Matthäus Evangelium (Geistiger Sinn)
Hinweis: Evangeliumstext nach der Übersetzung von Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984.
Erstes Kapitel
Jesu Stammbaum
- 1.1 Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.
- 1.2 Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder.
- 1.3 Juda zeugte Perez und Serach mit der Tamar. Perez zeugte Hezron. Hezron zeugte Ram.
- 1.4 Ram zeugte Amminadab. Amminadab zeugte Nachschon. Nachschon zeugte Salmon.
- 1.5 Salmon zeugte Boas mit der Rahab. Boas zeugte Obed mit der Rut. Obed zeugte Isai.
- 1.6 Isai zeugte den König David. David zeugte Salomo mit der Frau des Uria.
- 1.7 Salomo zeugte Rehabeam. Rehabeam zeugte Abija. Abija zeugte Asa.
- 1.8 Asa zeugte Joschafat. Joschafat zeugte Joram. Joram zeugte Usija.
- 1.9 Usija zeugte Jotam. Jotam zeugte Ahas. Ahas zeugte Hiskia.
- 1.10 Hiskia zeugte Manasse. Manasse zeugte Amon. Amon zeugte Josia.
- 1.11 Josia zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit der babylonischen Gefangenschaft.
- 1.12 Nach der babylonischen Gefangenschaft zeugte Jojachin Schealtiël. Schealtiël zeugte Serubbabel.
- 1.13 Serubbabel zeugte Abihud. Abihud zeugte Eljakim. Eljakim zeugte Asor.
- 1.14 Asor zeugte Zadok. Zadok zeugte Achim. Achim zeugte Eliud.
- 1.15 Eliud zeugte Eleasar. Eleasar zeugte Mattan. Mattan zeugte Jakob.
- 1.16 Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus.
- 1.17 Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder.
Jesu Geburt
- 1.18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist.
- 1.19 Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.
- 1.20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.
Hier ist unter dem Heiligen Geist das Göttliche Wahre, das aus Jehova, aus dem Vater hervorgeht, zu verstehen. Dies stimmt auch überein mit "das Wort war bei Gott und Gott war das Wort" Joh 1.1 und "und das Wort ward Fleisch" Joh 1.14. Das Wort bedeutet hier das göttliche Wahre.[1]
- 1.21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
- 1.22 Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14):
- 1.23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.
- 1.24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
- 1.25 Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
Zweites Kapitel
Die Weisen aus dem Morgenland
- 2.1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
- 2.2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.
- 2.3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,
- 2.4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
- 2.5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5.1):
- 2.6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«
- 2.7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,
- 2.8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.
- 2.9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.
- 2.10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut
- 2.11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Sie brachten diese drei, weil das Gold das himmlische Gute, der Weihrauch das geistlich Gute, und die Myrrhe das natürlich Gute bezeichnete, und aus diesem dreifachen Guten alle Gottesverehrung entspringt.[2]
- 2.12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.
siehe dazu Die Drei Könige
Die Flucht nach Ägypten
- 2.13 Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.
- 2.14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten
- 2.15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
Der Kindermord des Herodes
- 2.16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte.
- 2.17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15):
- 2.18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«
Die Rückkehr aus Ägypten
- 2.19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten
- 2.20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben.
- 2.21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel.
- 2.22 Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land
- 2.23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen.
Drittes Kapitel
Johannes der Täufer
- 3.1 Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa
- 3.2 und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
- 3.3 Denn dieser ist's, von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat (Jesaja 40,3): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!«
- 3.4 Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig.
- 3.5 Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan
- 3.6 und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.
- 3.7 Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?
- 3.8 Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße!
- 3.9 Denkt nur nicht, dass ihr bei euch sagen könntet: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.
- 3.10 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
Die Bäume bezeichnen hier Menschen in Ansehung ihrer Neigungen und daher auch ihrer Wahrnehmungen.[3]
- 3.11 Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Unter dieser Aussage ist zu verstehen, dass der Herr den Menschen durch den Glauben und die tätige Liebe wiedergebiert. Mit dem Heiligen Geist taufen heißt: Wiedergebären durch das göttliche Wahre, welches Sache des Glaubens und durch das göttliche Gute, welches Sache der Liebe ist.[4]
- 3.12 Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.
Der Weizen bedeutet das Gute der Kirche.[5]
Jesu Taufe
- 3.13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
- 3.14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
- 3.15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen.
- 3.16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Die Taufe und ebenso die Taube bezeichnet Wiedergeburt und Reinigung.[6]
- 3.17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
siehe Taufe Jesu
Viertes Kapitel
Jesu Versuchung
- 4.1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.
Jesus wurde, von der allerhöchsten Liebe aus Sich Selbst getrieben, in die öde, wüste Welt der Menschheit hinausgeführt. Dass Jesus vom Satan versucht wurde heißt mit anderen Worten nichts anderes, als dass die ewige unendliche Liebe selbst das Allerverworfenste aus Sich nicht ausschließt, sondern sie stellt Sich ihm dar, damit auch dieses erkennen möchte, dass in Gott nicht die allerhöchste Hoffart, wie seine grundirrige Idee ist, sondern nur die allerhöchste Demut wohnt.[7]
Hier bezeichnet die Wüste den Zustand der Versuchung, in dem sich der Mensch befindet, wenn er gleichsam ohne Wahres ist, weil er umzingelt ist von bösen Geistern, welche die Versuchung herbeiführen und ihm dann die Wahrheiten gleichsam wegnehmen.[8]
- 4.2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
- 4.3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
- 4.4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
- 4.5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
- 4.6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
- 4.7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
- 4.8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
- 4.9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
- 4.10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
- 4.11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.
siehe Versuchung Jesu
Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa
- 4.12 Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück.
- 4.13 Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali,
- 4.14 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1):
- 4.15 »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa,
- 4.16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.«
- 4.17 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Die Berufung der ersten Jünger
- 4.18 Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer.
- 4.19 Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!
Die Fische stehen hier für die, welche in den allgemeinen Wahrheiten und in dem mit der Nächstenliebe verbundenen Glauben sind. So erklärt sich, wieso der Herr Fischer zu seinen Jüngern erwählt hat und sie zu Menschenfischern machen wollte.[9]
- 4.20 Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
- 4.21 Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie.
- 4.22 Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.
Krankenheilungen in Galiläa
- 4.23 Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.
- 4.24 Und die Kunde von ihm erscholl durch ganz Syrien. Und sie brachten zu ihm alle Kranken, mit mancherlei Leiden und Plagen behaftet, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte; und er machte sie gesund.
- 4.25 Und es folgte ihm eine große Menge aus Galiläa, aus den Zehn Städten, aus Jerusalem, aus Judäa und von jenseits des Jordans.
Fünftes Kapitel
Die Seligpreisungen
- 5.1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
- 5.2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
- 5.3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Unter den Elenden und Armen werden im geistigen Sinn des Wortes diejenigen verstanden, welche ohne Kenntnisse des Wahren und Guten sind und gleichwohl sich nach ihnen sehnen.[10]
- 5.4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
- 5.5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Die Erde bedeutet hier die Kirche.[11]
- 5.6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Die Hungrigen bezeichnen das Verlangen, das Wahre und Gute der Kirche zu wissen und zu verstehen.[12]
- 5.7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
- 5.8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
- 5.9 Selig sind die Friedfertigen;1 denn sie werden Gottes Kinder heißen.
- 5.10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
- 5.11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
- 5.12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
Salz und Licht
- 5.13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
- 5.14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Städte bedeutet im geistigen Sinn Lehren.[13]
- 5.15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
- 5.16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Jesu Stellung zum Gesetz
- 5.17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
- 5.18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.
- 5.19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.
- 5.20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Vom Töten
- 5.21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2.Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.
- 5.22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.
- 5.23 Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,
- 5.24 so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.
Der Altar bezeichnet den Dienst des Herrn.[14]
- 5.25 Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest.
- 5.26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.
Vom Ehebrechen
- 5.27 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 20.14): »Du sollst nicht ehebrechen.«
- 5.28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
- 5.29 Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
Das Auge bezeichnet das Verständnis des Wahren.[15]
- 5.30 Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.
Die zwei vom Herrn bezeichneten Augen, Hände und Füße bedeuten nicht jene des natürlichen Leibes, sondern nur das offenbar doppelte Seh-, Tätigkeits- und Fortschrittsvermögen des Geistes (des geistigen Leibes). Wenn einen das Licht der Welt zu sehr verlockt, so soll man sich gewaltsam von solchem Licht abwenden, weil es einen, d.h. den Geist, in den Tod der Materie zieht. Stattdessen soll man seine Sehe den rein himmlischen Dingen zuwenden. Denn es ist besser, ohne alle Weltkunde in das Reich des ewigen Lebens einzugehen, als wie zu weltkundig einerseits und zu wenig geistkundig anderseits vom Tod der Materie verschlungen zu werden. Der Geist soll die Welt zwar auch schauen und weltkundig werden, aber er soll an ihr kein Wohlgefallen finden. Fängt er aber an, zu verspüren, dass ihn die Welt anreizt, so soll er sich sogleich von ihr abwenden, weil ihm da schon Gefahr droht. (nach Nathanael)[16]
- 5.31 Es ist auch gesagt (5.Mose 24.1): »Wer sich von seiner Frau scheidet, der soll ihr einen Scheidebrief geben.«
- 5.32 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.
Vom Schwören
- 5.33 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist (3.Mose 19.12; 4.Mose 30.3): »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.«
- 5.34 Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron;
- 5.35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs.
- 5.36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen.
- 5.37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Vom Vergelten
- 5.38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21.24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
- 5.39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
- 5.40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
- 5.41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
- 5.42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.
Wenn die Nächsten in ihrer Schwäche etwas von einem verlangen, soll man ihnen nichts vorenthalten, damit sich die Liebe in einem selbst und gleicherweise in den schwachen Brüdern mehre. Ist diese einmal reichlich in einem selbst und gleicherweise in den schwachen Brüdern vorhanden, dann werden Wort und Lehre des Herrn wohl gedeihen in einem, und der Schwache wird dann in seiner Stärke einen wohl ansehen und vielfach vergelten, was man ihm in seiner Schwäche erwiesen hat. Wer im Gegenteil karg und hart ist gegen schwache Brüder, der gelangt selbst nie zu einer Gottesfurcht, und das Gericht der Schwachen wird ihn am Ende selbst auch ins Verderben ziehen. "Wer von euch verlangt den Rock, dem gib auch den Mantel hinzu!" bedeutet, dass die Reichen den Armen viel und reichlich geben sollen, um so wahrhaft selig zu werden und den Segen der Armen zu erlangen. Andernfalls nützen sie weder sich selbst, noch den armen Brüdern. (nach Nathanael)[17]
siehe dazu Andere Wange hinhalten und Nach Rock auch noch den Mantel geben
Von der Feindesliebe
- 5.43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19.18) und deinen Feind hassen.
- 5.44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
- 5.45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
- 5.46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
- 5.47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
- 5.48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Der Herr hob das harte Mosaische Gesetz der Strafen auf, damit das gute Erdreich im Herzen, die Liebe, reicher werde. Nur durch die Liebe können Wort und Lehre des Herrn gleich einem Samen aufgehen zu einem Baum der wahren Erkenntnis Gottes und unserer selbst, und man kann von diesem Baum dann zur rechten Zeit vollreife Früchte zum ewigen Leben sammeln. Denn wer nach dem Gesetz straft, hat wenig oder oft auch gar keine Liebe; bei ihm wird der göttliche Wortsame ganz schlecht gedeihen. Und der Gestrafte befindet sich ohnehin im Gericht, in dem keine Liebe ist, da das Gericht der Tod der Liebe ist. Zudem zieht das Gericht über die Schwachen (Sünder) am Ende einen selbst ins Verderben. Hingegen Nachsicht und Geduld mit den schwachen Brüdern begünstigt die Liebe in einem selbst ebenso wie in den Schwachen. (nach Nathanael)[18]
"Seid vollkommen, wie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist" besagt das, was es aussagt. Wenn "der Sohn" die Seinen zu Miterben gemacht hat, auf dass Er vollkommen brüderlich teile das große Erbe vom Vater, so will auch das nichts anderes sagen, als dass die Seinen zu derselben Gerechtigkeit, zu derselben Macht und Kraft des Geistes Gottes gelangen sollen, welche dem Sohn im Vater und dem Vater im Sohn von Ewigkeit her innewohnt.[19]
Sechstes Kapitel
Vom Almosengeben
- 6.1 Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.
- 6.2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
- 6.3 Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut,
- 6.4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Vom Beten. Das Vaterunser
- 6.5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
- 6.6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
- 6.7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
- 6.8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
- 6.9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
- 6.10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
- 6.11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
- 6.12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
- 6.13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]
- 6.14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
- 6.15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Vom Fasten
- 6.16 Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Dieser Vers besagt, dass man nicht frommheucheln soll, also z.B. in die Kirche laufen, nur um als frommer Mensch gesehen zu werden, um damit bei einem oder dem anderen Geistlichen so recht in Gnade zu kommen, oder um dort ein wenig zu faulenzen, oder um sich in einem Kirchenwinkel mit bestellten Liebhabern zu verabreden, oder mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin die Menschen auszurichten, oder zu sehen, mit was für Kleidern dieser oder jene angetan sind, oder um sich bei seinen frömmelnden Anverwandten in Achtung zu setzen, damit sie einen dann loben und vielleicht beschenken, oder auch, um einem argen Verdacht, der auf einem liegt, zu begegnen. Bei den ungewaschenen Fastern, die kein gesalbtes Haupt haben, ist der Herr nicht wirklich der Grund, warum sie in die Bethäuser laufen. Zum Weltdienst genügt der Schein, aber es wird für jedermann die Zeit kommen, da die Ungewaschenen und Ungesalbten wie Spreu vom Weizen gesondert werden. Da wird der Schein von ihnen weichen, und in ihrer Nacktheit werden sie ins Feuer des Drachen geworfen werden.[20]
- 6.17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht,
- 6.18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Vom Schätzesammeln und Sorgen
- 6.19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
- 6.20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
- 6.21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
- 6.22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
Das Auge bezeichnet hier das Verständnis des Wahren.[21]
- 6.23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
Das heißt, so der Mensch schon das Falsche liebt, um dadurch einen desto freieren Spielraum für seine Bosheit zu bekommen, wie groß muss dann erst die Liebe zum Bösen selbst sein. Gemeint damit ist die gepriesene Weisheit der Welt, die aufgeklärte Vernunft: Regeln zu erfinden, damit unter ihnen der Mensch desto freier sündigen könnte.[22]
- 6.24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
- 6.25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
In Matthäus 6, 25-34 beschreibt der Herr den Zustand der Unschuld, jedoch in lauter Entsprechungen.[23]
- 6.26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?
- 6.27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?
- 6.28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
- 6.29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
- 6.30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
- 6.31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
- 6.32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
- 6.33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Damit ist gemeint, auf den Herrn als den einzigen Urgrund, und auf Sein Reich als das Ganze, für das man sorgen soll, zu blicken. Seine Gerechtigkeit suchen heißt, sein Gutes suchen.[24]
Wenn es heißt, dass vor allem das Reich Gottes gesucht werden soll und alles andere dann als freie Gabe hinzugegeben werde, dann soll man bedenken, dass das Reich Gottes eben nur die Liebe ist. Wer Gott also sucht durch die Liebe und in der Liebe, der sucht Ihn im Geiste und in der Wahrheit. Und dieses ist das "Reich Gottes". Wer Gott alsdann so gefunden hat, der hat auch Sein Reich mit Ihm gefunden.[25]
- 6.34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Der Buchstabensinn lehrt, was dieser Text in der natürlichen Hinsicht besagt. Um den himmlisch-geistigen Sinn auch nur halbwegs zu fassen, bedarf es einiger Anstrengung für jene, welche noch nicht völlig in den Himmeln sind. Denn dieser Text gehört zu den schwersten, weil er pur die allerhöchste Weisheit zum Grunde hat. "Sorgt nicht" heißt soviel als: Weissaget nicht. "Für morgen" heißt: für die allerhöchste Weisheit des ewigen Geistes aus Gott. "Denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen" heißt: diese Weisheit benötigt keines Helfers. "Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat" heißt: Es genügt euch, dass jedem mit der Liebe zum Vater erfüllten Geist ein wohlgemessener Teil der Weisheit nach der Stärke seiner Liebe gegeben ist. Das ist der leichter zu fassende Sinn. Es gibt aber noch weitere, sogar unendlich viele, mit jeweils immer tieferem Sinn:
- Kümmert euch nicht um die Fülle künftiger Ewigkeiten, denn sie sind schon erfüllt im Geist Gottes; es ist genug, dass vor euren Augen die Gegenwart unendlich ist.
- Die Liebe trage keinen Kummer um die Weisheit; es ist genug, dass sich die höchste Weisheit um die Liebe kümmert; denn die Liebe ist ja der Grund aller Weisheit.
- Das Leben frage nicht nach dem Tag des Todes, denn der Tod sorgt schon für seinen Tag; euch aber genüge der Tag des Lebens.
- Brennt nicht am Tag das Öl in der Lampe, denn der Tag hat seine Leuchte; aber in der Nacht lasst das Öl nicht ausgehen und plagt euer Herz mit dem Schimmer der Lampe, damit in ihm nicht ausgeht die Leuchte zum Tag des Lebens.
- Ein freies Wort suche nicht sein Wesen, denn Wort und Wesen sind Eins; es ist aber ja ohnehin jedem Wort sein Wesen eigen.
- Eine Gabe ist gerecht, wenn der Geber ein weiser Geber ist, seid daher nicht um die Gabe, sondern um den Geber besorgt; denn durch den Geber wird die Gabe geheiligt.
- Wollet nicht Richter sein am großen Rad der Unendlichkeit, denn es ist genug, dass da ein ewiger Richter ist; euch aber ist gegeben ein eigenes Rad – seht, dass dieses im Geleise des Lebens verbleibt.[26]
Siebtes Kapitel
Vom Richtgeist
- 7.1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
- 7.2 Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.
- 7.3 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?
- 7.4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge.
- 7.5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.
- 7.6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.
Das Wort des Herrn ist der allerlebendigst größte Schatz Seiner Liebe und Erbarmung. Daher hat Er Seinen Knechten aufgetragen, Sein Wort nicht den Schweinen zu predigen. Mt 7.6 Gemeint sind Zauberer, falsche Propheten, betrügerische Wundertäter, ebenso all jene, welche die Lehre des Herrn zu einem Handelsartikel machen und sich für jegliches Wort des Evangeliums zahlen lassen und so auch die Worte des Lebens in ihren Unrat mengen, um daraus eine neue wundertätige und sehr viel Geld eintragende Substanz zu bereiten.[27]
Von der Gebetserhörung
- 7.7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
- 7.8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
- 7.9 Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete?
- 7.10 Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete?
- 7.11 Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!
Vom Tun des göttlichen Willens
- 7.12 Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.
- 7.13 Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen.
- 7.14 Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!
Der zum Leben führende Weg heißt nicht deshalb schmal, weil er beschwerlich wäre, sondern weil ihn nur wenige finden, wie die Worte sagen.[28]
- 7.15 Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
- 7.16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?
- 7.17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte.
- 7.18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.
- 7.19 Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
Die Bäume bezeichnen hier Menschen in Ansehung ihrer Neigungen und daher auch ihrer Wahrnehmungen.[29]
- 7.20 Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
- 7.21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.
- 7.22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan?
- 7.23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!
Vom Hausbau
- 7.24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
- 7.25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
Der überschwemmende Regen bezeichnet hier die Versuchung.[30] Die Flüsse (Wasser) bedeuten hier das Falsche in Menge, weil durch den Felsen der Herr in Ansehung des Göttlich-Wahren bezeichnet wird. Durch die Ströme werden auch Versuchungen bezeichnet, weil die Versuchungen Überschwemmungen durch das Falsche sind.[31]
- 7.26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
- 7.27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
- 7.28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre;
- 7.29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
Achtes Kapitel
Die Heilung eines Aussätzigen
- 8.1 Als er aber vom Berge herabging, folgte ihm eine große Menge.
- 8.2 Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.
- 8.3 Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will's tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.
- 8.4 Und Jesus sprach zu ihm: Sieh zu, sage es niemandem, sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, ihnen zum Zeugnis.
Der Hauptmann von Kapernaum
- 8.5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn
- 8.6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.
- 8.7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.
- 8.8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
- 8.9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.
- 8.10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!
- 8.11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;
- 8.12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
- 8.13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.
Durch den Knecht des Hauptmanns wird vorderhand der von Jesus geheilte gichtische Knecht verstanden, nachderhand aber auch eine Gemeinde oder irgendein Verein in Namen Jesu, dem aber durch allerlei politische Besorgnisse die Tätigkeit nach Seiner Lehre in einem oder dem andern Punkt völlig mangelt, und der dadurch auch nach und nach in die Untätigkeit der anderen Punkte Seiner Lehre übergeht. Das ist dann auch eine Gichtbrüchigkeit der Seele, der dann nur durch den festen Glauben an das Wort des Herrn wieder geholfen werden kann.[32]
Jesus im Haus des Petrus
- 8.14 Und Jesus kam in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter zu Bett lag und hatte das Fieber.
- 8.15 Da ergriff er ihre Hand und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf und diente ihm.
- 8.16 Am Abend aber brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund,
Durch die Dämonen und bösen Geister werden die Lüste des Bösen bezeichnet. Diese wurden durch den Herrn ausgetrieben.[33]
- 8.17 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 53,4): »Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und unsre Krankheit hat er getragen.«
Vom Ernst der Nachfolge
- 8.18 Als aber Jesus die Menge um sich sah, befahl er, hinüber ans andre Ufer zu fahren.
- 8.19 Und es trat ein Schriftgelehrter herzu und sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst.
- 8.20 Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Dies ist ein Aphorismus, den Jesus öfters bei unlauteren Forschern gebrauchte.[34] Der Herr gab dem Schriftgelehrten dadurch zu verstehen, dass auch er ein schlauer Fuchs sei und daher seine Grube (besoldete Anstellung) habe, und dass Vögel seiner Art, die unter dem Himmel, das heißt tief unter der rein göttlichen Wahrheit und Liebe wohnen, ihre Nester, d.i. Fraß- und Ruheplätze, haben, wo sie ihren Raub verzehren, aber beim Menschensohn von all den weltlichen Betrügereien nichts anzutreffen sei, nicht einmal ein sogenannter politischer Notkniff (Stein), auf dem man dann und wann das Haupt des Gemütes ausruhen lassen könnte. Dies verstand der Schriftgelehrte und zog ohne ein Gegenwort ab.[35]
- 8.21 Und ein anderer unter den Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
- 8.22 Aber Jesus spricht zu ihm: Folge du mir und lass die Toten ihre Toten begraben!
Es ist besser, für das Leben zu sorgen, als für den Tod.[36]
Die Stillung des Sturms
- 8.23 Und er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm.
- 8.24 Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, sodass auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief.
Das Meer bezeichnet hier, wie an vielen anderen Stellen, die Hölle.[37]
- 8.25 Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir kommen um!
- 8.26 Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz stille.
- 8.27 Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?
Die Heilung der zwei besessenen Gadarener
- 8.28 Und er kam ans andre Ufer in die Gegend der Gadarener. Da liefen ihm entgegen zwei Besessene; die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr gefährlich, sodass niemand diese Straße gehen konnte.
- 8.29 Und siehe, sie schrien: Was willst du von uns, du Sohn Gottes? Bist du hergekommen, uns zu quälen, ehe es Zeit ist?
- 8.30 Es war aber fern von ihnen eine große Herde Säue auf der Weide.
- 8.31 Da baten ihn die bösen Geister und sprachen: Willst du uns austreiben, so lass uns in die Herde Säue fahren.
- 8.32 Und er sprach: Fahrt aus! Da fuhren sie aus und fuhren in die Säue. Und siehe, die ganze Herde stürmte den Abhang hinunter in den See, und sie ersoffen im Wasser.
Durch die Dämonen und bösen Geister werden die Lüste des Bösen bezeichnet. Diese wurden durch den Herrn ausgetrieben.[38]
- 8.33 Und die Hirten flohen und gingen hin in die Stadt und berichteten das alles und wie es den Besessenen ergangen war.
- 8.34 Und siehe, da ging die ganze Stadt hinaus Jesus entgegen. Und als sie ihn sahen, baten sie ihn, dass er ihr Gebiet verlasse.
Neuntes Kapitel
Die Heilung eines Gelähmten (»Der Gichtbrüchige«)
- 9.1 Da stieg er in ein Boot und fuhr hinüber und kam in seine Stadt.
- 9.2 Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gelähmten, der lag auf einem Bett. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
- 9.3 Und siehe, einige unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott.
- 9.4 Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen?
- 9.5 Was ist denn leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?
- 9.6 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh heim!
- 9.7 Und er stand auf und ging heim.
- 9.8 Als das Volk das sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.
Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern
- 9.9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
- 9.10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.
- 9.11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?
- 9.12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
- 9.13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Die Frage nach dem Fasten
- 9.14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel und deine Jünger fasten nicht?
- 9.15 Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.
- 9.16 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reißt doch wieder vom Kleid ab und der Riss wird ärger.
- 9.17 Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche und der Wein wird verschüttet und die Schläuche verderben. Sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.
Der Wein repräsentiert das Göttlich-Wahre. Der neue Wein ist das Göttlich-Wahre des Neuen Testaments, also der Neuen Kirche, und der alte Wein ist das Göttlich-Wahre des Alten Testaments, also der Alten Kirche.[39]
Man kann das lebendige Wort nur in solche Herzen eingeben, welche durch die Selbstverleugnung vollends neu geworden sind. Würde es sich in den alten unratvollen und dadurch auch morschen Herzen künden, so würde es mit ihnen gerade das machen, was der neue Most in den alten morschen Schläuchen macht – nämlich, dass er sie zerreißt und dann mit ihnen selbst zugrunde geht. Aus demselben Grund soll man auch nicht die Perlen den Schweinen vorwerfen.[40]
Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung der Tochter des Jaïrus
- 9.18 Als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam einer von den Vorstehern der Gemeinde, fiel vor ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben gestorben, aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig.
- 9.19 Und Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.
- 9.20 Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluss hatte, trat von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes.
- 9.21 Denn sie sprach bei sich selbst: Könnte ich nur sein Gewand berühren, so würde ich gesund.
- 9.22 Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.
- 9.23 Und als er in das Haus des Vorstehers kam und sah die Flötenspieler und das Getümmel des Volkes,
- 9.24 sprach er: Geht hinaus! Denn das Mädchen ist nicht tot, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn.
- 9.25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stand das Mädchen auf.
- 9.26 Und diese Kunde erscholl durch dieses ganze Land.
Die Heilung zweier Blinder und eines Stummen
- 9.27 Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die schrien: Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser!
- 9.28 Und als er heimkam, traten die Blinden zu ihm. Und Jesus sprach zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich das tun kann? Da sprachen sie zu ihm: Ja, Herr.
- 9.29 Da berührte er ihre Augen und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben!
- 9.30 Und ihre Augen wurden geöffnet. Und Jesus drohte ihnen und sprach: Seht zu, dass es niemand erfahre!
- 9.31 Aber sie gingen hinaus und verbreiteten die Kunde von ihm in diesem ganzen Lande.
- 9.32 Als diese nun hinausgegangen waren, siehe, da brachten sie zu ihm einen Menschen, der war stumm und besessen.
- 9.33 Als aber der böse Geist ausgetrieben war, redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich und sprach: So etwas ist noch nie in Israel gesehen worden.
Durch die Dämonen und bösen Geister werden die Lüste des Bösen bezeichnet. Diese wurden durch den Herrn ausgetrieben.[41]
- 9.34 Aber die Pharisäer sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch ihren Obersten.
Die große Ernte
- 9.35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen.
- 9.36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.
- 9.37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.
- 9.38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.
Zehntes Kapitel
Die Berufung der Zwölf
- 10.1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen.
- 10.2 Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder;
- 10.3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;
- 10.4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn verriet.
Die Aussendung der Zwölf
- 10.5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter,
- 10.6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.
- 10.7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
- 10.8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch.
Durch die Dämonen und bösen Geister werden die Lüste des Bösen bezeichnet. Diese wurden durch den Herrn ausgetrieben.[42]
- 10.9 Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben,
- 10.10 auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.
- 10.11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf geht, da erkundigt euch, ob jemand darin ist, der es wert ist; und bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht.
- 10.12 Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es;
- 10.13 und wenn es das Haus wert ist, wird euer Friede auf sie kommen. Ist es aber nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.
- 10.14 Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und eure Rede nicht hören wird, so geht heraus aus diesem Hause oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen.
- 10.15 Wahrlich, ich sage euch: Dem Land der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als dieser Stadt.
"Sodom und Gomorrha" bezeichnet die aus der Liebe zu sich entspringende Herrschsucht.[43]
Die Ansage kommender Verfolgungen
- 10.16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
Jesus sandte die Apostel schon in Seinem ersten Lehrjahr aus. Zu dieser Zeit wussten die Menschen im Allgemeinen noch wenig von Ihm Selbst; in Galiläa wohl da und dort, in Samaria auch, aber in der Gegend Jerusalems wusste man noch wenig von Ihm, und wer auch etwas wusste, hielt die Sache aus Furcht vor den Pharisäern so geheim als möglich bei sich. Daher warnte der Herr auch die Apostel und ermahnte sie zur Klugheit ohne Falsch usw.[44]
Weil die sinnlichen Menschen listig und schlau sind wie ein Fuchs, und das Sinnliche durch Schlangen bezeichnet wird, darum sagte der Herr: "Seid klug wie die Schlangen!"[45]
"Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben" bezieht sich auch auf die Engel des höchsten Himmels, die der äußeren Gestalt nach meist einfältig erscheinen, der inneren Gestalt nach aber weise und klug sind.[46]
- 10.17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch den Gerichten überantworten und werden euch geißeln in ihren Synagogen.
- 10.18 Und man wird euch vor Statthalter und Könige führen um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.
- 10.19 Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt.
- 10.20 Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet.
- 10.21 Es wird aber ein Bruder den andern dem Tod preisgeben und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen ihre Eltern und werden sie töten helfen.
Der Sohn bezeichnet Wahres. Es werden jene verstanden, die in den Wahrheiten der Lehre aus dem Wort sind und, abstrakt genommen, die Wahrheiten selbst.[47]
- 10.22 Und ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig werden.
- 10.23 Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis der Menschensohn kommt.
- 10.24 Der Jünger steht nicht über dem Meister und der Knecht nicht über seinem Herrn.
- 10.25 Es ist für den Jünger genug, dass er ist wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausherrn Beelzebul genannt, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen so nennen!
- 10.26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.
Menschenfurcht und Gottesfurcht
- 10.27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.
- 10.28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.
- 10.29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.
- 10.30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt.
- 10.31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.
- 10.32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.
- 10.33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
Entzweiungen um Jesu willen
- 10.34 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
- 10.35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.
- 10.36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.
Wer diese drei Verse buchstäblich nimmt, die noch dazu sehr mangelhaft übersetzt sind, der verläuft sich hoffnungslos in Irrtümern. Denn wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich, lehrt und begehrt der Herr alle erdenkliche Nachgiebigkeit, Friedlichkeit und Freundlichkeit unter den Menschen. Und Moses selbst lehrt in seinem vierten Gebot aus dem Mund Gottes: "Ehre und achte und liebe Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlergehe auf Erden." Wie also könnte der Herr allem dem entgegen eine Lehre aufgestellt haben, nach der der Sohn mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter, die Schnur mit ihrer Schwieger usw. mit dem Schwert in der Hand in fortwährendem Unfrieden, in einem Haus noch dazu, miteinander leben sollten? Man müsste Ihn ja als ein Lehrer aus dem Reich der Barbaren in eine Sicherheitsanstalt bringen. Um diese Texte, die ursprünglich richtig vom Herrn sind, zu verstehen und sie als Seine Lehre zu würdigen, muss man zuerst wissen, bei welcher Gelegenheit Er sie ausgesprochen hat und wie infolge einer richtigen Übersetzung. Die Gelegenheit war, als der Herr in einem Ort Galiläas das Volk die Pflichten lehrte, die sie Gott und sich selbst untereinander schuldig seien. Er sagte zu ihnen: "Ich lehre euch nichts anderes, als was Mich Mein Vater von Ewigkeit her gelehret hat, von dem ihr zwar auch saget, dass Er euer Vater sei, den ihr aber dennoch nicht erkennet und noch nie erkannt habt. Denn würdet ihr Ihn kennen, so würdet ihr auch Mich kennen, da Mich dieser Vater zu euch gesandt hat." Sie sagten: "Was machest du aus dir selbst; sind wir nicht Kinder Abrahams und sagte Gott nicht zu Abraham, dass wir alle, die von ihm abstammen, Seine Kinder sind?" Darauf wurde der Herr erregt und sagte: "Ihr sollet ja nach der Abstammung von Abraham Gottes Kinder sein; aber ihr seid es schon lange nicht mehr, sondern euer Vater ist der Satan, eure Mutter ist die Legion von allen Teufeln, und eurer Schnur Schwieger ist eure kaum ermessbare Blindheit, Trägheit und Bosheit. Und diese größten Menschenfeinde sind eure eigenen Hausgenossen! – Und wer aus euch wieder zur wahren Kindschaft Gottes gelangen will, der ergreife das Schwert der Wahrheit, die Ich zu euch rede, und kämpfe so lange wider solche seine Hausgenossen, bis er sie besiegt hat." Dies ist die Erklärung dieser Texte im wahren Geist.[48]
- 10.37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.
- 10.38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.
- 10.39 Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.
Dies bedeutet, den Herrn über alles und den Nächsten wie sich selber lieben, und lieber sterben wollen, als von jener und dieser Liebe abweichen.[49]
Aufnahme um Jesu willen
- 10.40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
- 10.41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen.
- 10.42 Und wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.
Einen Propheten im Namen des Propheten aufnehmen, heißt das Wahre der Lehre, weil es wahr ist, annehmen. Einen Gerechten im Namen des Gerechten aufnehmen, hießt das Gute um des Guten willen aufnehmen. Lohn empfangen, heißt selig werden der Aufnahme gemäß. Unter dem Lohn wird das Angenehme des Guten und Reizendes des Wahren verstanden. Unter den Jüngern wird die tätige Liebe und zugleich der Glaube vom Herrn verstanden.[50]
Im gedehnten Sinn ist jeder Mensch ein Prophet, wenn er zu seinem Bruder oder zu seiner Schwester um der Liebe des Herrn und daraus der Verherrlichung Seines Namens willen spricht. In diesem Sinn kann jeder Mensch ein Prophet sein. Wer ihn im Namen des Herrn aufnehmen wird, entweder geistig oder leiblich, der soll auch gleich dem Propheten entweder den geistigen oder leiblichen Lohn empfangen. Wer karg ist gegen den Propheten und einen metallenen Geist hat, dessen Lohn wird gleich der Aufnahme sein. Wer einen Propheten des Eigennutzes wegen aufnimmt, der hat seinen Lohn schon genommen am Propheten selbst; ihm wird kein anderer mehr werden.[51]
Im engeren und eigentlichen Sinn ist nur der ein Prophet, der nicht mit eigenem Mund, sondern pur aus dem Mund des Herrn spricht und schreibt. Wo ein solcher Prophet ist, da ist nicht er, sondern der Herr. Wer diesen Propheten in was immer verleugnet, der verleugnet nicht den Propheten, sondern den Herrn. Wer einen solchen selteneren Propheten aufnimmt, der nimmt den Herrn auf. Da der Herr Selbst des Propheten Lohn ist, so wird Er es auch sein dem, der Ihn im Propheten aufnimmt. Wehe aber denen, die ihn verkürzen und eigennützig verkümmern wollen, denn das alles tun sie dem Herrn, nicht dem Propheten. Auf sie wird wenig des Prophetensegens fallen; am Ende wird sie des Prophetengeistes Feuer verzehren.[52]
Auch mit den Gerechten verhält es sich so. Derjenige ist ein Gerechter im engeren Sinn, der in der wahren Liebe zum Herrn und daraus zum Nächsten ist; im gedehnteren Sinn ist es jeder Bruder dem andern in Namen des Herrn, vorzugsweise ein um Seines Namens willen Armer und Verfolgter. Die eigene Ungerechtigkeit soll einem des aufgenommenen Gerechten willen nachgesehen werden; und sein Lohn soll auch der eigene sein. Wer jedoch einen Gerechten des Eigennutzes wegen aufnimmt, der wird unter die Räuber und Mörder gezählt werden; besser wäre es, er hätte ihn nicht aufgenommen.[53]
Elftes Kapitel
Die Anfrage des Täufers
- 11.1 Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte, dass er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.
- 11.2 Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger
- 11.3 und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
- 11.4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
- 11.5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt;
- 11.6 und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.
Jesu Zeugnis über den Täufer
- 11.7 Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht?
- 11.8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige.
- 11.9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet.
- 11.10 Dieser ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi 3.1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«
- 11.11 Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.
- 11.12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich.
Das Himmelreich leidet allezeit Gewalt, und nur diejenigen werden es besitzen, die es mit eiserner Gewalt an sich reißen. Diese "eiserne Gewalt" ist aber keine andere als die Gewalt der Liebe zu Gott, d.h. man muss es vollkommen ernst meinen mit der Liebe zu Gott.[54]
- 11.13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes;
- 11.14 und wenn ihr's annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll.
- 11.15 Wer Ohren hat, der höre!
- 11.16 Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu:
- 11.17 Wir haben euch aufgespielt und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen und ihr wolltet nicht weinen.
- 11.18 Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen.
- 11.19 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.
Eine ausführlichere Darlegung der Aussagen von 16 bis 19 findet sich in Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.147
Jesu Weheruf über galiläische Städte
- 11.20 Da fing er an, die Städte zu schelten, in denen die meisten seiner Taten geschehen waren; denn sie hatten nicht Buße getan:
- 11.21 Wehe dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan.
Das Bekleiden mit Säcken bezeichnet die Trauer wegen der Verwüstung des Wahren in der Kirche.[55]
- 11.22 Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als euch.
- 11.23 Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden. Denn wenn in Sodom die Taten geschehen wären, die in dir geschehen sind, es stünde noch heutigen Tages.
Sodom bezeichnet die aus der Liebe zu sich entspringende Herrschsucht.[56]
- 11.24 Doch ich sage euch: Es wird dem Land der Sodomer erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als dir.
Jesu Lobpreis und Heilandsruf
- 11.25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.
- 11.26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
- 11.27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
- 11.28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
- 11.29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
- 11.30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Der Herr meint damit, dass es nicht so schwer ist, ein himmlisches Leben zu führen, wie man gewöhnlich glaubt. Denn wenn dem Menschen etwas begegnet, vom dem er weiß, dass es unredlich und ungerecht ist, sich aber seine Sinnesart dahin neigt, so braucht er nur daran zu denken, dass er es nicht tun dürfe, weil es den göttlichen Geboten zuwiderliefe. Gewöhnt er sich an diese Denkweise und erwirbt sich durch Übung einige Fertigkeit oder Gewohnheit, so wird er allmählich mit dem Himmel verbunden. In dem Maße aber, wie dies geschieht, werden die oberen Bereiche seines Gemüts aufgeschlossen, und dann sieht er, was unredlich und ungerecht ist, und soweit er dies wiederum erkennt, kann es auch ausgetrieben werden. Ist damit aber einmal ein Anfang gemacht, so wirkt der Herr alles Gute bei ihm und sorgt dafür, dass der Mensch nicht allein das Böse sieht, sondern auch nicht mehr will und schließlich sogar verabscheut. Man muss sich jedoch darüber klar sein, je öfter der Mensch willentlich Böses tut, desto schwerer kann er solche Überlegungen anstellen und dem Bösen Widerstand leisten, denn im selben Maß gewöhnt er sich daran, bis er es schließlich überhaupt nicht mehr merkt.[57]
Zwölftes Kapitel
Das Ährenraufen am Sabbat
- 12.1 Zu der Zeit ging Jesus durch ein Kornfeld am Sabbat; und seine Jünger waren hungrig und fingen an, Ähren auszuraufen und zu essen.
- 12.2 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat nicht erlaubt ist.
- 12.3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte?
- 12.4 Wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die doch weder er noch die bei ihm waren essen durften, sondern allein die Priester?
- 12.5 Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie die Priester am Sabbat im Tempel den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld?
- 12.6 Ich sage euch aber: Hier ist Größeres als der Tempel.
- 12.7 Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer«, dann hättet ihr die Unschuldigen nicht verdammt.
- 12.8 Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat.
Die Heilung eines Mannes am Sabbat
- 12.9 Und er ging von dort weiter und kam in ihre Synagoge.
- 12.10 Und siehe, da war ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie fragten ihn und sprachen: Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen?, damit sie ihn verklagen könnten.
- 12.11 Aber er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch, der sein einziges Schaf, wenn es ihm am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreift und ihm heraushilft?
- 12.12 Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf! Darum darf man am Sabbat Gutes tun.
- 12.13 Da sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und sie wurde ihm wieder gesund wie die andere.
- 12.14 Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten Rat über ihn, wie sie ihn umbrächten.
Der Gottesknecht
- 12.15 Aber als Jesus das erfuhr, entwich er von dort. Und eine große Menge folgte ihm, und er heilte sie alle
- 12.16 und gebot ihnen, dass sie ihn nicht offenbar machten,
- 12.17 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 42.1-4):
- 12.18 »Siehe, das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, und mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat; ich will meinen Geist auf ihn legen, und er soll den Heiden das Recht verkündigen.
Das Recht oder Gericht bedeutet hier so viel als Wahrheit, Licht und Leben; denn die Wahrheit ist es auch, die ein rechtes und gerechtes Gericht schafft.[58]
- 12.19 Er wird nicht streiten noch schreien, und man wird seine Stimme nicht hören auf den Gassen;
- 12.20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausführt zum Sieg;
- 12.21 und die Heiden werden auf seinen Namen hoffen.«
Jesu Macht über die bösen Geister
- 12.22 Da wurde ein Besessener zu Jesus gebracht, der war blind und stumm; und er heilte ihn, sodass der Stumme redete und sah.
- 12.23 Und alles Volk entsetzte sich und fragte: Ist dieser nicht Davids Sohn?
- 12.24 Aber als die Pharisäer das hörten, sprachen sie: Er treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebul, ihren Obersten.
- 12.25 Jesus erkannte aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen.
Städte bedeutet im geistigen Sinn Lehren.[59]
- 12.26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt, so muss er mit sich selbst uneins sein; wie kann dann sein Reich bestehen?
- 12.27 Wenn ich aber die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.
- 12.28 Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
- 12.29 Oder wie kann jemand in das Haus eines Starken eindringen und ihm seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt? Erst dann kann er sein Haus berauben.
- 12.30 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Die Sünde gegen den Heiligen Geist
- 12.31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.
- 12.32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
Vom Baum und seinen Früchten
- 12.33 Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum.
Die Bäume bezeichnen hier Menschen in Ansehung ihrer Neigungen und daher auch ihrer Wahrnehmungen.[60]
- 12.34 Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
- 12.35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz.
Mit den Reichtümern sind geistige Reichtümer gemeint.[61]
- 12.36 Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.
- 12.37 Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.
Die Zeichenforderung der Pharisäer
- 12.38 Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.
Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[62]
- 12.39 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona.
- 12.40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.
Die Mitte der Erde bezeichnet hier vorerst das Grab; geistig aber zeigt es an, dass die Seele des Menschensohnes hinabgehen wird zu den gefangenen Seelen der Verstorbenen und sie dort frei machen wird.[63]
- 12.41 Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
- 12.42 Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
Von der Rückkehr des bösen Geistes
- 12:43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht.
Das heißt, der Teufel versucht tugendhafte Menschen und pocht an; aber es wird ihm nicht aufgetan, und das sind für ihn und seine Zwecke dürre Stätten und Wüsten, in denen für ihn kein Kräutchen wächst.[64]
- 12:44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt.
Leer heißt im Wort der Mensch, in dem bloß Falsches und Böses ist.[65]
- 12:45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen hernach ärger, als es vorher war. So wird's auch diesem bösen Geschlecht ergehen.
Hier wird die Entweihung beschreiben, und durch die sieben Geister, mit welchen er zurückkehren wird, alles Falsche des Bösen, mithin die völlige Vernichtung des Guten und Wahren bezeichnet.[66]
Jesu wahre Verwandte
- 12.46 Als er noch zu dem Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden.
- 12.47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden.
- 12.48 Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
- 12.49 Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!
Unter der Mutter wird die Kirche verstanden, unter den Brüdern die, welche in der Liebtätigkeit sind. Weil das Gute der tätigen Liebe der Bruder ist, so nennt der Herr die, welche in diesem sind, Brüder.[67]
- 12.50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.
Dreizehntes Kapitel
Vom Sämann
- 13.1 An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause und setzte sich an den See.
- 13.2 Und es versammelte sich eine große Menge bei ihm, sodass er in ein Boot stieg und sich setzte, und alles Volk stand am Ufer.
- 13.3 Und er redete vieles zu ihnen in Gleichnissen und sprach: Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen.
Jesus verglich Sich mit einem Sämann.[68]
- 13.4 Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg; da kamen die Vögel und fraßen's auf.
- 13.5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte.
- 13.6 Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.
- 13.7 Einiges fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten's.
- 13.8 Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht, einiges hundertfach, einiges sechzigfach, einiges dreißigfach.
Sechs (auch sechzig) bedeutet das Volle und Alles.[69]
- 13.9 Wer Ohren hat, der höre!
Die ein wenig erweiterte Fassung dieses Gleichnisses findet sich bei Jakob Lorber, Das Große Evangelium Johannes 1.191.3-4
Vom Sinn der Gleichnisse
- 13.10 Und die Jünger traten zu ihm und sprachen: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
- 13.11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen, diesen aber ist's nicht gegeben.
- 13.12 Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
Wenn jemand einen Acker hat, der ihm viel Frucht bringt, weil er gutes Erdreich hat, hat aber auch einen Acker, der trotz alles Düngens mager bleibt und kaum etwas mehr Frucht bringt, als in ihn gesät ward, was wird der Besitzer tun? Er wird dem mageren Acker die Frucht, die er spärlich getragen, abnehmen, sie zur guten und reichlichen Frucht des guten Ackers tun und wird im nächsten Jahr in den mageren Acker keine Frucht mehr säen, sondern wird allen Samen in den guten Acker legen! Dieser wird dann alle Frucht tragen; der magere aber wird dem Unkraut, den Disteln und Dornen preisgegeben. (siehe dazu auch Vers 23 unten) So wie ein kluger Hauswirt tut, handelt auch der Vater im Himmel und darin liegt keine Ungerechtigkeit. Ebenso geht man nur jenen um einen Rat an, der irgendeine Weisheit hat, und wendet sich bald von einem Maulreißer ab, bei dem man nur zu bald einsieht, dass er ein Maulheld ist. Darin liegt kein Unrecht, wenn man vom Maulreißer den Glauben abzieht und ihn dem recht Weisen gibt, der ohnehin des Vertrauens von allen Seiten her in Überfülle hat. Auch die Jünger Jesus taten kein Unrecht, indem sie Ihm nachfolgten und Tempel, Pharisäer und alle Schriftgelehrten verließen und ihnen dadurch den letzten Funken Vertrauens weg nahmen und es Jesus gaben, der durch Seine Taten und Worte ohnehin schon massenhaft Vertrauen besaß. Was Jesus redet, das gilt dem Geist und nicht der Materie, wo es wohl eine Ungerechtigkeit wäre, so man dem wenig Habenden die kleine Habe wegnähme und sie einem Reichen gäbe.[70]
So jemand seine kleine Kraft geübt hat und kann nun größere Lasten tragen, der wird dadurch nicht schwächer, sondern nur fortwährend stärker. Wer aber seine kleine Kraft nie hatte üben wollen, der wird bald noch diese Kraft verlieren und erschöpft hinsinken in den vollen Tod. Daher soll man beständig all die Kräfte des Geistes üben, damit er einst in der Fülle der ewigen Lebenskraft dastehen und auf seinen Schultern die größten Lasten der Liebe, Gnade und Erbarmung Gottes zu tragen imstande sein wird. Also wird dem, der da hat, gegeben in der Fülle; wer aber nicht hat, der wird auch noch das verlieren, das er hatte von seinem Grund aus.[71]
- 13.13 Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht.
- 13.14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jes 6.9-10): »Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht erkennen.
- 13.15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt: Ihre Ohren hören schwer und ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe.«
- 13.16 Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.
- 13.17 Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, zu sehen, was ihr seht, und haben's nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben's nicht gehört.
Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann
- 13.18 So hört nun ihr dies Gleichnis von dem Sämann:
- 13.19 Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt hinweg, was in sein Herz gesät ist; das ist der, bei dem auf den Weg gesät ist.
So jemand das Wort vom Reich Gottes, das Jesus redet, wohl hört, aber nicht versteht im Herzen, das vor lauter Weltlichkeit ebenso glatt getreten ist wie ein Weg, so ersieht der Arge nur zu bald das nicht ins Erdreich gefallene, sondern auf der abgetretenen, weltglatten Außenfläche des Herzens freiliegende Wort, reißt es leicht weg, was da gesät ist eigentlich ins Herz, aber dennoch auf der weltglatten Außenfläche haftete; solcher Mensch gleicht dem Weg, auf den der Same, das heißt das Wort des Herrn, fiel.[72]
- 13.20 Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört und es gleich mit Freuden aufnimmt;
- 13.21 aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab.
Wenn ein Mensch das Wort hört und es mit vielen Freuden aufnimmt, aber gleich einem Stein zu wenig Lebensfeuchtigkeit, die ein rechter Mut des Herzens ist, und auch zu wenig Erdreich, das gleich einem festen Willen ist, in und über sich hat und daher auch gleich einem Stein vom Wetter abhängt, ob es feucht oder trocken sei, also wetterwendisch ist, so wird er, wenn sich alsbald bei solch einem Menschen um das Wort Jesu willen allerlei Trübsal und Verfolgung erhebt, voll Ärger und Zorn und gleicht dann eben darum einem von der Sonne heißgemachten Stein, auf dem natürlich das Wort des Herrn keine Wurzeln fassen kann und am Ende gänzlich verdorren muss. Wenn solche Menschen bemerken, dass sich bei den an sie gerichteten Worten von oben sogleich allerlei Trübsal und Verfolgung zu zeigen anfangen, so machen sie dadurch, dass sie sich einerseits zu viel ärgern und anderseits zu viel fürchten, das Wort des Herrn in ihrem Herzen tot; denn sie glauben ob all der Zeichen, die sie gesehen, und trotz all Seiner lebendigsten Versicherungen dennoch nicht, dass Er hinreichend mächtig sei, sie zu schützen vor allen Übeln, und gleichen so dem Stein, auf den der Same fiel.[73]
- 13.22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht.
So ein Mensch das Wort hört und es auch annimmt, aber in allerlei Weltgeschäften und deren Sorgen ob des betrügerischen Gewinnes und des noch mehr betrügerischen Reichtums steckt, bei dem häufen sich die nichtigen Sorgen von Tag zu Tag und wuchern wie alles Unkraut im Herzen üppig empor ersticken nur zu leicht und zu bald das vom Herrn gesäte Wort.[74]
- 13.23 Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht bringt; und der eine trägt hundertfach, der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.
Sechs (auch sechzig) bedeutet das Volle und Alles.[75]
So ein Mensch Jesu Wort hört, es aufnimmt in die Tiefe seines Herzens, wo es allzeit und allein gültig, recht und lebendig verstanden wird, dann gleicht er einem guten Land, in das der Same fällt und je nach dem Willen und der Kraft des Menschen bald hundertfache, bald sechzigfache und bald dreißigfache Frucht an guten Werken bringt. Hundertfach ist, der alles für Jesus tut, sechzigfach, der vieles für Jesus tut, und dreißigfach, der einen guten Teil für Jesus tut. Also ist der Himmel in Reich des Herrn dreifach: der oberste für die hundertfache Frucht, der untere für die sechzigfache und der unterste für die dreißigfache Frucht. Unter die 30 wird nicht angesehen; wer unter die 30 hat, dem wird es weggenommen und dem hinzugelegt werden, der 30, 60 oder 100 hat. So wird dem genommen werden, der da nicht hat, und wird hinzugegeben dem, der da schon hat, damit er dann in aller Fülle hat! (siehe dazu Erklärung für Vers 12 oben)[76]
Vom Unkraut unter dem Weizen
- 13.24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.
- 13.25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.
Schlaf bedeutet der Zustand des Menschen, der nicht im Wahren ist.[77]
Der Weizen bedeutet das Gute der Kirche.[78]
- 13.26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut.
- 13.27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?
- 13.28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten?
- 13.29 Er sprach: Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.
- 13.30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.
Das Unkraut sind die, welche innerlich böse; der Weizen die, welche innerlich gut sind. Das Zusammenlesen derselben und das Binden in Büscheln zum Verbrennen ist das Jüngste Gericht.[79]
Von Senfkorn und Sauerteig
- 13.31 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte;
- 13.32 das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, sodass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.
- 13.33 Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.
Die Bedeutung der Gleichnisse
- 13.34 Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, und ohne Gleichnisse redete er nichts zu ihnen,
- 13.35 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Psalm 78.2): »Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.«
Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut
- 13.36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.
- 13.37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist's, der den guten Samen sät.
- 13.38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen.
- 13.39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.
Die Welt bezeichnet hier die Kirche.[80]
- 13.40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen.
- 13.41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun,
- 13.42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.
Unter dem Feuerofen sind Hochmut, Selbstsucht, Herrschlust, Hartherzigkeit, Gleichgültigkeit gegen Gottes Wort, Geiz, Neid, Scheelsucht, Lüge, Betrug, Wortbrüchigkeit, Unzucht und Hurerei, Ehebruch, falsches Zeugnis, böser Leumund und was alles wieder das Gebot der Nächstenliebe ist zu verstehen - kurz: Das eigene Herz der Kinder der Bosheit.[81]
- 13.43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!
Mit den Gerechten sind die Angehörigen des dritten Himmels gemeint. Diese heißen Gerechte, weil sie sich selbst keine, dem Herrn aber alle Gerechtigkeit zuschreiben. Sie leuchten wie die Sonne, weil sie vom Herrn her in der Liebe zum Herrn sind und diese Liebe durch die Sonne bezeichnet wird.[82]
Vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle
- 13.44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.
Mit den Reichtümern sind geistige Reichtümer gemeint.[83] Kaufen bedeutet sich Kenntnisse erwerben.[84]
Die Schatzfinder sind die, die das Wort Jesu vernehmen, und der Acker ist das noch weltliche Herz der Menschen, den sie sich durch die Befolgung des Wortes Jesu erst geistig zu eigen kaufen müssen, damit Sein Wort im Herzen zu ihrem vollen Eigentum werde und sie dann alles Gute für sich und ihre Brüder schaffen können.[85]
- 13.45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,
- 13.46 und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Die Jünger Jesu glichen diesem Kaufmann, da sie alles verließen für Jesus, der für sie die große, unschätzbare Perle ist.[86]
Vom Fischnetz
- 13.47 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen ist und Fische aller Art fängt.
- 13.48 Wenn es aber voll ist, ziehen sie es heraus an das Ufer, setzen sich und lesen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten werfen sie weg.
Die (guten) Fische stehen hier für die, welche in den allgemeinen Wahrheiten und in dem mit der Nächstenliebe verbundenen Glauben sind.[87]
- 13.49 So wird es auch am Ende der Welt gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden
- 13.50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.
Hier wird dasselbe wie im Gleichnis vom Acker (siehe oben ab Vers 24) verstanden, nämlich der Ablauf des Jüngsten Gerichtes. Fische bedeuten im geistigen Sinn des Wortes die Natürlichen und Äußerlichen, sowohl die guten als die bösen.[88]
Das Geheule und Geklapper bedeutet die wahre Finsternis der argen Seele, die fortan mit ihrem verbrannten Weltverstand suchen wird, was ihre böse Liebe befriedigen möchte, aber nimmerdar etwas finden wird.[89]
- 13.51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.
- 13:52 Da sprach er: Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.
Das bedeutet, ein wahrer, zum Himmelreich Schriftgelehrter muss die alte Schrift (Moses usw.) ebenso wie das neue Wort Jesu kennen und danach tun. Dabei ist selbstverständlich zu beachten, was der wahren Nächstenliebe wegen vom alten Gesetz gemäß dem Wort Jesu auszulassen ist.[90]
Von Ewigkeit her ist in der Ordnung Gottes gegründet, dass aus jeglichem Samenkorn sowohl eine frische Frucht wie ebenfalls wieder derselbe Same, wie er zuvor in die Erde gesät wurde, zum Vorschein kommt. Ohne den älteren Baum ist keine neue Frucht denkbar. Wenn irgend etwas entstehen soll, so muss ja doch ein Grund vorhanden sein. Also ist auch ein älteres Wort der Grund zu einem neueren und eine ältere Lehre der Grund zu einer neuen, wie das Vorleben ist ein Grund des Nachlebens.[91]
Die Verwerfung Jesu in Nazareth
- 13.53 Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, dass er davonging
- 13.54 und kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, sodass sie sich entsetzten und fragten: Woher hat dieser solche Weisheit und solche Taten?
- 13.55 Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?
- 13.56 Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles?
Das biblische Matthäus Evangelium stammt nicht wirklich von Matthäus und ist teilweise apokryph, obschon sich der Schreiber alle erdenkliche Mühe gab, die Sache so wahr als möglich darzustellen. Die sogenannten Brüder und Schwestern des Herrn waren wohl Kinder Josephs aus seiner ersten Ehe, aber nicht Kinder Marias, deren einziger Sohn der Herr war. Die Schwestern waren nicht Töchter Josephs, sondern dessen arme Anverwandte. Man nannte sie darum auch Schwestern, weil sie ganz nach dem Sinne und Willen Josephs wie auch der Maria lebten und handelten. Drei von diesen Brüdern zogen mit dem Herrn, nämlich Jakobus, Simon und Johannes (?). Zwei blieben daheim und betrieben das Handwerk Josephs fort und pflegten Maria, bis sie der Herr dem Johannes zur weiteren Pflege übergab.[92]
- 13.57 Und sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause.
- 13.58 Und er tat dort nicht viele Zeichen wegen ihres Unglaubens.
Vierzehntes Kapitel
Das Ende Johannes des Täufers
- 14.1 Zu der Zeit kam die Kunde von Jesus vor den Landesfürsten Herodes.
- 14.2 Und er sprach zu seinen Leuten: Das ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, darum tut er solche Taten.
- 14.3 Denn Herodes hatte Johannes ergriffen, gefesselt und in das Gefängnis geworfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus.
- 14.4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, dass du sie hast.
- 14.5 Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn sie hielten ihn für einen Propheten.
- 14.6 Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel dem Herodes gut.
- 14.7 Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde.
- 14.8 Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers!
- 14.9 Und der König wurde traurig; doch wegen des Eides und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl er, es ihr zu geben,
- 14.10 und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten.
- 14.11 Und sein Haupt wurde hereingetragen auf einer Schale und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter.
- 14.12 Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leichnam und begruben ihn; und sie kamen und verkündeten das Jesus.
siehe dazu Enthauptung des Johannes
Die Speisung der Fünftausend
- 14.13 Als das Jesus hörte, fuhr er von dort weg in einem Boot in eine einsame Gegend allein. Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten.
- 14.14 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn und er heilte ihre Kranken.
- 14.15 Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Die Gegend ist öde und die Nacht bricht herein; lass das Volk gehen, damit sie in die Dörfer gehen und sich zu essen kaufen.
- 14.16 Aber Jesus sprach zu ihnen: Es ist nicht nötig, dass sie fortgehen; gebt ihr ihnen zu essen.
- 14.17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische.
- 14.18 Und er sprach: Bringt sie mir her!
- 14.19 Und er ließ das Volk sich auf das Gras lagern und nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach's und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.
- 14.20 Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll.
- 14.21 Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Mann, ohne Frauen und Kinder.
siehe dazu Krankenheilung und erste Volksspeisung
Jesus und der sinkende Petrus auf dem See
- 14.22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.
- 14.23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.
- 14.24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.
- 14.25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.
- 14.26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht.
- 14.27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!
- 14.28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.
- 14.29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.
- 14.30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!
- 14.31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
- 14.32 Und sie traten in das Boot und der Wind legte sich.
- 14.33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!
Dieses Geschehen ist ein Gleichnis über weltliche und geistige Schätze. Für den Menschen ist nichts gefährlicher zum ewigen Leben als die großen Schätze der Welt. Ehe er sich's versieht, wird man seine Seele von ihm nehmen und sie in große Finsternis werfen, wo ein ewiges Heulen und Zähneknirschen waltet. Entsprechend lag auf dem Meeresboden schon so manches beladene Schiff mit seinen Herren und Schiffern begraben. Auf dem Schiff der Jünger aber befanden sich nichts als die unverwüstlichen Schätze für Geist und Leben aus Gott - und der Orkan vermochte nicht, sie in den Abgrund hinabzuschleudern. Jesus kam zu Fuß über den Wogen zu ihnen, um ihnen in der Tat zu zeigen, dass sich der, der allein die ewigen Schätze des Himmels in sich trägt, über all die tollen Stürme und Wogen des Weltgetriebes leicht erhebt und über denselben fein schadlos wandeln kann und am Ende dennoch der Herr über all das Ungemach der Welt ist und bleibt. Wer aber sein Lebensschiff mit den Schätzen der Welt beschwert und der Sturm ereilt ihn über den Wogen seiner Weltsorgen, so werden dann Schiff und Schiffer beide untergehen.[94]
siehe dazu auch Jesus geht auf dem Wasser und des Petrus Glaubensprobe
Krankenheilungen in Genezareth
- 14.34 Und sie fuhren hinüber und kamen ans Land in Genezareth.
- 14.35 Und als die Leute an diesem Ort ihn erkannten, schickten sie Botschaft ringsum in das ganze Land und brachten alle Kranken zu ihm
- 14.36 und baten ihn, dass sie nur den Saum seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die ihn berührten, wurden gesund.
siehe dazu auch Viele Krankenheilungen in Genezareth
Fünfzehntes Kapitel
Von Reinheit und Unreinheit
- 15.1 Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und sprachen:
- 15.2 Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen.
- 15.3 Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen?
- 15.4 Denn Gott hat geboten 2.Mos 20.12 2.Mos 21.17: »Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.«
- 15.5 Aber ihr lehrt: Wer zu Vater oder Mutter sagt: Eine Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht,
- 15.6 der braucht seinen Vater nicht zu ehren. Damit habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen willen.
- 15.7 Ihr Heuchler, wie fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen Jesaja 29.13:
- 15.8 »Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir;
- 15.9 vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.«
- 15.10 Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Hört zu und begreift's:
- 15.11 Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.
- 15.12 Da traten seine Jünger zu ihm und fragten: Weißt du auch, dass die Pharisäer an dem Wort Anstoß nahmen, als sie es hörten?
- 15.13 Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen.
- 15.14 Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube.
Unter den Blinden werden im Wort die verstanden, welche ohne Wahres sind, entweder weil es überhaupt in der Kirche fehlt und so aus Unwissenheit, oder weil sie es nicht verstehen.[95]
- 15.15 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis!
- 15.16 Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig?
- 15.17 Merkt ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert?
- 15.18 Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.
- 15.19 Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.
- 15.20 Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein.
siehe dazu auch Unliebsame Gäste aus Jerusalem
Die kanaanäische Frau
- 15.21 Und Jesus ging weg von dort und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon.
- 15.22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.
Durch die Dämonen und bösen Geister werden die Lüste des Bösen bezeichnet. Diese wurden durch den Herrn ausgetrieben.[96]
- 15.23 Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.
- 15.24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
- 15.25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!
- 15.26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
- 15.27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
- 15.28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Weitere Heilungen
- 15.29 Und Jesus ging von dort weiter und kam an das Galiläische Meer und ging auf einen Berg und setzte sich dort.
- 15.30 Und es kam eine große Menge zu ihm; die hatten bei sich Gelähmte, Verkrüppelte, Blinde, Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus vor die Füße, und er heilte sie,
- 15.31 sodass sich das Volk verwunderte, als sie sahen, dass die Stummen redeten, die Verkrüppelten gesund waren, die Gelähmten gingen, die Blinden sahen; und sie priesen den Gott Israels.
Die Speisung der Viertausend
- 15.32 Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Das Volk jammert mich; denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht hungrig gehen lassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege.
- 15.33 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Woher sollen wir so viel Brot nehmen in der Wüste, um eine so große Menge zu sättigen?
- 15.34 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben und ein paar Fische.
- 15.35 Und er ließ das Volk sich auf die Erde lagern
- 15.36 und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.
- 15.37 Und sie aßen alle und wurden satt; und sie sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, sieben Körbe voll.
- 15.38 Und die gegessen hatten, waren viertausend Mann, ausgenommen Frauen und Kinder.
- 15.39 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er ins Boot und kam in das Gebiet von Magadan.
Sechzehntes Kapitel
Die Zeichenforderung der Pharisäer
- 16.1 Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und forderten ihn auf, sie ein Zeichen vom Himmel sehen zu lassen.
Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[97]
- 16.2 Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot.
- 16.3 Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute ein Unwetter kommen, denn der Himmel ist rot und trübe. Über das Aussehen des Himmels könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen?
- 16.4 Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen; doch soll ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jona. Und er ließ sie stehen und ging davon.
Warnung vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer
- 16.5 Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen.
- 16.6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!
- 16.7 Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird's sein, dass wir kein Brot mitgenommen haben.
- 16.8 Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt?
- 16.9 Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die fünf Brote für die fünftausend und wie viel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt?
- 16.10 Auch nicht an die sieben Brote für die viertausend und wie viel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt?
- 16.11 Wieso versteht ihr denn nicht, dass ich nicht vom Brot zu euch geredet habe? Hütet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!
- 16.12 Da verstanden sie, dass er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.
Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn
- 16:13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?
- 16.14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.
- 16.15 Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?
- 16.16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
- 16.17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
- 16.18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.
Unter Petrus wird im Wort das Wahre des Glaubens der Kirche, das aus dem Guten der tätigen Liebe hervorgeht, verstanden. Mit der unüberwindlichen Kirche ist allein die wahre, lebendige Kirche des Herrn gemeint, so Er durch den lebendigen Glauben, der da die Liebe ist, im Herzen des Menschen Wohnung genommen hat. Hier ist nicht gemeint, Petrus sei irgendeine Macht übertragen worden, sondern dass sie dem Wahren, das aus dem Guten ist, gehöre; und weil alles Gute und Wahre vom Herrn, und nichts vom Menschen ist, dass alle Gewalt dem Herrn gehöre.[98]
Jeder, der den Herrn wie Petrus erkennt und liebt, ist ein rechter Fels, auf dem Er Seine wahre Kirche, die wahre Liebe und Weisheit aus Ihm, erbauen kann und und dies auch tut. Mit dem Fels ist nicht irgendeine große oder kleine Gemeinde unter irgendeinem Oberhaupt gemeint, wo jeder denkt und glaubt, was er will; wo der eine mit den Lippen unverständliche Worte murmelt und solche Murmelei für ein nützliches Gebet verkauft, der andere darüber flucht und spottet und lacht, ein dritter als Richter auftritt und alles in den tiefsten Grund der Hölle hinein verdammt. Es ist auch nicht irgendein unüberwindlich sein sollendes äußeres gemeinschaftliches zeremonielles Parade- und Prunkwerk auf irgendeinem goldenen und silbernen Felsen Petri gemeint, denn dieses ist ebenso wenig Kirche und Fels Petri, wie die Hölle der Himmel ist. Die Liebe gab der Herr als das alleinige Kennzeichen, aus dem man erkennen kann, ob jemand ein wahrer Fels ist, auf dem Seine Kirche erbaut ist. Hätte der Herr damit eine sichtbare Kirche stiften wollen, so hätte Er wohl zu allen Aposteln und Jüngern gesagt: Ihr alle seid Petrus. Aber Er sagte es nur zu Petrus, weil er der Erste war, der Ihn Seiner göttlichen Natur nach erkannte. Er war daher auch der Erste, dem Er in seinem Glauben und Vertrauen die Schlüssel zum Himmelreich gab, welches ein Reich der Liebe zu Gott im Herzen der Menschen ist und daraus erst die wahre Liebe zum Nächsten. Zu dieser Liebe aber kann niemand ohne vorhergehende Erkenntnis Gottes gelangen. Diese Gottes- und Nächstenliebe ist also das wahre Reich Gottes, die einzig wahre lebendige Kirche, die auf dem Felsen der richtigen Erkenntnis und des daraus abgeleiteten festen und unerschütterlichen Glaubens und Vertrauens erbaut ist, die keine Hölle mehr zerstören kann.[99] Geist, Wahrheit, rechte Erkenntnis, Glaube, Vertrauen und wahre Liebe zu Gott und dem Nächsten in jedes einzelnen Menschen Herzen ist der einzig und alleinig wahre Fels und die dann von Herrn Selbst darauf lebendig erbaute Kirche, die allein der Hölle Trotz bieten kann ewig. Alles andere ist ein eitles Werk der Menschen und gilt für gar nichts und gibt gegen die Hölle nicht den allerleisesten Schutz, wenn der wahre Fels und die wahre lebendige, in jedem einzelnen Menschen erbaute Kirche dabei mangelt. Keine der äußeren, sichtbaren Kirchen, die den Namen des Herrn führen, ist jemals die rechte. Nur die Kirche im Herzen, das der Herr gemacht hat, ist die alleinig rechte und vor der Hölle für ewig gesicherte. Alles andere hat die Welt ausgeheckt, gehört ihr an und gilt vor dem Herrn ewig nichts.[100]
- 16.19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.
Durch Schlüssel wird die Macht zu öffnen und zu verschließen bezeichnet.[101] Die Liebe, d.h. die wahre, reine Liebe des Herzens zu Gott, wie vorzugsweise die unendliche Liebe Gottes zu den Menschen, ist der Hauptschlüssel, mit dem allein alle Geheimnisse der Himmel allezeit vollgültig bis in den tiefsten Grund erschlossen werden können. Dies ist der Schlüssel, der Petrus gegeben wurde, weswegen er zuletzt noch vom Herrn dreimal gefragt wurde, ob er Ihn liebe, siehe Joh 21.15-17.[102]
Dieser letzten beiden Verse wegen herrscht in allen christlichen Bezirken auf der Erde der größte Irrtum und Wahn; denn alle ohne Ausnahme halten sich mehr oder weniger für den Kirchfelsen Petri und vermeinen, die wirklichen Schlüssel zum Reich Gottes zu haben und dasselbe nach Belieben zu öffnen oder zu schließen, das heißt, das Wort des Evangeliums nach Willkür zu geben, zu verstümmeln, vorzuenthalten, zu untersagen, dafür willkürliche Gebote zu geben und darauf die ewigen Strafen zu legen, die Menschen durch derlei Gebote zu möglichst vielen Sünden zu verleiten, diese dann nach Willkür nachzulassen oder vorzuenthalten und gegen gewisse Bußwerke sogar vollkommene oder unvollkommene Ablässe für alle begangenen Sünden zu erteilen oder auch vorzuenthalten. Wer auch nur ein kleines bisschen Verstand hat, der muss einsehen, dass der Herr, der bei jeder Gelegenheit nur das Gesetz der allgemeinen Bruderliebe predigte, unmöglich dem Apostel Petrus wie allen anderen Aposteln solche Vollmacht gegeben hätte, da sich dies zur Nächstenliebe wie die Hölle zum Himmel verhält.[103] Die Schlüssel zum Reich Gottes sind nur in der lebendigen, allein wahren Kirche, nie aber in irgendeiner kirchlichen Gemeinde oder bei deren Vorstand zu suchen. Was jemand dann aus dieser seiner eigenen, vom Herrn in seinem Herzen erbauten lebendigen Kirche für sich lösen oder binden wird auf der Erde seines Naturlebens und des Lebens seiner Brüder, das ist schon auch im Himmel gelöst oder gebunden, weil diese allein wahre Kirche ja schon der eigentliche Himmel selbst ist. Was immer jemand in und aus solcher seiner mächtigen Liebekirche verrichten wird, das wird auch im Himmel verrichtet sein für ewig. Die rechten Schlüssel zum Himmelreiche sind, dass man den Herrn als seinen heiligen wahrsten Gott und Vater erkennt, über alles liebt und seine Brüder und Schwestern wie sich selbst. Ist das der Fall, dann hat man Petrum, die wahre Kirche voll ausgebaut und die echten Schlüssel zum Himmelreich; alles andere aber ist eine Null.[104]
- 16.20 Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.
Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
- 16.21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.
- 16.22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!
- 16.23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
Von der Nachfolge
- 16.24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
- 16.25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.
Dies bedeutet, den Herrn über alles und den Nächsten wie sich selber lieben, und lieber sterben wollen, als von jener und dieser Liebe abweichen.[105]
- 16.26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?
- 16.27 Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.
- 16.28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.
Siebzehntes Kapitel
Die Verklärung Jesu
- 17.1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.
Der Berg bezeichnet den Himmel und die Liebe.[106]
Der Berg Tabor stellt die höchste und zugleich tiefste Erkenntnis Gottes im Geiste und in der Wahrheit vor. Auf diesen Berg der allerhöchsten Erkenntnis führte allein der Herr nur Seine Lieblinge - Petrus, Jakobus und Johannes. Diese drei stellen auch jeglichen Menschen vor, wie er sein soll in der wahren himmlischen Ordnung:
- Petrus ist der äußere Mensch, der aber sein ganzes Wesen durch allerlei Prüfungen ganz nach innen richtet.
- Jakobus ist die Seele des Menschen, die rein ist und sich in allem nach dem Herrn richtet, aber dennoch samt dem äußeren Menschen viele Prüfungen zu bestehen hat, um den Außenmenschen ganz für sich zu gewinnen und mit ihm vereint im Geist sich unsterblich zu machen.
- Johannes stellt den Geist des Menschen dar, der völlig eins ist mit dem Herrn.[107]
- 17.2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.
Der Herr erschien so, weil Er im Himmel vor den Engeln als Sonne erscheint.[108] Weil der Herr das Göttlich-Gute und das Göttlich-Wahre ist und unter den Kleidern das Wahre verstanden wird, so glänzte, als Er verklärt wurde, Sein Antlitz wie die Sonne, und Seine Kleider wurden wie das Licht. Von dem Alten der Tage, welche auch der Herr ist, heißt es, dass sein Kleid weiß war wie Schnee. Dan 7.9 [109]
- 17.3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.
- 17.4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
Jesus kann Petrus, Jakobus und Johannes - die jeglichem Menschen entsprechen, der in seinem Dreiwesen die vorgezeichnete Ordnung des Herrn beachtet - auf den Berg der wahren und lebendigen Erkenntnis Gottes führen, wo er dann auch im Gefühl seines ganzen Wesens ausrufen wird: Herr! hier ist gut sein, hier lasse mir ewige Wohnung machen, bestehend in den drei Hütten der Liebe, der Weisheit und der Macht aus Beiden.[110]
- 17.5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!
Mit der Erkenntnis Gottes ist noch kein Bleiben, solange die drei Hütten, und der Herr, Moses und Elias nicht völlig Eins sind im Menschen, oder solange die Liebe, die Weisheit und Macht nicht in sich wie in einer und nicht in drei Hütten aufgenommen werden. Daher ertönt aus einer Wolke, die ein Bild der allerhöchsten himmlischen Erkenntnis ist: "Dieser allein ist Mein geliebter Sohn, diesen allein müsst ihr hören!" Das heißt soviel als: Dieser allein ist der einige Gott; nicht in drei, sondern in Ihm allein müsst ihr wohnen, wollt ihr das ewige Leben haben![111]
Das Göttlich-Wahre im Letzten, welches dem Wort im buchstäblichen Sinn gleich ist, wird hier durch die Wolke vorgestellt. Die Stimme aus der Wolke ist aus dem Wort.[112]
- 17.6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.
- 17.7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!
Die heilige Furcht, welche zuweilen mit heiligem Beben im Innern des Gemüts verbunden ist, kommt auch oft mit einem gewissen Schaudern, wenn das Leben vom Herrn die Stelle des eigenen Lebens einnimmt, wenn der Mensch sieht, dass er nichts ist, sondern bloß der Herr. In dieser heiligen Furcht waren auch Johannes Off 1.17, Daniel Dan 10.5-12, die Frauen, die den Herrn am Grab sahen Matth 28.10 und Simon Luk 5.8-10. Das "Fürchte dich nicht" wird in diesem Zusammenhang auch an anderen Stellen in der Bibel gesagt.[113]
- 17.8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.
- 17.9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.
Nach dieser mächtigsten Durchgreifung der Gotteskraft erst erwachen die drei und sehen nun in der Fülle der Klarheit weder Moses noch Elias und vernehmen auch keine andere Stimme mehr, denn allein Jesus und Sein Wort. Aber dieses verbietet ihnen, von solcher Erkenntnis der Welt vorher etwas zu melden, als bis alles vollendet ist, das heißt im engen Sinne: bis Jesus in jegliches Menschen Herzen nach vielen Proben und Prüfungen seiner Seele auferstanden ist in aller Macht und Kraft der Liebe und Weisheit. – Und im weiten Sinne: Bis nicht die Welt in dem Menschen gekreuzigt und getötet ist und der Geist im Menschen auferstanden ist und dadurch aus dem Menschen ein neues Geschöpf wird in der Ordnung, wie sie da angezeigt ist durch Petrus, Jakobus und Johannes, kann er auf den Berg der tiefen und höchsten Erkenntnis Gottes und des ewigen Lebens nicht geführt werden.[114]
Es gibt dazu noch eine viel ausführlichere heilige Bedeutung, unter der durch Moses, Elias und voraus durch Jesus, und durch die Stimme aus der Wolke, wie durch die drei Jünger Hauptführungs- und Bildungsepochen der Menschen angedeutet werden; allein die Erkenntnis verschafft niemandem das ewige Leben, wie noch weniger die damit verflochtenen endlosen Begriffe von Zeit, Raum, Ewigkeit, Unendlichkeit, Licht, Geist und Dasein.[115]
- 17.10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen?
Elia ist hier die Liebe Gottes, welche jedem Gericht vorangeht. Wann diese anfängt zu einem zu kommen, so ist der "Elias" auch schon da; Elias ist die Vorstrahlung der Liebe Gottes. Wer die sanften Strahlen dieses "Elias" ergreift und sich von ihnen durchglühen lässt, der wird im kommenden Feuermeer der unendlichen Liebe Gottes bestehen. Wer sich den "Elias" hingegen nicht zu eigen macht, der wird nicht bestehen im großen Feuer der Liebe Gottes, wenn dies in ihrer Fülle über alle Kreatur kommen wird.[116]
- 17.11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen.
- 17.12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen.
- 17.13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.
Die Heilung eines mondsüchtigen Knaben
- 17.14 Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, fiel ihm zu Füßen
- 17.15 und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! Denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser;
- 17.16 und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht und sie konnten ihm nicht helfen.
- 17.17 Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir her!
- 17.18 Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus von ihm und der Knabe wurde gesund zu derselben Stunde.
- 17.19 Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein waren, und fragten: Warum konnten "wir" ihn nicht austreiben?
- 17.20-21 Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.1
- 17.21 '
Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
- 17.22 Als sie aber beieinander waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen
- 17.23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.
Von der Zahlung der Tempelsteuer
- 17.24 Als sie nun nach Kapernaum kamen, traten zu Petrus, die den Tempelgroschen einnehmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den Tempelgroschen zu geben?
- 17.25 Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und fragte: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern: von ihren Kindern oder von den Fremden?
- 17.26 Als er antwortete: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: So sind die Kinder frei.
- 17.27 Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin an den See und wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib's ihnen für mich und dich.
Achtzehntes Kapitel
Der Rangstreit der Jünger
- 18.1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?
- 18.2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie
- 18.3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
- 18.4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.
- 18.5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.
Warnung vor Verführung zum Abfall
- 18.6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.
- 18.7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt!
- 18.8 Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen.
- 18.9 Und wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, reiß es aus und wirf's von dir. Es ist besser für dich, dass du einäugig zum Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.
Das Auge bezeichnet hier das Verständnis des Wahren.[117]
Vom verlorenen Schaf
- 18.10-11 Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.1
- 18.12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?
- 18.13 Und wenn es geschieht, dass er's findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.
- 18.14 So ist's auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde.
Zurechtweisung und Gebet in der Gemeinde
- 18.15 Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.
- 18.16 Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde.
- 18.17 Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner.
- 18.18 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.
Matthäus 18,18 ist eine überaus stark verkannte und missbrauchte Stelle, indem daraus eine Sünden vergebende Macht von Priestern behauptet wird. Wie falsch das ist, geht aus Mt 18.14-35 und noch deutlicher aus dem Vaterunser hervor. Denn da heißt es: "Vergib uns unsere Schuld, also wie wir unseren Schuldigern vergeben!" und nicht "Vergib uns unsere Schuld, wie uns dieselbe die Priester vergeben!" Matthäus 18,18 bedeutet die gegenseitige menschliche und brüderliche Liebepflicht, dass einer dem andern alle Schuld vergeben solle. So die Menschen sich gegenseitig alles vergeben, dann wird ihnen auch von Gott alles vergeben. So sie sich aber gegenseitig ihre Schulden unter sich vorenthalten, da wird sie ihnen auch Gott vorenthalten, selbst bei tausend priesterlichen Sündenvergebungen.[118]
- 18.19 Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.
- 18.20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Von der Vergebung (»Der Schalksknecht«)
- 18.21 Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?
- 18.22 Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.
- 18.23 Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.
- 18.24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig.
- 18.25 Da er's nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen.
- 18.26 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's alles bezahlen.
- 18.27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.
- 18.28 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist!
- 18.29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's bezahlen.
- 18.30 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.
- 18.31 Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte.
- 18.32 Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast;
- 18.33 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?
- 18.34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.
- 18.35 So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.
Neunzehntes Kapitel
Von Ehe, Ehescheidung, Ehelosigkeit
- 19.1 Und es begab sich, als Jesus diese Reden vollendet hatte, dass er sich aufmachte aus Galiläa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordans;
- 19.2 und eine große Menge folgte ihm nach und er heilte sie dort.
- 19.3 Da traten Pharisäer zu ihm und versuchten ihn und sprachen: Ist's erlaubt, dass sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheidet?
- 19.4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau
- 19.5 und sprach (1.Mose 2.24): »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden "ein" Fleisch sein«?
- 19.6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern "ein" Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!
Hier wird die himmlische Ehe beschrieben, in der die Engel leben, und zugleich die Ehe des Guten und Wahren. Die Worte "was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht scheiden", sind so zu verstehen, dass das Gute nicht vom Wahren getrennt werden soll.[119]
- 19.7 Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden?
- 19.8 Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist's nicht so gewesen.
- 19.9 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe.
- 19.10 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist's nicht gut zu heiraten.
- 19.11 Er sprach aber zu ihnen: Dies Wort fassen nicht alle, sondern nur die, denen es gegeben ist.
- 19.12 Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!
Diese Angaben über die Ehe und den Ehebruch werden etwas ausführlicher dargestellt bei Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.470610
Die Segnung der Kinder
- 19.13 Da wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an.
- 19.14 Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich.
Die kleinen Kinder bezeichnen hier die Unschuldigen. Niemand kann in den Himmel gelangen, wenn er nicht unschuldig ist.[120]
- 19.15 Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter.
Die Gefahr des Reichtums (»Der reiche Jüngling«)
- 19.16 Und siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?
- 19.17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.
- 19.18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus aber sprach: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben;
- 19.19 ehre Vater und Mutter« (2.Mose 20.12-16); und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19.18).
- 19.20 Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?
- 19.21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!
- 19.22 Als der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter.
- 19.23 Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen.
- 19.24 Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Dieser Reiche bezeichnet die Reichen in natürlicher und geistiger Hinsicht. Im natürlichen Sinn die Reichen, die ihr Herz an ihren materiellen Überfluss hängen. Im geistigen Sinn, deren Überfluss an Kenntnissen und Wissen - denn darin bestehen die geistigen Reichtümer - sie dazu verführt, sich aus eigener Einsicht der Dinge im Himmel und in der Kirche zu bemächtigen. Das Kamel bezeichnet das Erkennen und Wissen im Allgemeinen, das Nadelöhr das geistig Wahre.[121]
- 19.25 Als das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden?
- 19.26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.
Der Lohn der Nachfolge
- 19.27 Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben?
- 19.28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
Durch die zwölf Stämme Israels und deren Ältesten werden alle bezeichnet, die zur Kirche des Herrn in den Himmeln und auf Erden gehören, und im allgemeinen alles Wahre und Gute in denselben. Zwölf bedeutet alles und wird vom Wahren und Guten des Himmels und der Kirche gesagt. Die zwölf Apostel bedeuten das ganze Gericht.[122]
Unter den Aposteln werden nicht Apostel, sondern alle, welche das Gute und Wahre der Kirche lehren, und im abgezogenen Sinn das Gute und Wahre ihrer Lehre selbst verstanden. Die Apostel können und werden überhaupt niemanden richten, geschweige denn die zwölf Stämme Israels, sondern allein der Herr nach dem Guten und Wahren der kirchlichen Lehre aus dem Wort.[123] Unter regieren auf Erden wird im Reich des Herrn und in diesem eins mit Ihm sein verstanden. Joh 17.20-24 Der Herr richtet und regiert aus dem Göttlich-Guten durch das Göttlich-Wahre, das von Ihm aus in ihnen ist; wer aber glaubt, dass das, was vom Herrn in ihnen ist, ihr Eigentum sei, der wird aus dem Reich, dem Himmel, geworfen.[124]
- 19.29 Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verlässt um meines Namens willen, der wird's hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben.
- 19.30 Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein.
Zwanzigstes Kapitel
Von den Arbeitern im Weinberg
- 20.1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.
- 20.2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
- 20.3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen
- 20.4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.
- 20.5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.
Sechs bedeutet das Volle und Alles.[125]
- 20.6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?
- 20.7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
- 20.8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.
- 20.9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.
- 20.10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen.
- 20.11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn
- 20.12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.
- 20.13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?
- 20.14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.
- 20.15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin?
- 20.16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.
Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung
- 20.17 Und Jesus zog hinauf nach Jerusalem und nahm die zwölf Jünger beiseite und sprach zu ihnen auf dem Wege:
- 20.18 Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen
- 20.19 und werden ihn den Heiden überantworten, damit sie ihn verspotten und geißeln und kreuzigen; und am dritten Tage wird er auferstehen.
Vom Herrschen und vom Dienen (»Die Söhne des Zebedäus«)
- 20.20 Da trat zu ihm die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten.
- 20.21 Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken.
- 20.22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie antworteten ihm: Ja, das können wir.
- 20.23 Er sprach zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater.
- 20.24 Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder.
- 20.25 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun.
- 20.26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener;
- 20.27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht,
- 20.28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
Unter Knecht und Diener wird hier der verstanden, welcher durch Lehren dient und bedient, von der Person abgesehen das Göttlich-Wahre, welches der Herr Selbst war.[126]
Die Heilung von zwei Blinden bei Jericho
- 20.29 Und als sie von Jericho fortgingen, folgte ihm eine große Menge.
- 20.30 Und siehe, zwei Blinde saßen am Wege; und als sie hörten, dass Jesus vorüberging, schrien sie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!
- 20.31 Aber das Volk fuhr sie an, dass sie schweigen sollten. Doch sie schrien noch viel mehr: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!
- 20.32 Jesus aber blieb stehen, rief sie und sprach: Was wollt ihr, dass ich für euch tun soll?
- 20.33 Sie sprachen zu ihm: Herr, dass unsere Augen aufgetan werden.
- 20.34 Und es jammerte Jesus und er berührte ihre Augen; und sogleich wurden sie wieder sehend, und sie folgten ihm nach.
Einundzwanzigstes Kapitel
Jesu Einzug in Jerusalem
- 21.1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus
Der Ölberg bezeichnet die göttliche Liebe.[127]
- 21.2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!
- 21.3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.
- 21.4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):
- 21.5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
- 21.6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
- 21.7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf.
- 21.8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
- 21.9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
- 21.10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der?
- 21.11 Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.
Die Tempelreinigung
- 21.12 Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler
- 21.13 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus.
- 21.14 Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel und er heilte sie.
- 21.15 Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich
- 21.16 und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): »Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«?
- 21.17 Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.
Der verdorrte Feigenbaum
- 21.18 Als er aber am Morgen wieder in die Stadt ging, hungerte ihn.
- 21.19 Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege, ging hin und fand nichts daran als Blätter und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir niemals mehr Frucht! Und der Feigenbaum verdorrte sogleich.
Der Feigenbaum bezeichnet das natürliche Gute des Menschen.[128]
Der Feigenbaum ist ein Sinnbild für das vom Herrn durch Abraham in Salem gegründete Judentum, das dem Herrn nur Blätter, aber keine Frucht trug, trotzdem Er diesen Baum in Salem durch gute Gärtner düngen ließ.[129]
Dies bezieht sich auf Menschen, die im Zustand der Umbildung stehen bleiben und nicht in den Zustand der Wiedergeburt eintreten wollen.[130]
Der fruchtlose Feigenbaum bezeichnet auch jene Menschen, die gar keine Früchte tragen, sondern nur Blätter, die scheinbare Früchte bezeichnen. (Anm.: Die z.B. aus weltlichen Rücksichten religiös und fromm tun, aber nicht weil ihnen irgendetwas an Gott läge.) Dieser Baum bezeichnet das Los der lauen, fruchtlosen Menschen, die gar keine Werke haben. Sie sind tot, und schon gerichtet, es braucht da nichts als einen Fluch zur Vertilgung all der Schmarotzerpflanzen auf den edlen Fruchtbäumen.[131]
- 21.20 Und als das die Jünger sahen, verwunderten sie sich und fragten: Wie ist der Feigenbaum so rasch verdorrt?
- 21.21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein Taten wie die mit dem Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr zu diesem Berge sagt: Heb dich und wirf dich ins Meer!, so wird's geschehen.
- 21.22 Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr's empfangen.
Die Frage nach Jesu Vollmacht
- 21.23 Und als er in den Tempel kam und lehrte, traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Aus welcher Vollmacht tust du das und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?
- 21.24 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine Sache fragen; wenn ihr mir die sagt, will ich euch auch sagen, aus welcher Vollmacht ich das tue.
- 21.25 Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen? Da bedachten sie's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?
- 21.26 Sagen wir aber, sie war von Menschen, so müssen wir uns vor dem Volk fürchten, denn sie halten alle Johannes für einen Propheten.
- 21.27 Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen's nicht. Da sprach er zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.
Von den ungleichen Söhnen
- 21.28 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh hin und arbeite heute im Weinberg.
- 21.29 Er antwortete aber und sprach: Nein, ich will nicht. Danach reute es ihn und er ging hin.
- 21.30 Und der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr!, und ging nicht hin.
- 21.31 Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan? Sie antworteten: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.
- 21.32 Denn Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr's saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, sodass ihr ihm dann auch geglaubt hättet.
Von den bösen Weingärtnern
- 21.33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes.
- 21.34 Als nun die Zeit der Früchte herbeikam, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, damit sie seine Früchte holten.
- 21.35 Da nahmen die Weingärtner seine Knechte: den einen schlugen sie, den zweiten töteten sie, den dritten steinigten sie.
- 21.36 Abermals sandte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; und sie taten mit ihnen dasselbe.
- 21.37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
- 21.38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie zueinander: Das ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen!
- 21.39 Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.
- 21.40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er mit diesen Weingärtnern tun?
- 21.41 Sie antworteten ihm: Er wird den Bösen ein böses Ende bereiten und seinen Weinberg andern Weingärtnern verpachten, die ihm die Früchte zur rechten Zeit geben.
- 21.42 Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«?
Die Ecke bzw. der Eckstein bedeutet das Unterste, welches dem Oberen wie der Grund dem Haus zur Stütze dient, und bedeutet so auch alles.[132]
- 21.43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.
- 21.44 Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen.1
- 21.45 Und als die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, erkannten sie, dass er von ihnen redete.
- 21.46 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn es hielt ihn für einen Propheten.
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Die königliche Hochzeit
- 22.1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach:
- 22.2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
- 22.3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen.
- 22.4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!
- 22.5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft.
- 22.6 Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie.
- 22.7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.
- 22.8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert.
- 22.9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.
- 22.10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.
- 22.11 Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an,
- 22.12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte.
- 22.13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein.
- 22.14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Der Gastgeber ist der Herr Selbst, die Speisen dieses Gastmahles bestehen in Seiner Lehre. Die Menschen in den Gassen und an den Zäunen sind jene, die Seine Lehre angenommen und auch befolgt haben und darum auch mit einem geistigen Hochzeitskleid angetan sind. Unter dem einen, der kein Hochzeitskleid anhatte, werden die Juden und Pharisäer verstanden, die zum Schein an Seiner Lehre auch teilnahmen, aber nicht ihrer Besserung wegen, sondern um Ihn nur auszuspionieren, um daraus einen Grund zu formulieren, Ihn als einen Verbrecher vor Gott und der menschlichen Obrigkeit darzustellen und dann Rache an Ihm zu nehmen. Der Herr aber durchschaute die scheinheilige Pharisäerschaft nur zu bald bis in ihre innerste schlechte Wurzel und ließ sie bei jeder Gelegenheit, wo sie sich zu Seine Mahlzeit einschleichen wollte, schnell ergreifen und in die äußerste Finsternis ihrer eigenen Herzensnacht hinauswerfen. Dieses Bild bezeichnet hauptsächlich die Zerstörung Jerusalems und die Verstoßung der Juden unter alle Völker der Erde. Diese Juden stellen demnach sämtlich jenen Menschen dar, der zur Mahlzeit des Herrn erschien und kein hochzeitliches Kleid anhatte. Der als Bild in die äußerste Finsternis hinaus gestoßen wurde, erheuchelte sich da und dort wohl auch den Schein eines Christen, um sich bei dieser Gelegenheit den Christen gefällig zu machen und von ihnen Materielles zu gewinnen.[133]
Kleider bezeichnen im Wort die Wahrheiten und die daraus bewirkte Einsicht. Das Hochzeitskleid ist das Göttlich-Wahre aus dem Wort. Wer nicht in den Wahrheiten ist, von dem heißt es, er sei nicht mit einem hochzeitlichen Kleid angetan. Unter dem Haus, in dem die Hochzeit stattfand, ist zunächst der Himmel zu verstehen, dann auch die Kirche, die aus der Verbindung des Herrn mit den Menschen durch sein Göttlich-Wahres entsteht. Deshalb heißt der Herr im Wort "Bräutigam" und "Mann" und der Himmel mit der Kirche "Braut" und "Weib".[134]
"Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt" wird von fast allen Konfessionen falsch verstanden, denn fast alle sind der Meinung oder des Glaubens, dass bloß die wenigen Auserwählten in den Himmel kommen würden, alle andern als die vielen Berufenen aber unfehlbar nach dem ebenso grundfalsch verstandenen jüngsten Gerichtstage direkt auf ewig in die Hölle verworfen würden. Um diese Aussage richtig zu verstehen, gab der Herr ein Gleichnis unter Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.470518.2-12 und Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.470521.1-7.[135]
"Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt" bezeichnet den Umstand, dass viele Menschen zwar das Gute und Wahre zum Gesetz machen, aber selbst nicht danach leben, oder dass viele Menschen Künstler lieben und bewundern, aber selbst auf keinen Fall Künstler werden wollen, da es ihnen zu viel Mühe macht. So ist es auch mit allem, was des Geistes ist. Allein sehen und hören (=berufen sein) ist zu wenig. Man muss die Gaben des Herrn (Sein Wort) nicht nur gelesen haben, sondern werktätig üben (=auserwählt sein). Erst dann werden sie dem Leser und Hörer den wahren lebendigen Nutzen bringen. Wer nicht tatkräftig sein Leben reinigt und seine Trägheit überwindet, der ist nur einer von den vielen Tausenden Berufenen, und keiner der wenigen Auserwählten.[136]
Die "Berufenen" sind Kinder der Welt, die, so sie der Berufung folgen, Kinder Gottes werden können. Die wenigen "Auserwählten" sind die Brüder des Herrn und sind weder der Seele und noch weniger dem Geist nach von dieser Erde, sondern von dorther, wo der Herr Selbst ist.[137]
Die Frage nach der Steuer (»Der Zinsgroschen«)
- 22.15 Da gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn in seinen Worten fangen könnten;
- 22.16 und sandten zu ihm ihre Jünger samt den Anhängern des Herodes. Die sprachen: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen.
- 22.17 Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht?
- 22.18 Als nun Jesus ihre Bosheit merkte, sprach er: Ihr Heuchler, was versucht ihr mich?
- 22.19 Zeigt mir die Steuermünze! Und sie reichten ihm einen Silbergroschen.
- 22.20 Und er sprach zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das?
- 22.21 Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
Der politisch-moralische Sinn besteht darin, dass man den rechtlichen Verpflichtungen dem Kaisers gegenüber entspricht, was sich mit der Gottessache genauso verhält. Darunter ist nicht nur die besondere innere Liebeverpflichtung gegen Gott gemeint, sondern auch die gegen alle Menschen, denen man eben das zu geben verpflichtet ist, was ihnen gebührt, wie dem Kaiser, was ihm gebührt.[138]
Im engeren Sinn: Man soll dem Geist geben, was rein des Geistes ist, und dem Leib, was des Leibes ist – aber nach der Ordnung, dass darüber dem Geist kein Nachteil werde. Vom Geist kommt das Wort Gottes, der Glaube, die Liebe, das feste Vertrauen auf den Herrn und dieses rein Geistige gehört dem Geist. Irdische Speise, Trank, Kleidung, Wohnung, Künste und Gewerbe - insoweit zum Ernährungserwerb brauchbar - gehören zum Leib und sind daher diesem zu verabreichen mit gerechten Maß und Ziel. So sind Gott und Kaiser nebeneinander gestellt, und jeder kann daraus überaus leicht ersehen, was er dem einen und was dem anderen zu geben schuldig ist.[139]
Im weiteren Sinn: Ein weltliches Oberhaupt ist von Gott aus irdisch bemächtigt und hat keine andere Macht, als die ihm von Gott verliehene, entweder süß oder bitter, nach dem Bedürfnis der Menschen, die entweder gut oder böse sind. Da ein weltliches Oberhaupt stets eine Zuchtrute in der Hand Gottes ist, ist ihm jeder Mensch das zu geben schuldig, was er ordentlicherweise seinem eigenen Leib schuldet (siehe oben). Was er aber seinem Geist (Gott) schuldet, das geht das Staatsoberhaupt nichts an. Wenn dieses darin über seine Grenze Forderungen an die Menschen stellt, so wird es darin auch sein unvermeidliches Gericht finden. In diesem Fall soll man die geforderte Gebühr entrichten um des Kaisers willen, um ihn nicht zu ärgern. Aber im Herzen soll man sich nicht daran kehren, sondern Gott im Geist und in der Wahrheit geben, was Sein ist. So wird dann Gott ein sicheres Mittel treffen, den Kaiser so zu richten, wie er es ob seiner missbrauchten Gewalt an der Menschheit verdient hat.[140]
- 22.22 Als sie das hörten, wunderten sie sich, ließen von ihm ab und gingen davon.
Die Frage nach der Auferstehung
- 22.23 An demselben Tage traten die Sadduzäer zu ihm, die lehren, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn
- 22.24 und sprachen: Meister, Mose hat gesagt (5.Mose 25,5-6): »Wenn einer stirbt und hat keine Kinder, so soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen erwecken.«
- 22.25 Nun waren bei uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb; und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder;
- 22.26 desgleichen der zweite und der dritte bis zum siebenten.
- 22.27 Zuletzt nach allen starb die Frau.
- 22.28 Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird sie sein von diesen sieben? Sie haben sie ja alle gehabt.
- 22.29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes.
- 22.30 Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie Engel im Himmel.
- 22.31 Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht (2.Mose 3,6):
- 22.32 »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.
- 22.33 Und als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.
Die Frage nach dem höchsten Gebot
- 22.34 Als aber die Pharisäer hörten, dass er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich.
- 22.35 Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte:
- 22.36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
- 22.37 Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.
- 22.38 Dies ist das höchste und größte Gebot.
- 22.39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18).
- 22.40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Die Frage nach dem Davidssohn
- 22.41 Als nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie Jesus:
- 22.42 Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie antworteten: Davids.
- 22.43 Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt (Psalm 110,1):
- 22.44 »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege«?
- 22.45 Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn?
- 22.46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, auch wagte niemand von dem Tage an, ihn hinfort zu fragen.
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer
- 23.1 Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern
- 23.2 und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer.
- 23.3 Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen's zwar, tun's aber nicht.
- 23.4 Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen.
- 23.5 Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß.
Die Oberkleider bezeichnet das Göttlich-Wahre des Wortes im Allgemeinen. Die langen Kleider, die Mäntel, die Oberkleider bezeichnen das Wahre im Allgemeinen, weil sie allgemeine (d.h. die übrigen bedeckende) Anzüge waren.[141]
- 23.6 Sie sitzen gern obenan bei Tisch und in den Synagogen
- 23.7 und haben's gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden.
- 23.8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.
- 23.9 Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.
- 23.10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus.
- 23.11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein.
- 23.12 Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.
- 23.13-14 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen.
- 23.15 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er's geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.
- 23.16 Weh euch, ihr verblendeten Führer, die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Gold des Tempels, der ist gebunden.
- 23.17 Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der das Gold heilig macht?
Unter den Blinden werden im Wort die verstanden, welche ohne Wahres sind, entweder weil es überhaupt in der Kirche fehlt und so aus Unwissenheit, oder weil sie es nicht verstehen.[142]
- 23.18 Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden.
- 23.19 Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heilig macht?
- 23.20 Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt.
Der Altar bezeichnet den Dienst des Herrn.[143]
- 23.21 Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt.
- 23.22 Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.
- 23.23 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
Gerecht handeln heißt nichts anderes, als dem Gesetz getreu handeln; während barmherzig sein soviel besagt, als jemandem das Gesetz erlassen. Wie also kann jemand barmherzig und gerecht sein? Die Antwort ist: Man sei gerecht gegen sich und barmherzig gegen den Bruder, so lebt man in der vollkommenen Ordnung Gottes und ist dadurch vollkommen gerecht, barmherzig und getreu (gläubig).[144]
- 23.24 Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!
- 23.25 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier!
- 23.26 Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein wird!
- 23.27 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!
- 23.28 So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.
- 23.29 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und die Gräber der Gerechten schmückt
- 23.30 und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten!
- 23.31 Damit bezeugt ihr von euch selbst, dass ihr Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben.
- 23.32 Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll!
- 23.33 Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?
- 23.34 Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern,
- 23.35 damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.
- 23.36 Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen.
Klage über Jerusalem
- 23.37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!
Durch die Flügel werden die Wachen bezeichnet.[145]
- 23.38 Siehe, »euer Haus soll euch wüst gelassen werden« Jer 22.5; Psalm 69.26.
- 23.39 Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Vierundzwanzigstes Kapitel
Dieses Kapitel handelt von der Vollendung des Zeitlaufs, vom Ende der heutigen Kirche. Der Herr beschreibt in diesem Kapitel den in der Ansehung der Liebe und des Glaubens sich nach und nach verschlimmernden Zustand der (christlichen) Kirche. Dies geschieht allerdings durch lauter Entsprechungen, weswegen das hier vom Herrn Vorausgesagte nicht verstanden werden kann, wenn man den, dem Einzelnen entsprechenden, geistigen Sinn nicht weiß.[146]
Das Ende des Tempels
- 24.1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.
- 24.2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Seit der Erfindung der falschen Lehre der Dreieinigkeit entsprang auf Erden ein ganzes Knäuel unheilvoller Ketzereien über Gott und die Person Jesu Christi; Antichristen erhoben ihr Haupt und zerteilten Gott in drei, den Herrn und Heiland in zwei Teile. Sie zerstörten damit den vom Herrn durch die Apostel errichteten Tempel so weit, dass kein Stein auf dem anderen blieb. Unter "Tempel" ist keineswegs nur der Tempel zu Jerusalem, sondern auch die Kirche zu verstehen, von deren Ablauf oder Ende das ganze Kapitel handelt. Dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird, bezeichnet das Ende dieser Kirche, wobei nichts Wahres mehr übrig bleiben soll. Als die Jünger mit dem Herrn über den Tempel sprachen, sagte Er die aufeinander folgenden Zustände dieser Kirche bis zu ihrem Ende voraus. Siehe auch Mk 13.1-5 Luk 21.5-8.[147]
Der Anfang der Wehen
- 24.3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?
Der Ölberg bezeichnet die göttliche Liebe.[148]
Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[149] Das Zeichen wird hier von der Zukunft gebraucht und bedeutet dann eine Offenbarung.[150]
Die Vollendung des Zeitlaufes (das Ende der Welt) ist die letzte Zeit der Kirche, das Jüngste Gericht.[151]
- 24.4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.
- 24.5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.
- 24.6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.
Kriege bezeichnen geistige Kriege, welche Bekämpfungen des Wahren sind und durch Vernünfteleien aus Falschem geführt werden.[152]
- 24.7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.
Der Hunger bezeichnet die Zerstörung des geistlichen Lebens durch das Böse.[153]
Erdbeben bezeichnen die Zustandsveränderungen in der Kirche, weil die Erde die Kirche bezeichnet.[154]
- 24.8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.
- 24.9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.
Dies sagt der Herr zu den Jüngern, unter denen aber alle verstanden werden, welche den Herrn verehren, und nach dem Wahren Seines Wortes leben. Diese wollen die Bösen in der Geisterwelt beständig töten, weil sie es aber dort dem Leib nach nicht können, so wollen sie es immer der Seele nach; und da sie dieses nicht können, so sind sie so sehr von Hass gegen sie entbrannt, dass sie nichts Angenehmeres empfinden, als ihnen Übles zu tun.[155]
- 24.10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.
- 24.11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.
Mit den falschen Propheten sind die falschen Lehren in der gegenwärtig letzten Zeit der Kirche gemeint.[156]
- 24.12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
- 24.13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.
- 24.14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.
Durch die Welt wird die Kirche bezeichnet.[157]
Die große Bedrängnis
- 24.15 Wenn ihr nun sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,27; 11,31) - wer das liest, der merke auf! -,
Das Gräuel, das Verwüstung anrichtet, bezieht sich auf die falschen Lehre der Dreieinigkeit. Vgl. auch Dan 9.27 [158]
- 24.16 alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist;
Berge und Hügel bezeichnen den Himmel und die Kirche, wo die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten sind, wo also der Herr ist.[159]
- 24.17 und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen;
- 24.18 und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen.
- 24.19 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden zu jener Zeit!
- 24.20 Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.
- 24.21 Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.
Die große Bedrängnis oder die große Trübsal bezeichnet die Gefährdung des Wahren durch das Falsche, die so weit geht, dass schließlich überhaupt kein Wahres mehr übrig bleibt, das nicht verfälscht und zerstört wäre.[160] Die große Bedrängnis bezieht sich auf die Folgen der falschen Lehre der Dreieinigkeit und bezeichnet die Vernichtung der Kirche, wie sie durch Falschheiten und Verfälschungen des göttlichen Wortes zustande kommt.[161] Die Quelle solcher Gräuel der Verwüstung ist der in der christlichen Welt allgemein angenommene Glaube und dessen Einfluss, Wirksamkeit und Zurechnung, gemäß den Überlieferungen, die Rechtfertigung durch Bürgschaft des Sohnes.[162]
- 24.22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.
In Vers 21 und 22 beschreibt der Herr das Ende der Kirche, wenn die (sogenannte) christliche Welt größtenteils aus solchen besteht, welche die göttliche Macht des Herrn auf sich übertragen haben, wie Götter verehrt werden wollen und verstorbene Menschen anrufen, so dass kaum einer unter ihnen sich an den Herrn wendet. Die Kirche, in der die Verbindung mit dem Herrn, welche in der Lehre von Einem Gott und der Buße des Lebens besteht, durch die Lehre von drei Göttern und die bloße Buße des Mundes beeinträchtigt wird, die ihre Seligkeit nicht in die Besserung des Lebens, sondern in gewisse Wörter setzt, die mit Andacht ausgesprochen werden, also nicht in die Buße, sondern in das Vertrauen, dass sie gerechtfertigt und geheiligt werden, wenn sie nur die Hände falten, aufwärts blicken und eine feierliche Formel herbeten, soll zu ihrem Ende gebracht und eine Neue Kirche gegründet werden, ansonsten niemand selig werden könnte. Wegen dieser Gefahr ist die Zeit vom Herrn verkürzt worden.[163]
- 24.23 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: Da!, so sollt ihr's nicht glauben.
Durch Christus wird der Herr nach dem Göttlich-Wahren des Wortes verstanden. Dass sie sagen "Siehe, hier ist Christus!" bedeutet: sie werden sagen, dies sei das Göttlich-Wahre des Wortes. Dies ist aber in Wirklichkeit das verfälschte Wahre und bezieht sich auf das zweite Tier der Offenbarung des Johannes. Daher heißt es auch im folgenden Vers, sie würden große Zeichen und Wunder tun und in den Irrtum führen, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten, wie in Off 13.14. Was der Herr bei Matthäus voraussagt, betraf die letzte Zeit oder den letzten Zustand der Kirche.[164]
- 24.24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten.
Die Beglaubigungen der Wahrheit einer Sache werden durch Zeichen bezeichnet.[165]
- 24.25 Siehe, ich habe es euch vorausgesagt.
- 24.26 Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht.
Hier wird durch die Wüste die verwüstete Kirche bezeichnet, in der alle Wahrheiten des Wortes verfälscht sind.[166]
- 24.27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein.
- 24.28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.
Hier bezeichnen Adler (Geier) die Kenntnisse des Falschen, wodurch sich ein verkehrter Verstand bildet.[167]
Das Kommen des Menschensohns
- 24.29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
Die Sonne, die verfinstert werden soll, bezeichnet den Herrn hinsichtlich der Liebe. Der Mond bezeichnet den Herrn hinsichtlich des Glaubens. Die Sterne bedeuten die Erkenntnisse des Guten und Wahren oder der Liebe und des Glaubens. Diese Kenntnisse des Guten und Wahren werden untergehen.[168] Die Sonne wird verfinstert werden, bedeutet, dass keine Liebe und Liebtätigkeit mehr sie werde; der Mond wird sein Licht nicht mehr geben, bedeutet, dass kein Verständnis und kein Glaube mehr sein werde. Die vom Himmel fallenden Sterne bedeuten, dass keine Erkenntnis des Guten und Wahren mehr sein werden.[169]
Dieser Spruch des Herrn bezieht sich auf das Konzil von Nicäa (325). Die apostolische Kirche war wie ein neuer Stern, der am gestirnten Himmel erschien; die Kirche nach den beiden Nicäischen Kirchenversammlungen hingegen war wie derselbe Stern, aber verblasst und schließlich verschwunden, wie dies auch bei den natürlichen Sternen vorkommt.[170]
- 24.30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Das Zeichen wird von der Zukunft gebraucht und bedeutet dann eine Offenbarung.[171] Das Zeichen des Menschensohns am Himmel bezeichnet die Erscheinung des Göttlich-Wahren. Die wehklagend werdenden Geschlechter der Erde bezeichnen alle Dinge des Wahren und Guten oder des Glaubens und der Liebe der Kirche. Durch wehklagen wird die Klage bezeichnet, dass sie tot seien; es wird kein Gutes und Wahres mehr geben. Die Ankunft des Herrn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit bedeutet die Gegenwart des Herrn im Wort und die (neue) Offenbarung, denn der Herr ist das Wort, das göttliche Wahre. Die Wolken bezeichnen den buchstäblichen Sinn des Wortes, die Herrlichkeiten den inneren (geistigen oder entsprechenden) Sinn des Wortes. Der Herr wird am Ende der Kirche, wenn keine Liebe und darum auch kein Glaube mehr vorhanden ist, den geistigen Sinn des Wortes, und so das göttliche Wahre, wie es an sich ist, erschließen und so die Geheimnisse des Himmels offenbaren. Dies ist das Zeichen, dass das jüngste Gericht bevorstehe.[172]
Mit dem Zeichen des Menschensohns ist nicht gemeint, man würde ein sogenanntes Kruzifix am Himmel erblicken.[173] Unter "Himmel" zu verstehen ist die gesamte Glaubenswahrheit aus dem Wort, welches die "Kirche" in ihrer Echtheit ist. Das "Zeichen des Menschensohnes" ist die aus dieser Kirche wieder neu erwachte Liebe mit allen ihren himmlischen Attributen, wie Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Demut, Ergebung, Gehorsam und Duldung aller Beschwerden des Kreuzes. Die "Geschlechter der Erde" sind die hinausgeschafften bösen Begierden und Leidenschaften. Da werden freilich die "weltsüchtigen Geschlechter der Erde" heulen, jammern und wehklagen, da all ihr Höllentrug, der in den zahllosen Kaufs- und Verkaufsartikeln besteht (Konsumwelt, Finanzwesen), außer allen Kurs kommen wird. Denn die des Zeichens des Herrn werden mit den Weltkrämern, Maklern und Wechslern nicht mehr viel zu tun haben. Diese werden ihre Augen nur dahin richten, wo sie des "Menschen Sohn auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen" sehen werden – damit ist das lebendige Wort im Herzen des Menschen oder die ewige Liebe des Herrn im Vollbestand gemeint und ist daher "von großer Macht und Herrlichkeit". Die "Wolken des Himmels" bezeichnen die unendliche Weisheit Selbst in diesem lebendigen Wort.[174]
- 24.31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.
Die Engel mit den hellen Posaunen bezeichnen den Himmel, aus dem das Göttlich-Wahre herniedersteigt.[175]
Mahnung zur Wachsamkeit
- 24.32 An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
Der Feigenbaum bezeichnet das natürliche Gute des Menschen.[176]
- 24.33 Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist.
- 24.34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.
- 24.35 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.
- 24.36 Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.
- 24.37 Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns.
- 24.38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging;
- 24.39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.
- 24.40 Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben.
- 23.41 Zwei Frauen werden mahlen mit der Mühle; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben.
Man kann nicht zwei Herren dienen, die untereinander Feinde sind. Daher diene man einem Herrn in der Liebe und Wahrheit. Wer so auf dem Feld seine Arbeit tut für den rechten Herrn, den wird der Herr auch erkennen und wird ihn aufnehmen. Wer aber dieselbe Arbeit tut auf dem Feld der Liebe und in der Mühle der Wahrheit, jedoch aus Eigennutz, der wird vom Herrn auch sicher nicht aufgenommen werden.[177] Der Herr gibt dazu ein ausführlicheres Gleichnis in Jakob Lorber, Himmelsgaben 2.430115.5-14
- 24.42 Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Wachen bedeutet im Wahren und im Leben nach ihm zu sein. Wach werden wird nicht anders erworben, als durch das Wahre, welches in seinem Licht und in seinem Tag ist, wenn der Mensch ein ihm gemäßes Leben führt.[178]
- 24.43 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen.
- 24.44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.
Dass der Mensch wachen, und die Stunde nicht wissen soll, zu welcher der Herr kommt, geschieht deswegen, damit der Mensch wie aus sich, also in Freiheit nach seiner Vernunft, denke und tue, und nicht die Furcht etwas dazu beitrage. Denn die Furcht hätte jeder, wenn er es wüsste. Was der Mensch aus sich in Freiheit tut, das bleibt in Ewigkeit, was er aber aus Furcht tut, das bleibt nicht.[179]
Vom treuen und vom bösen Knecht
- 24.45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe?
- 24.46 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht.
- 24.47 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.
- 24.48 Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht,
- 24.49 und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen, isst und trinkt mit den Betrunkenen:
- 24.50 dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt,
- 24.51 und er wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm sein Teil geben bei den Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Von den klugen und törichten Jungfrauen
- 25.1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.
Weil zehn alles und alle bedeutet, verglich der Herr das Himmelreich mit zehn Jungfrauen.[180]
- 25.2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.
Durch die zehn Jungfrauen werden alle in der Kirche bezeichnet, durch fünf ein Teil oder einige.[181]
- 25.3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.
Das Lampenöl bezeichnet das Feuer und mithin die Liebe und Liebtätigkeit.[182] Es bezeichnet auch die Liebe Gottes, welche auch eine wahre Salbung des noch schwachen Fleisches zur lebendigen Auferstehung ist.[183]
- 25.4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.
- 25.5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.
- 25.6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!
- 25.7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.
- 25.8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
- 25.9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.
- 25.10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.
Der Lampe nützt der alleinige Docht - ein williger Geist - nicht, wenn ihm das Öl der Liebe mangelt. Der Docht mit der Lampe wird einem gegeben, aber das Öl musst man sich selbst frühzeitig holen beim Herrn, ehe es zu spät werden möchte.[184]
- 25.11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!
- 25.12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
- 25.13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.
Wachen bedeutet im Wahren und im Leben nach ihm zu sein. Wach werden wird nicht anders erworben, als durch das Wahre, welches in seinem Licht und in seinem Tag ist, wenn der Mensch ein ihm gemäßes Leben führt.[185]
Von den anvertrauten Zentnern
- 25.14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;
- 25.15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
- 25.16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu.
Handeln bedeutet sich Kenntnisse erwerben und sie lehren.[186]
- 25.17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.
- 25.18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.
- 25.19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.
- 25.20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.
- 25.21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
- 25.22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen.
- 25.23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
- 25.24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;
- 25.25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.
- 25.26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?
- 25.27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.
- 25.28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat.
- 25.29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.
- 25.30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Vom Weltgericht
- 25.31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
Hier bedeutet der Thron das Gericht, und zwar das Jüngste Gericht.[187]
- 25.32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
- 25.33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
Dieses Geschehen bezeichnet das Jüngste Gericht über die dritte Kirche. Der Herr scheidet dabei diejenigen, welche im Wahren und zugleich im Guten sind, von denen, welche im Wahren, und nicht im Guten sind. Im geistigen Sinne des Wortes wird unter dem Rechten das Gute, und unter dem Linken das Wahre verstanden; das Nämliche unter den Schafen und Böcken. Aus denen, die sich im Wahren und nicht im Guten befinden, ging der frühere Himmel hervor, welcher verging. Aus denen, die sich im Wahren und zugleich im Guten befinden, wurde der neue Himmel gebildet.[188]
- 25.34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!
Die Welt bezeichnet hier die Kirche, durch die Gründung wird die Stiftung derselben bezeichnet.[189]
- 25.35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Die Hungrigen bezeichnen das Verlangen, das Wahre und Gute der Kirche zu wissen und zu verstehen.[190]
- 25.36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.
Durch die Blöße wird hier die Unwissenheit im Guten und Wahren bezeichnet.[191]
Unter der Gefangenschaft wird die geistige Gefangenschaft verstanden, dass man verführt wird, mithin vom Wahren und Guten abgeführt und ins Falsche und Böse eingeführt wird.[192]
- 25.37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
- 25.38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?
- 25.39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
- 25.40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
- 25.41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
Wer die Stelle "Weichet von Mir, ihr Verfluchten!" nur ein wenig kritisch betrachtet, erkennt allein schon aus der Wortfügung auf den ersten Blick, dass die Gottheit damit kein richterliches Verdammungsurteil über die sogenannten verstockten Todsünder für ewig ausspricht:
- Aus der Wortfügung allein geht schon hervor, dass die, an die das Gebot ergeht, schon verflucht sind und nicht von Gott für ewig zur Hölle verflucht werden. Die Gottheit tritt hier nicht als Richter, sonder als ein alles ordnender Hirte auf, welche den von Ihr aus eigener Willensmacht ganz abgetrennten Geistern streng einen anderen Weg anweisen muss, weil sie sonst, alles Verbandes mit der Liebe der Gottheit ledig, unmittelbar in die Arme der Allmacht geraten müssten, wo es dann wahrlich um sie geschehen sein müsste. (ewiger Tod)
- Würde die Gottheit jemanden verfluchen, wäre keine Liebe und Weisheit in Ihr, denn jeder Geist ist, wie alles andere, aus der Gottheit. Würde die Gottheit gegen Ihre Werke, die aus Ihr sind, zu Felde ziehen, da zöge sie ganz eigentlich gegen sich Selbst, um sich zu verderben, anstatt sich aufzurichten durch die stets wachsende Vollendung Ihrer Werke, Ihrer Kinder. Die betreffenden Wesen haben sich kraft ihres freien Willens nur selbst verflucht, oder gänzlich von aller Gottheit abgesondert. Da die Gottheit aber auch solchen verwirrten Wesen darum dennoch die Freiheit nicht nehmen will, kann Sie nichts anderes tun, als ihnen den Weg anzuzeigen, aus dem für sie die Rettung möglich ist und sie wieder in den Verband der Liebe und Weisheit Gottes treten können. Denn außerhalb dieses Verbandes ist keine absolute Freiheit und somit auch kein geistiges, ewiges Leben denkbar, da dort allein nur die Allmacht Gottes wirkt. Jedes aus dem Urleben abgelöste Leben muss in ihr zugrunde gehen und ewig erstarren, weil es für sich der endlosen Kraft unmöglich nur den leisesten Widerstand leisten kann.[193]
- 25.42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
- 25.43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.
- 25.44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?
- 25.45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
- 25.46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Der Plan der Hohenpriester und Ältesten
- 26.1 Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, dass er zu seinen Jüngern sprach:
- 26.2 Ihr wisst, dass in zwei Tagen Passa ist; und der Menschensohn wird überantwortet werden, dass er gekreuzigt werde.
- 26.3 Da versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohenpriesters, der hieß Kaiphas,
- 26.4 und hielten Rat, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten.
- 26.5 Sie sprachen aber: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr gebe im Volk.
Die Salbung in Betanien
- 26.6 Als nun Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen,
- 26.7 trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit kostbarem Salböl und goss es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß.
- 26.8 Als das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Vergeudung?
- 26.9 Es hätte teuer verkauft und das Geld den Armen gegeben werden können.
- 26.10 Als Jesus das merkte, sprach er zu ihnen: Was betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
- 26.11 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.
- 26.12 Dass sie das Öl auf meinen Leib gegossen hat, das hat sie für mein Begräbnis getan.
- 26.13 Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.
Der Verrat des Judas
- 26.14 Da ging einer von den Zwölfen, mit Namen Judas Iskariot, hin zu den Hohenpriestern
- 26.15 und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm dreißig Silberlinge.
- 26.16 Und von da an suchte er eine Gelegenheit, dass er ihn verriete.
Das Abendmahl
- 26.17 Aber am ersten Tage der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?
- 26.18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa feiern mit meinen Jüngern.
- 26.19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.
- 26.20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.
- 26.21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
- 26.22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich's?
- 26.23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.
- 26.24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.
- 26.25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.
- 26.26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.
- 26.27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;
- 26.28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
Durch das Blut wird das Göttlich-Wahre des Herrn oder des Wortes bezeichnet, weil hier das Blut das Blut des Bundes heißt, der Bund aber eine Verbindung ist, und diese vom Herrn durch Sein Göttlich-Wahres bewirkt wird. Durch das Blut des Neuen Bundes oder Testamentes wird nichts anderes als das Wort, welches Bund und Testament, das alte und neue heißt, mithin das Göttlich-Wahre in ihm bezeichnet. Weil das Blut diese Bedeutung hat, so gab der Herr ihnen auch Wein und sprach: "Dies ist Mein Blut"; denn der Wein bedeutet das Göttlich-Wahre.[194]
- 26.29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.
Beim Heiligen Abendmahl repräsentiert der Wein den Herrn in Ansehung des Göttlich-Wahren und das Brot den Herrn in Ansehung des Göttlich-Guten. Bei denen, die das Brot empfangen, bezeichnet es das heilige Gute, und der Wein das heilige Wahre vom Herrn.[195]
- 26.30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.
Der Ölberg bezeichnet die göttliche Liebe.[196]
Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus
- 26.31 Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.«
- 26.32 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.
- 26.33 Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernis nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir.
- 26.34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Drei bedeutet bis zum Ende, das Vollgefüllte.[197]
- 26.35 Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste, will ich dich nicht verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle Jünger.
Jesus in Gethsemane
- 26.36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.
- 26.37 Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen.
- 26.38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!
- 26.39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!
- 26.40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?
- 26.41 Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
Mit dem Fleisch ist nicht das Fleisch des Leibes zu verstehen, welches ein totes Fleisch ist – sondern das Fleisch des Geistes, was dessen Liebe ist. Diese ist das sehr schwache Fleisch, welches noch aller Versuchung ausgesetzt ist.[198] Daher bedeutet das wahre Wachen und Beten mit dem Herrn, der die Ewige Liebe Selbst ist, die Liebe zu stärken. Das bedeutet in der Liebe mit dem Herrn lieben und handeln, nicht nur willig sein, sondern liebetätig, d.h. tätig sein aus der Liebe des Herrn zu einem selbst und daraus dann aus der eigenen Liebe zum Herrn, wodurch das Fleisch stark wird und man die wahre Auferstehung des Fleisches erlebt.[199]
- 26.42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!
- 26.43 Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf.
- 26.44 Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte.
Drei bedeutet bis zum Ende, das Vollgefüllte.[200]
- 26.45 Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird.
- 26.46 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.
Jesu Gefangennahme
- 26.47 Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes.
- 26.48 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den ergreift.
- 26.49 Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi!, und küsste ihn.
- 26.50 Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, dazu bist du gekommen? Da traten sie heran und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn.
- 26.51 Und siehe, einer von denen, die bei Jesus waren, streckte die Hand aus und zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab.
- 26.52 Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.
- 26.53 Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?
- 26.54 Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?
- 26.55 Zu der Stunde sprach Jesus zu der Schar: Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. Habe ich doch täglich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen.
- 26.56 Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.
Jesus vor dem Hohen Rat
- 26.57 Die aber Jesus ergriffen hatten, führten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas, wo die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten.
- 26.58 Petrus aber folgte ihm von ferne bis zum Palast des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, um zu sehen, worauf es hinauswollte.
- 26.59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn töteten.
- 26.60 Und obwohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch nichts. Zuletzt traten zwei herzu
- 26.61 und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen.
Drei bedeutet bis zum Ende, das Vollgefüllte.[201]
- 26.62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen?
- 26.63 Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.
- 26.64 Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels.
- 26.65 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört.
- 26.66 Was ist euer Urteil? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig.
- 26.67 Da spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige aber schlugen ihn ins Angesicht
- 26.68 und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist's, der dich schlug?
Die Verleugnung des Petrus
- 26.69 Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa.
- 26.70 Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst.
- 26.71 Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth.
- 26.72 Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht.
- 26.73 Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.
- 26.74 Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn.
- 26.75 Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Jesus vor Pilatus. Das Ende des Judas
- 27.1 Am Morgen aber fassten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes den Beschluss über Jesus, ihn zu töten,
- 27.2 und sie banden ihn, führten ihn ab und überantworteten ihn dem Statthalter Pilatus.
- 27.3 Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück
- 27.4 und sprach: Ich habe Unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu!
- 27.5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging fort und erhängte sich.
- 27.6 Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld.
- 27.7 Sie beschlossen aber, den Töpferacker davon zu kaufen zum Begräbnis für Fremde.
- 27.8 Daher heißt dieser Acker Blutacker bis auf den heutigen Tag.
- 27.9 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: »Sie haben die dreißig Silberlinge genommen, den Preis für den Verkauften, der geschätzt wurde bei den Israeliten,
- 27.10 und sie haben das Geld für den Töpferacker gegeben, wie mir der Herr befohlen hat« (Jeremia 32,9; Sacharja 11,12-13).
- 27.11 Jesus aber stand vor dem Statthalter; und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Jesus aber sprach: Du sagst es.
- 27.12 Und als er von den Hohenpriestern und Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts.
- 27.13 Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen?
- 27.14 Und er antwortete ihm nicht auf ein einziges Wort, sodass sich der Statthalter sehr verwunderte.
Jesu Verurteilung und Verspottung
- 27.15 Zum Fest aber hatte der Statthalter die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten.
- 27.16 Sie hatten aber zu der Zeit einen berüchtigten Gefangenen, der hieß Jesus Barabbas.
- 27.17 Und als sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen soll ich euch losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?
- 27.18 Denn er wusste, dass sie ihn aus Neid überantwortet hatten.
- 27.19 Und als er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum um seinetwillen.
- 27.20 Aber die Hohenpriester und Ältesten überredeten das Volk, dass sie um Barabbas bitten, Jesus aber umbringen sollten.
- 27.21 Da fing der Statthalter an und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen von den beiden soll ich euch losgeben? Sie sprachen: Barabbas!
- 27.22 Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Lass ihn kreuzigen!
- 27.23 Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr: Lass ihn kreuzigen!
- 27.24 Als aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an seinem Blut; seht ihr zu!
- 27.25 Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!
- 27.26 Da gab er ihnen Barabbas los, aber Jesus ließ er geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.
- 27.27 Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn.
- 27.28 Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an
- 27.29 und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!,
- 27.30 und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt.
Jesu Kreuzigung und Tod
- 27.31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.
- 27.32 Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.
- 27.33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte,
- 27.34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er's schmeckte, wollte er nicht trinken.
Weil die jüdische Kirche alle Wahrheiten des Wortes verfälscht hatte, und der Herr durch alle Teile Seines Leidens sie vorstellte, indem Er zuließ, dass die Juden es Ihm ebenso machten, wie sie es dem Wort gemacht hatten, weil Er Selbst das Wort war, so gaben sie Ihm auch Essig mit Galle vermischt, den Er aber, nachdem Er ihn gekostet, nicht trinken wollte. Weil die jüdische Kirche diese Beschaffenheit hatte, so wird sie folgendermaßen beschrieben: "Sie sättigte mit Bitterkeiten Mich, und machte Mich mit Wermut trunken." Klag 3.15-19 Ps 69.22 Der Wermut, bzw. Essig mit Galle, bedeutet das höllische Falsche.[202]
- 27.35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.
- 27.36 Und sie saßen da und bewachten ihn.
- 27.37 Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König.
- 27.38 Und da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.
- 27.39 Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe
- 27.40 und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!
- 27.41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:
- 27.42 Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben.
- 27.43 Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.
- 27.44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.
- 27.45 Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
- 27.46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
In der Versuchung ist der Mensch scheinbar ganz auf sich allein gestellt, wobei aber Gott gerade dann aufs Unmittelbarste in seinem Innersten gegenwärtig ist und ihn unterstützt. Dass der Herr in Seinem Leiden am Kreuz, Seiner letzten Versuchung im Rahmen Seiner Verherrlichung, Sich Selbst überlassen war, zeigt dieser Ausruf am Kreuz.[203]
- 27.47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia.
- 27.48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.
- 27.49 Die andern aber sprachen: Halt, lass sehen, ob Elia komme und ihm helfe!
- 27.50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.
- 27.51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
- 27.52 Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf
- 27.53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.
- 27.54 Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!
- 27.55 Und es waren viele Frauen da, die von ferne zusahen; die waren Jesus aus Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient;
- 27.56 unter ihnen war Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.
Jesu Grablegung
- 27.57 Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu.
- 27.58 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.
- 27.59 Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch
- 27.60 und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.
- 27.61 Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Die Bewachung des Grabes
- 27.62 Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus
- 27.63 und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen.
- 27.64 Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste.
- 27.65 Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt.
- 27.66 Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.
Achtundzwanzigstes Kapitel
Jesu Auferstehung
- 28.1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
- 28.2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
- 28.3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
Weil die Engel das Göttlich-Wahre bezeichnen, erschienen die Engel, welche am Grab des Herrn gesehen wurden, in weißen und glänzenden Kleidern.[204]
- 28.4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.
- 28.5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
- 28.6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;
- 28.7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
- 28.8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.
- 28.9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
- 28.10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.
Die heilige Furcht, welche zuweilen mit heiligem Beben im Innern des Gemüts verbunden ist, kommt auch oft mit einem gewissen Schaudern, wenn das Leben vom Herrn die Stelle des eigenen Lebens einnimmt, wenn der Mensch sieht, dass er nichts ist, sondern bloß der Herr. In dieser heiligen Furcht waren auch Johannes Off 1.17, Petrus, Jakobus und Johannes Matth 17.6-7, Daniel Dan 10.5-12 und Simon Luk 5.8-10. Das "Fürchte dich nicht" wird in diesem Zusammenhang auch an anderen Stellen in der Bibel gesagt.[205]
- 28.11 Als sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.
- 28.12 Und sie kamen mit den Ältesten zusammen, hielten Rat und gaben den Soldaten viel Geld
- 28.13 und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen.
- 28.14 Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr sicher seid.
- 28.15 Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und so ist dies zum Gerede geworden bei den Juden bis auf den heutigen Tag.
siehe Jesu Auferstehung
Der Missionsbefehl
- 28.16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.
- 28.17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.
- 28.18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
- 28.19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
- 28.20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Siehe auch
Quellenverweise
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- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 277
- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 400
- ↑ Emanuel Swedenborg, Die wahre christliche Religion 144
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- ↑ Jakob Lorber, Himmelsgaben 3.420220.10
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- ↑ Emanuel Swedenborg, Enthüllte Offenbarung 405
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