alle, die ihn berührten, wurden gesund.

Siebtes Kapitel

Von Reinheit und Unreinheit

7.1 Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die aus Jerusalem gekommen waren.
7.2 Und sie sahen einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt: ungewaschenen Händen das Brot essen.
7.3 Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht die Hände mit einer Hand voll Wasser gewaschen haben, und halten so die Satzungen der Ältesten;
7.4 und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen haben. Und es gibt viele andre Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie: Trinkgefäße und Krüge und Kessel und Bänke zu waschen.
7.5 Da fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach den Satzungen der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen?
7.6 Er aber sprach zu ihnen: Wie fein hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht (Jesaja 29,13): »Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir.
7.7 Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote.«
7.8 Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen.
7.9 Und er sprach zu ihnen: Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet!
7.10 Denn Mose hat gesagt (2.Mose 20,12; 21,17): »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren«, und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.«
7.11 Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter sagt: Korban - das heißt: Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht -,
7.12 so lasst ihr ihn nichts mehr tun für seinen Vater oder seine Mutter
7.13 und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr überliefert habt; und dergleichen tut ihr viel.
7.14 Und er rief das Volk wieder zu sich und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und begreift's!
7.15-16 Es gibt nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein machen könnte; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist's, was den Menschen unrein macht.1
7.17 Und als er von dem Volk ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger nach diesem Gleichnis.
7.18 Und er sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch so unverständig? Merkt ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann?
7.19 Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein.
7.20 Und er sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein;
7.21 denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,
7.22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.
7.23 Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein.

Die Frau aus Syrophönizien

7.24 Und er stand auf und ging von dort in das Gebiet von Tyrus. Und er ging in ein Haus und wollte es niemanden wissen lassen und konnte doch nicht verborgen bleiben,
7.25 sondern alsbald hörte eine Frau von ihm, deren Töchterlein einen unreinen Geist hatte. Und sie kam und fiel nieder zu seinen Füßen
7.26 - die Frau war aber eine Griechin aus Syrophönizien - und bat ihn, dass er den bösen Geist von ihrer Tochter austreibe.
7.27 Jesus aber sprach zu ihr: Lass zuvor die Kinder satt werden; es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnehme und werfe es vor die Hunde.
7.28 Sie antwortete aber und sprach zu ihm: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder.
7.29 Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin, der böse Geist ist von deiner Tochter ausgefahren.
7.30 Und sie ging hin in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen, und der böse Geist war ausgefahren.

Die Heilung eines Taubstummen

7.31 Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.
7.32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.
7.33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und
7.34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!
7.35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.
7.36 Und er gebot ihnen, sie sollten's niemandem sagen. Je mehr er's aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.
7.37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Achtes Kapitel

Die Speisung der Viertausend

8.1 Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen:
8.2 Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen.
8.3 Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.
8.4 Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen?
8.5 Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben.
8.6 Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus.
8.7 Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen.
8.8 Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll.
8.9 Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

Die Zeichenforderung der Pharisäer

8.10 Und alsbald stieg er in das Boot mit seinen Jüngern und kam in die Gegend von Dalmanuta.
8.11 Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[15]

8.12 Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden!
8.13 Und er verließ sie und stieg wieder in das Boot und fuhr hinüber.

Warnung vor den Pharisäern und vor Herodes

8.14 Und sie hatten vergessen, Brot mitzunehmen, und hatten nicht mehr mit sich im Boot als ein Brot.
8.15 Und er gebot ihnen und sprach: Schaut zu und seht euch vor vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes.
8.16 Und sie bedachten hin und her, dass sie kein Brot hätten.
8.17 Und er merkte das und sprach zu ihnen: Was bekümmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr noch nicht, und begreift ihr noch nicht? Habt ihr noch ein verhärtetes Herz in euch?
8.18 Habt Augen und seht nicht, und habt Ohren und hört nicht, und denkt nicht daran:
8.19 Als ich die fünf Brote brach für die fünftausend, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Zwölf.
8.20 Und als ich die sieben brach für die viertausend, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Sieben.
8.21 Und er sprach zu ihnen: Begreift ihr denn noch nicht?

Die Heilung eines Blinden

8.22 Und sie kamen nach Betsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrühre.

"Bethsaida" stellt hier die äußerste Welt dar, in der nur einer für die Welt blind war. Aber eben diese Blindheit für die Welt war der Grund, aus dem dieser einzige für die Welt Blinde es merkte, dass der Herr nach Bethsaida kam, und darum die Weltsehenden bat, ihn zu Ihm zu führen, damit Er ihn heile und ihm das Licht der Welt (Anm.: den verderblichen Rationalismus) wieder gäbe.[16]

8.23 Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, tat Speichel auf seine Augen, legte seine Hände auf ihn und fragte ihn: Siehst du etwas?

Da jeder vom Herrn gemäß der vollen Willensfreiheit haben kann, was er will, Gift und Balsam, so konnte auch dieser Blinde haben, was er wollte. Er wollte anfangs das Weltlicht, darum führte der Herr ihn hinaus und spie ihm in seine Augen zum Zeichen Seines gerechten Abscheus vor der Welt und ihrem Licht, legte ihm aber auch Seine Hände auf zum Zeichen, dass er, wie jeder in der Welt, sich in der Macht Seiner Hände befindet, ob er es merkt oder nicht, und Anteil hat an Seiner Gnade und Erbarmung, entweder für den Himmel oder, so es ihm lieber ist, auch bloß für die Welt.[17]

8.24 Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen.

Aus dem oben erwähnten Grund ließ der Herr diesen einzigen Blinden von Bethsaida nicht sogleich allerklarst weltsichtig werden, sondern nur wie durch einen Schleier, und fragte ihn dann, ob er etwas sehe. Die Menschen, die wie Bäume wandeln bezeichnen die Weltmenschen ihrer inneren Natur nach. Sie sehen aus wie wandelnde Bäume, die kein Leben mehr haben, da ihre Wurzeln in keiner Erde mehr stecken, damit sie Nahrung bekämen, sondern in der Luft hängen - weil sie sie von den Orkanen ihres Weltsinns und ihrer Weltleidenschaftenaus dem Erdreich der Liebe, Weisheit und Ordnung Gottes reißen und gänzlich entwurzeln haben lassen.[18]

8.25 Danach legte er abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich und wurde wieder zurechtgebracht, sodass er alles scharf sehen konnte.

Da der Weltblinde durch dieses Bekenntnis der Welt ein richtiges Zeugnis angesichts des Herrn und Seiner Brüder gab und in sich gewahr wurde, was an der Welt und ihrem Licht ist, legte der Herr ihm aus rechter Gnade und Erbarmung abermals die Hände auf, damit er das, was er nur wie durch einen Schleier sah, auch in der vollen Klarheit schauen solle. Der Herr spie ihm nicht mehr auf die Augen, zum Zeichen, dass Ihm ein rechter, wahrer Blick in die Welt angenehm ist, demzufolge die Welt einen solchen Richtigseher nicht mehr in ihre abertausenden Schlingen fangen kann zum ewigen Verderben. Durch diesen puren Gnadenakt der Händeauflegung ohne vorhergehendes Anspucken wurde der Blinde erst völlig hergestellt.[19]

8.26 Und er schickte ihn heim und sprach: Geh nicht hinein in das Dorf!

Der Herr schickten ihn in sein Haus, d.h. in das Haus seines Geistes, seines inneren Lebens. Wenn er in das Dorf gehe, d.h. wenn er in der Welt etwas zu tun habe, dann solle er sie nicht merken lassen, dass er sie nun vom Herrn aus in ihrem wahren Höllenlicht beschaute, damit er vor ihr Ruhe habe und sie ihm kein Leid zufügen könne.[20]

Es gibt noch eine rein himmlische Bedeutung dieser Geschichte, wonach der Weltblinde die Seele des Menschen bezeichnet, Bethsaida seinen Leib und das Haus seinen eigenen Geist, und zwar unter entsprechenden gleichen Verhältnissen.[21]

Das Bekenntnis des Petrus

8.27 Und Jesus ging fort mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Wer, sagen die Leute, dass ich sei?
8.28 Sie antworteten ihm: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer; einige sagen, du seist Elia; andere, du seist einer der Propheten.
8.29 Und er fragte sie: Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus!
8.30 Und er gebot ihnen, dass sie niemandem von ihm sagen sollten.

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

8.31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.
8.32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.
8.33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

Von der Nachfolge

8.34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
8.35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten.

Dies bedeutet, den Herrn über alles und den Nächsten wie sich selber lieben, und lieber sterben wollen, als von jener und dieser Liebe abweichen.[22]

8.36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden?
8.37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?
8.38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Neuntes Kapitel

Die Verklärung Jesu

Für die geistige Auslegung der Verklärung Jesu siehe Matthäus Evangelium (Geistiger Sinn) Kapitel 17

9.1 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.
9.2 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie auf einen hohen Berg, nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verklärt;
9.3 und seine Kleider wurden hell und sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann.
9.4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose und sie redeten mit Jesus.
9.5 Und Petrus fing an und sprach zu Jesus: Rabbi, hier ist für uns gut sein. Wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
9.6 Er wusste aber nicht, was er redete; denn sie waren ganz verstört.
9.7 Und es kam eine Wolke, die überschattete sie. Und eine Stimme geschah aus der Wolke: Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!
9.8 Und auf einmal, als sie um sich blickten, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein.
9.9 Als sie aber vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus, dass sie niemandem sagen sollten, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn auferstünde von den Toten.
9.10 Und sie behielten das Wort und befragten sich untereinander: Was ist das, auferstehen von den Toten?
9.11 Und sie fragten ihn und sprachen: Sagen nicht die Schriftgelehrten, dass zuvor Elia kommen muss?
9.12 Er aber sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor kommen und alles wieder zurechtbringen. Und wie steht dann geschrieben von dem Menschensohn, dass er viel leiden und verachtet werden soll?
9.13 Aber ich sage euch: Elia ist gekommen und sie haben ihm angetan, was sie wollten, wie von ihm geschrieben steht.

Die Heilung eines besessenen Knaben

9.14 Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten.
9.15 Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn.
9.16 Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen?
9.17 Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist.
9.18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht.
9.19 Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!
9.20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund.
9.21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf.
9.22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!
9.23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
9.24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
9.25 Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein!
9.26 Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, sodass die Menge sagte: Er ist tot.
9.27 Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.
9.28 Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten "wir" ihn nicht austreiben?
9.29 Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten (und Fasten).

"Da Er heimkam" - Der Herr ist dort daheim, wo Seine Jünger sind, denn wozu man Liebe hat und wo man zugleich Liebe findet, da ist man daheim. "Und die Jünger fragten Ihn" – Je mehr man daheim ist, desto ungehinderter kann man sich besprechen, desto leichter und sorgloser fragen. "Warum konnten wir ihn nicht austreiben?" – oder: "Warum verstanden wir Dich früheren Orts nicht also wie hier, und warum warst du dort nicht so freimütig und kräftig wie hier?" Erstens war der Herr bei den Jüngern mehr daheim als am früheren Ort. Zweitens hätten sie für solche Gaben früheren Orts viel beten und fasten müssen, damit ihnen der Feind nicht in die Karte geschaut hätte. Denn wo der Herr weniger daheim ist, da ist es der Feind desto mehr. Wo der Herr aber mehr daheim ist, und der Feind desto weniger, da braucht es nicht so viel des Betens und Fastens oder nicht so viel stetigen Wachens, um die höheren Gaben vor dem Geifer der Schlangenbrut zu verwahren. Von da wird es dann auch leicht sein, "durch Galiläa zu wandeln" (nächster Vers), und es wird "niemand etwas davon erfahren". Es ist nicht der Wille des Herrn, dass jemand unberufenermaßen vor der Zeit etwas davon erfahre. "Galiläa" bezeichnet die Freiheit. Und "durch Galiläa wandeln" heißt: einen freien Fuß haben.[23]

Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

9.30 Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, dass es jemand wissen sollte.
9.31 Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen.
9.32 Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

Der Rangstreit der Jünger

9.33 Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er daheim war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg verhandelt?
9.34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander verhandelt, wer der Größte sei.
9.35 Und er setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.
9.36 Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen:
9.37 Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Der fremde Wundertäter

9.38 Johannes sprach zu ihm: Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister in deinem Namen aus, und wir verboten's ihm, weil er uns nicht nachfolgt.
9.39 Jesus aber sprach: Ihr sollt's ihm nicht verbieten. Denn niemand, der ein Wunder tut in meinem Namen, kann so bald übel von mir reden.
9.40 Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
9.41 Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt deshalb, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unvergolten bleiben.

Unter dem Lohn wird das Angenehme des Guten und Reizendes des Wahren verstanden.[24]

Warnung vor Verführung zum Abfall

9.42 Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.
9.43-44 Wenn dich aber deine Hand zum Abfall verführt, so haue sie ab! Es ist besser für dich, dass du verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände hast und fährst in die Hölle, in das Feuer, das nie verlöscht.
9.45-46 Wenn dich dein Fuß zum Abfall verführt, so haue ihn ab! Es ist besser für dich, dass du lahm zum Leben eingehst, als dass du zwei Füße hast und wirst in die Hölle geworfen.

Das Natürliche des Menschen wird unter den Füßen verstanden, daher wird hier nicht der Fuß verstanden, sondern der natürliche Mensch.[25]

9.47 Wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, so wirf's von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes gehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen,
9.48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht.

Der Wurm ist der Satan, und sein Grimm ist die faule Glut (Anm.: die laue Liebe); aber sie hat keine Flamme und somit keine Liebe, kein Licht und kein Leben.[26]

9.49 Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden.

Das Feuersalz ist die wahre Liebe zu Gott, mit der man durch und durch gesalzen werden muss, um in das Reich Gottes eingehen zu können, ebenso wie auch jedes Gott dargebrachte Opfer solcherart durchgesalzen sein muss, so es Ihm wohlgefällig sein soll. So wie das Salz die allein lebenbringende Würze allen Geschöpfen und zugleich, durch seine zusammenziehende Kraft, die Erhaltung aller Dinge ist – ebenso ist auch die reine Liebe des Geistes zu Gott, gleich dem Feuersalz alles Lebens, die allein erhaltend-wirkende Kraft des ewigen Lebens. So wie nur der Sauerstoff brennbar ist, und helle Flammen bewirkt, ist auch nur die wahre Liebe allein Feuer und Flamme und dadurch auch lichtfähig. Ihr Licht ist ein wahres Licht, da es ein Ebenlicht von Gottes ewigem, wahren Weisheitslicht ist.[27] Um ein Kind Gottes zu werden, muss man ganz zum Feuersalz werden. Wie das Salz eine Würze der Speise ist, so soll man auch eine Würze der ewigen Liebe werden.[28]

9.50 Das Salz ist gut; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit wird man's würzen? Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander!

Ein schales Salz nütze nichts und taugt nicht zur Flamme, sondern macht nur eine faule Glut, da seine Säure unlauter geworden ist. Ebenso ist es mit einer lauen Liebe, die nicht zur Flamme angefacht werden mag. Sie ist nur eine todbringende, faule Kohlenglut in einem verschlossenen Gemach, die alles Salz verzehrt, denjenigen aber, die sich daran trüglich wärmen, den Tod bereitet.[29]

Das Salz bedeutet hier auch das Verlangen nach dem Wahren.[30]

Zehntes Kapitel

Von der Ehescheidung

10.1 Und er machte sich auf und kam von dort in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordans. Und abermals lief das Volk in Scharen bei ihm zusammen, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals.
10.2 Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit.
10.3 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?
10.4 Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.
10.5 Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben;
10.6 aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau.
10.7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen,
10.8 und die zwei werden "ein" Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern "ein" Fleisch.
10.9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Hier wird die himmlische Ehe beschrieben, in der die Engel leben, und zugleich die Ehe des Guten und Wahren. Die Worte "was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht scheiden", sind so zu verstehen, dass das Gute nicht vom Wahren getrennt werden soll.[31]

10.10 Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach.
10.11 Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe;
10.12 und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.

Die Segnung der Kinder

10.13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an.
10.14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.

Die kleinen Kinder bezeichnen hier die Unschuldigen. Niemand kann in den Himmel gelangen, wenn er nicht unschuldig ist.[32]

10.15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
10.16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Die Gefahr des Reichtums (»Der reiche Jüngling«)

10.17 Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?
10.18 Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.
10.19 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.«
10.20 Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.
10.21 Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!1
10.22 Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.
10.23 Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!
10.24 Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist's, ins Reich Gottes zu kommen!
10.25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
10.26 Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?
10.27 Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist's unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Der Lohn der Nachfolge

10.28 Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
10.29 Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen,
10.30 der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen - und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
10.31 Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind.

Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

10.32 Sie waren aber auf dem Wege hinauf nach Jerusalem und Jesus ging ihnen voran; und sie entsetzten sich; die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm abermals die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren werde:
10.33 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird überantwortet werden den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überantworten.
10.34 Die werden ihn verspotten und anspeien und geißeln und töten, und nach drei Tagen wird er auferstehen.

Vom Herrschen und vom Dienen (»Die Söhne des Zebedäus«)

10.35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden.
10.36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?
10.37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.
10.38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?
10.39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;
10.40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.
10.41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
10.42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
10.43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
10.44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
10.45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Unter Knecht und Diener wird hier der verstanden, welcher durch Lehren dient und bedient, von der Person abgesehen das Göttlich-Wahre, welches der Herr Selbst war.[33]

Die Heilung eines Blinden bei Jericho

10.46 Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho wegging, er und seine Jünger und eine große Menge, da saß ein blinder Bettler am Wege, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
10.47 Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an, zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
10.48 Und viele fuhren ihn an, er solle stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
10.49 Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!
10.50 Da warf er seinen Mantel von sich, sprang auf und kam zu Jesus.
10.51 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde.
10.52 Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

Elftes Kapitel

Jesu Einzug in Jerusalem

11.1 Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien an den Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger

Der Ölberg bezeichnet die göttliche Liebe.[34]

11.2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her!
11.3 Und wenn jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her.
11.4 Und sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an einer Tür draußen am Weg und banden's los.
11.5 Und einige, die dort standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr da, dass ihr das Füllen losbindet?
11.6 Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen's zu.
11.7 Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.
11.8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten.
11.9 Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!
11.10 Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe!
11.11 Und Jesus ging hinein nach Jerusalem in den Tempel und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.

Der verdorrte Feigenbaum. Die Tempelreinigung

11.12 Und am nächsten Tag, als sie von Betanien weggingen, hungerte ihn.
11.13 Und er sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte; da ging er hin, ob er etwas darauf fände. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen.
11.14 Da fing Jesus an und sprach zu ihm: Nun esse niemand mehr eine Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten das.

Für die Erläuterung des Gleichnis vom verdorrten Feigenbaum siehe Matthäus Evangelium (Geistiger Sinn).

11.15 Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um
11.16 und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage.
11.17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.
11.18 Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre.
11.19 Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt.
11.20 Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel.
11.21 Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.
11.22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott!
11.23 Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird's ihm geschehen.
11.24 Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr's empfangt, so wird's euch zuteil werden.
11.25-26 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.
11.26 '

Die Frage nach Jesu Vollmacht

11.27 Und sie kamen wieder nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherging, kamen zu ihm die Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten
11.28 und fragten ihn: Aus welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dass du das tust?
11.29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine Sache fragen; antwortet mir, so will ich euch sagen, aus welcher Vollmacht ich das tue.
11.30 Die Taufe des Johannes - war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!
11.31 Und sie bedachten bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?
11.32 Oder sollen wir sagen, sie war von Menschen? - da fürchteten sie sich vor dem Volk. Denn sie hielten alle Johannes wirklich für einen Propheten.
11.33 Und sie antworteten und sprachen zu Jesus: Wir wissen's nicht. Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.

Zwölftes Kapitel

Von den bösen Weingärtnern

12.1 Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes.
12.2 Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole.
12.3 Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.
12.4 Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn.
12.5 Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie.
12.6 Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als Letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.

Drei bedeutet bis zum Ende, das Vollgefüllte.[35]

12.7 Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein!
12.8 Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.
12.9 Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.
12.10 Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118.22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.

Die Ecke bzw. der Eckstein bedeutet das Unterste, welches dem Oberen wie der Grund dem Haus zur Stütze dient, und bedeutet so auch alles.[36]

12.11 Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«?
12.12 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Die Frage nach der Steuer (»Der Zinsgroschen«)

12.13 Und sie sandten zu ihm einige von den Pharisäern und von den Anhängern des Herodes, dass sie ihn fingen in Worten.
12.14 Und sie kamen und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht. Ist's recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen?
12.15 Er aber merkte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Silbergroschen, dass ich ihn sehe!
12.16 Und sie brachten einen. Da sprach er: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers.
12.17 Da sprach Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie wunderten sich über ihn.

Die Frage nach der Auferstehung

12.18 Da traten die Sadduzäer zu ihm, die lehren, es gebe keine Auferstehung; die fragten ihn und sprachen:
12.19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben (5.Mose 25.5-6): »Wenn jemand stirbt und hinterlässt eine Frau, aber keine Kinder, so soll sein Bruder sie zur Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.«
12.20 Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau; der starb und hinterließ keine Kinder.
12.21 Und der zweite nahm sie und starb und hinterließ auch keine Kinder. Und der dritte ebenso.
12.22 Und alle sieben hinterließen keine Kinder. Zuletzt nach allen starb die Frau auch.
12.23 Nun in der Auferstehung, wenn sie auferstehen: wessen Frau wird sie sein unter ihnen? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.
12.24 Da sprach Jesus zu ihnen: Ist's nicht so? Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes.
12.25 Wenn sie von den Toten auferstehen werden, so werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel.
12.26 Aber von den Toten, dass sie auferstehen, habt ihr nicht gelesen im Buch des Mose, bei dem Dornbusch, wie Gott zu ihm sagte und sprach (2.Mose 3.6): »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«?

Die Frage nach dem höchsten Gebot

12:28 Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?
12.29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,
12.30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«.

Unter "Herz" zu verstehen ist der Geist des Lebens, der als treues Ebenbild der Liebe Gottes in der Prüfungsperiode im Menschen und eigentlich die pure Liebe ist. Unter "Seele" zu verstehen ist ein ätherischer Leib des Geistes, der ganz durchdrungen werden soll von der Urliebe in ihr, damit sie dadurch lebendig werde in allen ihren Teilen. Unter "Gemüt" zu verstehen sind die naturmäßigen Wisstümlichkeiten, die alle gefangen werden sollen von der Liebe Gottes im Menschen, damit die Seele, als Leib des Geistes, Festigkeit bekomme mit Haut und Haaren, Füße zum Stehen und Gehen und Hände zum Greifen und Handeln und Augen zum Sehen und Ohren zum Hören und eine Nase zum Riechen und einen Mund, versehen mit all dessen Bestandteilen und tauglich, höhere und bessere Speisen zu nehmen und selber Worte des Lebens aus dem Herrn zu reden. Das alles sind dann "all die Kräfte", die auch voll Liebe sein sollen.[37]

12.31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19.18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
12.32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur "einer," und ist kein anderer außer ihm;
12.33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
12.34 Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Die Frage nach dem Davidssohn

12.35 Und Jesus fing an und sprach, als er im Tempel lehrte: Wieso sagen die Schriftgelehrten, der Christus sei Davids Sohn?
12.36 David selbst hat durch den Heiligen Geist gesagt (Psalm 110.1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege.«
12.37 Da nennt ihn ja David selbst seinen Herrn. Woher ist er dann sein Sohn? Und alles Volk hörte ihn gern.

Warnung vor den Schriftgelehrten

12.38 Und er lehrte sie und sprach zu ihnen: Seht euch vor vor den Schriftgelehrten, die gern in langen Gewändern gehen und lassen sich auf dem Markt grüßen
12.39 und sitzen gern obenan in den Synagogen und am Tisch beim Mahl;
12.40 sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein umso härteres Urteil empfangen.

Das Scherflein der Witwe

12.41 Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein.
12.42 Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig.
12.43 Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben.
12.44 Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Dreizehntes Kapitel

Das Ende des Tempels

13.1 Und als er aus dem Tempel ging, sprach zu ihm einer seiner Jünger: Meister, siehe, was für Steine und was für Bauten!
13.2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

Für die Auslegung der von Jesus angekündigten Zerstörung des Tempels siehe Matthäus Evangelium (Geistiger Sinn) Vierundzwanzigstes Kapitel.

Der Anfang der Wehen

13.3 Und als er auf dem Ölberg saß gegenüber dem Tempel, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas, als sie allein waren:

Der Ölberg bezeichnet die göttliche Liebe.[38]

13.4 Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein, wenn das alles vollendet werden soll?

Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[39] Das Zeichen wird hier von der Zukunft gebraucht und bedeutet dann eine Offenbarung.[40]

13.5 Jesus fing an und sagte zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe!
13.6 Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin's, und werden viele verführen.
13.7 Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Es muss so geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da.

Kriege bezeichnen geistige Kriege, welche Bekämpfungen des Wahren sind und durch Vernünfteleien aus Falschem geführt werden.[41]

13.8 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere. Es werden Erdbeben geschehen hier und dort, es werden Hungersnöte sein. Das ist der Anfang der Wehen.

Erdbeben bezeichnen die Zustandsveränderungen in der Kirche, weil die Erde die Kirche bezeichnet.[42]

Der Hunger bezeichnet die Zerstörung des geistlichen Lebens durch das Böse.[43]

13.9 Ihr aber seht euch vor! Denn sie werden euch den Gerichten überantworten, und in den Synagogen werdet ihr gegeißelt werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis.
13.10 Und das Evangelium muss zuvor gepredigt werden unter allen Völkern.
13.11 Und wenn sie euch hinführen und überantworten werden, so sorgt euch nicht vorher, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid's nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist.
13.12 Und es wird ein Bruder den andern dem Tod preisgeben und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die Eltern und werden sie töten helfen.

Der Sohn bezeichnet Wahres. Es werden jene verstanden, die in den Wahrheiten der Lehre aus dem Wort sind und, abstrakt genommen, die Wahrheiten selbst.[44]

13.13 Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.

Die große Bedrängnis

13.14 Wenn ihr aber sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung stehen, wo es nicht soll - wer es liest, der merke auf! -, alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf die Berge.

Das Gräuel, das Verwüstung anrichtet, bezieht sich auf die falschen Lehre der Dreieinigkeit. Vgl. auch Dan 9.27 [45]

13.15 Wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter und gehe nicht hinein, etwas aus seinem Hause zu holen.
13.16 Und wer auf dem Feld ist, der wende sich nicht um, seinen Mantel zu holen.
13.17 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden zu jener Zeit!
13.18 Bittet aber, dass es nicht im Winter geschehe.
13.19 Denn in diesen Tagen wird eine solche Bedrängnis sein, wie sie nie gewesen ist bis jetzt vom Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, und auch nicht wieder werden wird.

Die große Bedrängnis oder die große Trübsal bezeichnet die Gefährdung des Wahren durch das Falsche, die soweit geht, dass schließlich überhaupt kein Wahres mehr übrig bleibt, das nicht verfälscht und zerstört wäre.[46] Die große Bedrängnis bezieht sich auf die Folgen der falschen Lehre der Dreieinigkeit und bezeichnet die Vernichtung der Kirche, wie sie durch Falschheiten und Verfälschungen des göttlichen Wortes zustande kommt.[47] Die Quelle solcher Gräuel der Verwüstung ist der in der christlichen Welt allgemein angenommene Glaube und dessen Einfluss, Wirksamkeit und Zurechnung, gemäß den Überlieferungen, die Rechtfertigung durch Bürgschaft des Sohnes.[48]

13.20 Und wenn der Herr diese Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er diese Tage verkürzt.
13.21 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus; siehe, da ist er!, so glaubt es nicht.
13.22 Denn es werden sich erheben falsche Christusse und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder tun, sodass sie die Auserwählten verführen würden, wenn es möglich wäre.

Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[49]

13.23 Ihr aber seht euch vor! Ich habe euch alles zuvor gesagt!

Das Kommen des Menschensohns

13.24 Aber zu jener Zeit, nach dieser Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren,
13.25 und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.

Die aus dem Wort geschöpften Kenntnisse des Guten und Wahren werden durch Sterne bezeichnet. Diese Kenntnisse des Guten und Wahren werden untergehen.[50]

13.26 Und dann werden sie sehen den Menschensohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Die Ankunft des Herrn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit bedeutet die Gegenwart des Herrn im Wort und die (neue) Offenbarung, denn der Herr ist das Wort, das göttliche Wahre. Die Wolken bezeichnen den buchstäblichen Sinn des Wortes, die Herrlichkeiten den inneren (geistigen oder entsprechenden) Sinn des Wortes. Der Herr wird am Ende der Kirche, wenn keine Liebe und darum auch kein Glaube mehr vorhanden ist, den geistigen Sinn des Wortes, und so das göttliche Wahre, wie es an sich ist, erschließen und so die Geheimnisse des Himmels offenbaren. Dies ist das Zeichen, dass das jüngste Gericht bevorstehe.[51]

13.27 Und dann wird er die Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

Mahnung zur Wachsamkeit

13.28 An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
13.29 Ebenso auch: wenn ihr seht, dass dies geschieht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.
13.30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.
13.31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.
13.32 Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

Der "Vater" ist die reinste "Ewige Liebe in Gott" oder das "Ewige wesenhafte Wort" in Sich Selbst. Der "Sohn" ist das vom Vater ausgesprochene Wort oder der Sich den Menschen wesenhaft im Sohn offenbarende Vater Selbst. Es verhalten sich beide wie ein gedachtes und ein ausgesprochenes Wort, da der Gedanke der Grund oder der Vater des ausgesprochenen Wortes, das ausgesprochene Wort aber wieder nichts anderes als der sich offenbarende Gedanke oder der Vater des Wortes selbst ist. Daher sollte sonnenklar sein, dass Vater und Sohn eines und dasselbe sind, Joh 14.9 wie der Gedanke und das danach ausgesprochene Wort – und dass der Vater im Sohn und der Sohn im Vater ist, wie der Gedanke im ausgesprochenen Wort und das ausgesprochene Wort im Gedanken. So ist auch zu verstehen, warum der Vater mehr ist als das Wort oder der Sohn. Joh 14.28 Das Wort wäre ja ohne den Vater oder den vorhergehenden Gedanken eine Unmöglichkeit. Also ist der Vater als der ewige Zeuger des Wortes mehr als das gezeugte Wort. Wenn aber das Wort gezeugt ist, dann ist es ja doch völlig identisch mit dem Vater. Durch das Wort gibt sich die Wissenschaft des Gedankens kund – darum ist das Wort aber nicht die Wissenschaft selbst und daher kann der bezeichnete Tag und die Stunde wie alles andere ja doch nur der Vater wissen, nicht aber der Sohn, der da gleichsam die Zunge im Munde des Vaters ist.[52]

13.33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
13.34 Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen:
13.35 so wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen,
13.36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.
13.37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Wachen bedeutet im Wahren und im Leben nach ihm zu sein. Wach werden wird nicht anders erworben, als durch das Wahre, welches in seinem Licht und in seinem Tag ist, wenn der Mensch ein ihm gemäßes Leben führt.[53]

Vierzehntes Kapitel

Der Plan der Hohenpriester und Schriftgelehrten

14.1 Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten.
14.2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

Die Salbung in Betanien

14.3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt.
14.4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?
14.5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
14.6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
14.7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
14.8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis.
14.9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Der Verrat des Judas

14.10 Und Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohenpriestern, dass er ihn an sie verriete.
14.11 Als die das hörten, wurden sie froh und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn bei guter Gelegenheit verraten könnte.

Das Abendmahl

14.12 Und am ersten Tage der Ungesäuerten Brote, als man das Passalamm opferte, sprachen seine Jünger zu ihm: Wo willst du, dass wir hingehen und das Passalamm bereiten, damit du es essen kannst?
14.13 Und er sandte zwei seiner Jünger und sprach zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folgt ihm
14.14 und wo er hineingeht, da sprecht zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?
14.15 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen und vorbereitet ist; dort richtet für uns zu.
14.16 Und die Jünger gingen hin und kamen in die Stadt und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.
14.17 Und am Abend kam er mit den Zwölfen.
14.18 Und als sie bei Tisch waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.
14.19 Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich's?
14.20 Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht.
14.21 Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.
14.22 Und als sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib.
14.23 Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.
14.24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

Durch das Blut wird das Göttlich-Wahre des Herrn oder des Wortes bezeichnet, weil hier das Blut das Blut des Bundes heißt, der Bund aber eine Verbindung ist, und diese vom Herrn durch Sein Göttlich-Wahres bewirkt wird. Durch das Blut des Neuen Bundes oder Testamentes wird nichts anderes als das Wort, welches Bund und Testament, das alte und neue heißt, mithin das Göttlich-Wahre in ihm bezeichnet. Weil das Blut diese Bedeutung hat, so gab der Herr ihnen auch Wein und sprach: "Dies ist Mein Blut"; denn der Wein bedeutet das Göttlich-Wahre.[54]

14.25 Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes.

Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus

14.26 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Der Ölberg bezeichnet die göttliche Liebe.[55]

14.27 Und Jesus sprach zu ihnen: Ihr werdet alle Ärgernis nehmen; denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.«
14.28 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.
14.29 Petrus aber sagte zu ihm: Und wenn sie alle Ärgernis nehmen, so doch ich nicht!
14.30 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
14.31 Er aber redete noch weiter: Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen! Das Gleiche sagten sie alle.

Jesus in Gethsemane

14.32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe.
14.33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen
14.34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!
14.35 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge,
14.36 und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!
14.37 Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht, "eine" Stunde zu wachen?
14.38 Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

Mit dem Fleisch ist nicht das Fleisch des Leibes zu verstehen, welches ein totes Fleisch ist – sondern das Fleisch des Geistes, dessen Liebe. Diese ist das sehr schwache Fleisch, welches noch aller Versuchung ausgesetzt ist.[56] Daher bedeutet das wahre Wachen und Beten mit dem Herrn, der die Ewige Liebe Selbst ist, die Liebe zu stärken. Das bedeutet in der Liebe mit dem Herrn lieben und handeln, nicht nur willig sein, sondern liebetätig, d.h. tätig sein aus der Liebe des Herrn zu einem selbst und daraus dann aus der eigenen Liebe zum Herrn, wodurch das Fleisch stark wird und man die wahre Auferstehung des Fleisches erlebt.[57]

14.39 Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte
14.40 und kam zurück und fand sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.
14:41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder.
14.42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

Jesu Gefangennahme

14.43 Und alsbald, während er noch redete, kam herzu Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten.
14.44 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den ergreift und führt ihn sicher ab.
14.45 Und als er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach: Rabbi!, und küsste ihn.
14.46 Die aber legten Hand an ihn und ergriffen ihn.
14.47 Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab.
14.48 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen.
14.49 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber so muss die Schrift erfüllt werden.
14.50 Da verließen ihn alle und flohen.
14.51 Ein junger Mann aber folgte ihm nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm.
14.52 Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt davon.

Was das Ereignis mit dem jungen Mann betrifft, siehe Flucht des nackten Jünglings.

Jesus vor dem Hohen Rat

14.53 Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten.
14.54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer.
14.55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts.
14.56 Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein.
14.57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn und sprachen:
14.58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist.
14.59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein.
14.60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen?
14.61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?
14.62 Jesus aber sprach: Ich bin's; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.
14.63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen?
14.64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei.
14.65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

Die Verleugnung des Petrus

14.66 Und Petrus war unten im Hof. Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters;
14.67 und als sie Petrus sah, wie er sich wärmte, schaute sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von Nazareth.
14.68 Er leugnete aber und sprach: Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähte.
14.69 Und die Magd sah ihn und fing abermals an, denen zu sagen, die dabeistanden: Das ist einer von denen.
14.70 Und er leugnete abermals. Und nach einer kleinen Weile sprachen die, die dabeistanden, abermals zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von denen; denn du bist auch ein Galiläer.
14.71 Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet.
14.72 Und alsbald krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er fing an zu weinen.

Fünfzehntes Kapitel

Jesus vor Pilatus

15.1 Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat, und sie banden Jesus, führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus.
15.2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es.
15.3 Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart.
15.4 Pilatus aber fragte ihn abermals: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen!
15.5 Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte.

Jesu Verurteilung und Verspottung

15.6 Er pflegte ihnen aber zum Fest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie erbaten.
15.7 Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die beim Aufruhr einen Mord begangen hatten.
15.8 Und das Volk ging hinauf und bat, dass er tue, wie er zu tun pflegte.
15.9 Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe?
15.10 Denn er erkannte, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten.
15.11 Aber die Hohenpriester reizten das Volk auf, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgebe.
15.12 Pilatus aber fing wiederum an und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue mit dem, den ihr den König der Juden nennt?
15.13 Sie schrien abermals: Kreuzige ihn!
15.14 Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn!
15.15 Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.
15.16 Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Palast, das ist ins Prätorium, und riefen die ganze Abteilung zusammen
15.17 und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf
15.18 und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König!
15.19 Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm.
15.20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.

Jesu Kreuzigung und Tod

15.21 Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.
15.22 Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.
15.23 Und sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken; aber er nahm's nicht.

Weil die jüdische Kirche alle Wahrheiten des Wortes verfälscht hatte, und der Herr durch alle Teile Seines Leidens sie vorstellte, indem Er zuließ, dass die Juden es Ihm ebenso machten, wie sie es dem Wort gemacht hatten, weil Er Selbst das Wort war, so gaben sie Ihm auch Myrrhe in Wein (bzw. Essig mit Galle nach Mt 27.34) vermischt, den Er aber, nachdem Er ihn gekostet, nicht trinken wollte. Weil die jüdische Kirche diese Beschaffenheit hatte, so wird sie folgendermaßen beschrieben: "Sie sättigte mit Bitterkeiten Mich, und machte Mich mit Wermut trunken." Klag 3.15-19 Ps 69.22 Der Wermut, bzw. Myrrhe in Wein, bedeutet das höllische Falsche.[58]

15.24 Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle.
15.25 Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
15.26 Und es stand über ihm geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.
15.27-28 Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.1
15.29 Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen,
15.30 hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!
15.31 Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen.
15.32 Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.
15.33 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
15.34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

In der Versuchung ist der Mensch scheinbar ganz auf sich allein gestellt, wobei aber Gott gerade dann aufs Unmittelbarste in seinem Innersten gegenwärtig ist und ihn unterstützt. Dass der Herr in Seinem Leiden am Kreuz, Seiner letzten Versuchung im Rahmen Seiner Verherrlichung, Sich Selbst überlassen war, zeigt dieser Ausruf am Kreuz.[59]

15.35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia.
15.36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!
15.37 Aber Jesus schrie laut und verschied.
15.38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
15.39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!
15.40 Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus' des Kleinen und des Joses, und Salome,
15.41 die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Jesu Grablegung

15.42 Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat,
15.43 kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu.
15.44 Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot sei, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei.
15.45 Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, gab er Josef den Leichnam.
15.46 Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.
15.47 Aber Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt wurde.

Sechtzehntes Kapitel

Jesu Auferstehung

16.1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
16.2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
16.3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
16.4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
16.5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
16.6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
16.7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
16.8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

siehe Jesu Auferstehung

Erscheinungen des Auferstandenen und Himmelfahrt

16.9 Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte.
16.10 Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten.
16.11 Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht.
16.12 Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen.
16.13 Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.
16.14 Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.
16.15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
16.16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.
16.17 Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden,

Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[60]

16.18 Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden.
16.19 Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.

Das Sitzen zur Rechten Gottes ist nicht wörtlich zu verstehen. Es bezeichnet die Allmacht Gottes durch das in der Welt angenommene Menschliche, durch das Er im Letzten wie im Ersten gegenwärtig ist, durch das Er Sich in die Höllen begab, sie zerstörte und unterwarf, und durch das Er die Himmel ordnete und Menschen wie Engel erlöste und in Ewigkeit erlöst. (siehe Erlösung) Unter der Rechten Gottes wird die Allmacht verstanden, siehe Jes 48.13, Jes 62.8, Ps 18.36, Ps 80.15-80. Daraus geht klar hervor, wie das Folgende zu verstehen ist: "Jehova sprach zu meinem Herrn: setze Dich zu Meiner Rechten, bis ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege. Das Zepter Deiner Stärke wird aussenden Jehova aus Zion, herrsche inmitten Deiner Feinde" Ps 110.1-2. Dieser ganze Psalm handelt um den Kampf des Herrn mit den Höllen und deren Unterwerfung. Weil die Rechte Gottes die Allmacht bedeutet, darum sagt der Herr, "Er werde sitzen zur Rechten der Kraft Gottes" Luk 22.69.[61]

16.20 Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.

Siehe auch

Quellenverweise

  1. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 144
  2. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 144
  3. Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.420220.10
  4. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 546
  5. Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.420220.10
  6. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 123d; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 567
  7. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 405
  8. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 458
  9. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 137
  10. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 32
  11. Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.191.19-24
  12. Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.420819.27
  13. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 343
  14. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 123e
  15. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 598
  16. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470720.2
  17. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470720.3
  18. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470720.4-5
  19. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470720.6-7
  20. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470720.7
  21. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470720.8
  22. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 556
  23. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.430222.4-7
  24. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 526
  25. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 49
  26. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400912.10
  27. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400912.5-7; Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400912.10
  28. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400912.11
  29. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400912.8
  30. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 122
  31. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 372
  32. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 281
  33. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 3
  34. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 336
  35. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 505
  36. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 342
  37. Jakob Lorber, Himmelsgaben 1.400602.6
  38. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 336
  39. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 598
  40. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 532
  41. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 500
  42. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 331
  43. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 323
  44. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 543
  45. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 179
  46. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 180
  47. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 179
  48. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 181
  49. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 598
  50. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 51
  51. Emanuel Swedenborg, Himmel und Hölle 1; Emanuel Swedenborg, Vom Jüngsten Gericht 28; Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 24
  52. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.420427.3-6
  53. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 158
  54. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 379
  55. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 336
  56. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.411118.3
  57. Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.411118.9-11
  58. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 410
  59. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 126
  60. Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 598
  61. Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 136d